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Russische Rhetorik zum 30. Bischofsjubiläum: Karl Kardinal Lehmann (Bild: MBN)

Nach Auffassung des Mainzer Bischofs dürfen Lesben und Schwule nur dann verantwortlich in Einrichtungen der katholischen Kirche tätig sein, "wenn sie mit ihrer Homosexualität nicht öffentlich Propaganda machen".

Von Micha Schulze

In der Zusammenfassung der "Allgemeinen Zeitung" liest sich die Nachricht zunächst als Fortschritt, so als ob Lesben und Schwule plötzlich als Mitarbeiter in katholischen Einrichtungen willkommen seien. Das kirchliche Arbeitsrecht habe sich deutlich gewandelt, zitiert die Mainzer Tageszeitung Kardinal Karl Lehman in einem am Samstag veröffentlichten Interview anlässlich seines 30. Bischofsjubiläums. Nach Auffassung des 77-Jährigen muss es möglich sein, dass Lesben und Schwule verantwortlich in Einrichtungen der katholischen Kirche tätig sind – allerdings nur unter einer Voraussetzung: "Wenn sie mit ihrer Homosexualität nicht öffentlich Propaganda machen", so der Kardinal.

Ist ein Coming-out schon "Propaganda"?

Ein Fortschritt? Wohl kaum. Die Aussage Lehmanns gibt nichts anderes als den Status quo wider. Versteckt lebende Schwule und Lesben bleiben schon jetzt in kirchlichen Einrichtungen weitgehend unbehelligt. Wagen sie es jedoch, sich etwa zu verpartnern, wird selbst die Putzfrau in einem Krankenhaus oder eine Erzieherin in einem Kindergarten entlassen. Wirklich subversive "Propaganda"-Fälle, dass etwa Priester in Chaps mit Regenbogenfahnen den Kölner Dom besetzen, sind dagegen bislang überhaupt nie vorgekommen – und wohl auch in Zukunft nicht zu erwarten. Nach dem Gesetz ist die Diskriminierung lesbisch-schwuler Mitarbeiter legal: Die großen Religionsgemeinschaften sind von den Bestimmungen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) ausgenommen.

Lehrmanns große Angst vor sichtbaren Lesben und Schwulen


Der Mainzer Bischof findet homosexuelle Lebensformen "nicht genügend erprobt" (Bild: MBN)

Bereits im vergangenen Monat hatte sich Lehmann mit einer absurden Äußerung über angebliche Homo-"Propaganda" echauffiert (queer.de berichtete). Er wisse zwar, dass es schwule Priester gebe, so der 77-Jährige in einem Interview mit dem Magazin "Mainz". Nur: "Was mich stört, ist diese propagandistische, lobbyhafte Art pro Homosexualität, weil es jungen Leuten Lebensformen verspricht, die dann doch nicht genügend erprobt sind."

Trotz seiner russischen Rhetorik gibt sich Kardinal Lehmann immer wieder "tolerant". In dem Gespräch mit dem Magazin "Mainz" meinte der Bischof auch, niemand wisse so richtig, wie und warum es Homosexualität gebe. "Wenn ich das aber heute nicht weiß, dann muss ich auch ganz zurückhaltend sein im Urteilen. Ich muss dann einfach eine gewisse Toleranz walten lassen, dass Menschen so sind."

Bereits im Jahr 2009 hatte Lehmann gemeint, Homosexualität sei "nichts Negatives". Der Bundesverdienstkreuzträger, der sich in seinen 30 Jahren als Bischof vergleichsweise selten zu LGBT-Themen geäußert hatte, sagte aber schon damals, dass diese "nicht auf der Straße für die Homosexualität werben" sollten.

Karl Lehmann, 1936 in Sigmaringen geboren, ist seit 1983 Bischof von Mainz. Von 1987 bis 2008 war er Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Im Jahr 2001 wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Kardinal ernannt.



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 06.10.2013, 14:59h
  • Solche Aussagen bestärken nur die Abschaffung der kirchlichen Extrawürste im AGG!
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#2 AliCologneProfil
  • 06.10.2013, 15:00hKöln
  • Und diese Kirchenpropaganda für ihren imaginären Freund nervt mich langsam auch überall.

    Die Kirche ist nur noch ein gesetzlich geschützter Haufen der gegen alle menschen hetzen darf, der nicht ihrer Meinung ist.

    Wir brauchen endlich die Abschaffung des Blasphemie-Gesetzes und vollkommene Trennung von Staat und Kirche!
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#3 Martin28a
#4 VolumeProProfil
  • 06.10.2013, 15:16hMönchengladbach
  • Antwort auf #3 von Martin28a
  • Das glaube ich eher weniger.

    Das Land NRW, das seit Jahren von Rot-Grün regiert wird, zahlt jedes Jahr insgesamt 30 Millionen Euro an die drei Kirchen (Kath, Evgl. und Altkath.) sowie die jüdischen Kultusgemeinden.
    Während ich die Zahlungen an die jüdischen Gemeinden aufgrund der historischen Fakten nachvollziehen kann und diese auch begrüße, fällt es mir schwer einzusehen, warum an die reichen Kirchen Gelder aus allgemeinen Steuermitteln gezahlt werden.
    Das Geld könnte man sich sparen und in Infrastruktur, Kindergärten oder die klammen Kommunen stecken. Dort wäre das Geld auf jeden Fall besser aufgehoben.
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#5 anomeProfil
#6 hypathiaProfil
  • 06.10.2013, 15:20hBaden
  • Was mich immer so nervt sind Aussagen wie "Werbung oder Propaganda für Homosexualität". Das klingt gerade so, als ob wir mit Plakaten rumrennen würden, wo draufsteht: "Werd' schwul, dann bist du cool" oder sowas ähnliches.
    Es geht doch nur darum, dass sich keine/r mehr verstecken muss und genau so leben, lieben und heiraten können darf, wie sie/er möchte.
    Dass das so schwer zu verstehen ist für diese verdummbibelten Kittelträger!
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#7 AliCologneProfil
  • 06.10.2013, 15:20hKöln
  • Es ist das letzte das mich eine Organisation die gesetzlich geschützt ist, immer wieder als Untermensch bezeichnen darf und dann sogar mit einem Blasphemie Gesetz staatlich geschützt ist.

    Übrigens: Wie viele Pfarrer die sich an Kindern vergangen haben sitzen eigentlich im Knast? Keiner? Komisch oder..
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#8 Martin28a
  • 06.10.2013, 15:27h
  • Antwort auf #4 von VolumePro

  • Land ist nicht Bund
    Kirchenkonkordate ksnn man nur auf Bundesebene kippen
    Das sind völkerrechtliche Verträge
    Indes kann man das AGG Gesetz auf Bundesebene ändern
    Der Bundesrat ist ja auch inzwischen Rot Rot Grün
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#9 Martin28a
#10 Aus Bad HomburgAnonym
  • 06.10.2013, 15:39h
  • Alles hängt nur davon ab, wie man das Wort "Propaganda" versteht: für Leute wie Putin ist das nur ein Euphemismus, unter dem sich die Verbannung von Schwulen und Lesben aus dem öffentlichen (ja vielleicht sogar aus dem ganzen) Leben verbirgt, während S.E. Kardinal Lehmann unter dem Begriff ausschließlich nur das Preisgeben von intimen Details aus dem persönlichen Leben versteht. Franziskus aus Rom und Tawadros II. aus Alexandrien sind doch bei weitem auch nicht dasselbe, nur weil sie beide sich "Papst" nennen.
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