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Marc Rollinger umgibt sich mit jungen hübschen Männern, residiert in den schönsten Hotels der Welt und genießt die Freuden des Lebens (Bild: RFF Real Fiction Filmverleih)

Ab Donnerstag im Kino: Die Doku "Naked Opera" begleitet einen todkranken schwulen Mozart-Fan bei seinen luxuriösen Sex-Reisen.

Von Peter Fuchs

Oper und Sex? Passt eigentlich geil zusammen, weil Don Giovanni seinen kolportierten 1.003 Liebschaften sicher nicht nur Arien vorsang. Der leicht bizarre Dokumentarfilm "Naked Opera" verbindet beide Welten auch in besonderen Szenen. In der einen spaziert Pornostar Jordan Fox lächelnd mit nacktem Oberkörper durch den plüschroten Zuschauerraum der Komischen Oper in Berlin. In einer anderen springt der junge Mann mit dem "Podolski"-Charme auf die Bühne des KitKatClub: Er erhält den HustlaBall-Award in der Kategorie "Best Top" für seine schauspielerischen Leistungen beim Vollerotik-Filmverleih "Young Bastards". In "Naked Opera" spielt Jordan Fox aber nur eine Nebenrolle. Leider, muss man fast sagen.

Im Mittelpunkt des Films steht Marc Rollinger. Der Luxemburger ist Ende Dreißig, dabei schon etwas gesichtsälter und vermutlich vermögend. Er leidet an einer lebensbedrohlichen Autoimmunkrankheit und pflegt ein ausgefallenes Hobby. Einmal im Monat bereist er die Städte Europas, in deren Opernhäusern "Don Giovanni" auf dem Spielplan steht. So beobachtet ihn der Film in Venedig, Wien und Berlin auf der Suche nach der perfekten Inszenierung der Mozart-Oper. Dazu leistet er sich Escorts, die ihn erst beim Opernbesuch begleiten und anschließend in den besten Hotels vor Ort das Kopfkissen mit ihm teilen.

"Ich finde, der Protagonist ist ein aufgeblasenes Arschloch"


Filmposter: Bundesweiter Kinostart von "Naked Opera" ist am 10. Oktober 2013

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Sympathisch wirkt Marc Rollinger nicht. Er gibt sich reich, ist aber nicht großzügig, er beschäftigt das Servicepersonal um ihn herum, einfach weil er es kann, und behandelt seine Umgebung herablassend. Marc Rollinger lässt den Dandy raushängen, was man aber nicht so recht glauben mag. Luxushotels, Champagner und Callboys erzählen zwar von einem ausschweifenden Leben, aber die Hotels wechselt er schon mal nach nur einer Nacht, um das Bonusprogramm der Hotelkette voll auszuschöpfen. Beim Schaumwein erschöpft sich der Connaisseur in Allgemeinplätzen und die Escorts müssen in Rollingers Anwesenheit Ansichtskarten unterschreiben, die er dann an sich selber schickt, um sie bei der Rückkehr im Postkasten vorzufinden. Das aus dem Vollen schöpfen zeigt sich also eher traurig als exzessiv.

Zum Glück sagt Marc Rollinger über sich: "Ich finde, der Protagonist ist ein aufgeblasenes Arschloch." Bezeichnend für diesen Dokumentarfilm, der die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion, zwischen Realität und Inszenierung verwischt, spricht er dabei von sich in der dritten Person. Strukturiert Regisseurin Angela Christlieb zu Beginn den Film noch nach dem Libretto der Oper von Mozart, geht die Handlung zunehmend einen eigenen Weg. Es kommt zum Rollentausch: Der Protagonist benimmt sich wie ein Regisseur und sagt, was zu tun ist, die Regisseurin kommt plötzlich als handelnde Person ins Bild. Das Publikum kann nicht mehr zwischen authentischer Aussage und arrangiertem Statement unterscheiden. Das ist reizvoll, gerade wenn die Geschehnisse Fahrt aufnehmen und sich Marc Rollinger in den Pornostar verliebt zu haben scheint und das Ablichten einer Begegnung verweigert.

Marc Rollinger versucht im Laufe des Films, liebenswürdiger zu werden, denn seine Bemerkungen werden weniger zynisch und zunehmend ehrlicher. Erfolgreich Sympathiepunkte sammelt er aber bis zum Schluss nicht. Dafür liefert Jordan Fox in seinen kleinen Szenen eine sehenswerte Performance. Eher bekannt aus kinky Pornos der härteren Gangart und von Fans für seine Fähigkeit zur Erniedrigung und Demütigung geliebt, ist er in "Naked Opera" nicht nur optischer Aufputz mit viel nackter Haut und zuständig für die verruchte Komponente. Nein, er scheint auch Marc Rollingers Wunsch nach Liebe und Zärtlichkeit zu erfüllen. Wie jeder wirklich gute Pornostar ist Jordan Fox ein guter Schauspieler. Fragt sich nur, wann er spielt und wann nicht.

Youtube | Offizieller Trailer zum Film
Infos zum Film

Naked Opera. Dokumentarfilm. Deutschland/Luxemburg 2013. Regie: Angela Christlieb. Darsteller: Marc Rollinger, Jordan Fox, Nilton Martins, Miikka Heinonen, Maurice Humbert, Jocelyne & Michel Soutiran, Christian Alfred Kahrer, Franz Mifkovic, Jan-Holger Mauss, Marc Clement, Mike Koster, Samuel Reinard, Ingmar Srkinjar. Laufzeit: 85 Minuten. Sprache: Deutsch. Kinostart: 10. Oktober 2013
Galerie:
Naked Opera
10 Bilder


#1 MichaelTh
  • 09.10.2013, 11:41h
  • 2065 Frauen hatte Don Giovanni laut Libretto. 1003 waren es alleine in Spanien :-)
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#2 LangsamLangsamEhemaliges Profil
#3 PeterFuchsAnonym
#4 DetlefAnonym
#5 SmileyEhemaliges Profil
#6 BiAthletAnonym
#7 SacksophonAnonym
  • 09.10.2013, 19:46h
  • Antwort auf #6 von BiAthlet
  • Den angesprochenen Escort, den wir als Darsteller unter dem Namen Jordan Fox kennen, kannst du über verschiedene Online-Plattformen buchen.
    Unter anderen auch über die blauen Seiten.

    Ich schaue mir den Film natürlich auch an. Irgendwie war es an der Zeit, daß Jordan Fox auch mal außerhalb des Pornos auftaucht.
    Ist schon ein knuffiges Kerlchen mit französischem Akzent. ^^
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#8 BiAthletAnonym
#9 SacksophonAnonym
#10 Im KinoAnonym
  • 10.10.2013, 11:58h
  • sind Schwule, wenn sie überhaupt mal vorkommen dürfen, in aller Regel "todkrank", "todunglücklich" oder das wandelnde (einzig zur Abgrenzung und Stigmatisierung dienende) Klischee.

    Kein Wunder, dass nicht zuletzt die gezielte Unsichtbarmachung glücklicher, selbstbewusster und v. a. auch jüngerer schwuler Identifikationsfiguren in den Mainstream-Medien (Beispiel "öffentlich-rechtliches" Gebührenfernsehen ARD/ZDF mit "Bildungsauftrag" : Anteil im Hauptabendprogramm gerundet 0%) homosexuell empfindende Jugendliche regelmäßig in den Suizid treibt.

    Da auch in dieser Hinsicht gezieltes Totschweigen vorherrscht, alles "kein Thema".

    www.augsburger-allgemeine.de/panorama/Forscher-Selbstmord-be
    i-Jugendlichen-wird-unterschaetzt-id20671691.html


    www.gayboy.at/news/17752
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