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Appell gegen geschlechtsnormierende Operationen

"Mein intersexuelles Kind"


Ausschnitt aus dem Cover: Eine Berliner Ausstellungsmacherin, Kuratorin und Autorin von Reisebüchern beschreibt in "Mein intersexuelles Kind" ihre eigenen Erlebnisse

Clara Morgen veröffentlichte im Transit Verlag ein beeindruckendes Plädoyer gegen ein Denken in nur zwei Geschlechtern – gefördert von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Von Bodo Niendel

Intersexuell, was ist das? Ja, genau diese Frage stellen sich Eltern, wenn sie direkt nach der Geburt oder nach dem Besuch eines Kindesarztes damit konfrontiert werden, dass ihr Kind weder männlich noch weiblich sei. Das Kind weist in einem biologischen Sinne beide Geschlechtsmerkmale auf. Clara Morgen schockierte dies – genauso wie viele andere Eltern, die damit konfrontiert werden. Ein Kind jenseits unserer Vorstellungen der Geschlechter.

Morgen, ein Pseudonym, bekam ihr Kind 1984. Bücher, Filme und erst recht das Internet konnten ihr keine Informationen bieten. Die Ärzte präsentierten ihr nach gängiger Lehrmeinung eine Lösung. Sie rieten zur Operation, um ein weibliches Geschlecht herzustellen, denn dies sei auch im Interesse des Kindes. Die Mutter willigte ein, um "klare Verhältnisse" zu schaffen. "Dass ich mit dieser Einstellung damals genau die gesellschaftlichen Erwartungen nach Eindeutigkeit im Geschlecht erfüllte, das ist mir erst viel später, nach und nach klar geworden", schreibt sie im Buch. Und man muss hinzufügen, es tut ihr leid. Denn ihrem Kind wurde ein Teil der Geschlechtsorgane irreversibel entnommen und damit auch ein Teil der Sexualität für immer geraubt. Später konfrontierte ihr nun erwachsenes Kind sie mit dem Vorwurf der Kastration. Doch Clara Morgen handelte halt so, wie es ihre die Ärzte rieten. Wie sollte sie es damals besser gewusst haben?

Ein Leben zwischen den Geschlechtern ist möglich


Eine sehr persönliche Erzählung, ergänzt durch Interviews mit anderen Eltern, Ärztinnen und Ärzten, intersexuellen Menschen und Interessengruppen.

Das Buch "Mein intersexuelles Kind" ist ein Plädoyer gegen ein Denken in nur zwei Geschlechtern und für die Vielfalt der Geschlechter. Abgerundet wird der Bericht durch kurze prägnante Interviews mit Betroffenen und Experten. Clara Morgen möchte aufrütteln und Intersexuellen und ihren Angehörigen Mut machen, dass auch ein Leben zwischen den Geschlechtern möglich ist.

Dieses Buch erscheint zum richtigen Zeitpunkt und tut Not. Denn die Lehrmeinung, dass es für das Kind besser sei, wenn frühkindlich ein Geschlecht operativ hergestellt wird, ist noch nicht völlig ad acta gelegt. Es gibt weiterhin Ärzte, die diese Operationen durchführen. Betroffene und Experten sind sich heute überwiegend einig: Die geschlechtsnormierenden Operationen im Kindesalter müssen unterbunden werden, das Personenstandsgesetz muss geändert, die Selbsthilfe gefördert werden, und in Kitas und Schulen soll die Akzeptanz der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt vermittelt werden. Clara Morgen bringt es auf den Punkt: "Alles, was das starre Männlich/Weiblich-Schema in den Köpfen der Bevölkerung aufweicht und in Frage stellt, ist wichtig und nötig." Dies würde nicht nur Intersexuellen helfen.

Löblicherweise förderte die Antidiskriminierungsstelle des Bundes diese wichtige Veröffentlichung.

Unser Autor Bodo Niendel ist Referent für Gleichstellungs- und queerpolitik der Bundestagsfraktion Die Linke.

Infos zum Buch

Clara Morgen: Mein intersexuelles Kind. weiblich. männlich. fließend. 126 Seiten. Hardcover. Transit Verlag. Berlin 2013. 14,80 €. SBN 978-3-88747-292-4


#1 Harry1972Profil
  • 16.10.2013, 14:25hBad Oeynhausen
  • Die gute Frau sollte sich bei Gelegenheit mal ein Sachbuch über Hautkrebs durchlesen.
    Das Kind auf dem Buchcover ist ja völlig verbrannt!
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#2 TheDad
  • 16.10.2013, 14:49h
  • Interessanter Artikel..
    Und sicher auch ein interessantes Buch mit einigen "Innenansichten" Betroffener die dazu geeignet sein dürften die festgefahreren Meinungen vieler vielleicht ein bisschen zu bewegen..
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#3 anomeProfil
  • 16.10.2013, 14:56hKassel
  • Die LGBTI-Szene sollte unbedingt daran arbeiten, das Thema Intersexualität mehr in den Vordergrund zu rücken. Viele Menschen wissen überhaupt nicht, dass es so etwas gibt.
    Nur wenn Menschen darüber aufgeklärt werden, kann sich die Situation der Intersexuellen in Deutschland verbessern.
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#6 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 16.10.2013, 15:53h
  • Eine intersexuelle Person soll selbst entscheiden, welches Geschlecht er/sie annehmen will! Daß man solche Menschen schon kurz nach der Geburt ein Geschlecht "anoperiert", davon halte ich gar nichts!
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#7 antos
#8 SmileyEhemaliges Profil
  • 16.10.2013, 18:34h
  • Der Phänotyp "Mensch" besteht nicht nur aus zwei Versionen, genauso wie der Genotyp viele mögliche Varianten hat.

    Die Seuche alles in exakt zwei Schubladen quetschen zu müssen ist ein gefährliches Überbleibsel aus dem Dampfmaschinenzeitalter. Plus die dem Medizinbetrieb wesenshaft innewohnende Tendenz alle von einer angenommenen "Norm" abweichende Anatomie als pathologisch und damit behandlungsbedürftig herbeizudefinieren. Immer nach dem Motto wenn's nicht bei drei auf dem Baum ist, ist's wohl ein Symptom. Um nicht erst von der freakshowmäßigen Glotzlust anzufangen die den sogenannten "medizinischen Dokumentationen" vergangener Tage ihr Fundament verleiht.

    Immerhin findet das Thema heute auch im deutschen Ethikrat statt und wird langsam politisch ernstgenommen.

    Die Sexualität eines Menschen sollte niemals ohne dessen informierte und aufgeklärte Zustimmung für medizinische Bastelarbeiten zur Verfügung stehen.
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#9 Real LifeAnonym
  • 17.10.2013, 08:24h
  • Antwort auf #6 von FoXXXyness
  • Ebenso sollte eine intersexuelle Person (und nicht nur diese) auch entscheiden dürfen, intersexuell bleiben zu wollen anstatt sich überhaupt "entscheiden, welches Geschlecht er/sie annehmen will" zu müssen.

    Die Welt ist nun mal nicht so, wie wir sie definieren. Und wenn wir darauf beharren, dass die Realität sich unseren Vorstellungen von ihr anzupassen hat, geht das eigentlich immer schief. Wir sollten endlich lernen, dass die Anerkennung der Realität als Maßstab unserer Vorstellungen uns nicht umbringen wird.
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#10 ollinaieProfil