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"Mein schwules Auge"

Mit dem Blowjob zum Homo-Glück


Gllückliche Schwule am Strand: Robert C. Rores Zeichnung ist eine vergleichsweise züchtige Illustration aus dem Jubiläumsband

Von der Bild- und Textanthologie "Mein schwules Auge" ist die zehnte Ausgabe erschienen – mit dem übergeordneten Motto "Glück".

Von Angelo Algieri

Nachdem die Bild- und Textanthologie "Mein schwules Auge" im vergangenen Jahr kein vorgegebenes Thema hatte (queer.de rezensierte), gibt es im diesjährigen zehnten Band endlich wieder ein Motto, und zwar: Glück. Wie die beiden Herausgeber Rinaldo Hopf und Axel Schock im Vorwort hinweisen, ist das Glück schwamming, flüchtig und oft ein frommer Wunsch. Doch was bedeutet denn Glück für uns Schwule wirklich? Eine Spurensuche vor allem anhand der Texte.

Nicht gänzlich unerwartet, beschreiben einige Erzählungen, dass das Glück mit der Gelegenheit einhergeht, mit einem überaus attraktiven Mann Sex zu haben. In "Der mutmaßlich geilste Moment meines Lebens" von Björn Björnsen schildert etwa der Ich-Erzähler, wie glücklich er ist, einem geilen Typen einen zu blasen. Spannend erzählt mit Reflexionen, ob er auch gut genug seinen Blowjob macht. Auch Sam Balduccis Protagonist in "Radfahrer sind …" hat lustvolles Glück mit einem radelnden Mann, den er versehentlich mit seinem Auto anfährt. Eine unglaubwürdige Story, doch wer auf Porno-"Handlungen" steht, ist mit dieser Geschichte mit Sicherheit zufrieden.

In anderen Texten wird das Glück beschrieben, den richtigen Partner gefunden zu haben. So etwa im Text "Safer Sex mit Gummipuppen" von Lava Queer. Als sich der Ich-Erzähler absichtlich durch einen ungeschützten Fick mit HIV infizieren wollte, war der Sexpartner im Nachhinein schockiert. Doch diese Begegnung war der Beginn einer wirklich tiefen Beziehung. Auch weil die beiden Männer das Gummi-"Problem" durch Gummipuppen gelöst haben. Eine ergreifende Story, die zudem zum Lachen und zu neuen Sex-Ideen einlädt.

Texte zwischen Literatur, Kitsch und Pornographie


"Mein schwules Auge 10" ist im Oktober im Konkursbuch Verlag erschienen

Seinen Partner findet auch der Protagonist in "Der Ritter – eine fast wahre Liebeserklärung" von Sarahprinzessin Sarah die 13. (das ist tatsächlich ihr Künstlername): Nach einer scheinbar verkorksten Silvesternacht bei Freunden erscheint plötzlich ein gutaussehender Gast – und es war Liebe auf dem ersten Blick. Die beiden haben wilden Sex und sind seitdem ein Paar. Ein unglaublich kitschig-pornografischer Text. Wer noch eine weitere, aber langweiligere Einhand-Erzählung möchte, dem sei "Gameboy" von Chris P. Rolls empfohlen – eine Story voller Klischees und aufgesetzter Liebesgefühle. Wer Sätze mag wie "Glück ist vergänglich und Erinnerungen unwiderbringlich", dem rate ich zur Lektüre von "Mir die Welt" von Dennis Stephan. Und wer noch immer nicht genug hat und schon in Weihnachtsstimmung ist, kann sich die Erzählung "Im Schnee" von Holger Heckmann reinziehen. Man muss diesem Text jedoch zu Gute halten, dass er immerhin auf explizite Sexszenen verzichtet.

Kommen wir nun zu den Texten, weswegen diese Anthologie ein wirklicher Glücksfall ist: Als erstes sei jedem der Textauszug aus Fünfzig. Ein Tagebuch von Michael Sollorz ans Herz gelegt. Kurze Tagebucheinträge bzw. Episoden aus Sollorz' 50. Lebensjahr. Es kommen reale Persönlichkeiten vor, wie der noch lebende Mario Wirz mit seinem Freund André, der Herausgeber Axel Schock oder Hans Stempel. Die Sprache lakonisch, distanziert, aber auch melancholisch. Eine Komposition, die fasziniert. Man möchte sofort zu dem kompletten Roman greifen, der im Herbst bei Männerschwarm erschienen ist.

Tim Bierbaum macht Lust auf Lyrik

Ein weiterer Text, der zum Nachdenken anregt und sich mit dem Motto des Bandes auseinandersetzt, ist das prosaische Gedicht "Happiness Research" von Tim Bierbaum. Das lyrische Ich sinniert über das Glück im Unglück. Es kämpft gegen ein schwerwiegendes Trauma; es ist tief zerrissen. Lohnt es sich zu leben und glücklich zu sein? Der Schluss, ein (versuchtes) Trotzdem: "Ich atme / Ist das kein Glück?". Zugegeben, anfangs holpert das Gedicht ganz schön, doch alsbald wird man meisterhaft rhythmisch eingesogen. Bleibt die Frage: Wann wird es endlich ein Buch des talentierten Autors Bierbaum geben?

Devin Sumarno, der bereits in der Anthologie "Kräuter-Code" (queer.de rezensierte) mit "Noahs Körper" für Furore sorgte, ist in diesem Band mit "Als er ging" vertreten. Die Story erzählt von einer Dreier-SM-Beziehung, bei der man am Ende nicht weiß, wer Sado und wer Maso ist. Ein prägnanter, verspielter Text um Dominanz in der Partnerschaft sowie das Spiel mit Gefühlen. Äußerst gelungen!

Ebenfalls sehr lesenswert, wenn auch etwas pathetisch, ist die Story "Der Beweis" von Cecil Dewi. Der in der chilenischen Hafenstadt Valparaiso lebende Autor schildert eine schwule Liebe zu Zeiten der Militärjunta unter Pinochet. Eine packend erzählte Geschichte von der anderen Seite der Welt!

Geschichten vom Tennislehrer, Oberarzt und Muskelbär


Glücklicher Knackarsch auf dem Balkon: Das Polaroid von Johnny Abbate ist eine weitere Illustration aus dem Buch

Auf den Auszug des Debütromans "Die unsicherste aller Tageszeiten" von Thomas Pregel (queer.de rezensierte) sei ebenfalls besonders verwiesen. Der namenlose Ich-Erzähler erinnert sich an sein Coming-out und seine erste schwule Affäre mit seinem Tennislehrer, der verheiratet war. Ein erzählerisches Machwerk, das Spaß macht – vor allem die Sexszenen sind gut beschrieben. Der Roman ist im Sommer im Größenwahn Verlag erschienen.

Ebenso lesenswert ist die Story "Lauschen und Schweben" von Thanassis Kalaitzis, dessen Protagonist ein heterosexueller Oberarzt ist, der vor der Türe stehen bleibt, als sich ein schwules Pärchen über die bevorstehende Nierenkolik-Operation und über ihre langjährige Liebe unterhalten. Eine herzige Story.

Natürlich gibt es auch humorvolle Texte, etwa die "Bären"-Erzählung "Muskelbär32" vom bewährten Autor Jan Gympel, der die Profiloptimierer und -faker auf Gayromeo auf die Schippe nimmt. Ebenfalls humorvoll, jedoch überdrehter: die Comic-Geschichte "Nie wieder alt!" von Marcel & Pel. Herrlich ironisch auch die Erzählung "Director's Cut 2.0" von Rolf Redlin. Er zeigt die überdrehte Verlagswelt, die sich immer neuere Strategien einfallen lassen muss, um zu überleben – ob Joachim Bartholomae vom Männerschwarm Verlag bald tatsächlich ein Chief Visionary Office einrichten wird…?!

Ein Wort zu den Lyrikern. Hier fallen die Gedichte von Crauss. und Steinberg auf. Crauss. beschäftigt sich mit dem Glück, mit dem Verschlüsseln von Texten und formuliert eine Ode über das Schreiben, Kerle und Whitman. Der in Siegen lebende Dichter versteht es, prägnante Sprachbilder zu schaffen, die lange halten. Auch weil sie teils verspielt sind. Sein Dichterkollege Boris Steinberg hingegen findet in "Wanderndes Herz" schöne, rhythmische Bilder. Einfach eintauchen und genießen!

Viel nackte Haut, Schwänze und Arschbacken

Natürlich gibt es wieder viele Bilder und Fotografien zu sehen. Mit viel nackter Haut, Schwänzen und Arschbacken. Mal sexy, melancholisch oder sehr begehrlich dargestellt. Besonders möchte ich auf Jan Schüler hinweisen, der wieder bezaubernde Bilder zur Verfügung gestellt hat. Auch die Transgender-Fotos von verschiedenen Künstlern sind hervorragend. Währenddessen erzeugen die Zeichnungen von Spunk Seipel eine humorvolle Diskrepanz: Pornos im Stile der 1970er Jahre werden gezeigt, verziert mit Denkblasen mit Aphorismen über das Glück von großen Denkern. Schön, dass insbesondere auch die Arbeiten von russischen Künstlern in den Band mit aufgenommen wurden.

Gewidmet ist die Jubiläumsausgabe von "Mein schwules Auge" dem im Mai verstorbenen Dichter Mario Wirz (queer.de berichtete). Dazu hat Rosa von Praunheim ein wunderbares und deutungsvolles Gedicht "In memoriam Mario Wirz" verfasst. Er findet treffende Formulierungen und scheut hier und da auch kein Pathos, ähnlich wie Wirz es tat – wirklich meisterhaft! Auch Marcus Brühl hat dem Dichter ein rührend-tröstendes Gedicht gewidmet.

Fazit: Die Herausgeber Rinaldo Hopf und Axel Schock haben in "Mein schwules Auge 10" sehr verschiedene Facetten des schwulen Glücks gesammelt. Nicht alle Beiträge überzeugen, jedoch eine Vielzahl von ihnen. Ein gelungener, wohl kuratierter Band im glücklichen zehnten Jahr!

Veranstaltungshinweis: Donnerstag, 28. November 2013, 20.30 Uhr. Buchvorstellung mit den Herausgebern Rinaldo Hopf und Axel Schock. Es lesen u.a. Klaus Berndl, Thanassis Kalaitzis, Jörg Karweick, Thomas Pregel, Max Taubert und J. Walther. Ort: Buchladen Eisenherz, Motzstraße 23, Berlin-Schöneberg (neue Adresse!)

Infos zum Buch

Rinaldo Hopf/Axel Schock (Hrsg.): Mein schwules Auge 10. konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, Tübingen 2013. 320 Seiten. 15,50 €. ISBN: 978-3-88769-910-9.


#1 Ferrante
  • 02.11.2013, 13:50h
  • Willkommen in der Parallelwelt, in der sich alles nur um (abstrusen) Sex und Schwulsein dreht - ein Buch, das die Welt nicht braucht.
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#2 Pola BoxAnonym
  • 02.11.2013, 15:08h
  • Muss eine Rezension eines schwulen Klassikers - und Bestsellers - so hölzern und humorfrei daherkommen? Ist Angelo Litrico die Cheap & Awfull Variante von MRR?
    Man(n) kann froh sein, dass er nicht noch die Seitenzahlen für nicht so gelungen befunden hat... *nuschel*
    Puhhh.
    Lasst uns in das Schule Auge sehen und uns daran erfreuen, dass es zum 10. Mal Text und Bild - in U und E - zur bedeutensten Sache im Leben von Männern, Frauen und TransgenderInnen gibt! :-))
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#3 LangsamLangsamEhemaliges Profil
  • 02.11.2013, 15:40h
  • Der "Glückliche Knackarsch" auf dem einen Foto, war sicher ohne die Kitsch-Tattoos, viel glücklicher. Und das lebende Ganzkörper-Tattoo, was es in Deutschland, in jedem schwulem Buch und in jedem Filmchen zu sehen gibt....na ich weiß nicht. Mein Geschmack ist es nicht. Genau so wie heiraten. Einmal lebenslänglich.
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#4 Ferrante
#5 antos
  • 03.11.2013, 09:10h
  • Antwort auf #4 von Ferrante
  • Aus deinem Blog:
    "Ach ja, und queer.de gehört irgendwann einmal wirklich gehackt für den abstrusen Unsinn, der dort zT verbreitet wird, auch in den Kommentaren."

    Warum vermehrst Du ihn denn dann, den Unsinn?

    @ Pola Box: Yes, it's just to awful for words.
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#6 David77Anonym
#7 David77Anonym
#8 TheDadProfil
  • 03.11.2013, 14:57hHannover
  • Antwort auf #1 von Ferrante
  • Was genau ist an Schwulem Sex "abtrus" ?

    Und woher kommt die Ansicht, das brauche niemand, denn es sei eine Parallellwelt ?

    Geh mal in einen Supermarkt und schau den Leuten zu wie sie ihre Einkäufe auf das Kassenband sortieren..

    Dort eröfnen sich Einsichten in Parallellwelten, denn obwohl in dutzenden täglichen Werbespots beworben, werden Toilettenpapier und sonstige Hygieneartikel unter Tüten mit Obst und Zeitschriften vor den "Mit-Kunden" peinlich versteckt, um bloß nicht zu offenbaren das Mann auch nur auf´s Klo geht und sich manchmal wäscht..

    Wie kann Mann nur so verklemmt sein und sich so seiner schämen, das Mann glaubt, das brauche niemand ?
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#10 Ferrante
  • 03.11.2013, 18:10h
  • Ihr seid schon witzig irgendwie, ihr glaubt das ja anscheinend wirklich, was ihr da so schreibt ;o), wart aber zum Lesen des Eintrags wohl zu faul. Aber gut, es gibt ja auch Teenager, die glauben, Wasserpfeife rauchen sei unschädlich, aber das sind nun mal *Teenager*, viele Schwule sollten endlich mal erwachsen werden in meinen Augen.
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