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Generalversammlung in New York

UN: Olympischer Frieden verabschiedet


Die UN setzt sich inzwischen ausdrücklich gegen die Diskriminierung von LGBT ein. Das IOC spricht lieber allgemein von "Toleranz". (Bild: muhammad / by 2.0)

Um den Wortlaut einer Passage zur Diskriminierung war lange gestritten worden. In der Generalversammlung sagte Thomas Bach, Boykotte stünden im Widerspruch zum Geist des Sports.

Von Norbert Blech

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York hat am Mittwoch ihre traditionelle Resolution zu den Olympischen Spielen beschlossen, wonach auch während der Winterspiele in Sotschi keine Kriege zu führen und Kampfhandlungen auszusetzen sind (PDF).

Der "Olympische Frieden", ursprünglich eine griechische Tradition, war 1998 von den Vereinten Nationen als alle zwei Jahre zu verabschiedende Resolution wiederbelebt worden. Sie wird von dem jeweiligen Gastgeberland aufgesetzt.

Im Vorfeld hatte es ein erhebliches diplomatisches Gerangel um eine Passage gegen Diskriminierung gegeben (queer.de berichtete). In der russischen Version stand zunächst das Versprechen, "Menschen unterschiedlichen Alters, Geschlechts, physischer Möglichkeiten, Religion, Rasse und sozialen Status" in die Spiele einzubeziehen.

Sexuelle Orientierung oder Identität fehlte in der Auflistung, bemerkten Diplomaten schnell. Inzwischen einigte man sich mit Russland auf die Formulierung, dass die Spiele "soziale Beteiligung" fördern sollen, "ohne Diskriminierung jeglicher Art".

IOC-Chef Bach kritisiert politische Einmischung


Thomas Bach am Mittwoch vor der UN (Bild: UN Photo / Paulo Filgueiras)

Vor den Vereinten Nationen sprach auch der neue IOC-Präsident Thomas Bach aus Tauberbischofsheim. "Das nationale Anti-Homosexuellen-Gesetz des nächsten Olympia-Gastgebers Russland erwähnte Bach nicht explizit, er geißelte es jedoch indirekt, indem er energisch gegen Diskrimierung eintrat", schreibt dazu die Nachrichtenagentur SID.

Dabei ist Sichtbarkeit, ein Erwähntwerden gerade für den Abbau von Diskriminierung gegenüber LGBT wichtig. Bach sprach in seiner Rede (PDF) hingegen lediglich allgemein von "der Erhaltung der Menschenwürde" und einer "globalen Ethik" von "Fair Play, Toleranz und Freundschaft". Auch nannte er die Spiele "ein Beispiel von gegenseitigem Respekt und Nicht-Diskriminierung". Sport baue Brücken, keine Wände, und verstehe die "globale Vielfalt von Kulturen, Gemeinschaften und Lebensentwürfen ("life designs")".

Deutlicher wurde Bach, als es um die Einmischung der Politik ging, die sich aus dem Sport heraushalten solle. Auch müsse der Sport sich in politischen Fragen heraushalten und nationale Gesetze respektieren. Zugleich sei der Sport aber nicht apolitisch, so Bach, sondern müsse die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen seiner Entscheidungen berücksichtigen.

"Wir sind gegen Boykotte jeder Art", sagte Bach weiter, denn sie stünden im "fundamentalen Gegensatz zu dem Geist des Sports" und entzögen ihm die Möglichkeit, für "den Frieden, gegenseitiges Verständnis und Solidarität" zu arbeiten. "Das stimmt umso mehr, wenn der Sport das enzige für einen Boykott missbrauchte Instrument ist, während politische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen normal weitergehen."

Keine Diskriminierung "während der Spiele"


Olympia-Organisator Dimitri Schernischenko gab eine Zusicherung mit Einschränkung (Bild: UN Photo / Eskinder Debebe)

Auch wenn Bach es sich damit sehr bequem machte, traf er indirekt einen wunden Punkt in der Diskussion. Deutlich machte das der russische Olympia-Organisator Dimitri Schernischenko, als er bei der UN von Journalisten zur Diskriminierung von Homosexuellen befragt wurde: "Während der Spiele garantieren wir, dass es keine Diskriminierung geben wird, egal ob aufgrund von Religion, Sexualität oder Geschlecht. Der Präsident hat drei Mal wiederholt, dass es keine Diskriminierung geben wird."

Die Aussage bringt zwei Probleme: Zum einen sagt der russische Präsident Wladimir Putin entgegen aller Fakten generell und immer wieder, dass Schwule und Lesben in Russland nicht diskriminiert würden. Und zum anderen gilt die Zusicherung nur für den Zeitraum der Spiele – und nur für Sportler, Offizielle, Journalisten und Besucher. Für den Rest gilt, das nebenbei, ein Demonstrationsverbot in weiten Teilen Sotschis.

Fast alle russischen LGBT-Aktivisten haben sich gegen einen Boykott ausgesprochen, der als unrealistisches Ziel eingeschätzt wird, sie noch mehr zu Sündenböcken machen würde und wohl auch im Vergleich zu anderen Sportereignissen und zur Lage etwa von Oppositionellen in China und Russland, zur Lage von Homosexuellen in Katar unverhältnismäßig erscheint.

Doch mehr Einsatz der Sportoffiziellen ist durchaus erwünscht, was auch für den Deutschen Olympischen Sportbund gilt, der sich immerhin vom in der Frage gut vernetzten und engagierten LSVD über die Lage in Russland informieren ließ. Ein aktuelles Interview mit Michael Vesper, dem DOSB-Generaldirektor, zeigt jedoch vor allem die Machtlosigkeit, in die man sich hineinmanövriert hat. Und mit der man sich anscheinend bequem arrangiert hat.

Der DOSB hatte im letzten Jahr trotz Kritik für die erste europäische Olympiade in 2015 in Aserbaidschan gestimmt. Dabei liegt hier die einzige langfristige Chance, dass Gerede über sportlichen Geist und Toleranz nicht hohl und unglaubwürdig zu machen: Durch klare Bedingungen zu Menschenrechten bereits bei der Vergabe von Großevents. Bei der EBU, die mit ihrem Eurovision Song Contest immer wieder vor ähnlichen Fragen steht, scheint nach dem umstrittenen Ausflug nach Aserbaidschan inzwischen ein Umdenken einzusetzen. Bei IOC, DOSB und FIFA scheint das hingegen noch ein langer Weg der Erkenntnis zu werden.



#1 YannickAnonym
  • 07.11.2013, 11:44h
  • "In der Generalversammlung sagte Thomas Bach, Boykotte stünden im Widerspruch zum Geist des Sports."

    Aha, aber Diskriminierung friedlicher Menschen, Mobbing, Gewalt, Internierung, Folter und Mord sind für das IOC kein Problem?!
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#2 RobinAnonym
  • 07.11.2013, 11:49h
  • Russland hat sich durchgesetzt:
    Es gibt keine Aufnahme der Merkmale "sexuelle Identität" und "sexuelle Orientierung".

    Und was nützen Sicherheitsversprechen für Athleten und Journalisten, wenn außerhalb von Olympia weiterhin munter weitergemacht wird und es auch danach weitergeht.

    Und auch bei Olympia selbst wird ja dank der Unterstützung durch das IOC jede Meinungsäußerung und sogar bestimmte Farbkombinationen, verboten sein!

    Es bleibt doch gar keine andere Wahl mehr als Diskriminierung!!!

    Als Demokrat kann man doch nicht wegsehen, wie Russland immer mehr in den Faschismus abgleitet und da feiern, als wäre alles in Ordnung.
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#3 userer
  • 07.11.2013, 12:00h
  • Antwort auf #1 von Yannick
  • Diskriminierung friedlicher Menschen, Mobbing, Gewalt, Internierung, Folter und Mord sind für das IOC deshalb kein Problem, weil diese friedlichen Menschen dem IOC kein Geld einbringen.

    Russland hat 2013 die Leichtathletik-WM ausgerichtet, wird 2014 die Olympischen Winterspiele durchziehen und 2018 gibt's die FIFA Fussball-WM in Russland.

    So viele Welt-Events in kurzer Zeit in ein und demselben Russland ... Also ich persönlich kann mir nicht vorstellen, wie so eine Häufung ohne die Zahlung von viel, viel Schmiergeldern an die vergebenden Komitees zustandekommen sollte.
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#4 hachAnonym
#5 sperlingAnonym
  • 07.11.2013, 12:12h
  • >"Die olympische Bewegung drückt sich in einer Vielzahl von Aktivitäten aus, zu der die einzelnen Organisationen verpflichtet sind. Zu den wichtigsten Aufgaben zählen:
    [...] Kampf gegen jede Form der Diskriminierung"

    bach hat den geist der spiele, den er hier beschwört, in keiner weise verstanden.

    in meinen augen hat er das ioc, das ich bisher noch naiv für eine organisation gehalten habe, die irgendwie ethisch auf der richtigen seite steht, als reines profitunternehmen demaskiert. wo man mit dem "olympischen geist" kasse machen kann, da kommt er recht, aber wo er sponsoren verschreckt, da wird er mit geschickter rhetorik exorziert.

    ich war einige zeit unsicher, ob ein boykott der spiele zielführend ist. inzwischen halte ich einen boykott nicht nur gegen und wegen russland für sinnvoll, sondern auch gegen und wegen des ioc.
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#6 stephan
  • 07.11.2013, 12:18h
  • "Wir sind gegen Boykotte jeder Art", sagte Bach weiter, denn sie stünden im "fundamentalen Gegensatz zu dem Geist des Sports" und entzögen ihm die Möglichkeit, für "den Frieden, gegenseitiges Verständnis und Solidarität" zu arbeiten. Zitat Ende

    Bach würde also auch Olympische Spiele in Nazi-Deutschland durchführen lassen! Wie kann man nur so dumm sein, in Kenntnis der historischen Fakten und Folgen so einen Schwachsinn zu äußern!
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#7 AlexAnonym
#9 MikeschAnonym
  • 07.11.2013, 13:21h
  • Macht (Politik) und Geld (Olympia):
    Da werden so manche Grundsätze über Bord geworfen.
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#10 Martin28a
  • 07.11.2013, 13:25h
  • Antwort auf #1 von Yannick

  • Das hat man sicher nur wegen Geld gemacht, es ist auch ein Völkerrechtsbruch, falls man die vorangegangene Resolution schon zum Völkergewohnheitsrecht zählen würde, wonach Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Orientierung nicht gestattet sind.
    Nach der Res A/HRC/17/L.9/Rev.1
    sollen Staaten weltweit ihre Diskriminierung einstellen
    Quelle

    de.m.wikipedia.org/wiki/Erklärungen_und_Resolutionen_der_Ver
    einten_Nationen_über_die_sexuelle_Orientierung_und_geschlech
    tliche_Identität


    Diese neuere Resolution ist auch weltweit knapp mit 23 zu 19 Stimmen angenommen worden.
    Wenn man jetzt bedenkt das nach dem IGH Statut 38 hier der IGH auch solche Resolutionen wenn sie in Gewohnheitsrecht ausarten - annehmen darf, sollte Russland sein Verhalten überdenken

    Solche völkerrechtlichen " Pressungen" nennt man auch Repressallie d.h die Weltgemeinschaft könnte Sanktionen gegen Russland verhangen
    Das Sanktionen manchmal doch was bringen sieht man zb am Iran
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