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  • 09.11.2013           22      Teilen:   |

"Queering Gay Pride"

Westliche CSD-Modelle lassen sich nicht exportieren

Artikelbild
Szene vom Gay Pride in Toullouse 2011: Die Melange aus Party und (manchmal nur halbgarer) Politik funktiniert in Belgrad oder Budapest nicht (Bild: Guillaume Paumier / flickr / cc by 2.0)

In einem neuen Buch beleuchtet Marty Huber die Gay Prides in Amsterdam, Wien, Budapest und Belgrad und setzt sie in einen theoretischen Bezug zur Queer-Theorie.

Von Bodo Niendel

Marty Huber hat einen spannenden Beitrag zu Sinn und Unsinn von Christopher Street Days vorgelegt. Sie beleuchtet die CSDs bzw. Gay Prides in Amsterdam, Wien, Budapest und Belgrad. Die Autorin hat einen hohen Anspruch, denn sie setzt die Demonstrationen und Paraden in den theoretischen Bezug zur Queer-Theorie und dem neoliberalen Umbruch der letzten Jahrzehnte.

Bis man zum Konkreten, der Analyse der Gay Prides, gelangt, wird viel Theorie produziert – und die hat es in sich. Die ersten 120 Seiten sind ein Parforceritt durch die queere Theorie, und dieser gehört zum Besten, das ich in diesem Zusammenhang gelesen habe. Butler, Deleuze, Althusser, Derrida und Foucault werden abgeklopft. Was haben die theoretischen Schwergewichte zu sagen zum Subjekt, den Ideologien und schließlich den Bedingungen der Anerkennung, die einen Raum für eine nichtheteronormative Praxis eröffnen? Marty Huber entwickelt ihre Hypothese, dass eine "single issue politics" in eine Sackgasse führen wird, da Macht nicht in der Vielfältigkeit der Herrschaftsverhältnisse reflektiert wird.

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Die CSD-Beschreibungen aus Osteuropa sind erdrückend

Das Buch "Queering Gay Pride" ist im Wiener Zaglossus Verlag erschienen
Das Buch "Queering Gay Pride" ist im Wiener Zaglossus Verlag erschienen

Erst zum letzten Drittel des Buchs wird sich den Gay Prides zugewandt. Hubers Beschreibungen der osteuropäischen Demonstrationen in Belgrad und Budapest sind bedrückend. Die Bedingungen für Anerkennung sind kaum vorstellbar. Dort finden die Gay Prides, soweit sie von der Polizei nicht untersagt werden, unter einer massiven Abschottung von der Öffentlichkeit statt. Polizeikordons, weiträumige Absperrungen, Verbannung in Außenbezirke und die Bedrohung durch Rechtsextremisten sowie Polizei- und Behördenwillkür lassen erschauern.

Huber zeigt auch, dass sich keine westlichen Modelle, ein Gay Pride als Melange aus Party und (manchmal nur halbgarer) Politik, nach Belgrad oder Budapest exportierten lassen. Die Bedingungen sind vollkommen unterschiedlich. In Osteuropa sind die Aktivistinnen und Aktivisten gezwungen, eigene und neue Strategien zu entwickeln, um Öffentlichkeit herzustellen und um Anerkennung zu ringen. Trotz der Widrigkeiten entstehen so auch Chancen, die eingetretenen Pfade der (westlichen) Identitätspolitik zu verlassen. Hier entstehen neue performative Praxen, die zum Nachdenken anregen, weil sie eben nicht nur auf ein "single issue" setzen.

Eine anregende Lektüre für CSD-Veranstalter

Die Autorin kritisiert scharf ein paternalistisches Verhalten von westlichen Gay-Pride-Organisatoren (zumeist sind es schwule Männer), die lediglich ihre westlichen Modelle exportieren wollen. Hubers Buch ist eine anspruchsvolle und anregende Lektüre die vielen CSD-Organisatorinnen und -Organisatoren geraten sei, um die eigenen Politiken zu hinterfragen, dabei fasse ich mir als Vorstandsmitglied des Berliner CSD auch an die eigene Nase.

Befremdlich finde ich hingegen die vereinfachende Bezugnahme zu Butlers Berliner CSD-Eklat, weil Hintergründe nicht beleuchtet werden, und zum No-Homonationalism-Konzept von Jasbir Puar, weil grobschlächtig, im Gegensatz zur sonst sehr präzisen Ausarbeitung, argumentiert wird. Beide Aspekte firmieren in den neueren Queer-Theorie-Arbeiten als Chiffre: Man steht auf der richtigen Seite. Abgesehen davon ist die voraussetzungsvolle Arbeit von Huber ein gelungener Beitrag zu einer reflektierenden Praxis. Man muss die Argumente nicht teilen, aber man sollte sie abwägen.

Unser Autor Bodo Niendel ist Referent für queer- und Gleichstellungspolitik der Linksfraktion im Deutschen Bundestag und wissenschaftlicher Mitarbeiter des schwulen Abgeordneten Harald Petzold. Er engagiert sich u.a. ehrenamtlich im Vorstand des Berliner CSD e.V.

  Infos zum Buch
Marty Huber: Queering Gay Pride. Zwischen Assimilation und Widerstand. Softcover. 282 Seiten. Zaglossus Verlag. Wien 2013. 19,95 €. ISBN 978-3-902902-06-1
Links zum Thema:
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Tags: queering gay pride, csds, marty huber, zaglossus, bodo niendel, queer theory
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Reaktionen zu "Westliche CSD-Modelle lassen sich nicht exportieren"


 22 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
09.11.2013
16:17:29


(0, 8 Votes)

Von goddamn liberal


Imre Kertesz beschreibt keine fremde Welt, sondern unsere.

Ich habe das Buch zwar nicht gelesen, aber das Konzept, Wien im 'Westen' zu verorten und Budapest im 'Osten' ist ja ein geradezu abenteuerliches kulturalistisches Konstrukt.

Beide Operettenmetropolen des Doppeladlers haben historisch soviel gemein, dass man das auch auf unsere queere Warte übertragen kann.

Und auch in Amsterdam gibt es religiösen Fanatismus (auch 'weißen' und calvinistischen) und dumpfe rassistische Phantasien.

Dass zur Zeit in Budapest eine abgestandene Nationalromantik noch stärker köchelt als in Wien mit Strache und der FPÖ hat v.a. handfeste soziökonomische Ursachen und hängt damit zusammen, dass die faschistische Vergangenheit, die beiden Orten ebenfalls gemein ist, noch weniger aufgearbeitet wurde als in Österreich.

Da und nur da zeigt sich ein Ausweg aus der 'one issue'-Perspektive gängiger CSDs.


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#2
09.11.2013
20:14:21


(-11, 13 Votes)

Von Ferrante


Weder CSDs noch "queer theory" sind in meinen Augen irgendeinen Pfifferling wert...


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#3
09.11.2013
21:18:46


(+6, 8 Votes)

Von Trollradar
Antwort zu Kommentar #2 von Ferrante


Keine Argumente gebracht, aber schön "gegen den Strom geschwommen" und der "Homonorm getrotzt", ja? Das ist total "mutig".

Alter, troll dich einfach, wenn du nichts zu sagen hast.


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#4
09.11.2013
21:21:51
Via Handy


(+5, 7 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #2 von Ferrante


Da du ja nicht SCHWUL bist, kann dir das ja egal sein.
warum wanderst du nicht nach saudi-arabien aus? Da dürftest du dich doch wohl fühlen und da kannst du dich mit deinen peinigern identifizieren.
wenn alle doch so gedacht hätten und früher nicht auf der strasse protestiert hätten... Wie toll es uns doch ginge. 175er, rassentrennung, kein frauenwahlrecht, und die mauer würd auch noch stehen. Tolle zeiten!


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#5
09.11.2013
22:50:36


(0, 6 Votes)
 
#6
10.11.2013
00:01:57


(0, 2 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Auch davon ist ein bißchen was dabei:

Link zu www.rp-online.de

Hauptsache Spaß dabei!


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#7
10.11.2013
07:11:33


(-8, 10 Votes)

Von Ferrante


Nichts zu sagen haben, aber schön ablästern. Yeah, Baby! Bei Queer Theory muss man sich ja nur ansehen, wer die so betreibt/betrieben hat. Überhaupt bringt einen hochakademisches Gebrabbel nicht weiter - siehe dieses Buch.


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#8
10.11.2013
09:33:12


(-5, 9 Votes)

Von David Z


Ich halte nichts von zuviel wissenschaftlicher Analyse. Manchmal muss man auch einfach mal machen, ohne alles immer zu analysieren.


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#9
10.11.2013
10:31:29


(+4, 6 Votes)

Von -hw-
Antwort zu Kommentar #8 von David Z


Ganz deiner Meinung. Darum kaufe ich ein paar Exemplare.


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#10
10.11.2013
10:40:47


(+4, 6 Votes)

Von Sveni Mausi


Du bist wohl mehr so der Amerikaner "Erst schießen, dann fragen"

In Europa gilt aber "Erst denken, dann handeln"
Das bringt auch meistens mehr.


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