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  • 13.11.2013           8      Teilen:   |

"Ich betreibe kein 'Homo- oder LSBTI*-Lobbying'"

Zwei Jahre Hirschfeld-Stiftung: Staatsnähe als Chance?

Artikelbild
Enge Kontakte zur Politik erwünscht: Jörg Litwinschuh (li.), sein langjähriger Lebenspartner, der Rechtsanwalt Torsten Barthel, und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger beim Charity Dinner der Bundesstiftung am 25. Mai im Waldorf-Astoria (Bild: BMH/Brigitte Dummer)

Am 10. November 2011 nahm die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld ihre Arbeit auf. Im Interview mit Micha Schulze zieht der Geschäftsführende Vorstand Jörg Litwinschuh eine Zwischenbilanz.

Bei der Gründung waren die Erwartungen bei vielen noch gering. Über zehn Jahre hatten die Parteien schließlich seit Rot-Grün gestritten, bis dann ausgerechnet eine schwarz-gelbe Bundesregierung zehn Millionen Euro zur Errichtung der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld locker machte. Vor genau zwei Jahren, am 10. November 2011, wurde der parteilose Kommunikationsberater und Szeneaktivist Jörg Litwinschuh von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) zum Geschäftsführenden Vorstand bestellt (queer.de berichtete).

Litwinschuh hat in kurzer Zeit das Wunder vollbracht, das viele nicht für möglich hielten: Mit zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Projekten hat er bewiesen, dass die Hirschfeld-Stiftung deutlich mehr ist als nur ein homopolitisches Feigenblatt der scheidenden Bundesregierung. Mit seiner präsidialen Art verschaffte er sich zudem Anerkennung bei Union wie Linkspartei, bei Szene wie Verwaltung.

Als Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) im Juni zum ersten Gedenkakt für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus lud, war die Bundesstiftung der Partner (queer.de berichtete). Eine breite Öffentlichkeit hat die Stiftung zudem vor allem mit der Kampagne "Fußball für Vielfalt" und der "Berliner Erklärung" erreicht (queer.de berichtete), hinzu kamen u.a. "Hirschfeld Lectures" inklusive passender Buchreihe, "Hirschfeld-Tage", ein Charity-Dinner oder das Zeitzeugen-Projekt "Archiv der anderen Erinnerungen". Dass der große Integrator Litwinschuh den Stiftungszweck auch sehr weit auslegen kann, zeigte seine kritische Diskussionsveranstaltung zum Ausschluss der CDU vom Berliner CSD (queer.de berichtete).

Wir haben das zweijährige Jubiläum der Hirschfeld-Stiftung zum Anlass genommen, Jörg Litwinschuh im Interview eine Zwischenbilanz ziehen und künftige Projekte vorzustellen zu lassen.

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Blitzkarriere: Vor seinem Job als Stiftungsvorstand war der Medienwissenschaftler Jörg Litwinschuh u.a. Leiter des Integrations- und Migrationszentrums MILES im LSVD Berlin-Brandenburg sowie Pressesprecher und Fundraiser für die Deutsche Aids-Hilfe - Quelle: BMH/Sabine Hauf
Blitzkarriere: Vor seinem Job als Stiftungsvorstand war der Medienwissenschaftler Jörg Litwinschuh u.a. Leiter des Integrations- und Migrationszentrums MILES im LSVD Berlin-Brandenburg sowie Pressesprecher und Fundraiser für die Deutsche Aids-Hilfe (Bild: BMH/Sabine Hauf)

queer.de: Noch ist Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung, doch mit der Bildung einer neuen Regierung wirst du bald einen neuen "Chef" oder eine neue "Chefin" bekommen. Wie fühlt man sich so in der Schwebe?

Jörg Litwinschuh: Die Kuratoriumsvorsitzende unserer Stiftung ist nicht die "Chefin" der Stiftung. Sie hat natürlich als Stifterin eine besondere Stellung inne und übt auch eine wichtige Funktion aus. Das Tagesgeschäft, die Anlage unseres Vermögens, das Fundraising und viele weitere Aufgaben verantworte aber ich, ich bin also der "Chef".

Ich blicke mit Dank auf die vergangenen zwei Jahre zurück, denn Frau Leutheusser-Schnarrenberger hat unsere Stiftung beim Aufbau sehr stark unterstützt, uns Türen geöffnet und sich persönlich in vielen Projekten und bei Veranstaltungen engagiert. Ich arbeite außerordentlich gerne und vertrauensvoll mit der Kuratoriumsvorsitzenden zusammen; ihr Haus hat als Vertreterin der Stifterin – also der Bundesregierung – unsere Arbeit sehr positiv und partnerschaftlich begleitet und mir Hilfestellungen gegeben, wenn ich Fragen hatte oder einen Rat brauchte.

Übrigens: 48 Personen engagieren sich neben dem Vorstand und der Kuratoriumsvorsitzenden in den beiden anderen Stiftungsorganen: 24 im Kuratorium (davon 10 Vertreter der Zivilgesellschaft, 9 Bundestagsabgeordnete und 5 Vertreter der Bundesministerien) und 24 Wissenschaftler und Experten im Fachbeirat. Ihnen allen gilt mein großer Dank. Ich fühle keinen Schwebezustand, sondern bin mit beiden Beinen auf dem Boden und mitten im Stiftungsleben. Mein kleines Team und ich arbeiten hart an unseren aktuellen Projekten, und ich freue mich auf das Neue, das mit der großen Koalition kommen wird.

Wie unabhängig von Regierung und Parteien kannst du im Alltag agieren? Die FDP hatte im Wahlkampf plakativ mit der Gründung der Stiftung geworben, während der Grüne Volker Beck die Umsetzung vor zwei Jahren einen "üblichen bürgerfernen schwarz-gelben Murks" nannte…

Ich agiere unabhängig von der Regierung, von Parteien oder Bundestagsabgeordneten. Ich bin alleine dem Kuratorium als Ganzes sowie Drittmittelgebern, Spendern, dem Finanzamt und der Stiftungsaufsicht Rechenschaft schuldig. Es gab bisher keinen Versuch, die Stiftung zu instrumentalisieren! Ich vermute, dass Volker Beck diesen Satz heute so nicht mehr sagen würde, aber das sollte man ihn direkt selbst fragen. Ich schätze ihn sehr als Kurator, und ich zolle ihm Respekt. In unserem Kuratorium sind alle im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien repräsentiert. Ich kann selbstbewusst sagen, dass die Arbeit der ja noch recht jungen Stiftung dort gewertschätzt und aufmerksam wahrgenommen wird.

Kann die "Staatsnähe" auch eine Chance sein? Die Gleichstellung von Lesben und Schwulen ist derzeit ja Streitpunkt bei den Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD. Welchen Einfluss hat die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld auf die Verhandlungspartner?

Die Nähe, die eine Bundessstiftung selbstverständlich automatisch immer unbestritten zur Bundesregierung hat, ist eine Chance, die ich auch ergreife. Ich sehe mich auch als "Türöffner" für Gruppen, Wissenschaftsthemen und Bildungsprojekte der LSBTI*-Community, für die bisher noch unzureichend Gehör war. Ich betreibe aber ausdrücklich kein "Homo- oder LSBTI*-Lobbying" wie z.B. der LSVD, denn die Stiftung ist in diesem Sinne nicht politisch tätig. Unsere Aufgaben sind eindeutig in unserer Satzung und in unserem Bildungs- und Forschungsprogramm geregelt. Über die von uns geförderten Projekte sowie die eigene Stiftungsarbeit wollen wir selbstverständlich auch zur Gleichstellung von LSBTI* beitragen helfen.

Ich wünsche mir, dass unsere Stiftung nicht zum Spielball zwischen Fraktionen oder einzelnen Verhandlungspartnern wird, und ich bin mir sicher, dass dies auch weder die SPD noch die Union wollen. Bei den Bundestagsabgeordneten im Kuratorium, die der Bundestag in der letzten Legislaturperiode entsandt hat, saßen sechs Bundestagsabgeordnete der nun geplanten großen Koalition. Diese Damen und Herren kennen die Arbeit unserer Stiftung im Detail und haben uns immer unterstützt: Jens Spahn, Dr. Stefan Kaufmann, Dr. Marco Luczak (alle CDU) und Dagmar Wöhrl (CSU) von der Union sowie Dr. Barbara Hendriks und Johannes Kahrs von der SPD. Bei diesen Leuten brauche ich nicht für die Stiftung zu werben. Aktuell spreche ich daher eher mit den neuen Abgeordneten, die unsere Arbeit nicht oder nur kaum kennen.

In neuen Koalitionsverhandlungen wollte die FDP der Union eine Aufstockung des Stiftungskapitals abtrotzen, doch nun sind die Liberalen nicht einmal mehr im Parlament. Was wird aus diesen Plänen?

Von einem "Abtrotzen" weiß ich nichts, ich weiß aber, dass die bisherige Kuratoriumsvorsitzende Leutheusser-Schnarrenberger eine Aufstockung des Stiftungskapitals für notwendig gehalten hat. Dass eine Aufstockung der Stiftungsmittel sinnvoll und auch notwendig ist, das ist unbestreitbar, und dafür werbe ich aktuell auch – wie gesagt – im Deutschen Bundestag und bei den Parteien. Mit etwas über zehn Millionen Euro Vermögen ist bei den niedrigen Zinserträgen der Gestaltungsspielraum der Stiftung bei den ambitionierten Zielen sehr begrenzt, das reicht hinten und vorne nicht – zumal sich auch vermögende Privatpersonen oder Unternehmen aktuell mit Zustiftungen noch zurückhalten. Diese Leute möchten erst einmal einige Jahre abwarten, was wir als Stiftung überhaupt zustande bringen, wie unabhängig wir sind etc. Lobend hervorheben möchte ich das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das unseren ersten Wissenschaftskongress voll finanziert. Dieser findet Ende November in Berlin statt und war schon nach wenigen Tagen komplett ausgebucht.

Wozu braucht die Stiftung konkret mehr Kapital?

Eine Stiftung darf ja nur aus den Zinserträgen wirtschaften und muss das Kapital erhalten und soll auch einen Inflationsausgleich tätigen, d.h. Zinserträge in das Kapital einbringen. Je mehr Kapital wir also haben, umso mehr Mittel können wir aus Zinserträgen für Projekte einsetzen. Die bisherigen Zinserträge weisen in eine gute Richtung, dass wir das Geld gut angelegt haben.

Wieviele Vollzeitmitarbeiter hat die Stiftung?

Aktuell sind wir mit mir zwei Vollzeitmitarbeiter – davon ist eine Stelle, die den Kongress organisiert hat, bis Ende Februar 2014 befristet. Ab Januar wird es eine halbe Teilzeitstelle in unserem Sekretariat geben. Es arbeiten im Team zudem zwei studentische Hilfskräfte sowie zeitweise Personen mit Honorarverträgen mit. Wir bräuchten jedoch mindestens zwei bis drei weitere Referenten-Vollzeitstellen – z.B. für Bildung, Forschung und Erinnerung, um eine dauerhaft handlungsfähige Stiftung zu werden.

Bleiben aufgrund mangelnder personeller Ressourcen denn einige Projekte auf der Strecke?

Auf der Strecke ist zum Glück noch kein Projekt geblieben, jedoch kommen einige Maßnahmen ehrlich gesagt nicht so schnell voran, wie ich mir das wünsche – gerade im Hinblick auf die Erforschung der Verfolgung der Homosexuellen.

Bei der Gelegenheit: Was macht das "Archiv der anderen Erinnerungen"? Vor einiger Zeit hattest du ein Video-Archiv mit Zeitzeugen-Interviews zu queeren Lebensgeschichten in den 1950er- und 1960er-Jahren angekündigt…

Ich bin sehr froh, dass die Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, genauer gesagt die "Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung", eine Anschub-Finanzierung für dieses Projekt gewährt hat, indem es die Produktion und die wissenschaftliche Begleitung der ersten drei Videos bei uns in Auftrag gegeben hat. Drei Zeitzeugen (lesbisch, schwul, trans*) werden mit Unterstützung zahlreicher Partner bereits im Dezember interviewt. Mein ganz besonderer Dank gilt dabei der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas sowie den ehrenamtlich tätigen Helferinnen und Helfern, die uns in beeindruckender Weise unterstützen.

Mitten im Regierungsviertel: Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld hat ihren Sitz in der Mohrenstraße 63 in Berlin-Mitte
Mitten im Regierungsviertel: Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld hat ihren Sitz in der Mohrenstraße 63 in Berlin-Mitte (Bild: BMH/Sabine Hauf)

Mit der Initiative "Fußball für Vielfalt – Fußball gegen Homophobie" und der "Berliner Erklärung" hast du im Sommer eine enorme Medienöffentlichkeit erreicht, die den Deutschen Fußball-Bund mächtig in Zugzwang brachte. Wurde außer viel Tamtam jedoch wirklich konkret etwas erreicht, um Homophobie im Fußball zu bekämpfen?

Man braucht "Tamtam", um mit einem solchen Anliegen durchzudringen. Dieses erste Ziel haben wir erreicht. Alles andere braucht einen langen Atem, denn wir müssen dicke Bretter bohren. Und das ist nicht nur eine Aufgabe im Fußball, sondern im Sport allgemein. Inzwischen haben bereits ein Drittel der Bundesligavereine sowie viele weitere Institutionen unsere Erklärung unterschrieben und wollen sich engagieren. Letzte Woche erst haben wir das Bildungs- und Forschungsprojekt auf einer Tagung der Bundesliga-Stiftung in Wolfsburg vorgestellt. Der Sportpsychologe Prof. Dr. Martin Schweer von der Universität Vechta erarbeitet gerade mit seinem Team im Auftrag unserer Stiftung die ersten Bildungsmodule für Fußballvereine und -verbände sowie die Begleitforschung. Werder Bremen hat das erste Modul für 2014 gebucht. Und die ersten Fußballvereine (Bayern München, Hannover 96, St. Pauli, Werder Bremen) haben bereits für unser Projekt gespendet.

Heftige Kritik aus der Szene gab es am Medienpartner "Sport-Bild". Wäre da beispielsweise die "taz" nicht glaubhafter gewesen?

Diese Einschätzung ist falsch. Es gab in der Tat nur sehr wenig und vereinzelt Kritik an unserer Kooperation mit der "Sport-Bild". Das hat mich sogar gewundert. Bei den Menschen, die wir mit "Fußball für Vielfalt – Fußball gegen Homophobie" erreichen möchten, nämlich den Mainstream der Fußballbegeisterten bis in den letzen Winkel unseres Landes, ist die "Sport-Bild" ein idealer Partner, so sehr ich die Kolleginnen und Kollegen der "taz" auch schätze.

Inwieweit hat sich die "Sport-Bild" denn engagiert?

Die "Sport-Bild" hat zum Beispiel erstmals in ihrer Geschichte ein umfangreiches Special zum Thema Homosexualität realisiert, das hat ihr nicht nur Freunde eingebracht. Ich kenne einige schlimme Reaktionen von Lesern. Dies hat mich bestärkt, dass die "Sport-Bild" die richtige Entscheidung war. Es gab auch viel Lob von Leserinnen und Lesern. Und die "Sport-Bild" bleibt beim Thema im Wortsinne am Ball.

Du hattest den Deutschen Fußball-Bund im kommenden Jahr zu einem gemeinsamen CSD-Wagen eingeladen. Wird daraus was?

Ich war beim DFB in Frankfurt, und ich habe meine Entscheidung revidiert: Wir planen keinen Wagen mehr auf einer der CSD-Paraden 2014 – zumal auch viele Spieler und Funktionäre rund um die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien unterwegs sind. Wir möchten erst einmal unsere Hausaufgaben machen, d.h. das Projekt solide mit den Partnern implementieren und testen und dann – auch mit der "Sport-Bild" – schauen, was wir 2014/2015 an Kampagnenmaßnahmen begleitend beginnen. Dafür suche ich auch noch eine renommierte Werbeagentur, die das pro bono für uns realisiert.

Mit einem Charity Dinner im Mai im neuen Berliner Luxushotel Waldorf Astoria schaffte es die Stiftung dank prominenter Gäste in alle Hauptstadtzeitungen und auch in die Yellow Press. Welche Summe kam denn da für die Stiftung zusammen?

An dem Abend kamen fast 40.000 Euro an Spenden zusammen, die wir in Stiftungsprojekte wie das Zeitzeugen-Archiv, das Fußballprojekt oder die Aufarbeitung der LSBTI*-Verfolgung investieren. Bezahlt wurde der Event größtenteils von Sponsoren und Spendern, die kostenlose oder günstigere Dienstleistungen erbrachten. Als ehemaliger Fundraiser der Deutschen Aids-Hilfe weiß ich, dass dies für den Auftakt gar nicht schlecht war. Am 26. April 2014 findet unser 2. Charity Dinner wieder in Berlin statt. Dieses Mal möchten wir die Zahl der Gäste (2012 waren es mehr als 150) und die Spendenerlöse toppen.

Das nächste große Projekt der Stiftung ist sehr akademisch. Was soll mit dem ersten Wissenschaftskongress "Gleich-Geschlechtliche Erfahrungswelten" Ende des Monats in Berlin erreicht werden?

Wir möchten zeigen, was aktuell im LSBTI*-Bereich geforscht wird bzw. welche Forschungen geplant sind. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen sich vernetzen, neue Kontakte knüpfen und Forschungslücken darstellen können. Darauf kann die weitere Arbeit der Stiftung aufbauen. Unser erster Kongress ist bewusst sehr breit aufgestellt und soll auch ein großes Publikum erreichen. Im Sommer 2014 wird der Tagungsband im Transcript-Verlag in Bielefeld erscheinen.

Derzeit laufen auch bereits die Planungen für die "Hirschfeld-Tage NRW", die vom 6. April bis 18. Mai 2014 stattfinden werden. Was kann man sich darunter vorstellen?

Die Arcus-Stiftung und wir veranstalten gemeinsam die 2. Hirschfeld-Tage mit fast 60 Veranstaltungen z.B. zur Zeitgeschichte von LSBTI*, zu Verfolgung und Diskriminierung in den 1950er und 1960er Jahren, zu aktuellen queeren und politischen Themen. Das reicht von einem Symposium über Lesungen und Filmvorführungen, über Tagungen, Theaterstücken, Workshops, weiteren Kulturveranstaltungen bis hin zu einer Ausstellung. Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen (MGEPA), die Landeszentrale für politische Bildung NRW, Sponsoren und wir als Bundesstiftung finanzieren diese Tage, die alle zwei Jahren in anderen Regionen Deutschlands geplant sind. NRW-Ministerin Barbara Steffens hat die Schirmherrschaft übernommen, Bettina Böttinger und Klaus Nierhoff sind Botschafter der Hirschfeld-Tage. Mit dem Programm gehen wir Anfang des Jahres an die Öffentlichkeit.

Die Bundesstiftung selbst macht unglaublich viel, aber Vereine und Initiativen können nur zweimal im Jahr Förderanträge stellen. Willst du denn alles alleine stemmen oder über alles die Kontrolle behalten?

Das ist ein ganz normaler Förder-Rhythmus für eine Stiftung. Und das erledige ich ja nicht alleine. Anträge werden vom Fachbeirat begutachtet, und die Beschlüsse werden aufgrund der Stellungnahmen des Beirats im Kuratorium mehrheitlich gefasst.

Welche externen Projekte wurden denn bislang mit wie viel Geld gefördert? Auf der Homepage finde ich nichts…

In diesem Jahr wurden externe Projekte mit einem Gesamtvolumen von mehr als 70.000 Euro gefördert. 2014 könnten es ja nach Zinsertrag mehr Mittel werden. Die einzelnen geförderten Projekte veröffentlichen wir in Kürze auf unsere Website sowie im Tätigkeitsbericht der Stiftung.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um einen Förderantrag zu stellen?

Das zu fördernde Projekt muss unsere Stiftungszwecke erfüllen helfen und zu unserem Bildungs- und Forschungsprogramm passen, das in den ersten Jahren bewusst sehr breit aufgestellt ist. Die Details sowie den Förderantrag findet man auf unserer Homepage.

Links zum Thema:
» Homepage der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld
» Mehr Informationen zum 1. LSBTI*-Wissenschaftskongress
» Die Stiftung auf Facebook
» Der Stiftung auf Twitter folgen
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Tags: bundesstiftung magnus hirschfeld, jörg litwinschuh
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Reaktionen zu "Zwei Jahre Hirschfeld-Stiftung: Staatsnähe als Chance?"


 8 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
13.11.2013
21:55:50


(0, 4 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Noch gar kein geburtstagsständchen von Mme Schwafél ?

Kommt dann sicher noch Morgen früh aus dem Büro..


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#2
13.11.2013
23:13:26


(+2, 2 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Ein gutes Interview!


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#3
14.11.2013
00:06:11


(+5, 7 Votes)

Von goddamn liberal


Staatsnähe ist an sich kein Problem.

Kommt drauf an, wer Staat macht.

Mit den über 20 Unionsabgeordneten, die GEGEN die Anordnung des BVG gegen unsere Gleichstellung gestimmt haben, ist kein Staat zu machen.

Wer das Knurren seines inneren Schweinehundes mit der Stimme des Gewissens verwechselt, ist eben politisch unzurechnungsfähig.


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#4
14.11.2013
11:16:29


(+1, 5 Votes)

Von m123


Ich kann diese scheiß Fresse von der Leutheusser-Schnarrenberger nicht mehr sehen. Die Frau ist dafür verantwortlich, dass in den letzten vier Jahren NICHTS passiert ist wozu das Verfassungsgericht die Regierung nicht gezwungen hat. Die Frau redet die ganze Zeit von gleichen Rechten und Gleichstellung für Homosexuelle, aber im Bundestag hat sie selbst von acht Malen genau acht Mal gegen gleiche Rechte gestimmt. Die Frau ist eine Lügnerin, eine Heuchlerin.


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#5
14.11.2013
11:35:50


(+1, 3 Votes)
 
#6
14.11.2013
13:07:03


(+4, 6 Votes)

Von stromboli
Aus berlin (Berlin)
Mitglied seit 01.05.2008


5 Personen engagieren sich neben dem Vorstand in den beiden anderen Stiftungsorganen: 21 im Kuratorium (davon 9 Vertreter der Zivilgesellschaft, 7 Bundestagsabgeordnete und 5 Bundesministerien) und 24 Wissenschaftler und Experten im Fachbeirat."
so der große präsidial regierende chef des ganzen...

Beim blick dann die "fachbeigeordneten gerade aus jenen ministerien die heute durch verweigerung , verschleppung und bürokratisierungsmaßnahmen sich hervor tun ( sihe z.b. das finanzministerium..) und in vergangenheit mit die ärgsten verfolger homosexueller emanzipationsbestrebungen waren.. ( inneres, familien-soziales- justiz und und und...)

Eine zusammensetzung nach parteipolitischen mehrheitsbedingungen ( 4 cdu'ler gegen 2 spd'ler , einem grünen einer linken und einem ex-hotelparteimitglied .. die zusammen mit den interessensvertretung aus cdu-dominierten ministerien homopolitischew fragen auf ihre relevanz und durchsetzungsmöglichkeit , ihre soziale verträglichkeit mit den herrschenden regeln der heterowelt in einklang zu beringen suchen..
alles titanen die den stein der homophobie uiafihren schultern tragen... incl. jener, die die steine zu verfügung stellen.

Proplemlösung gerade in der tradition wie der staat unser problem sieht:
1. ministerium des inneren.. soziale kontrolle möglicher abweichung von innenpolitisch gewollten verhaltensmustern..
2. ministerium der justiz.. als verfolgendes organ bestens bewehrt!
3. Ministerium der finanzen , wo wenn alle stricke reisen, die der finnanzierungsstricke gebunden werden.. immer hübsch an der leine der bezahlbaren duldung gehen!

Da gehn wir mit den instutitionen ins bett, die zuvor uns in den knast brachten..
Oder sieht zukünftig die arbeit der gesellschaft so aus, dass sie die tätervergangenheit ihrer kuratoriumsmitglieder aufarbeitet unter mitwirkung der beisitzenden ministerialsdirektoren..?
tradition vom feinsten!
Nein , da ist die nähe zur macht ja nur ein augenzwinkern wert...

Was dann die wissenschaft an freiheit in solchen vorgegebenen erinnerungsstrukturen vorfindet und über was sie eigentlich forschen soll in deren auftrag, ist zudem weiterhin offen.

Schon hirschfeld machte sich seinerzeits schuldig mit seinem anerbieten an die "mächtigen, in der seine eugenik als wissenschaftsprodukt feil geboten wurde..
Was wird denen heute als teilhabeangebot einfallen?

Ausser einem selbstherrlich sich gebenden litwinschuh in seiner führungspose hat mir das gebotene nichts gesagt , weder wohin sich schwule-gender theorie wissenschaftlich hinbewegen soll/könnte oder wie dieser zweig der entwicklung zukünftig unter der kontrolle konservativer klemmschwestern seinem unrühmlichen ende entgegen sieht.

Das öffentliche förderungsmittel in projekte fließen über deren verbleib man gnädig dann im jahresendbericht nachlesen darf ist die andere seite dieser uns hingehaltenen bundesmedaille..
Letztendlich wird dort beschlossen was "förderungswürdig für uns ist, über die gründe der ablehnung , ja über die inhalte des abgelehnten dann kein weiteres wort.. mantel des schweigens drüber...
mehr an selbstentmündigung ist kaum noch fassbar.

Was uns zwingt, auf das begleitende , den verbänden der ziviilgesellschaften einen blick zu werfen..
die geballte zusammenhäufung konservativer kräfte der "schwulen "entscheidungsführungskräfte, die da versammelt sich ihre vorstellung vom homo in der neuzeit konservativen zuschnittes belegen lassen wollen..
entsprechend die förderungen , entsprechend die projekte...
assimilierung als bewegungsauftrag.

Welche zu erwartende eignung bezüglich zu entwickelnder forschung haben z.b. die MD's der verschiedenen ministerien, wenn in den selben die eigentlich notwendigen maßnahmen zum abbau homophober strukturen unterlassen werden.. siehe familien-schulaufklärungen.. etc.
Meint einer wirklich , auch nur einer dieser vorgestellten könne zu homosexualität oder gender aussagen machen ausser den ihnen bekannten toleranzsprüchen..

Sitzen die da aber für geld ein paar stunden an tischen, wo eigentlich von betroffenen über betroffene gesprochen werden müsste.
Btw.. was ich dann von feddersen oder huk und völklinger kreis.. erwarten muss ist im gesamtkonzept des zu erwartenden nur die sahnespitze des schwärenden konservativen lebenskonzeptes...
Wieviel mitglieder vertreten denn die huk- der völklinger kreis, der lsvd.. ( von dem weis man etwas über 4000 mitglieder...
Was alkso befähigt sie in solchen kremien entscheidungen zu treffen?
"Familienpolitik mit den schwulen und alles was nicht sich einordnen lässt wird der neue aussenseiter sein.
Politisch kritisch hingegen setzt man sich mit dieser staatsstiftung nicht mehr auseinander.. hauptsache , man hat einen schuh in der tür und kann vom gabentisch was abbekommen.

Wir beschweren uns über den zeitgeistigen stillstand, wir beschweren uns über die bleierne merkel und die verlorenen jahre, die uns erwarten, und wir feiern hier eine von eben diesem geist getragene instutition, statt ihr den selbstgefälligen impetus altväterlicher gesellschaftsbewältigung um die ohren zu schlagen!

"Mit zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Projekten hat er bewiesen, dass die Hirschfeld-Stiftung deutlich mehr ist als nur ein homopolitisches Feigenblatt der scheidenden Bundesregierung."
Lieber micha, in welcher öffentlichkeit hätten wir denn da zu suchen als in der unseren?
Verbrüderungsakte mit sportvereinen ist ein nützliches , aber es verändert nicht die herkunft-ursachen der homophobie als wesentliches...

"Mit seiner präsidialen Art verschaffte .."
brauchen wir präsidiales gehabe um uns eine stimme zu geben, oder brauchen wir inhalte, die ein jeder hier vertreten könnte wenn er wollte.. ohne präsidial daherschwallern zu müssen. Das ist selbstdarstellung.. präsidial!

Das aneinanderreihen der "kontakte, der vip's und besonderheiten vom ministerpräsident über " Charity-Dinner", wo die unter sich bleiben, die eben auch dafür sorgen das sie unter sich bleiben können in zukunft , ist eher eine erbärmliche beschreibung des abgehoben seins, in dem sich diese clique mittlerweile bewegt.

Was wir feiern ist das gründungsspielzeug unserer konservativen .. indem sie ihrem trieb der vereinsmeierei und geschachtelhuberschen geheimdiplomatie frönen können.. von zeit zu zeit gewichtiges aus der vereinsarbeit publizieren und weiter abgehoben sich als geistige elite wähnend ...
Von aufbruch zu anderen ufern kann hier nicht die rede sein!


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#7
14.11.2013
13:17:46


(+3, 5 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #4 von m123


Ich mach mal den staatstragenden Anstandswauwau und mahne etwas mehr Galanterie an!

Leutheuser?

Die tat nix, die konnte nur spielen.

Nicht weil sie es so wollte, sondern weil sie eine der wenigen Liberalen in der FDP ist und die einen Koalitionspartner hatte, der eine verfassungswidrige Entrechtungspolitik betreibt.

Den hat sich jetzt ohne Not die Verfassungspartei SPD ausgesucht.

Was Verfassungsfreunde fassungslos machen kann.


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#8
15.11.2013
13:31:36


(+5, 5 Votes)

Von Loren
Aus Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern)
Mitglied seit 02.11.2013
Antwort zu Kommentar #6 von stromboli


Danke ... insbesondere für ...

"Was wir feiern ist das gründungsspielzeug unserer konservativen .. indem sie ihrem trieb der vereinsmeierei und geschachtelhuberschen geheimdiplomatie frönen können.. von zeit zu zeit gewichtiges aus der vereinsarbeit publizieren und weiter abgehoben sich als geistige elite wähnend ...
Von aufbruch zu anderen ufern kann hier nicht die rede sein!"


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