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  • 17.11.2013           3      Teilen:   |

Fortsetzungsroman "Nach der Hölle links"

Ein Wiedersehen mit dem Ex

Artikelbild
Im ersten Roman traute sich der schwule Andreas wegen seiner Angstattacken nicht vor die Tür. Drei Jahre und viele Therapiesitzungen später hat er eine eigene Wohnung in der Nähe der Hamburger Speicherstadt (Bild: Jimi Ian Jones / flickr / cc by-sa 2.0)

In Raik Thorstads neuem Roman "Nach der Hölle links" treffen die beiden Hauptcharaktere aus seinem Buch "Leben im Käfig" nach drei Jahren wieder aufeinander.

Von Frank Hebenstreit

Ich hatte bereits in meiner Rezension von "Leben im Käfig" mutig angekündigt, auch diesem Buch von Raik Thorstadt einen Platz in meinem Bücherregal bei den Klassikern freizuhalten. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass ein Fortsetzungsroman diesen auch tatsächlich bekommt. Zu oft haben wir es doch immer wieder erlebt: Eine Fortsetzung variiert nur das Ursprungsthema, kocht es neu auf, bis es dann langsam und kraftlos wie ein misslungenes Soufflee in sich zusammenfällt.

Nicht bei Raik Thorstad, diesen Namen sollte man sich offensichtlich wirklich merken und verfolgen. Mit "Nach der Hölle links" ist wieder ein fast 600 Seiten starkes Buch von ihm im Incubus Verlag erschienen. Und wieder beweist er, dass sich Masse und Klasse nicht automatisch ausschließen. Das ist auch gerade deshalb bemerkenswert, da es sich eben "nur" um eine Fortsetzung handelt.

Fortsetzung nach Anzeige


Sascha hat Andreas nie vergessen können

Versteht sich als Bi-Gender: Autor Raik Thorstad, Jahrgang 1980, lebt in Dortmund - Quelle: Incubus Verlag
Versteht sich als Bi-Gender: Autor Raik Thorstad, Jahrgang 1980, lebt in Dortmund (Bild: Incubus Verlag)

Drei Jahre sind seit den turbulenten Ereignissen im Hause derer von Winterfeld vergangen – der Familie seines Ex-Freunds Andreas. Sascha hat ein Psychologie-Studium aufgenommen. Er lebt mit seinem neuen Lover Nils und dessen bester Freundin in einer Dreier-WG. Der Kontakt zu seiner Mutter ist nach wie vor schlecht, aber seine Tante bietet ihm immer noch gern eine Anlaufstelle in seiner Wahlheimat Hamburg. Schade nur, dass die direkt neben der dunklen und abweisenden Villa von Winterfeld liegt.

Männer hatte Sascha auf dem Weg bis hier schon einige. So ist er über das Vögeln auch an seinen jetzigen Freund Nils geraten. Eigentlich hatten sie als "Friends with benefits" begonnen, aber im Laufe der Zeit ist irgendwie immer mehr daraus geworden. Nils nimmt Sascha in Beschlag und fordert von ihm alles ein, was eine Beziehung ausmacht. Bekommt er es nicht, hat er immer wieder ein schlagkräftiges Argument: "Für Andreas hättest Du es getan!".

Sascha hat Andreas nie vergessen können. Doch kein Wort, keine Mail, kein Blick ist zwischen Sascha und Andreas in diesen drei Jahren gewechselt worden. Dabei hat letzterer sicherlich den härteren Weg zurückgelegt. Andreas hat viele Monate in Kliniken und Therapien verbracht. Mühsam hat er gegen seine Agoraphobie und deren Begleiterscheinungen angekämpft. Er hat sich immer wieder den Stimmen und Emotionen, der Angst und Panik entgegengestellt.

So lebt er inzwischen in einer eigenen Wohnung in der Nähe der Speicherstadt. Groß und luxuriös, ist klar, denn ein von Winterfeld muss ja nach Ansicht der Eltern anständig logieren. Das Beste an dieser Wohnung im vierten Stock ist jedoch die Riesendachterasse, auf der sich Andreas tatsächlich häufig aufhält und es genießt, sich diese Freiheit erkämpft zu haben.

Zur Gewöhnung an einen geregelten Tagesablauf arbeitet er fünf Vormittage in der Woche als Praktikant in einem Tierheim. Dort ist er im Laufe der Zeit zu einer festen Größe und Hilfe geworden. Einige Tiere, insbesondere ein großgewachsener Hund, haben tiefes Vertrauen zu ihm gefasst und lassen sich von ihm am ehesten bändigen. Einem weiteren Mann hat Andreas nicht erlaubt, in sein Leben zu treten.

Einer kurzer Moment und eine Unmenge von Entscheidungen

Spannend auch für Neueinsteiger: Raik Thorstads Fortsetzungsroman "Nach der Hölle links"
Spannend auch für Neueinsteiger: Raik Thorstads Fortsetzungsroman "Nach der Hölle links"

Sowohl Andreas als auch Sascha haben sich also in ihrem Leben einigermaßen eingerichtet, als passiert, was passieren muss. Sie treffen einen kurzen Moment aufeinander. Zufällig. Was nun folgt, ist logische Konsequenz aus den Entwicklungen der letzten drei Jahre.

Für Andreas Therapie wären weitere Treffen förderlich, aber eigentlich will er das gar nicht. Seine Eltern kämpfen mit sich selbst. Saschas Schwester zieht ebenfalls nach Hamburg, was in der Familie das endgültige Chaos auslöst. In der Beziehung mit Nils kommt es zum großen Knall, inklusive der Frage: Ausziehen oder bleiben und kämpfen? Nur durch den einen Moment der Begegnung ausgelöst, stehen die beiden jungen Männer vor Unmengen von Entscheidungen. Ein steiniger Weg zeichnet sich ab, von dem nicht absehbar ist, ob sie ihn überhaupt gemeinsam gehen oder sich wieder komplett voneinander abwenden.

Man merkt diesem Buch an, wie sehr sich Thorstad weiter entwickelt hat. Erzähltechniken hat er verfeinert, und bereits auf den ersten paar Seiten fängt er seine Leser wieder ein. "Nach der Hölle links" steht dem ersten Buch in nichts nach und kann zudem auch als einzelner Roman gelesen werden. Bezüge zur Vergangenheit werden für Neueinsteiger so klar und prägnant eingesetzt, dass selbst der Kenner der Vorgeschichte nicht gelangweilt weiterblättern will. Im Gegenteil: Die Schilderung des Vergangenen fesselt noch mehr an den Verlauf.

Selten ist ein großer Moment, in dem für die Beteiligten die Zeit stillsteht, so unprätentiös und schnörkellos beschrieben worden wie das Wiedersehen zwischen Sascha und Andreas. Raik Thorstad verzichtet dabei komplett auf große Plattitüden und wortgewaltige Sätze. In seiner bewährt feingliedrigen Art und Weise beschreibt er diesen und andere große Momente seiner Geschichte, um kurz danach wieder eine unbändige Schnelligkeit in das Geschehen zu bringen. Thorstad musste offensichtlich einfach nur die Geschichte seiner beiden Jungs weitererzählen, das scheint der Haupt-Beweggrund für diese spannenden 592 Seiten zu sein.

Fazit: Auch der Fortsetzungsroman "Nach der Hölle links" hat sich seinen Platz im Bücherregal bei den LGBT-Klassikern redlich verdient!

  Infos zum Buch
Raik Thorstad: Nach der Hölle links. Roman. Taschenbuch. 582 Seiten. Incubus Verlag. Dortmund 2013. 11,95 €. ISBN 978-3-9815948-0-5.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
Mehr zum Thema:
» Rezension von "Leben im Käfig": Junger Schwuler mit Angststörung (18.08.2013)
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Tags: raik thorstad, incubus verlag, fortsetzungsroman
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Reaktionen zu "Ein Wiedersehen mit dem Ex"


 3 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
18.11.2013
00:31:56


(0, 2 Votes)

Von Joachim Mast


Raik Thorstadt ist sicherlich eine Ausnahme unter all jenen, die sich momentan im ebook-Bereich tummeln.
Schön entworfene, detailliert und trotzdem spannend geschilderte Handlungen, die immer wieder überraschen.
Ich hatte mich auch sehr auf diese Fortsetzung gefreut und muss sagen, sie hat mich keinen Moment lang enttäuscht.


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#2
18.11.2013
09:24:48
Via Handy


(+2, 2 Votes)

Von jarjar


Ein Lob an dieser Stelle mal an die Queer Redaktion. Ich lese immer gerne Buch/Comic und Filmtipps von euch.


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#3
18.11.2013
21:01:43


(0, 2 Votes)

Von leseratte


Ein wirklich wunderbares Buch. Fast noch spannender und berührender als sein Vorgänger. Man konnte wieder fast nicht aufhören zu lesen. Wer an der Leseprobe interessiert ist:

Link zu www.fanfiktion.de

Es ist sehr zu empfehlen.


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