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  • 30. November 2004, noch kein Kommentar

Zum 75. Geburtstag von James Last gibt es ein ungewöhnliches Album mit Gästen wie Xavier Naidoo, Grönemeyer und sogar Elvis!

Von Jan Gebauer

James Last verdient großen Respekt. Mit 75 ist der Bandleader aktiv wie eh und je. Seit den frühen 60er Jahren veröffentlicht er Alben – weltweit mittlerweile über 200 - und seine Verkäufe belaufen sich auf rund 80 Millionen Platten. Damit ist er der erfolgreichste deutsche Album-Künstler überhaupt. Ans Aufhören denkt der Musiker jedoch noch lange nicht: "Ich werde noch lange auf der Bühne stehen. Nee, eine Abschiedstournee werde ich nicht machen. Das ist etwas für Künstler, die nie ganz bei der Sache waren. Es gibt ja Künstler, die werden einmal geboren, geben aber fünfzehn Abschiedstourneen", sagte der Wahl-Amerikaner (lebt mit Frau in Miami) in einem Interview mit der Plattenfirma Universal, bei deren Label Polydor Last seit seiner ersten LP unter Vertrag steht.

Gesagt – getan! James Last ist derzeit wieder auf Tour (queer.de berichtete) und sein aktuelles Album "They Call Me Hansi" (Hans ist sein Geburtsname – Hansi folgerichtig sein Spitzname) bietet eine stattliche Anzahl von angesagten Stars, die alle James Last ihren Tribut mit alten und neuen Songs (teilweise vom Großmeister selbst verfasst) zollen. Dabei liest sich die Riege so ungewöhnlich, wie die musikalischen Genres im Zusammenhang mit James Last: Rap- und Hip-Hop-Stars RZA (Wu Tang Clan) und Jan Delay, R&B-Prediger Xavier Naidoo, Punk-Nudel Nina Hagen, Pop-Tiger Tom Jones, Opern-Schwergewicht Luciano Pavarotti, Neuseelands Nachwuchs-Sirene Hayley Westenra, Jazzer Till Brönner und schließlich die 1977 verstorbene Rock-Legende Elvis Presley.

Das Anhören lohnt sich bei allen zehn Songs auf "They Call Me Hansi". Ob das Hörvergnügen dabei immer so uneingeschränkt ist, bleibt fraglich. Die ersten beiden Titel von RZA und Jan Delay sind musikalisch erstklassig (insbesondere "The Lonely Shepard", besser bekannt als "Einsamer Hirte" mit der Panflöte von Gheorghe Zamfir), aber der Rap beziehungsweise "Gesang" schadet beiden Songs. Gerade RZAs Einsatz ist unerträglich – wen interessiert da noch, was er da überhaupt von sich gibt.

Dann lieber wie im Film "Kill Bill" den "Einsamen Hirten" ohne das Gesülze. Auch Jan Delays vokale Künste sind eine Sache für sich und erinnern eher an Kermit den Frosch. Grundsätzlich ist es natürlich eine schöne Sache, dass auch solche Leute mit am musikalischen Bord sind, also lassen wir Gnade vor Recht walten. Dass James Last mit Tom Jones, Elvis Presley und Luciano Pavarotti große, gestandene Stimmen auf dem Album hat, die alle ihre Songs hervorragend vortragen, stimmt ohnehin mehr als versöhnlich. Übrigens wählte der "King of Rock'n'Roll" Elvis persönlich den Last-Titel "Fool" aus. Richtigen Easy-Listening gibt es nur an einer Stelle auf dem Album, nämlich beim brillanten Klassiker "Windmills Of Your Mind" (unzählige Male aufgenommen von Künstlern wie Dusty Springfield, Neil Diamond, Patricia Kaas, Alison Moyet, etc.), hier unterstützt durch den begnadeten deutschen Jazzer Till Brönner. Ansonsten überrascht James Last mit seiner Hingabe zu aktuellen Genres und Arrangements.

Hinweisen sollte man auch auf die erstklassigen Fotos von Anton Corbijn, der James Last düster und stimmungsvoll wie niemals jemand zuvor ablichtete. Das erinnert sehr an seine Aufnahmen von Johnny Cash (Album: "American Recordings"). Vorbei die Zeiten als Hansi in schrillen Klamotten skurill von den Covern schaute. Als ergrauter Lounge-Fürst in edlem Anzug kann man ihn aber noch bei seinen zahlreichen Konzerten erleben. Da bleibt der Stetson zu Hause.

30. November 2004