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Das neue Album der Diva

Barbra live: Altmodisch im besten Sinne


Eine der letzten Diven, die gestandene schwule Männer noch verzücken kann: Barbra Streisand (Bild: Sony Music)

Barbra Streisands Live-Album "Back to Brooklyn" bietet die großen Klassiker aus ihrer 51 Jahre andauernden Platten-, Musical- und Filmkarriere in wohligen Orchesterarrangements.

Ein Zeichen des Universums glaubte der Schreiber dieses Artikels wahrzunehmen, als eine Nachricht durchs Netz geisterte. Ausgerechnet an seinem Geburtstag sollte Barbra Streisand zum allerersten (und angesichts ihres Alters womöglich auch letzten) Mal in Köln gastieren. Den Genuss gab es allerdings nur zu schwindelerregenden Ticketpreisen. Das Konzert im Juni dieses Jahres geriet zu einer Art Hochamt vor allem für viele Schwule im besten Mannesalter. Ähnliche Szenen spielten sich der Facebook-Überlieferung auch in Berlin, Amsterdam, London und Tel Aviv ab.

Nur noch wenige Diven sind übriggeblieben, die sich einer solch kultischen Verehrung erfreuen dürfen. Das mag auch daran liegen, dass sich die Streisand nach einem Trauma auf der Live-Bühne rar gemacht hat. Bei einem Konzert im New Yorker Central Park vergaß sie 1967 nach eigenen Worten vor lauter Lampenfieber die Texte von einigen ihrer Songs. 27 lange Jahre dauerte es, bis sie sich wieder vor ein großes Publikum wagte. Die ersten beiden Konzerte der letzten kleinen Tour, die triumphale Rückkehr ins heimische Brooklyn am 11. und 13. Oktober 2012, gibt es nun als Ton und Bild.

Souverän, schlagfertig und selbstironisch


Barbra Streisands Live-Album "Back to Brooklyn" ist als CD und als CD/DVD-Deluxe Edition bei Sony Music erschienen

Schon mal vorab der Warnhinweis: So richtig lohnt sich nur die Deluxe-Edition, die neben der Live-CD auch den dazu passenden Konzertmitschnitt auf DVD enthält. Denn auch die tollste Soundtechnik kann nicht kaschieren, dass die Stimme der zum Zeitpunkt der Aufnahme 70-Jährigen bei aller noch immer vorhandenen Brillanz schon Schrammen angesetzt hat. Das fällt vor allem auf, wenn sie sich junge Partner wie ihren Sohn Jason Gould oder das italienische Tenor-Trio Il Volo zum gemeinsamen Singen auf die Bühne holt. Und um die Höhen von einst macht die Diva wohlweislich einen möglichst unauffälligen Bogen.

Doch der Vergleich mit den alten Studioaufnahmen ist natürlich ungerecht. Und es macht Spaß, Barbra Streisand in der Interaktion mit ihrem begeisterten und zum Teil andächtig mitsingenden Publikum zuzuschauen, viele von ihnen wie die Sängerin in den besten Jahren. Souverän, schlagfertig und selbstironisch hält sie die Fäden dabei jederzeit in der Hand.

Die meisten der großen Klassiker aus der 51 Jahre andauernden Platten-, Musical- und Filmkarriere wurden in wohlige Orchesterarrangements getaucht, "People" ebenso wie "Funny Girl", "The Way We Were" wie "The Way He Makes Me Feel", "Evergreen" wie "Don't Rain On My Parade". Nur einmal wird die schon fast besinnliche Atmosphäre durchbrochen, als sich Ms. Streisand an eine Kurz-Version von "No More Tears (Enough is Enough)" wagt. Ausfälle gibt es hier keine, nur der einzige neue Song, die klebrige Weltverbesserhymne "Make Our Garden Grow" inklusive Tenören und großem Chor hätte nicht unbedingt sein müssen.

"Back to Brooklyn" bietet altmodisches Entertainment im allerbesten Sinne und vielleicht eine der letzten Chancen auf ein Live-Album der großen Meisterin bei noch annehmbarer Stimme. (to)



Unterwegs mit Barbra

Die witzige Road-Trip-Story "Unterwegs mit Mum" mit Barbra Streisand ist jetzt auf DVD erschienen.