Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?2053

Am Welt-Aids-Tag wird zum 16. Mal an die Opfer von HIV und Aids erinnert. queer.de blickt zurück.

Von Dennis Klein

"Es kann nicht mehr um noch mehr Verständnis für Randgruppen gehen, sondern darum, sie auszudünnen", so der bayerische Kultusminister Hans Zehetmair anno 1987. Nicht etwas Aids sollte damals bekämpft werden, sondern die Schwulen: "Diese Randgruppe muss ausgedünnt werden, weil sie naturwidrig ist." Heute klingt so mancher Vorschlag der bayerischen Staatsregierung wie eine Anekdote aus dem Orwell'schen Überwachungsstaat. So sollten alle Schwulen zwangsweise wöchentliche Aids-Tests absolvieren – die Niederlande ängstigte sich bereits vor deutschen HIV-Flüchtlingen. Aids war damals ein Abend füllendes Thema – in der Politik gruppierten sich zwei Lager: Auf der einen Seite standen die, die mit Zwangs-Aidstests Schwule kontrollieren wollten – sie versammelten sich um den damaligen bayerischen Staatssekretär Peter Gauweiler. Auf der anderen Seite war die Gruppe um die damalige Bundesgesundheitsministerin Rita Süßmuth, die mit Aufklärung und Informationen die Öffentlichkeit, vor allem die Schwulen, für das Thema sensibilisieren wollten.

Die zweite Gruppe machte das Rennen – nicht zuletzt durch die Unterstützung der Deutschen Aids-Hilfe (DAH), die mit Aufklärung unter Schwulen, Hilfen für Betroffene und politischem Engagement dazu beitrugen, dass die HIV-Infektionen in Deutschland im Vergleich zu anderen westlichen Ländern sehr niedrig geblieben sind.

Die erste Aids-Hilfe entstand im September 1983 in Berlin. Die Gründung war eine Reaktion auf die Medienberichte über eine Immunschwächekrankheit unter homosexuellen Männern, die ab Mitte 1982 von der deutschen Presse aufgegriffen wurden. Seit dem Dezember 1985 ist die Deutsche Aids-Hilfe die Dachorganisation aller bundesdeutschen Aids-Hilfen – inzwischen sind es 130. Zunächst wurde Aids als rein schwules Problem begriffen. Ab Mitte der 80er strömten jedoch mehr und mehr Personen aus anderen Risikogruppen in die Organisation: Engagierte aus der Drogenarbeit, aus Prostituierten- und Frauenprojekten und aus Hämophilengruppen (Bluttransfusions-Empfänger).

Seit 1988 findet der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember statt. Er ist der Solidarität mit Infizierten und ihnen Nahestehenden gewidmet, soll aber auch Verantwortliche in Politik, Medien, Wirtschaft und Gesellschaft daran erinnern, dass HIV nicht besiegt ist. In den 90er Jahren entwickelte sich der Welt-Aids-Tag immer mehr zu einer Art gesellschaftlichem Ereignis, der von den Aids-Hilfen zum Anlass genommen wird, zu Spenden aufzurufen.

Mit dem Erfolg der Aids-Hilfe hat jedoch auch das Interesse an Aids gerade in den letzten Jahren rapide abgenommen. Die teilweise apokalyptischen Vorhersagen über die Ausbreitung der Immunschwächekrankheit hat sich bisher nicht erfüllt – zumindest nicht in Deutschland. Seit 1996 gibt es zudem Medikamente, mit denen die Krankheit erfolgreich behandelt werden kann. Viele sehen in Aids daher eine chronische Krankheit, die mit ein paar Pillen aus der Welt geschafft werden kann – sie vergessen, dass eine Heilung nach wie vor unmöglich ist. Trotzdem geht aus Untersuchungen hervor, dass die Infektionsrate aufgrund der Nachlässigkeit auch unter Schwulen wieder steigen könnte. Gegenwärtig gibt es in Deutschland knapp über 2.000 Neuinfektionen pro Jahr.

1. Dezember 2004



#1 ibuensnetAnonym
  • 04.12.2004, 01:45h
  • Allerwerteste Schwestern und Brüder!
    Wer von Euch will verantwortlich leben, lustvoll dabei aber gesund? Das geht auch ohne AIDS, mit HIV (das jeder hat) also ungetestet aber ohne antiretrovirale Pillen auf Lebenszeit. Noch ist es nicht zu spät, lest und denkt selbst, wenn Ihr könnt:

    www.rethinkingaids.de
  • Antworten » | Direktlink »