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  • 01.12.2013           15      Teilen:   |

Von der Steinzeit bis heute

A Little Gay History

Artikelbild
Natürlich dürfen auch die alten Griechen im Katalog des British Museum nicht fehlen: Diese Schale mit feiernden nackten Männern stammt etwa aus dem Jahr 480 vor Christus (Bild: The Trustees of the British Museum)

Vorbildlich: Das British Museum in London präsentiert Objekte der eigenen Sammlung, die im weitesten Sinn die Geschichte der Homosexualität spiegeln, in einem eigenen Katalog.

Von Kevin Clarke

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Das British Museum verkauft in seinem Museumsshop seit Jahren hübsche kleine Geschenkbücher, die sich vorzugsweise den Themen Blumen und Katzen widmen. Und genau in diesem handlichen Geschenkformat ist auch die 128 Seiten dicke LGBT-Geschichte verpackt. 41 Objekte werden in kurzen Texten vorgestellt – von den 12.000 Jahre alten "Liebenden von Ain Sakhri", der ältesten erhaltenen figürlichen Darstellung des menschlichen Koitus, über Geschlechter wechselnde mesopotamische Göttinnen, den ersten überlieferten schwulen Kuss der Geschichte im alten Ägypten bis zu Kaiser Hadrian, Shakespeare und der Neuzeit.

Alles wird dabei vorsichtig auf seine Relevanz im LGBT-Kontext abgeklopft. Die Vorsicht ist Konzept: Niemand soll vor den Kopf gestoßen werden mit radikalen Interpretationen, sondern selbst die größten Gegner von Homosexualität sollen sich vor den akademisch einwandfrei recherchierten und sachlich präsentierten Fakten beugen müssen. Denn es gibt gegen die hier präsentierten Argumente einer LGBT-Lesart keine haltbaren Gegenargumente.

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In Deutschland hat man über einen LGBT-Katalog noch nicht nachgedacht

LGBT-Geschichte im Pocketformat: Auf 128 Seiten werden 41 Objekte vorgetellt
LGBT-Geschichte im Pocketformat: Auf 128 Seiten werden 41 Objekte vorgetellt

Das macht das Buch so explosiv. Und wunderbar. Es wurde vom British Museum selbst herausgegeben, bekam also den offiziellen Stempel der angesehenen Institution aufgedrückt, was dem Buch nochmal eine andere Stellung innerhalb der internationalen Museumswelt verleiht. Es gibt natürlich auch in anderen Sammlungen Objekte, die die Geschichte der Homosexualität spiegeln, aber andere Museen haben es bislang nicht gewagt, diese Objekte in einem Buch wie diesem gebündelt vorzustellen.

Auf Anfrage sagte beispielsweise das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin, noch nicht einmal über solch ein Projekt nachgedacht zu haben, obwohl es natürlich auch in Deutschland die Verfolgung von "Sodomiten" gab, die in der ein oder anderen Form dokumentiert ist und entsprechend gezeigt werden könnte – wie zum Beispiel in der "Little Gay History" ein Plakat aus Amsterdam aus dem Jahr 1730. Dort sieht man, wie im gar nicht so liberalen Holland des 18. Jahrhundert vor "gottlosen" und "verdammungswürdigen" Menschen gewarnt wird, die wegen ihres "Lasters" auf dem Scheiterhaufen endeten.



Weil das Buch ein modernes Buch ist, ist der Begriff "Homosexualität" nicht auf Schwule begrenzt und überhaupt weit gefasst. D.h. es gibt Beispiele für lesbische Liebe, für Transgendergottheiten aus Asien und Indien, für Cross Dressing im Frankreich des 18. Jahrhunderts (der seltsame Fall von Charles-Geneviève-Louis-Auguste-André-Timothée d'Èon de Beaumont) und Beispiele für Toleranz von homoerotischer Liebe in der Antike, im pazifischen Raum, bei den nordamerikanischen Indianern usw.

Die sympathisch formulierte Einleitung von Richard B. Parkinson, seines Zeichens Ägyptologe und demnächst Professor in Oxford, kann man fast als LGBT-Manifest lesen. Er selbst sagt, es gäbe bereits genügend große Geschichtsbücher über Homosexualität. Aber ein solches kleines Buch von solch einem Museum gab's noch nicht. Es sei gemacht für Teenager, die mit ihrem Coming-out beschäftigt sind, damit sie's selbst lesen und gleich noch ihren Eltern ein Exemplar schenken können. Für die internationalen Besucher des British Museum wird derzeit an einer französischen Ausgabe gearbeitet, Deutsch ist nicht in Planung. Selbst wenn man kein Teenager mehr ist, wird man an dieser mit spürbarer Liebe zum Detail aufbereiteten Publikation viel Freude haben.

Der Zuspruch der Museumsbesucher ist rundum positiv

Die "Warren Cup", auf der man ein älteres Paar beim Sex sieht, das von einem Sklaven beobachtet wird, Palästina, 10 n. Chr.
Die "Warren Cup", auf der man ein älteres Paar beim Sex sieht, das von einem Sklaven beobachtet wird, Palästina, 10 n. Chr. (Bild: The Trustees of the British Museum)

Das Buch kam in London zu dem Zeitpunkt heraus, wo die konservative Regierung beschloss, die Ehe zu öffnen. Der Zuspruch der Museumsbesucher war rundum positiv. Einige Twitter-Reaktionen lauteten: "A bold and progressive move by one of the world's most global (and oldest) museums" sowie "Will/would/could @metmuseum develop something like this?"

Nicht nur das Metropolitan Museum in New York sollte sich diese Frage gefallen lassen, sondern auch die großen Institutionen in Deutschland. Wie Richard Parkinson so schön sagt: "Jedes Museum der Welt hat Objekte in seiner Sammlung, die etwas mit LGBT zu tun haben. Es ist wichtig, sie mit der gleichen Selbstverständlichkeit zu zeigen und zu kommentieren wie alle anderen Objekte auch."

Ein beeindruckendes Beispiel für den veränderten Umgang mit derartigen Objekten ist die Geschichte der sogenannten "Warren Cup", die im Buch erzählt wird. Der Silberbecher aus dem ersten Jahrzehnt unserer Zeitrechnung zeigt zwei männliche Paare beim Sex. Der Becher wurde dem Museum in den 1950er Jahren zum Kauf angeboten und damals abgelehnt, weil Homosexualität zu der Zeit in England eine Straftat war und man ein solches Objekt nicht in der Sammlung haben wollte – weil man meinte, es nicht ausstellen zu können. Erst 1999 kaufte das Museum den Becher doch noch und stellte ihn aus – er wurde ein echter Publikumsmagnet.



Genauso wie das British Museum mit seiner Kaiser-Hadrian-Ausstellung, in der auf die "Imperial Romance" zwischen Hadrian und Antinous eingegangen wurde, einen Volltreffer landete. Derart positive Reaktionen auf LGBT-Themen dürften den Ausschlag gegeben haben, dem Buchprojekt grünes Licht zu geben, denn man hatte im Museum durchaus Angst, wichtige Sponsoren zu verprellen, wenn sie von dem Vorhaben erfahren sollten, in dem es auch um Nationalheilige wie William Shakespeare und seine homoerotischen Sonette geht.

Shakespeare und die Sonette sind übrigens ins Buch gekommen, erzählt Parkinson lachend. Nur auf Objekte aus China hat man aus museumpolitischen Gründen verzichtet. Vielleicht finden die ja einmal den Weg in die erweiterte Neuausgabe des Buchs.

  Infos zum Katalog
R. B. Parkinson: Little Gay History: Desire and Diversity Across the World. 128 Seiten. Thames & Hudson. London 2013. 9,95 €. ISBN 978-0714151007
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» The British Museum über "Same Sex Desire"
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Tags: british museum, gay history
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Reaktionen zu "A Little Gay History"


 15 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
01.12.2013
16:59:53


(+14, 14 Votes)

Von Finn


Toll!

Das zeigt auch nochmal, dass es Homosexualität immer schon gab und dass andere Zeiten und andere Kulturen ganz anders damit umgingen.

Von solchen Sachen wünscht man sich noch mehr... Auch von anderen Museen. Und auch nicht nur als Katalog, sondern auch mal als Ausstellung!


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#2
01.12.2013
17:31:47


(+7, 11 Votes)

Von Sven89


Wieso kamen diese vielen Objekte in Art und Umfang nach London? Und nicht nach Berlin?


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#3
01.12.2013
17:49:48


(+9, 13 Votes)

Von Anti Homo Law
Antwort zu Kommentar #1 von Finn


Eigentlich gab es in der Menschheitsgeschichte noch nie eine derart aggressive (hetero-) sexistische Dauerbilderflut und -beschallung wie heute.

Eine Gesellschaft, in der immer und überall nahezu ausschließlich Frauen objektifiziert und als das angeblich "unwiderstehliche", "schöne Geschlecht" inszeniert und diese Bilder über alle massenmedialen Kanäle schon Kleinkindern immer brutaler eingetrichtert werden.

Es wäre die Aufgabe von Schwulen, diesen einseitigen, unterdrückerischen, ausbeuterischen Bildern massenhaft etwas anderes entgegenzusetzen und selbstbestimmte "männliche" Körperlichkeit und Sexiness und schwule Geilheit in ihrer ganzen Vielfalt gerade für Jugendliche und junge Erwachsene sichtbar zu machen.


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#4
01.12.2013
18:02:22


(+9, 15 Votes)
 
#5
01.12.2013
18:11:46


(+10, 12 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #1 von Finn


Danke für den Lesetipp!

Wenn Popen, noch dazu griechische [!] dann von nicht-tradiitionellen [!] Beziehugen faseln, dann zeigt sich, dass sie nicht nur menschenfeindlich sind, sondern auch uninformiert sein wollen.

Die Verdrängungsleistungen der Heteronormativität sind enorm.

Und deswegen auch so beängstigend...


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#6
01.12.2013
18:37:19


(+8, 12 Votes)

Von Lebedinoje oser
Antwort zu Kommentar #4 von better than


vielleicht dann doch noch ein hübscher kleiner geschenkclip mit asiatischen schriftzeichen für den autor?

Youtube-Video:


"Fog over the Channel. Continent isolated"

Link zu www.spiegel.de

Link zu www.welt.de


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#7
01.12.2013
21:54:10


(+6, 8 Votes)

Von Katrin
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Na, wenn das Buch nicht provozieren will kann ich das ja mal machen:

Ein Mann tut gut daran, keine Frau zu berühren. (1. Kor 7,1)


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#8
01.12.2013
22:25:55


(+3, 5 Votes)

Von Otto Schnelzer


Obacht, der Warren Cup könnte aus guten Gründen eine Fälschung sein. Das macht ihn zwar nicht weniger interessant, aber unter ganzen anderen Aspekten. Man vergleiche:
Link zu www.zeit.de


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#9
02.12.2013
09:21:03


(+5, 5 Votes)

Von Enyyo


Klasse Sache!

Ich habe gerade eine Mail an feedback@britishmuseum.org geschrieben, gratuliert und eine Übersetzung auch ins Deutsche vorgeschlagen.

Tja, in der Monarchie ist dieses Riesenmuseum halt auch kostenlos fürs Volk, während in anderen Ländern (unserer "Demokratie" z.B.) alleine schon die Eintrittspreise der Museen die Armen dumm und die reiche Bildungsschicht unter sich halten...


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#10
02.12.2013
11:06:34


(+4, 6 Votes)

Von Julian S
Antwort zu Kommentar #2 von Sven89


"Wieso kamen diese vielen Objekte in Art und Umfang nach London? Und nicht nach Berlin?"

Weil in London offenbar die Leute mehr Ahnung von Kunst hatten als in Deutschland.

Und im Dritten Reich wäre sowas ja eh entartete Kunst gewesen und zerstört worden. Insofern gut, dass das nicht in Deutschland war, sondern anderswo...


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