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Der oberste Gerichtshof in Neu-Delhi macht Homosexualität wieder zum Verbrechen (Bild: Wiki Commons / Legaleagle86 / CC-BY-SA-3.0)

Die größte Demokratie der Welt hat gleichgeschlechtliche Beziehungen vier Jahre nach der Legalisierung überraschend wieder verboten.

Der oberste Gerichtshof Indiens hat am Mittwoch eine bahnbrechende Entscheidung der Vorinstanz aus dem Jahr 2009 aufgehoben und damit Sex zwischen Mitgliedern des gleichen Geschlechts untersagt. Die Richter erklärten, dass das Parlament das Recht habe, über die rechtliche Situation von Homosexuellen zu entscheiden. Damit drohen Schwulen und Lesben nach einem alten britischen Kolonialgesetz wieder bis zu zehn Jahre Haft.

Vor vier Jahren hatte das Hohe Gericht in Neu-Delhi den Paragrafen 377 des Strafgesetzbuches noch aufgehoben, weil er gegen die Grundrechte von Homosexuellen verstoßen habe (queer.de berichtete). Dieses Gesetz hat "geschlechtliche Aktivitäten gegen die Natur" unter Strafe gestellt und war hauptsächlich gegen Schwule eingesetzt worden. Mehrere Politiker sowie religiöse Aktivisten haben nach der Aufhebung des Verbots Einspruch eingelegt (queer.de berichtete).

"Heute ist ein schwarzer Tag"

LGBT-Aktivisten zeigten sich geschockt vom erneuten Verbot: "Das war völlig unerwartet. Heute ist ein schwarzer Tag", erklärte Arvind Narrain, der als Anwalt für eine Homo-Gruppe arbeitet. "Wir sind ausgesprochen wütend darüber, dass das Gericht eine derart rückwärtsgewandte Entscheidung getroffen hat". Amnesty International nannte das Urteil einen "schweren Schlag gegen die Gleichbehandlungsgrundsatz, gegen die Privatsphäre und die Menschenwürde".

Nun wird geprüft, ob ein Einspruch vor den Höchstrichtern Aussichten auf Erfolg hat. Außerdem könnten sie bei der Regierung dafür werben, den Paragrafen 377 abzuschaffen. Eine Mehrheit im Parlament gilt jedoch als unwahrscheinlich, da im Mai Wahlen stattfinden und das Thema Gleichstellung von Schwulen und Lesben im äußerst konservativen Land nicht populär ist.

Religiöse Gruppen, insbesondere die christlichen und muslimischen Gemeinschaften in Indien, begrüßten das erneute Homo-Verbot. So erklärte Zafaryab Jilani vom Indisch-Muslimischen Justizrat in einer ersten Reaktion, das Gericht habe die "Kultur dieses Landes" aufrechterhalten.

Homosexualität ist in der indischen Gesellschaft ein Tabuthema, auch wenn es seit der Legalisierung 2009 vermehrt in den Medien behandelt wurde. Immer wieder hetzten jedoch hochrangige Politiker gegen Schwule und Lesben. So erklärte etwa Gesundheitsminister Ghulam Nabi Azad, Homosexualität sei eine "westliche Krankheit" (queer.de berichtete). Das Verbot von Homosexualität war in dem inzwischen 1,2 Milliarden Menschen zählenden Land 1860 von den britischen Kolonialherren eingeführt worden. (dk)



#1 PelayoAnonym
  • 11.12.2013, 11:25h
  • Alles höchst bedauerlich! Die Schwulen- und Lesbenorganisationen dieses Landes sollten
    so schnell wie möglich alle Informationen einholen, um zu prüfen, ob dieser Urteilsspruch langfristig Bestand hat.
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#2 stephan
  • 11.12.2013, 11:36h
  • Was für ein gewaltiger Rückschritt, wenn sich nun der indische Staat wieder darin einmischt, was zwei erwachsene Menschen hinter verschlossenen Türen tun. Nicht zu begreifen, dass es Menschen gibt, die genau das wollen und es mit Freiheit und Rechtsstaatlichkeit für vereinbar halten!
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#3 lucdfProfil
#4 SmileyEhemaliges Profil
  • 11.12.2013, 11:40h
  • >Verbot von Homosexualität [..] 1860 von den britischen Kolonialherren eingeführt<

    Was heute vom Westen aus zurecht als Unrecht und unwürdige Diskriminierung kritisiert wird, ist in den meisten Weltgegenden nichts anderes als der sehr erfolgreiche Export europäisch-christlicher Homophobie per Kolonialherrschaft.

    Das gilt für Asien, Arabien, die Amerikas und Afrika. Die Welt, die Weltreiche die von den Nationen Europas zusammengezwungen wurden.

    Die drakonischen Gesetze gegen Homosexualität belegen indirekt auch die kompromißlose Brutalität des kolonialen Unterdrückungsalltags. Denn der Kampf gegen die Verderbnis insbesondere der Mannesliebe war ja nicht der Hauptschauplatz gesetzgeberischer Aktivitäten der europäischen Herrenmenschen. Das waren die Gesetze zur möglichst vollständigen Ausbeutung der Ressourcen und der Menschen.

    Gleichzeitig sehen wir eine staatlich unterstützte autochthone Kultur eines nahezu totalitären Machismo und der völligen Entrechtung und Entwürdigung der Frau am Werk. Inklusive Witwenverbrennung, Mitgiftmorden, Abtreibung weiblicher Föten und des Kindesmords an weiblichen Neugeborenen. Ich nehme an, die Berichte über die Vergewaltigungen der letzten Jahre sind noch bekannt.
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#5 GurkenhobelAnonym
  • 11.12.2013, 11:48h
  • Dieses Urteil, Vergewaltigungen, die meist nicht verfolgt werden .. Indien hat die Bezeichnung Demokratie nicht verdient!
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#6 handoutAnonym
#8 m123Anonym
  • 11.12.2013, 12:10h
  • Dieser menschenrechtsiwdrige Richterspruch betrifft ein Volk von 1,2 Milliarden Menschen, d. h. 1.200.000.000 Menschen. Wenn nur 3% der Inder homosexuell wären, so sind das schon 36 Millionen, d. h. 36.000.000 Menschen, die dieser Richterspruch sehr hart trifft.
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#9 Fred i BKKAnonym
  • 11.12.2013, 12:11h
  • ...eine schreckliche Mischung von Einfluessen kommt nicht nur von Moslimen,Christen sondern auch von der groessten Gruppe der Hindus...
    alles wird als westliche Krankheit angeprangert...ich erinnere mich an die Hindu-Aktionen gegen die Paare welche am Valentinstag mit Rosen auf der Strasse erwischt wurden und die widerlichen Attaken gegen sie...

    Ich habe hier mehrfach erlebt dass Inder im
    Cabaret ploetzlich aufstanden und den Saal verliesen ,nachdem sie merkten,dass die Damen bei der Show Transgender waren...
    Abfaellige Bemerkungen ueber Ladyboys z.B in der Khaosan Road ,von seiten junger Inder habe ich auch schon vernommen....

    auch bei denen sind die Religionen die Wurzel der meisten Kaempfe ,des Hasses und der Verachtung anderer......
    Garnicht zu reden von Frauenrechten....
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#10 BerichterstattungenAnonym
  • 11.12.2013, 12:17h
  • Antwort auf #4 von Smiley

  • Du meinst die Berichte über Vergewaltigungen von Frauen, die von einer ganzen Gruppe vergewaltigt wurden? Über Jede anschließende Gruppenvergewaltigung dort wurde in deutschen Medien berichtet, wochenlang. Davor und danach hörte man nichts davon. Auch hörte man in den deutscheb und anderen ausländischen Medien nichts von der GeuppenVergewaltigung eines jungen Mannes, obwohl das zeitgleich geschah als das Thema hier aktuell in den Fokus rückte.

    Man sieht also, ein Opfer von Verbrechen ist für die Medien nur was Wert wenn es zufällig zum aktuellen Topthema passt, es gerade über nichts anderes politisches als Hauptstory zu berichten gibt und als gesellschaftlich relevant gilt es nur wenn ein Opfer weiblich ist.
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