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Der Neubau der Bundeskulturstiftung wurde im Oktober 2012 in Halle (Saale) eröffnet (Bild: Wiki Commons / Jens Passoth / CC-BY-SA-3.0)

Fast eine Million Euro lassen sich die Kulturstiftungen von Bund und Ländern eine Ausstellung über Homosexualität in Berlin kosten.

Die Bundeskulturstiftung und die Kulturstiftung der Länder haben vergangene Woche vereinbart, eine Ausstellung zur Geschichte und Kultur männlicher wie weiblicher Homosexualität gemeinsam zu fördern. Sie soll 2015 fünf Monate lang in Berlin parallel im Schwulen Museum und im Deutschen Historischen Museum gezeigt werden. Der Bund investiert dafür 850.000 Euro, die Länder stellen 110.000 Euro zur Verfügung.

Die Ausstellung zur "Geschichte der Homosexualität(en)" soll 150 Jahre Emanzipation Homosexueller anhand dokumentarischen Materials und künstlerischer Positionen aus Kunst, Film, Literatur, Tanz und Theater zeigen. Insgesamt stehen dafür 1.600 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung, wobei beide Standorte jeweils eigene thematische Schwerpunkte setzen werden.

Das Ausstellungsprojekt wird vom wissenschaftlichen Team des Deutschen Historischen Museums begleitet. Die Kuratoren sind Dr. Birgit Bosold, Mitglied des Vorstands des Schwulen Museums Berlin, die Kunsthistorikerin und erfahrene Ausstellungsmacherin Dr. Eva Meyer-Hermann sowie der Szenograf, Architekt und Kurator Detlef Weitz.

Ausstellung soll "Vorurteile abbauen"

Ihren Einsatz begründet die Bundeskulturstiftung damit, dass trotz verbesserter Rechte von Schwulen und Lesben Homosexualität noch immer "vielfach Anlass für gesellschaftliche Konflikte und individuelle Diskriminierung" sei. "Homosexuelle Lebensformen werden auch mitten in Europa, wie Beispiele aus Russland, Ungarn oder auch die Bürgerproteste in Frankreich gegen ein Adoptionsrecht zeigen, nicht oder nur sehr begrenzt akzeptiert", so die Stiftung in einer Pressemitteilung.

Das Ausstellungsprojekt solle dazu beitragen, "Vorurteile abzubauen, Tabus zu überwinden sowie Fragen über Normalität und Abweichung zur Diskussion zu stellen, und damit sowohl ein Fachpublikum als auch die Szene und ein breites Publikum ansprechen". Dabei soll Homosexualität nicht als "Minderheitenproblem oder Nischendasein" behandelt werden, sondern "die integrale Funktion von Minderheiten in aufgeklärten Gesellschaften" hervorgehoben werden.

Insgesamt hat die 2002 gegründete Bundesstiftung die Förderung neuer Projekte in Höhe von insgesamt 13 Millionen Euro beschlossen – darunter etwa 2,5 Millionen Euro für die Biennale oder rund 800.000 Euro für das Berliner Naturkundemuseum, um die "Interaktionen zwischen künstlerischen Positionen und der Ausstellungspraxis an Naturkundemuseen" zu erproben.

Derzeit zeigt das Schwule Museum in der Lützowstraße unter anderem eine Ausstellung über die privaten Fotoarbeiten des "Nosferatu"-Regisseurs Friedrich Wilhelm Murnau (queer.de berichtete). (dk)



#1 humanistAnonym
  • 11.12.2013, 16:05h
  • Ich will jetzt nicht wieder das Haar in der Suppe bemängeln, aber die Geschichte homosexueller Lebensweisen umfasst doch wesentlich mehr als "Kunst, Film, Literatur, Tanz und Theater". Im Ausstellungskonzept zur Geschichte und Kultur männlicher wie weiblicher Homosexualität vermisse ich politisch-historische und gesellschaftshistorische Zugänge. Soll hier ein cleanes Bild der ach-so-kulturinteressierten Homosexuellen gezeichnet werden, die die Mehrheitsgesellschaft möglichst politikfrei unterhalten? Das kommt davon, wenn eine staatliche Bundeskulturstiftung und die Kulturstiftung der Länder das Thema in die Hand nehmen.
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#2 m123Anonym
  • 11.12.2013, 16:11h
  • Ich hab ein großes Problem mit dem In-Verbindung-Bringen von "Homosexualität" und "Kultur" bzw. mit dem Begriff "homosexuelle Kultur". Kultur ist nämlich per definitionem das, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur. Und ich kann mich nicht erinnern, dass ich meine sexuelle Identität selbst gestaltet habe, sondern ich bin von der Natur als schwuler Mann erschaffen worden.
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#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 11.12.2013, 16:22h
  • Ihren Einsatz begründet die Bundeskulturstiftung damit, dass trotz verbesserter Rechte von Schwulen und Lesben Homosexualität noch immer "vielfach Anlass für gesellschaftliche Konflikte und individuelle Diskriminierung" sei.

    Das sieht man besonders in den Nachfolgestaaten der ehemaligen UdSSR (außer Est- und Lettland) sowie jetzt in Indien!
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#4 EnyyoAnonym
  • 11.12.2013, 17:33h
  • Nett gemeint, aber warum muss das Ganze wieder nur in Berlin sein?

    Weil's da schon so viele Schwule gibt? Weil's da ebenso bereits ein schwules Museum und die Magnus-Hirschfeld-Stiftung, und und und gibt?

    Hallo, es gibt auch in anderen Teilen Deutschlands homosexuell Liebende!

    Insofern wäre eine Ausstellung, die aufklären hilft, auch in anderen Städten äußerst wichtig.
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#5 JadugharProfil
  • 11.12.2013, 18:01hHamburg
  • Antwort auf #4 von Enyyo
  • Die Kirche hat nahezu in jeden Dorf ein Gebäude, wo sie die Menschen von Kindesbeinen an mit Märchen und Lügen indoktrinieren und Vorurteile gegen Homosexuelle schüren. Der Bund gibt den Homosexuellen nur ein Gebäude in Berlin, wo diese Lügen dementiert werden können. So geht es nicht! Man kann ja auch alle Kirchen als Versammlungsorte nutzen, wo ohnehin jeden Sonntag viele Menschen hinströmen und dort die Wahrheit über uns berichten und aufklären! Die Kirche sagt doch selbst, daß man laut Bibel nicht lügen darf!

    In jeder Kirche und in jeder schulischen Einrichtung wie Schulen, Fachhochschulen, Universitäten, Gemeindezentren, Volkshochschulen und sonstigen Stätten, wo Menschen der Information willen zusammenkommen, sollte massiv die Wahrheit verbreitet werden, um Vorurteile abzubauen. Die Gleichberechtigung muß zu hundert % verwirklicht werden, sonst pflegen die Außenseiter (Heteros) weiter ihre Vorurteile und hacken hühnerhaft auf Homosexuelle ein!
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#6 TheDad
  • 11.12.2013, 22:19h
  • Antwort auf #4 von Enyyo
  • Und wohin sollte Mann die Ausstellung dann Deiner Meinung nach hin verlegen ?

    In die geographische Mitte der Republik, die ländliche Einöde des Mansfelder Landes irgendwo in der Mitte zwischen Kassel und Bad Hersfeld ?

    Und das nur um wem genau nicht auf die Füße zu treten ?

    Berlin war schon vor über Hundert Jahren die "kulturelle MItte" Schwulen Lebens, und genau dort gehören solche Ausstellungen allein schon deshalb hin, weil sie dort die Chance auf die meisten Besucher haben..

    Es sei denn das Ganze wird als ständige Wanderausstellung organsiert..
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#7 stephan
  • 11.12.2013, 23:43h
  • Antwort auf #2 von m123
  • "Kultur ist nämlich per definitionem das, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur."

    Und Du glaubst nicht, dass die Art und Weise wie homosexuelle Menschen (von sich aus oder als Reaktion auf die vielfältigen Repressionen der Mehrheitsgesellschaft) ihr Leben gestaltet haben, sehr wohl ein kultureller Akt ist, der u.a. dazu diente, eine natürliche Anlage unter - religiösem und heteronormativen - Druck, lebbar zu gestalten?

    Liebe und Tod sind auch zwei ebenso große, natürliche Zwangsläufigkeiten der menschlichen Existenz und dennoch drehen sich 99% des künstlerischen Schaffens genau um diese beiden Pole!

    Und dabei habe ich noch gänzlich davon abgesehen, das wäre nämlich ein weiterer Aspekt, dass viele homosexuelle Menschen signifikant andere Aspekte und Bezüge in das kulturelle Schaffen einbringen. Viele große Künstler wären ohne ihre Homosexualität nicht denkbar, wären ganz andere Personen!

    Vieles von dem Erwähnten (und manches andere) wurzelt tief in der natürlichen, homosexuellen Anlage der Persönlichkeit, schafft aber andere Perspektiven und Bezüge. Das verstehe ich unter homosexueller Kultur!

    Ich würde sogar so weit gehen, dass die Homosexualität der Schaffenden auch in abstraktesten Bezügen der Wissenschaft Eingang findet:

    Arthur Köstler schreibt in seinem Buch 'Die Nachtwandler - Das Bild des Universums im Wandel der Zeit': "[Rhetikus war] ein Enfant terrible und ein genialer Narr, ein Condottiere der Wissenschaft, ein Schüler voll leidenschaftlicher Verehrung und glücklicherweise homo- oder bisexuell []. Ich sage 'glücklicherweise', denn die mit solcher Neigung Behafteten erwiesen sich von Sokrates bis in unsere Tage, stets als hingebungsvollste Lehrer und Schüler, und die Geschichte schuldet ihnen viel."

    Alles keine homosexuelle Kultur?
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#8 m123Anonym
  • 12.12.2013, 03:43h
  • Antwort auf #7 von stephan
  • Das Problem ist doch, dass "homosexuelle Kultur" so klingt als hätte man sein Leben so entworfen, dass man homosexuell sein will und sich dazu entschieden hätte bzw. behauptet dass das, was von homosexuellen Menschen geschaffen wurde nur aufgrund von deren Homosexualität ansich geschaffen wurde. "Homosexuelle Kultur" tut so, als würden homosexuelle Menschen etwas schaffen, nur weil sie ansich homosexuell sind. Gab es jemals eine Ausstellung über "linkshändrige Kultur"?

    Natürlich haben homosexuelle Menschen auch eine Schaffenskraft und somit Kultur. Aber ich glaube nicht, dass die sexuelle Identität mit der Schaffenskraft eines Menschen in direkter Verbindung steht, und ich glaube nicht, dass man von dem, was ein Mensch geschaffen hat, auf seine sexuelle Identität schließen kann und ich glaube auch nicht, dass man umgekehrt von der sexuellen Identität auf die Schaffenskraft eines Menschen schließen kann. Beispielsweise hätte Andy Warhol auch heterosexuell sein können und auch als Heterosexueller das schaffen können, was er geschaffen hat. Es gibt auch homosexuelle Menschen, die das genau Gegenteil von Künstlern sind und sich nicht die Bohne für Kunst interessieren. Wer etwa die Werke von Andy Warhol als "homosexuelle Kultur" bezeichnet, der müsste auch die Werke eines linkshändrigen Künstlers als "linkshändrige Kultur" bezeichnen und sein Schaffen mit der Linkshändigkeit des Künstlers begründen, was offensichtlich absurd ist.

    Ich glaube die Ursache dessen, was manche unter dem Begriff "homosexuelle Kultur" zusammenfassen (in meinen Ohren ein schrecklicher Begriff), hat vielmehr seine Wurzel und Begründung in der Diskriminierung (!) von homosexuellen Menschen als in der Homosexualität ansich. Homosexuelle Menschen mussten gezwungenermaßen in einer homosexuellenfeindlichen Welt etwas entwickeln, was sie vor Diskriminierung sowie psychischer und physischer Gewalt bewahrt. Beispielsweise geheime Codes oder eine "eigene kleine Welt" als Schutz und Rückzugsort, also das, was man heute "schwule Szene" nennen würde, und einen besonders engen Zusammenhalt unter homosexuellen Menschen, weil sie von derselben Diskriminierung betroffen sind. Somit ist es keine "homosexuelle Kultur", sondern man müsste es konsequenterweise als etwas bezeichnen, was hervorhebt, dass es aus einer Diskriminierung hervorging. Hätte es niemals die Diskriminierung von Homosexuellen gegeben, so gäbe es nicht das was man heute mit dem falschen Begriff "homosexuelle Kultur" in Verbindung bringt. Oder gab es jemals eine Ausstellung über "linkshändrige Kultur"?
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#9 m123Anonym
  • 12.12.2013, 03:51h
  • Antwort auf #7 von stephan
  • "Viele große Künstler wären ohne ihre Homosexualität nicht denkbar, wären ganz andere Personen!"

    Wären auch viele große Künstler ohne ihre Linkshändigkeit nicht denkbar gewesen?

    So einen Müll, den du schreibst. So zu tun als sei die Homosexualität ansich Ursache für kreatives Schaffen ist der größte Müll, den ich je gelesen habe.

    Künstler sind Individuen und ihre Kunst wäre ohne die Existenz ihres Individuums nicht denkbar gewesen.

    Einige Menschen sind kreativ, einige Menschen nicht kreativ. Und das hat nichts mit ihrer sexuellen Identität zu tun, sondern mit ihrem Individuum.
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#10 antos
  • 12.12.2013, 17:59h
  • @ m123 & stephan: Wie kommt ihr eigentlich auf euer Streitthema 'homosexuelle Kultur'? Darum geht es doch bei diesem Projekt überhaupt nicht, - wenn wir nochmal gemeinsam lesen möchten:

    "Die Ausstellung zur "Geschichte der Homosexualität(en)" soll 150 Jahre Emanzipation Homosexueller anhand dokumentarischen Materials und künstlerischer Positionen aus Kunst, Film, Literatur, Tanz und Theater zeigen."

    Zur Rede von der 'homosexuellen Kultur': euren emphatischen Kulturbegriff mit Schaffenskraft, mythisierendem Gerede von einer 'Kreativität' und sonstigem Pipapo teile ich [gemeinsam mit wenigen anderen, z. B. allen Kulturwissenschaftlern und Germanisten...] nicht - der gehört ins 19. Jahrhundert, wo das 'große Individuum' so lange beschworen wurde, bis es dann kam.

    'Kultur', 'Culture' - dazu gehören sämtliche zivilisatorischen Erscheinungen; gehen wir die Erscheinungen homosexueller Kultur durch, finden wir z. B. auch Klappen, pornografische Bilder und Texte etc.
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