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Offensichtliche Anlehnung an russische Neonazis

Anti-"Pädo"-Gruppe auch in Spanien


Bilder, die man aus Russland kennt, allerdings in Spanien aufgenommen wurden

Nun führen auch in Westeuropa Jugendliche vermeintliche Pädophile vor. Derweil sucht Russland den Gründer der Bewegung per internationalem Haftbefehl.

Von Norbert Blech

In Spanien sind Schwule und Lesben besorgt über eine neue Gruppe von Jugendlichen, die angeblich Pädophile zu einem vermeintlichen Date locken und dann das Treffen auf Video aufnehmen, um diese Menschen vorzuführen. Die Gruppe "Proyecto Pilla Pilla" hat inzwischen drei dieser Selbstjustizvideos in sozialen Netzwerken veröffentlicht.

Die Jugendlichen erzielten bei Facebook damit in rund einem Monat über 40.000 Fans, die meisten zwischen 18 und 24 Jahre alt. Im Stil erinnern die Videos dabei an das russische Vorbild der Bewegung "Occupy Pedophilia", die von dem Neonazi Maxim Martsinkewisch gegründet wurde und inzwischen die halbe Welt schockiert.

In den Videos seiner Occupy-Gruppe und denen von zahlreichen lose zusammenhängenden Gruppen aus ganz Russland und inzwischen auch einigen anderen Ostblockstaaten werden kaum Pädophile, sondern vor allem schwule Jugendliche vorgeführt. Und öffentlich schikaniert und teilweise gefoltert.

Facebook lässt spanische Seite bestehen


Mit Baseballschläger und einer auch von russischen Neonazis genutzten Handgeste zeigen sich auf Facebook Unterstützer von "Proyecto Pilla Pilla"

"Proyecto Pilla Pilla" schreibt hingegen auf Facebook: "Wir gehören zu keiner Neonazi-Gruppe oder sind rechtsgerichtet oder radikal." Man sei nicht homophob und wolle Pädophile nur überführen, anstatt Gewalt auszuüben.

Trotzdem sind Spaniens Szene und Medien besorgt über die Gruppe und möglich Nachahmer. Denn "Proyecto Pilla Pilla" hat sich ein Symbol gegeben, eine dem Facebook-Like-Button ähnliche Handbewegung, die auch von den russischen Neonazis genutzt wird und von Maxim Martsinkewisch erfunden worden war. Viele Fans von "Proyecto Pilla Pilla" hinterließen auf der Facebookseite Unterstützungsfotos von sich mit der Handgeste, einige Anhänger zeigten sich dazu mit Baseballschläger.

Dass man das gleiche Symbol benutze, sei "Zufall", ließen die spanischen Jugendlichen verlauten, was unglaubwürdig ist. Die russischen Neonazigruppen, die sich in ihren Profilen im sozialen Netzwerk VKontakte mit allen möglichen Aktionen schmücken, haben die Aktivitäten aus Spanien bislang allerdings noch nicht entdeckt.

Das deutsche Aktionsbündnis "Enough is enough" hatte seine Facebook-Nutzer am Freitag aufgefordert, die Seite von "Proyecto Pilla Pilla" dem sozialen Netzwerk zur Sperrung zu melden. Wenig später erhielten viele Nutzer eine Meldung, wonach man die Seite geprüft und festgestellt habe, "dass sie nicht gegen unsere Gemeinschaftsstandards verstößt".

Das Problem nicht nur für Facebook: Wenn die Jugendlichen in Spanien sich tatsächlich darauf beschränken, ohne Gewalt vermeintliche Pädophile vorzuführen, machen sie nicht viel anderes als viele Fernsehstationen auf der ganzen Welt. In den USA lief etwa von 2004 bis 2007 das erfolgreiche Format "To Catch a Predator", das international viele Ableger fand.

So gab es 2010 auch in Deutschland auf RTL II die Sendung "Tatort Internet – Schützt endlich unsere Kinder", moderiert von Stephanie zu Guttenberg. Anders als beim US-Vorbild wurden die Personen zwar anonymisiert, auch wegen der umfangreichen Persönlichkeitsrechte in Deutschland, allerdings wurden einige später identifiziert. Zugleich wurde eine Verschärfung des Sexualstrafrechts gefordert und Angst geschürt wie letztlich auch der Gedanke der Selbstjustiz.

Diese wird nun auch von spanischen Medien an "Proyecto Pilla Pilla" kritisiert, zumal die Vorgeführten offenbar nicht mal in der Theorie etwas Illegales begangen haben: Das Schutzalter in Spanien liegt bei 13 Jahren. Die spanische Polizei hat zudem selbst das Recht, Lockvögel einzusetzen, und kann deren Aktivitäten anders als die der Jugendlichen auch vor Gericht einsetzen.

Haftbefehl gegen Martsinkewisch


Vor wenigen Wochen nahm Maxim Martsinkewisch in der Ukraine Videos auf und "erwischte" dabei auch einen durch das Fernsehen bekannten Musiker

Derweil wurde am Freitag bekannt, dass gegen Maxim Martsinkewisch ein internationaler Haftbefehl vorliegt. Gegen den möglicherweise ins Ausland geflüchteten russischen Neonazi soll wegen mehrerer gewalttätiger Videos und der Anstiftung zum Rassenhass Anklage erhoben werden, ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Zuletzt hatten Weißrussland und die Ukraine eigene Ermittlungen gegen den mehrfach vorbestraften Neonazi angestrengt, nachdem er auch in diesen Ländern sein Unwesen getrieben hatte (queer.de berichtete). In der Ukraine sorgten vor allem zwei Videos für Aufsehen: In einem wurde ein Student aus Südafrika auch rassistisch vorgeführt, in dem anderen ein Mann, der durch die Casting-Show "The X Factor" bekannt wurde.

Am Freitag wurde ein anderer bekannter russischer "Occupy"-Aktivist wegen Mordes angeklagt: Er soll im Streit eine andere Aktivistin der Gruppe getötet haben. Andere Ermittlungen gegen "Occupy"-Mitglieder waren bislang im Sand verlaufen, so fand die Staatsanwaltschaft in Tambow keine Strafttat in einem Video, in dem Jugendliche einen Zwölfjährigen vorführten (queer.de berichtete). Die örtliche Gruppe "Occupy Gerontophilia", angeführt von dem 16-Jährigen Nationalisten Philip Razinsky, der sich selbst den Nachnamen Dönitz (nach Karl Dönitz) gegeben hat, führt noch immer regelmäßig schwule Jugendliche vor.

Gegen eine andere "Occupy"-Gruppe aus der Stadt Kamensk-Uralski, die mit großer Brutalität gegen Schwule vorging, ziehen sich die Ermittlungen weiter hin. Vor allem ihre Fotos und Videos, immer in der gleichen Wohnung eines Aktivisten entstanden, verbreiteten sich international, zwischenzeitlich auch mit der offensichtlichen Falschmeldung, ein Folteropfer sei gestorben (queer.de berichtete). Die Polizei hat mindestens elf Gewaltopfer identifiziert, allerdings wollen wenige gegen ihre Peiniger aussagen.

In Spanien hat sich derweil eine "Anti Pilla Pilla"-Bewegung gegründet, die auf allen möglichen Facebook-Seiten vor den Aktivitäten der Jugendlichen warnt und auf die Ähnlichkeiten zu der russischen Neonazibewegung verweist: Als Warnung, wohin das führen kann.



#1 snowdenAnonym
  • 14.12.2013, 11:27h
  • "anstatt Gewalt auszuüben"

    in dem video, das ich gesehen habe, wird ein bürger von mehreren gezwungen seine tasche und jackentaschen zu leeren.

    gewaltmonopol?
  • Antworten » | Direktlink »
#2 AdamAnonym
  • 14.12.2013, 11:35h
  • Ich finde es schon frag würdig das Facebook solche Gruppen unterstützt die zu gewalt aufrufen auf den nazi bilder gepostet werden mit hitler gruß usw usw das Sagt sehr viel aus über Facebook aus !!!!!
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#3 freddiAnonym
  • 14.12.2013, 11:41h
  • Manchmal glaube ich wirklich die Menschheit ist in dem Stadium des Mittelalters stecken geblieben und die Erde täte besser daran wenn sie unserer Spezies nie "erlaubt" hätte zu entstehen.
    Diese Gier nach Hexenjagden, das in der Meute sich gegenseitige blinde Anstacheln ohne sich selber ausrechend informiert zu haben und das stupide irgendwelchen pseudoideellen Dämagogen zu folgen kommt zu allen Zeiten und allen Epochen vor, egal wie fortschrittlich wir sind. Man kann an der mangelnden Lernfähigkeit unserer "intelligenten" Spezies echt verzweifeln.
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#5 michael008Anonym
  • 14.12.2013, 11:54h
  • Antwort auf #2 von Adam
  • Unabhängig von Gewalt und Nazisymbolen ist es schon allein fragwürdig, dass Facebook diese prinzipiellen Denunziationen überhaupt zulässt.

    Ausserdem:
    " Man sei nicht homophob und wolle Pädophile nur überführen"

    Welche Pädophilie wollen diese widerlichen Moralapostel denn überführen?
    Deren Lockvögel scheinen ja über 18 zu sein und dabei liegt das Schutzalter in Spanien bei 13 Jahren !!
    Eine Zurschaustellung von unbescholtenen Menschen ist ehrverletzend, rechtswidrig und muss verboten und strafrechtlich verfolgt werden.
    Und das erwarte ich auch von den spanischen Behörden.
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#7 anomeProfil
  • 14.12.2013, 12:03hKassel
  • Antwort auf #2 von Adam
  • Facebook unterstützt nicht, Facebook duldet.

    Im übrigen glaube ich nicht, dass die Löschung der Facebook-Seite irgendetwas bewirken würde. Wirkungsvoller wäre es dieser Entwicklung mit Aufklärung und Abbau von Vorurteilen zu entgegnen. Erste Schritte könnten z.B. Aufklärung an Schulen und die Abschaffung des CSDs sein. Damit wäre schon eine Menge getan.
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#8 JakobswegAnonym
#9 michael008Anonym
  • 14.12.2013, 12:12h
  • Antwort auf #7 von anome
  • Na ja

    Löschung der Seite --- notwendig, da ehrverletzend

    Aufklärung an Schulen, absolut korrekt.. fraglos

    Abschaffung des CSD --- falsch da unangebrachtes Duckmäusertum... egal wie man CSD's selbst findet!
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#10 NacktiAnonym