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  • 01. Dezember 2004, noch kein Kommentar

Mit "Ultimate Kylie" gibt es eine neue Hit-Sammlung der Gay-Ikone. Auf den zwei CDs sind fast alle ihre Knaller seit 1987 enthalten.

Von Jan Gebauer

Kylie Minogues Verwandlung vom Pop-Nymphchen mit Dauerwelle und unschuldigem "I Should Be So Lucky" hin zum Dance-Vamp mit tiefen Dekolleté und "Can't Get You Out Of My Head", vollzog sich ähnlich wie Ende der 70er bei Olivia Newton-John. Auch die gab sich am Anfang ihrer Karriere als zarte Unschuld vom Lande ("I Honestly Love You", "Have You Never Been Mellow") bevor sie sich in den letzten Minuten ihres Welterfolgs "Grease" als Leder-Braut entpuppte und auf nachfolgenden Platten für Sex und gegen Luftverschmutzung flötete ("Totally Hot", "Physical"). Kylie Minogue hat diese Wandlung in den frühen 90er Jahren eingeläutet, da war sie dem Stock/Aitken/Waterman-Stall (S/A/W) noch nicht entwachsen. Damals musste sie sich den Vorwurf gefallen lassen, nur eine billige Madonna-Kopie zu sein. Erst ihre Kooperation mit Nick Cave ("Where The Wild Roses Grow") und das 98er Indie-Pop-angehauchte Album "Kylie Minogue" (auch bekannt als "Impossible Princess") befreiten sie weitgehend von diesen Vorwürfen, dank gewagter musikalischer Gratwanderungen.

Auf "Ultimate Kylie" kann man diesen Weg erstklassig verfolgen und allen Kritikern zum Trotz hat die australische Schönheit eine ganze Palette an großen Hits versammelt. Leider hat nur die Promotion-Ausgabe des Albums eine chronologische Reihenfolge – die im Handel erhältliche versammelt immerhin die Jahre 1987 bis 1992 und 1993 bis heute separat, ansonsten aber nicht nach Veröffentlichungsdatum sortiert. Vielleicht gar nicht mal so dumm, dass CD1 mit "Better The Devil You Know" startet, einem der besten S/A/W-Songs und sicher auch eine der besten Singles aus der Frühphase von Kylie Minogue. Dagegen wirken "I Should Be So Lucky" oder "Got To Be Certain" schon ein wenig angestaubt. Viele der nachfolgenden Songs waren in Großbritannien erfolgreicher als in Deutschland, wie "Hand On Your Heart" (1989), "Tears On My Pillow" (1990) oder "Step Back In Time" (1990). Auf der Insel platzierte Kylie insgesamt 35 Singles in den Top-40, während sie in Deutschland bis heute "nur" 15 schaffte.

Nach der Trennung von S/A/W, an dessen Ende eine scheußliche Neuauflage von Kool & The Gangs "Celebration" stand, versucht Kylie alles, um mit experimentelleren Pop-Sounds ihre Karriere in die nächste Phase zu leiten. Erstklassig gelang ihr das 1994 mit der ersten Single ohne S/A/W - "Confide In Me". Das dazugehörige Album "Kylie Minogue", auf dessen Cover sie lasziv züngelnd in die Kamera schaute, konnte dagegen kaum überzeugen. Kommerziell gesehen stand Kylie zwischen 1995 und 2000 auf dem Abstellgleis, denn obwohl sie mit Nick Cave einen soliden europaweiten Hit in den Charts hatte, wollten nachfolgende Veröffentlichungen nicht so recht beim Publikum ankommen. Dabei finden sich hier ein paar der interessantesten Veröffentlichungen ihrer Karriere: Das launische "Did It Again" (herrlich wie sich Kylie mit lauter Kopien von sich selbst im Video prügelt) und das hypnotische Electro-Stück "Breathe". Schade nur, dass man für "Ultimate Kylie" auf den genialen Rock-Song "Some Kind Of Bliss" verzichtet hat (geschrieben von zwei der Manic Street Preachers). Auch ein Höhepunkt ihrer Karriere, wenn auch kein kommerzieller.

Tja und seit 2000 ist Kylie wieder in aller Munde, dank der Spitzen-Alben "Light Years" (2000), "Fever" (2001) und der soliden letztjährigen CD "Body Language". Die Songs aus dieser Zeit klingen natürlich noch jedem im Ohr und zeigen die Künstlerin als vielseitige Pop-Interpretin, mir der immer zu rechnen ist. Das Stigma der Madonna-Kopie hat sie seit "Can't Get You Out Of My Head" und insbesondere ihrem Grammy-Gewinn für "Come Into My World" sowieso endgültig abgelegt. Auf "Ultimate Kylie" gibt es auch zwei neue Tracks, von denen insbesondere der Mix aus Disco, Euro-Pop und "Heidi" - "I Believe In You" sehr gefällt. Ein kleiner Makel noch am Schluss: Wo ist "Your Disco Needs You" auf der Doppel-CD? Die Schwulenhymne schlechthin fehlt leider!

1. Dezember 2004