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  • 18.12.2013           30      Teilen:   |

"Blau ist eine warme Farbe"

Der mit Abstand beste Lesbenfilm

Artikelbild
Abdellatif Kechiches Film kommt ohne dramatische Geigen daher, die einem verschmalzten Coming-out den Rest geben (Bild: Alamodefilm)

Ab Donnerstag im Kino: "Blau ist eine warme Farbe" ist die grandiose Inszenierung der jungen Liebe zwischen den beiden jungen Frauen Adèle und Emma.

Von Sarah Jäckel

Das Thema an sich ist weder neu noch aufregend. Girl meets girl, für eine von beiden ist es das erste Mal. Liebe, Verwirrung, Eifersucht, Betrug – alles Zutaten, die altbekannte Erinnerungen wecken. Nämlich die eigenen. Und genau das macht "Blau ist eine warme Farbe" zu dem mit Abstand besten Lesbenfilm, den ich jemals gesehen habe.

Dieser herrlich unprätentiöse Film kommt ohne dramatische Geigen daher, die einem verschmalzten Coming-out den Rest geben. Keine wilden Fluchten vor Ehemännern sind nötig und Sex wird weder mit dem Tod einer Protagonistin bestraft noch unter der Bettdecke im Weichzeichner versenkt. Denn dieser Film ist direkt in bester existenzialistischer Tradition. Direkt in der Führung der Handkamera und direkt in der schnörkellosen Handlung.

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Lesben haben Sex wie alle anderen Menschen auch

Bundesweiter Kinostart ist am 19. Dezember 2013
Bundesweiter Kinostart ist am 19. Dezember 2013

Regisseur Abdellatif Kechiches Inszenierung ist eine klassische Coming-of-Age-Story. Adèle datet Jungs, so wie es alle ihre Freundinnen eben tun. Doch sie experimentiert in Gedanken – und real. Dabei durchlebt sie wohl wie wir alle eine Zeit der Unsicherheit. Der Druck der Gruppe auf der einen Seite, das eigene, noch unklare Verlangen auf der anderen. Emma öffnet ihr die Augen für das, was sie wirklich will. Und erklärt ihr in meiner persönlichen Lieblingsszene den Existentialismus in ein paar Sätzen. Handlungen haben Konsequenzen, die du tragen musst. Adèle lernt sie zu tragen, soviel sei verraten.

"Blau ist eine warme Farbe" ist mit nahezu drei Stunden erzählender Kamera ein Film, der so ziemlich jeden Rahmen des aktuellen Mainstream-Kinos sprengt. Ohne Postproduction, Special-Effects und großen Filmsets, dafür mit manchmal wackelndem Bild und – zumindest im Original – schwankendem Ton wirkt er wohltuend altmodisch. Mehr 1970er als 2010er Kino. Und doch ist er radikal im Jetzt. Denn er reflektiert die multikulturelle und multisexuelle Gesellschaft, in der wir tatsächlich leben, ohne jeglichen sozialpädagogischen Ansatz.

Lesbische Liebe muss nicht mehr erklärt oder gerechtfertigt werden. Und Lesben haben Sex, so wie alle anderen Menschen eben auch. Schnell, intensiv, ohne endlose, nervtötende Vorgeschichten wie in "Claire of the Moon". Regisseur Abdellatif Kechiche setzt die Körper dabei genau so wenig voyeuristisch in Szene wie die Gesichter seiner Hauptdarstellerinnen in allen Bandbreiten darstellbarer Emotion. Und – auch das ist für einen Film, der sicher nicht auf den lesbischen Underground, sondern auf den Mainstream abzielt – neu: Der Sex sieht sehr, sehr echt aus.

Ein dreistündiger Film, der wirklich fesselt

Beim Filmfestival in Cannes gewann "Blau ist eine warme Farbe" die Goldene Palme
Beim Filmfestival in Cannes gewann "Blau ist eine warme Farbe" die Goldene Palme (Bild: Alamodefilm)

Wobei Autorin Julie Maroh, auf deren Graphic Novel "Blue Angel" der Film basiert (queer.de berichtete), dies allerdings anders sieht. Ihrer Ansicht nach gleicht das Werk eher einem Porno, der Sex sei nicht authentisch. Wer allerdings jemals das Vergnügen hatte, "authentischen" lesbischen Sex abgefilmt zu sehen, weiß: Das funktioniert im Bett wunderbar – auf der Leinwand überhaupt nicht. Kino ist Überhöhung und hat seine eigene Bildsprache. Natürlich finden sich in "Blau ist eine warme Farbe" auch kleine Stereotypen: In der Gay-Bar knutschen die Jungs genauso wie die Mädels in der Lesben-Kneipe ununterbrochen. Aber wie sonst sollte man in einem Kameraschwenk klar machen, wo die Handlung gerade spielt? Und Sex, bei dem nichts zu sehen und zu hören ist, bietet nun mal keinerlei Unterhaltungswert.

Doch genau davon hat dieser Film eine ganze Menge. Kechiche hat es geschafft, mich drei Stunden zu fesseln und Adèle und Emma durch ein faszinierend gegenwärtiges Lille zu begleiten. Und er hat mir ein paar intensive Momente gegeben, in denen ich mich sehr gut wiedergefunden habe. Der trockene Hals, den ich hatte, als ich wusste dass "es" nun zum ersten Mal passieren wird. Und die Verzweiflung, die mich überkam als…

"Blau ist eine warme Farbe" hat nicht nur die Goldene Palme von Cannes zurecht verdient, sondern jeden Respekt für die grandiose Inszenierung einer lesbischen Geschichte, die wohl die meisten von uns so oder so ähnlich selbst erlebt haben. Dazu zwei hervorragende Schauspielerinnen, die so glaubwürdig agieren, dass sich manchmal das Gefühl einstellt, einen Dokumentarfilm zu sehen. Für mich ist es das Filmhighlight des Jahres 2013 – und ich empfehle, die kommenden Feiertage zum Kinobesuch zu nutzen. Übrigens nicht nur den Lesben, sondern auch den geneigten Schwulen. Denn wer François Ozon und seine Frauen-Inszenierungen schätzt, sollte diesen Film auf keinen Fall verpassen. Von der Möglichkeit, das eigene Lesbenbild mal gründlich zu revidieren, ganz zu schweigen.

Youtube | Offizieller deutscher Trailer
  Infos zum Film
Blau ist eine warme Farbe (Originaltitel: La vie d'Adèle). Drama. Frankreich 2013. Regie: Abdellatif Kechiche. Darsteller: Adèle Exarchopoulos, Léa Seydoux, Catherine Salée, Jeremie Laheurte, Aurélien Recoing, Sandor Funtek, Karim Saidi, Baya Rehaz, Aurelie Lemanceau. Laufzeit: 180 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 16. Verleih: Alamode. Bundesweiter Kinostart: 19. Dezember 2013.
Links zum Thema:
» Homepage zum Film
» Fanpage auf Facebook
» Die Graphic Novel auf Amazon
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Tags: blau ist eine warme farbe, lesbenfilm, abdellatif kechiche
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Reaktionen zu "Der mit Abstand beste Lesbenfilm"


 30 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
18.12.2013
11:03:33


(-7, 7 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Merkwürdiger Filmtitel!


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#2
18.12.2013
11:52:07


(+7, 9 Votes)
 
#3
18.12.2013
11:55:00


(-5, 9 Votes)

Von Lars Aus Trier


Der Trailer kommt doch sehr unaufregend rüber, hatte mehr neue Bilder erwartet.


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#4
18.12.2013
17:01:09
Via Handy


(-4, 10 Votes)

Von puschelchen
Aus irgendwo in nrw
Mitglied seit 18.12.2009


Nun gut. In dem Bereich (Coming of Age, Mädchen) wird mein Lieblingsfilm wohl "Fucking Amal" bleiben. Aber reinziehen werde ich mir "Blau..." auf jeden Fall, danke für den Tipp und die Kritik, die zum Kinogang wirklich animiert.


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#5
18.12.2013
20:11:22


(+10, 14 Votes)

Von Skeptiker


"Als "brutale und chirurgische, überbordende und kalte Zurschaustellung von sogenanntem lesbischen Sex" hat Julie Maroh den Film in ihrem Blog kritisiert. In der Kinovorstellung, die sie besuchte, hätten sowohl die heteronormativen als auch die homosexuellen und queeren Menschen gelacht, weil sie die Szene entweder nicht verstanden oder nicht überzeugend gefunden hätten. Die Einzigen, die nicht gekichert hätten, wären die Typen gewesen, die zu beschäftigt waren, sich an dem Gezeigten aufzugeilen."

"Dass beide Darstellerinnen über makellose Körper verfügen, lässt die Szene noch künstlicher wirken. Und wenn in der endlosen Montage von weißer, glatter, haarloser Haut die Körper der zwei Frauen verschmelzen und sie zum Schluss in komplementärer Embryonalstellung zur Ruhe kommen, wird vollends klar, dass Kechiche eine dubiose Vorstellung von gleichgeschlechtlicher Liebe hat."

Link zu www.spiegel.de


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#6
18.12.2013
20:15:20


(+9, 15 Votes)

Von Frage


Ob die beschriebenen, minutenlangen und intensiven Sexszenen auch in voller Länge in die Mainstreamkinos gekommen wären, wenn es in dem Film um 2 schwule Jungs statt 2 lesbische Mädels gehen würde, oder wären die Szenen dann geschnitten worden?


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#7
18.12.2013
20:23:55


(+3, 15 Votes)

Von antos
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Antwort zu Kommentar #4 von puschelchen


Als echter Liebhaber von Coming-of-Age-Filmen, der allerdings seit einiger Zeit von der Melancholie eines anderen kommenden Age angeschwappt wird [am End verwischt das Wasser dann ein in den Sand gezeichnetes Gesicht...ui! Toll! Poetisch! Tod!] werd ich mir den Film auch ansehen. Nicht zuletzt wegen Sarah Jäckels animierender Besprechung. Sarah, veröffentliche bitte mehr hier!


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#8
18.12.2013
20:32:14


(+6, 14 Votes)
 
#9
18.12.2013
20:38:36


(+8, 12 Votes)

Von heterosexism
Antwort zu Kommentar #5 von Skeptiker


wie immer halt. frauen werden in den üblichen pornografischen posen dargestellt, während schwule, wenn sie überhaupt mal irgendwo als protagonisten im "mainstream" auftauchen, zu quasi entsexualisierten wesen gemacht werden. die schwule community sieht aber weiterhin keinen anlass, der immer aggressiveren heterosexistischen dauerbeschallung auch nur das geringste entgegenzusetzen. ziemlich erschreckend, dass die reproduktion heterosexistischer frauenbilder dann auch noch auf dieser seite bejubelt wird und sogar der spiegel in diesem fall kritischer und klarer sieht.


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#10
18.12.2013
22:10:10


(+8, 12 Votes)

Von Voll Porno


Dank der immer aggressiver auf die Dauer-Zwangsheteropornografisierung des Alltags, d. h. die Dauerobjektifizierung von Frauen, setzenden Geschäftsmodelle wird es in nächster Zeit bestimmt noch viele solche Filme geben.

Gäbe es noch eine Frauen- und Lesbenbewegung, die den objektiven Notwendigkeiten der Verhältnisse auch nur annähernd gerecht werden würde, würde sie diese Art der ganz klar auf heterosexistischen Ausbeutungsmodellen basierenden Darstellungen sicherlich nicht noch bejubeln, sondern sie an allen Fronten aktiv bekämpfen. Dasselbe gilt für die Schwulenbewegung.

Es wurde aber schon beim so genannten #aufschrei - dem Feigenblatt, das dazu diente, das Thema Sexismus mal wieder für viele Jahre "erledigt" zu haben - sehr deutlich: Sobald die sexistische Dauerobjektifizierung in Medien und Alltag und die zugehörigen Geschäftsmodelle irgendwo thematisiert wurden, war sofort Ende der "Diskussion"!


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