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  • 02. Dezember 2004, noch kein Kommentar

Mythos Amsterdam: Das Szene-Mekka für Besucher aus aller Welt konkurriert mit London, Paris, Madrid und Barcelona um den Ruf "Europe’s Gayest City".

Von Roberto La Pietra / Bilder: NBT

Wer als Schwuler nach Amsterdam kommt, sollte sich nicht nur die Szeneläden widmen: Denn die heimliche Hauptstadt der Niederlande ist eine der schönsten Orte überhaupt. Dabei empfiehlt es sich, das touristische Zentrum möglich schnell zu durchschreiten. Scharen volltrunkener, torkelnder Briten und bekiffter Teenies zerstören ein wenig das Flair. Da macht es schon wesentlich mehr Spaß, die Grachtengürtel um den Stadtkern herum zu erkunden. Hier begegnet man schlagartig beinahe nur noch Einheimischen und kann sich ganz im Gewirr von Kanälen, Brücken, Laternen und wunderschönen Reihenhäuschen im weltweit einzigartigen Amsterdamer Stil verlieren.

Die Holländer sind offen – häufig hängen keine Gardinen an den Fenstern und man kann einen dezenten Blick in die schön eingerichteten Zimmer der Häuser werfen. Das Wohnungsvergabesystem ist in Amsterdam sehr interessant: Wohnraum wird hier überwiegend über Wartelisten durch die Stadtverwaltung verteilt. Das heißt, dass ein Stararchitekt Tür an Tür mit einem Sozialhilfeempfänger wohnen kann. Dadurch versucht man, Ghetto-Bildungen zu verhindern – mit Erfolg. Abgesehen von Plattenbausiedlungen am Rande der Stadt kann man in Amsterdam eigentlich nicht von guten und schlechten Vierteln sprechen, sondern findet alle sozialen Schichten in jeder Gegend. Kuriose Geschäfte machen den Spaziergang entlang der Grachten noch interessanter: auf den "negen straatjes" – den neun Seitenstraßen zwischen Prinsen- und Herengracht südwestlich des Zentrums - gibt es Fachgeschäfte für die ausgefallensten Dinge – so beispielsweise einen Laden, der sich auf Zahnbürsten spezialisiert hat.

Die unkonventionelle Stimmung Amsterdams schlägt sich natürlich auch in der Schwulenszene nieder. Die Auswahl an Bars, Kneipen und Clubs ist schier unermesslich und vor allem äußerst vielfältig - darüber hinaus auch freizügig und kinky. Naserümpfen existiert in dieser Stadt nicht – alles ist erlaubt und weitestgehend akzeptiert. Die Lederszene befindet sich zum Beispiel auf der Warmoesstraat im Zentrum zwischen Coffee-Shops, Pornoläden und Souvenirgeschäften.

Die, sagen wir, etwas konventionellere Szene dagegen findet man überwiegend nahe der Rembrandt Plein in der Reguliersdwarstraat. Am besten beginnt man die Tour an der Koningsplein und marschiert Richtung Osten. Schon stößt man auf die erste Kuriosität: den schwulen Coffee-Shop The Other Side, in dem schon mal Drag Queens Joints verteilen. Auf der linken Seite sieht man dann April, eine große Bar - nicht besonders hübsch eingerichtet, aber mit einer sich drehenden Bar im hinteren Teil der Kneipe. Wenn dann plötzlich orange Lichter anfangen zu blinken, heißt das übrigens nicht, dass die Bar evakuiert wird, sondern dass es Zeit für die Happy Hour und halbe Preise ist. Gegenüber von April befindet sich die Soho-Bar im Stil eines großen Pubs auf zwei Etagen. Hier wie auch im April fällt auf, wie sehr sich die verschiedenen Stile der Szene mischen. Aufgebrezelte 17-Jährige stehen neben Mitfünzigern am Tresen.

Bewegt man sich weiter Richtung Rembrandtplein, gelangt man zu etwas schummrigeren Kneipen: eng, plüschig, kitschig, wie zum Beispiel Montmartre, Entre Nous oder das Reality Café - wobei letzteres für die Klientel aller ethnischen Gruppen bekannt ist. Um zehn oder elf ist hier noch nichts los. Doch um Mitternacht stopfen sich Scharen von Besuchern in diese kleinen Läden hinein. Etwas moderner präsentiert sich übrigens Hot Spot, während die Amstel Taveerne ein Klassiker ist – zumindest für die, die auf holländische Musik stehen. Wer auf die Bars Night Life oder Music Box trifft, sollte sich bewusst sein, dass es sich bei diesen Kneipen um Stricher-Bars handelt.

Bei dieser Vielfalt der unterschiedlichsten Ausgeh-Schuppen wird einem klar wie facettenreich die Szene Amsterdams ist. Jeder findet hier, worauf er steht, egal ob er ein Faible für Wasserpfeifen, Joints, Leder, holländische Schlager, Cocktails, Pubatmosphäre oder Techno-Discos hat.

2. Dezember 2004