Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 23.12.2013           78      Teilen:   |

Baden-Württemberg

Homophobe Petition hat mehr als 30.000 Unterstützer

Artikelbild
Christliche Aktivisten wollen erreichen, dass im Unterricht nur über Heterosexualität gesprochen wird

Baden-Württemberg wolle Schüler zu Homosexuellen umerziehen, so der Vorwurf in einer Petition, die inzwischen auch Unterstützung von der evangelischen Kirche erhält.

Mehr als 30.000 Menschen haben bereits die Petition "Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens" unterzeichnet. Damit wollen christliche Aktivisten den "Aktionsplan für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt" in Baden-Württemberg verhindern, der zum Ziel hat, durch Aufklärung Diskriminierungen von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen abzubauen und damit gegen Mobbing und hohe Selbstmordraten unter LGBT-Jugendlichen vorzugehen.

Autor der Petition ist der christliche Aktivist und Lehrer Gabriel Stängle, der auch für das "Referat Erziehung, Bildung, Schulpolitik" des baden-württembergischen Realschullehrerverbandes zuständig ist (queer.de berichtete). Durch Hinweise auf christlichen Seiten wie kath.net und idea.de sowie zuletzt auch durch das rechte Blog "Politically Incorrect" ist die Teilnahme an der Petition stark angestiegen. Viele Nutzer hinterlassen zudem teil extremst homophobe Kommentare; obwohl die Petitions-Plattform inzwischen nach eigener Auskunft angeblich die schlimsten löscht, lesen sich die rund 5.000 Kommentare wie ein Sammelsurium von Vorurteilen und Hass.

Fortsetzung nach Anzeige


Evangelische Kirche: Petition nimmt Sorgen der Bevölkerung auf

Inzwischen äußert sich auch die Leitung der evangelischen Landeskirche in Baden positiv über die Online-Abstimmung: "Die Petition bringt grundlegende Sorgen im Blick auf die Leitprinzipien für den Bildungsplan zum Ausdruck, die von vielen Bürgerinnen und Bürgern geteilt werden", erklärt Christoph Schneider-Harpprecht, der Bildungsreferent der Landeskirche. Er argumentiert, dass die Landesverfassung "das christliche Menschenbild als prägendes Element der Kultur unseres Landes" festschreibe. Mit Verweis auf die Religionsfreiheit sagt er unter anderem, dass "politische Forderungen" in dem Plan überhöht werden würden. Er fordert deshalb eine zeitliche Verzögerung des Plans, offenbar in der Hoffnung auf eine Regierungswechsel.

Auch in den Kommentaren der Petition wird immer wieder argumentiert, dass die Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben in Wirklichkeit Intoleranz gegenüber Christen bedeute. Zudem wird auf die christlichen Wurzeln des Landes Baden-Württemberg verwiesen, die Grün-Rot mit der Aussage, dass Schwule und Lesben gleichbehandelt werden sollten, konterkariere. "Der Standpunkt der Bibel ist so eindeutig zu diesem Thema, dass jegliche Diskussion darüber überflüssig ist", schreibt etwa einer der Unterstützer auf der Website der Petition.

LSVD kritisiert irreführende Argumente der Homo-Gegner

Der Lesben- und Schwulenverband Baden-Württemberg argumentiert, dass christliche Aktivisten mit falschen Argumenten Angst vor der (Homo-)Sexualisierung von Kindern schüren. So heißt es in der Petition, dass LGBT-Gruppen "die Thematisierung verschiedener Sexualpraktiken in der Schule als neue Normalität" propagieren wollten. Das sei aber eine Lüge: "Sexualpraktiken werden im Vorschlag von GEW und LSBTTIQ-Netzwerk an keiner Stelle erwähnt", so der LSVD.

Zudem kritisiert der Verband, dass in der Petition behauptet werde, man wolle LGBT nicht diskriminieren, dann aber genau das gefordert werde. Die von den Unterstützern der Petition geforderte "Tabuisierung" von homosexuellen Lebensweisen, also die Warnung vor Homo-"Propaganda", sei eben diskriminierend, argumentiert der Verband. Dies ist nicht nur eine Minderheitenmeinung: Selbst der evangelische Bildungsreferent Schneider-Harpprecht verlangt, "Nichtdiskriminierung und Menschenrechte" in Schulen zu behandeln, Probleme hat er offenbar einzig mit "Passagen zur sexuellen Orientierung".

Grün-Rot hält jedoch an dem Aktionsplan fest. Auch die baden-württembergische Piratenpartei hat sich hinter die Landesregierung gestellt. Landeschef Martin Eitzenberger hat dabei eine sehr einfache Erklärung für die Unterstützung: "Schulen haben die Aufgabe, die Lebensrealität abzubilden. Queere Lebenswirklichkeiten gehören da genauso in den Unterricht wie heteronormative".

Die Aktion Transsexualität und Menschenrecht (ATME e.V.) hat inzwischen das Land aufgefordert, den Initiator der Petition von seinem Lehreramt zu suspendieren. (dk)

Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 78 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 157             3     
Service: | pdf | mailen
Tags: baden-württemberg, aktionsplan, diskriminierung, online-petition
Schwerpunkte:
 Demo für alle
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

Reaktionen zu "Homophobe Petition hat mehr als 30.000 Unterstützer"


 78 User-Kommentare
« zurück  12345678  vor »

Die ersten:   
#1
23.12.2013
17:06:29
Via Handy


(+12, 12 Votes)

Von David77


"CHRISTLICHES MENSCHENBILD"?! Wo steht das denn? Wie sieht es denn aus? Mit dem menschenbild des lieben kinderbibel-jesus kann es wohl nichts zu tun haben.
wann startet man denn eine gegen-petition zum erhalt? Kann der lsvd da nichts machen?


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
23.12.2013
17:08:18


(-13, 19 Votes)

Von anome
Aus Kassel (Hessen)
Mitglied seit 01.10.2013


Ich unterstütze die Aufklärung über Homosexualität an Schulen, aber erst wenn Kinder ein gewisses Alter erreicht haben und verstehen, was man ihnen sagt. Grundschule ist zu früh! Außerdem kann ich dieses ständige Betonen von "christlich", wenn es um den Verfasser der Petition geht, nicht mehr hören. 2/3 der Menschen in diesem Land sind Christen, manche davon unterstützen uns, manche nicht. Lernt zu differenzieren!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
23.12.2013
17:17:08
Via Handy


(+13, 13 Votes)

Von LedErich
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Der heterosexuelle Sexualkundeunterricht der späten 70er Jahre hat mich nicht heterosexuell gemacht und der Religionsunterricht nicht religiös. Aber es hätte mir geholfen, wenn ich und auch meine heterosexuellen Mitschüler im Unterricht von der Vielfalt der Sexualität und zwischenmenschlichen Zuneigung erfahren hätten. Vielleicht wäre mir ein früheres Coming Out gelungen und die Lehrer und Mitschüler hätten eine Chance gehabt, sich ein Urteil statt eines Vorurteils zu bilden.

Die Politik und die Presse müssen sich die Mühe machen, den Menschen den Sinn eines solchen Gesetzes zu erläutern. Mit Überschriften wie "bald Homounterricht an Schulen" werden diese alten Ängste immer wieder auf unverantwortliche Weise geschürt.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
23.12.2013
17:17:51


(+8, 12 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Wann initiiert endlich jemand eine Gegenpetition?


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
23.12.2013
17:18:44


(-9, 19 Votes)

Von Aus Bad Homburg


Sehr schade, daß es offensichtlich immer noch so viele Menschen gibt, die ernsthaft glauben, daß schon alleine die nackte Tatsache der Homosexualität eine direkte Bedrohung für die Religion ist, und daß jegliche Schwulenrechte unbedingt gegen die Rechte von Glaubensgemeinden gerichtet sind. Wie könnte man ihnen ihre völlig unbegründete Angst abnehmen ? Mit so manchem kirchenfeindlichen Kommentar bestimmt nicht, da wäre das endgültige Resultat eher umgekehrt.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
23.12.2013
17:19:02


(+2, 4 Votes)
 
#7
23.12.2013
17:20:27


(+11, 15 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #2 von anome


Bei aller Differenzierung ein Weihnachstwunsch:

Belästige uns bitte nicht mit einem Bild von Frau Merkel in diesem Forum. Das ist ungefähr so, als würde man sich in einem jüdischen Forum mit einem Bild Möllemanns und in einem Migrantenforum mit einem Bild Sarrazins schmücken.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#8
23.12.2013
17:21:56


(-7, 9 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness
Antwort zu Kommentar #7 von goddamn liberal


Träum' weiter!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#9
23.12.2013
17:32:10


(+2, 4 Votes)

Von m123


Ich hab dort auch mal ne Petition erstellt, die ein Schluss mit Forderungen fordert! Hat schon mehr als 230.000 Unterschriften.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#10
23.12.2013
17:34:15


(+3, 5 Votes)

Von Agnostikerbaer


Noch einmall (hatte ich andernorts schon einmal geschrieben): Ich denke, es ist in der Tat wichtig, diese Petition im Auge zu behalten!

Gegen die erschreckende Unterzeichnungsfrequenz lässt sich wohl direkt nichts machen. Aber: Es ist möglich, z. B. "Contra-Argumente" im Debattenbereich beizusteuern.

Neben einem "Contra-Argument" und "Gegenargumenten" zu den Pro-Einlassungen in der Petitions-Debattenrubrik habe ich dort unter der Überschrift "Sodom und Gomorrha zu Weihnachten!" auch ein (selbstredend satirisch gemeintes) "Pro-Argument" samt (übrigens "bärigem") Video-Link gepostet:


Youtube-Video:


"Inzwischen hat die Homo-Lobby auch schon Weihnachten mit ihrem Schmutz besudelt! Das oben verlinkte Video ist seit Kurzem auf you tube zu sehen. Zwei Familienväter kommen sich am Weihnachtstag unter einem Mistelzweig näher (vor den Augen der Kinder!) und dann treiben sie miteinander Schande. Im Hintergrund erscheint ein Regenbogen (Ideologie des Regenbogens!) und es werden unfassbare sexuelle Perversionen gezeigt. Es geht soweit, dass ein Familienvater mit Hut (!) unter der Dusche steht und dem anderen Mann Petersilie in den Bart streut!"

Zu meinem vorgeblichen "Pro-Argument" gibt es bis jetzt zwei weitere und nicht minder satirische Wortmeldungen ("Gegenargumente").


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
« zurück  12345678  vor »


 POLITIK - DEUTSCHLAND

Top-Links (Werbung)

 POLITIK



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Gayromeo-Räuber "Marcus" festgenommen Magdeburg: Einstimmiger Beschluss für Hirschfeld-Gedenktafel "Tapetenwechsel 2.0" im Schwulen Museum* Studie: Intimrasur erhöht Krankheitsrisiko
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt