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  • 24.12.2013           13      Teilen:   |

59 Jahre nach Selbstmord

Alan Turing rehabilitiert

Artikelbild
Alan Turing (1912-1954)

Durch eine königliche Begnadigung wird die Verurteilung des englischen Computer-Wissenschaftlers wegen Homosexualität aufgehoben.

Erstmals ist in Großbritannien ein Mann posthum rehabilitiert worden, der wegen Homosexualität verurteilt worden war. Auf Antrag des britischen Justizministers begnadigte Elisabeth II. den Wissenschaftler Alan Turing zum 24. Dezember – seine Bestrafung ist damit aufgehoben.

Turing war 1952 wegen "grober Unzucht und sexueller Perversion" verurteilt worden, nachdem die Polizei eine Beziehung zu einem Mann festgestellt hatte – ein Lover war mit einem Komplizen in Turings Haus eingebrochen, der Wissenschaftler hatte sich darauf an die Behörden gewandt. Der damals 40-Jährige erhielt die Wahl, ins Gefängnis zu gehen oder eine Behandlung mit triebhemmenden Hormonen zu beginnen, darunter Östrogene. Er entschied sich für die "chemische Kastration", litt aber danach unter der Entwicklung von Brüsten und Depressionen – zumal er nicht mehr für die Regierung arbeiten durfte. Rund zwei Jahre nach dem Verfahren nahm er sich das Leben.

Der Mathematiker hatte in den 40er-Jahren für die Briten ein Verfahren zur Entschlüsselung der deutschen Funksprüche entwickelt, nach Ansicht vieler Experten war die Enigma-Maschine kriegsentscheidend. Er gilt zudem als ein Vater der modernen Informatik durch die Entwicklung der "Turing-Maschine".

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Langer Kampf um Rehabilitierung

Alan Turing mit Apfel in Manchester - Quelle: WikiCommons / Lmno / cc by sa 30
Alan Turing mit Apfel in Manchester (Bild: WikiCommons / Lmno / cc by sa 30)

Die Rehabilitierung geht auf eine Initiative aus dem Oberhaus zurück. Mehrere Mitglieder der Kammer hatten kritisiert, dass der Kriegsheld unbarmherzig von staatlichen Stellen verfolgt wurde, sobald der Zweite Weltkrieg gewonnen war. So erklärte Lord John Sharkey: "Die Regierung weiß, dass Turing ein Held und ein großer Mann war. Sie weiß auch, dass er grausam behandelt wurde".

Justizminister Chris Grayling nannte Turing einen "außergewöhnlichen Mann mit einem brillianten Geist". Seine Bestrafung würde man heute "als ungerecht und diskriminierend einschätzen", so der konservative Politiker zu der "Royal Pardon".

2009 hatte sich der damalige Premierminister Gordon Brown bereits für die Verfolgung Turings entschuldigt (queer.de berichtete). Allerdings hatte die Regierung lange eine Rehabilitierung abgelehnt. Erst im vergangenen Jahr erklärte ein Regierungssprecher, dass sich Turing in den 50er Jahren nach damaligem Recht strafbar gemacht habe und dies nicht im Nachhinein aufgehoben werden könne (queer.de berichtete).

Weitere Rehabilitierungen von Personen, die aufgrund ihrer Homosexualität verurteilt wurden und inzwischen verstorben sind, sind derzeit nicht geplant. In England und Wales wurde das Verbot der Homosexualität 1967 aufgehoben (in Schottland 1980, in Nordirland 1982). Im letzten Jahr hatte die britische Regierung entschieden, dass wegen Homosexualität Verurteilte eine Rehabilitierung beantragen können, der stattzugeben ist, wenn dies der einzige Strafvorwurf war (queer.de berichtete). Eine finanzielle Entschädigung ist nicht vorgesehen.

An Turing erinnern heute ein nach ihm benannter wichtiger Preis für Computer-Wissenschaftler, mehrere Bücher und Filme sowie einige Mahnmale und Plaketten. In Manchester, wo er an der Universität arbeitete, sitzt eine Statur von ihm auf einer Bank im Park Sackville Gardens, an der Schnittstelle zwischen Uni und dem heutigen Homo-Viertel rund um die Canal Street. Er hat einen Apfel in der Hand – mit einem vergifteten Apfel hatte er sich das Leben genommen. Bis heute gibt es das Gerücht, dass die Computerfirma Apple so auf Namen und Logo kam. (nb)

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Tags: großbritannien, alan turing
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Reaktionen zu "Alan Turing rehabilitiert"


 13 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
24.12.2013
10:29:39


(+9, 9 Votes)

Von Felix


Das wurde auch höchste Zeit!

Aber man darf auch nicht vergessen, dass das nicht das einzige Opfer ist, sondern nur eines der bekanntesten.

Es gibt noch tausende weitere, namenlose Opfer, die ebenfalls Rehabilitierung verdient hätten!

Ich hoffe, dass die alle aufgearbeitet und rehabilitiert werden!!


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#2
24.12.2013
10:45:43


(-9, 9 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Das hätte ich von Themseliesel nicht erwartet!


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#3
24.12.2013
10:54:50


(+8, 10 Votes)

Von ehemaligem User Smiley


Zweifellos hat das Brechen des deutschen Enigmaschlüssels einen gewaltigen Anteil am alliierten Sieg. Speziell durch die Möglichkeit Operationsplanungen der Wehrmacht und Kriegsmarine mitzulesen. Besonders direkt haben aber tausende wenn nicht zehntausende alliierte Seeleute Turing ihr Leben zu verdanken, deren Konvois um die deutsche U-Bootrudel geleitet werden konnten, bzw die U-Boote direkt bekämpft und vernichtet wurden. Der Wirtschaftskrieg wurde dadurch gewonnen.

Schön.

Aber ich bin mit der Begnadigung nicht einverstanden. Eine Begnadigung ist keine Rehabilitierung.

>dass sich Turing in den 50er Jahren nach damaligem Recht strafbar gemacht habe<

Das mag sein, aber wenn in der Vergangenheit "rechtmäßige" Urteile heute als schreiendes Unrecht gelten, dann muß ein Rechtsstaat auch den Mut haben seine Fehler zu korrigieren. Auch nachträglich. Alles andere ist recht mäßig.

>Rehabilitierungen von Personen [..] und inzwischen verstorben sind, sind derzeit nicht geplant<
>wegen Homosexualität Verurteilte eine Rehabilitierung beantragen können<

Sehr mäßig sogar.

Ein Leben ruiniert, Haft oder Hormonfolter, für immer gezeichnet, zum aussätzigen Monster erklärt, mit einem Tritt in den Arsch nach unten aus der Gesellschaft gefeuert, in den Dreck getreten.

>finanzielle Entschädigung ist nicht vorgesehen<

Nö, wofür auch.

Resümee, wir finden ein warmes Herz für eine herausragende Persönlichkeit dank derer der Kampf für Demokratie und Menschenrechte (und für die Wiederinbesitznahme der Kolonien) siegreich beendet werden konnte. Was an Unrecht der 08/15-Schwuchtel angetan wurde? Überaus bedauerlich. Stellen Sie einen Antrag.


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#4
24.12.2013
11:04:34


(+8, 12 Votes)

Von Robin


Schön, dass Großbritannien diesbezüglich aktiv wird.

In Deutschland verhindern CDU, CSU, FDP und jetzt auch die SPD ja weiterhin eine Rehabilitierung der Opfer des § 175.


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#5
24.12.2013
11:26:50


(+10, 12 Votes)

Von Mösen Tumult


Eine Begnadigung ist keine Rehabilitierung!


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#6
24.12.2013
12:13:20


(-3, 7 Votes)

Von Guy Fawkes


So ein menschlicher Schwachsinn!
Als wenn Alan Turing davon noch was hat...


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#7
24.12.2013
13:41:27


(+1, 7 Votes)

Von antos
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #3 von Smiley


Ja, und dieses "warme Herz" schaut sich - festlich gestimmt und wahrscheinlich von passender Christmas-Kaufhausmusik beschwingt - am 24.12. diesen Jahres im Spiegel an und erblickt dort, was es schon immer geahnt hat: es ist halt doch ein Grundgutes.

"Ein Leben ruiniert [...]"! Ein Glück, Turing ist längst samt seiner Titten verwest. Und die 08/15-Schwuchtel hat gottseidank genügend Pietät, dieses weihnachtliche Arrangement nicht zu stören.


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#8
24.12.2013
16:19:18


(+7, 7 Votes)

Von Peer
Antwort zu Kommentar #6 von Guy Fawkes


Darum geht es nicht!

Es geht darum, seinen Namen reinzuwaschen und ein deutliches Zeichen zu setzen. Ein Zeichen, von dem dann viele andere wohl wieder etwas haben.


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#9
24.12.2013
21:50:53


(+5, 5 Votes)

Von Alfi


Was soll das? der Mann ist tot ihm bringt das nichts mehr ! Eine Entschuldigung wäre wohl angebrachter für einen Nationalhelden der unter grausamer Nötigung keinen anderen Ausweg fand als sich das leben zu nehmen nur weil er einen anderen Mann liebte. In meinen Augen ein Verbrechen aufgrund beschränkter Denkweise der damaligen Briten


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#10
25.12.2013
11:56:36


(0, 4 Votes)
 
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