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  • 25.12.2013           3      Teilen:   |

Premiere in London

"American Psycho" als Musical: Das Sixpack von Matt Smith

Artikelbild
Die schwule Geschichte des Stücks wird im Musical ernsthafter ausgespielt als im Film: Patrick Bateman (Matt Smith) würgt seinen Kollegen Luis Carruthers (Hugh Skinner) (Bild: Almeida Theatre)

Als vor einem Jahr bekannt wurde, dass es eine Musical-Version von "American Psycho" geben wird, dachten viele, das sei ein schlechter Witz. Jetzt hatte das Stück in London Premiere.

Von Kevin Clarke
 
Ja, es gab die Witzemacher, die gleich meinten: "Patrick Bateman Live on Stage? Bring' deinen Regenmantel mit." Denn dass in der Musical-Adaption von Bret Easton Ellis' Kultklassiker aus dem Jahr 1991 Blut spritzen würde, war klar. Die Frage war nur: wie viel? Und wer würde Bateman spielen, den 26-jährigen Wall-Street-Investment-Banker, der von sich selbst sagt: "Ich fühle mich wie scheiße, aber ich sehe super aus"? Im Film war bekanntlich Christian Bale der durchtrainierte Psychopath, der mit der Kettensäge seine One-Night-Stands zerlegt und sich anschließend mit der weißen Calvin unters Sonnenbett legt, für die ideale Bürobräune.
 
Das kleine historische Almeida Theatre im Nord-Londoner Stadtteil Islington – abseits vom kommerziellen Theatergroßbetrieb des West End – landete einen echten Coup, als es Matt Smith als Hauptrollendarsteller ankündigen konnte. Berühmt ist Smith als mysteriöser Doctor Who, weswegen die Aufführungen im 325-Sitzplätze-Theater innerhalb von Minuten ausverkauft waren. Hausfrauen aus ganz England wollten ihr Idol mehr oder weniger nackt auf der Bühne erleben. Schwule werden sich erinnern, dass dieser Doctor Who jüngst auch in der Verfilmung von "Christopher und Heinz – Eine Liebe in Berlin" (Christopher and His Kind) die Titelrolle übernommen hatte. Weswegen einige Doctor-Who-Fans im Internet besorgt fragten, ob Smith schwul sei. (Nein, ist er nicht.)

Dass er nun in die Rolle des ambivalenten Patrick Bateman schlüpft, Kreation eines der erfolgreichsten (und umstrittensten) schwulen Autoren der Gegenwart, ist bemerkenswert. Und um das gleich zu sagen: Er sieht in weißen Unterhosen zwar nicht ganz so sensationell aus wie Christian Bale, dafür ist aber diese Bühnenversion von Roberto Aguirre-Sacasa (Buch) und Duncan Sheik (Musik und Liedtexte) tausendmal besser und spannender als der lahme Film von Mary Harron (2000). Und ja, Smith hat eine perfekt definierte Brust, ein Sixpack und eine unglaubliche Bühnenpräsenz. Mit anderen Worten: Die Sonnenbank-Szenen haben ihren visuellen Reiz. Und nicht nur diese.

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Beeindruckende Pop-Video-Choreographie, minimalistische Deko

Regenmantel nicht vergessen: Bei "American Psycho" spritzt jede Menge Blut - Quelle: Almeida Theatre
Regenmantel nicht vergessen: Bei "American Psycho" spritzt jede Menge Blut (Bild: Almeida Theatre)

Aguirre-Sacasa ist einer der regelmäßigen Drehbuchautoren der amerikanischen TV-Serie "Glee", wo er offensichtlich bei Produzent Ryan Murphy gelernt hat, wie man elegant in Musiknummern rein und wieder raus gleitet und wie man gekonnt dramatische Akzente setzt. Die Geschichte wird jedenfalls in dieser Bühnenfassung viel besser erzählt als im Film.

Besonders die schwule Geschichte von Batemans Kollegen Luis Carruthers (hier dargestellt von Hugh Skinner) wird im Musical deutlich sympathischer und ernster ausgespielt als im Film. Eigentlich kann man sagen, dass alles in dieser Bühnenversion sympathischer und besser dargestellt wird. Das liegt daran, dass die Pop-Video-Choreographie von Lynne Page beeindruckt, auch auf einer Mini-Bühne wie dem Almeida Theatre. Und die minimalistische Deko von Es Devlin, mit Videoprojektionen von Finn Ross, ist stylish. Genau wie Bateman.

Es ist bemerkenswert, wie dieses kleine Londoner Theater solch eine technisch brillante Inszenierung mit diesem Rundum-Staraufgebot hinbekommt, während an großen deutschen Theatern – trotz all der Subventionsmillionen – eine solche erzählerische Bravour nirgends anzutreffen ist. Den Erfolg verdankt die Produktion auch der Regie von Rupert Goold, der alle Register der fließenden Übergänge zieht und dafür sorgt, dass einerseits die Satire deutlich wird, andererseits die Geschichte nichts von ihrem sozialen Biss verliert – der heute wieder erstaunlich aktuell ist.

Der Homo verkommt nicht zur Lachnummer

Dass er auch den Homo nicht zu einer billigen Lachnummer verkommen lässt wie im Film, ist ein großer Verdienst von Goold, Aguirre-Sacasa und Sheik. Die Szene zwischen Bateman und Carruthers in der Umkleidekabine des Gym – nach einem schrägen Aerobic-Workout mit Disco-Beats und schweißgebadeten Körpern – ist einer der zentralen Wendepunkte der Geschichte. Auch später bleibt die schwule Nebenhandlung präsent.

Die Musik hat der Star-Komponist von "Spring Awakening" geschrieben. Sie ist diesmal weniger eingängig geraten, dafür voller Anspielungen auf Achtziger-Jahre-Popikonen wie Phil Collins und voller künstlicher Synthesizer-Klänge, die zur Oberflächlichkeit und inneren Leere der Charaktere passen. Nummern wie "Hardbody" ("I like them like that") und "You are what you wear" (als Modelabel-Auflistung) haben das Zeug, Klassiker zu werden. Und das Weihnachts-Finale "Mistletoe Alert" vor der Pause ist zum Schreien komisch, auch weil Susannah Fielding als Batemans nervige Verlobte Evelyn so unglaublich schrill ist, viel schräger als Reese Witherspoon im Film.

Deutlicher als im Film ist die Beziehung von Bateman zu seiner Sekretärin Jean ins Zentrum des Theaterabends gerückt, was dem Ganzen mehr emotionalen Gehalt gibt. Der entscheidende Moment ist denn auch das Date mit Jean, nach dem sich Bateman in der Version von Aguirre-Sacasa/Goold entscheidet, sich der Polizei zu stellen und mit dem Morden aufzuhören.

Kommt der "New Musical Thriller" auch nach Deutschland?

Ein echter Hingucker: Tom Kay als Sean Bateman (2.v.l.)
Ein echter Hingucker: Tom Kay als Sean Bateman (2.v.l.) (Bild: Almeida Theatre)

Vielleicht ist "American Psycho: The Musical" nicht die typische Weihnachtsshow, wie man sie in London derzeit überall sehen kann, von "Charlie and the Chocolate Factory" über "Matilda" bis zu "Emil und die Detektive" am National Theatre. Aber die Koks-verwehte Weihnachtsfeier im Stück ist definitiv ein Jahreszeiten überdauerndes Highlight. Die Londoner Presse war jedenfalls von der Premiere begeistert und schrieb Lobeshymnen. Es bleibt abzuwarten, wo dieses offensichtlich für Größeres bestimmte Werk als nächstes hinkommt. Der Broadway steht als Endpunkt fest. Aber vielleicht hat ja auch in Deutschland jemand die glorreiche Idee, diesen "New Musical Thriller" herauszubringen. Nur wer soll hier die Hauptrolle von Matt Smith übernehmen?

Übrigens: Es ist schon erstaunlich, wie viele schwule Nebenhandlungen derzeit in kommerziellen West-End-Musicals zu sehen sind. In Tim Rices "From Here to Eternity" wird – ebenfalls anders als im Film – die schwule Ebene der Geschichte vollständig ausgespielt, was bewegend ist und dem Stoff eine innere Logik gibt, die Hollywood in den 1950er Jahren ausgeblendet hatte bzw. ausblenden musste. Auch in Andrew Lloyd Webbers neuestem Werk "Stephen Ward", einem Stück über den Politikskandal von 1963, werden schwule Aspekte selbstverständlich angesprochen und ausmusiziert, ohne Klamauk.

Die CDs von allen drei Stücken sind bislang nicht erschienen, aber in Planung; die zu "Stephen Ward" kommt im Januar raus. Wer bis Ende Januar 2014 nach London reist, sollte unbedingt einen Ausflug ins Almeida Theatre unternehmen, mit oder ohne Regenmantel. Restkarten kann man an der Abendkasse bekommen, wenn man sich auf die Warteliste setzen lässt. Und neben Matt Smith als Patrick Bateman und Hugh Skinner als Luis ist Tom Kay als Sean Bateman mit Muskelbeinen ein echter Hingucker – besonders im Aerobic-Outfit.

Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Stück auf der Homepage des Almeida Theatre
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Tags: american psycho, matt smith, musical, almeida theatre, london
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Reaktionen zu ""American Psycho" als Musical: Das Sixpack von Matt Smith"


 3 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
25.12.2013
20:49:22


(+3, 5 Votes)

Von Leo1980


Solange sie in Dt nicht Tatort Kommissar Til Schweiger engagieren, ist alles okay.


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#2
27.12.2013
20:27:11


(-1, 3 Votes)

Von BowTies are cool


keine Doctor Who Fans hier?

Ich für meinen Teil finde es schade das ich dieses Musical nicht sehen kann und bin auch leicht angenervt, Matt ab der 8. Staffel nicht mehr als Doctor in der besten Serie aller Zeiten sehen zu können. Aber irgendwie denke ich das über jeden neuen Doc...


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#3
04.01.2014
00:30:53
Via Handy


(0, 0 Vote)

Von Geronimo


Wäre toll wenn man auch in Deutschland die Möglichkeit Haben könnte es zu sehen! Genug Fans hat matt smith hier ja!!!!

Könnte schon jetzt wegen der 8.staffel kotzen, da ich Peter capaldi schon in Fire of Pompeji nicht leiden konnte!!


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