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  • 26.12.2013           22      Teilen:   |

Christmas-TV

Ein altes zickiges Homo-Paar als Rollenmodell: "Vicious"

Artikelbild
Szene aus dem Christmas Special: Freddie (Ian McKellen) und Stuart (Derek Jacobi) sind seit 49 Jahren ein Paar (Bild: ITV)

Ian McKellen und Derek Jacobi sind die Stars der genialen britischen Sitcom "Vicious". Am 27. Dezember läuft auf ITV ein Christmas Special.

Von Kevin Clarke

Es ist schon erstaunlich, dass eine Serie wie "Vicious" bislang nicht in Deutschland ausgestrahlt wurde. Immerhin zeigt die britische Sitcom mit Top-Stars Ian McKellen ("Herr der Ringe", "X-Men") und Theaterberühmtheit Derek Jacobi das liebeswert-schräge Alltagsleben von zwei alten schwulen Männern, die seit 49 Jahren in einer Wohnung in London zusammenleben und sich in den sechs Folgen der ersten Staffel jeweils 22 Minuten böse angiften. Nur um in den entscheidenden Momenten zusammenzurücken und der Welt gemeinsam als starkes Paar gegenüberzutreten.

Gesendet wurde die erste Staffel vom britischen Sender ITV, wo auch "Downton Abbey" läuft. Obwohl viele Kritiker "Vicious" als klischeehaft, platt und altmodisch abtaten, einige prominente Aktivisten sogar das Wort "schwulenfeindlich" in den Mund nahmen, weil da zickige alte Herren zu sehen sind, die einer anderen (Verhaltens-)Ära entspringen und so gar nicht zum Bild der neuen multimedialen Mainstream-Homos passen wollen, wie man sie anderswo sehen kann, hat sich ausgerechnet diese Altherren-Farce zum absoluten Renner bei jungen schwulen Zuschauern entwickelt. In einer Umfrage der BBC bei 20.000 Engländern, von denen sich 1.000 offiziell als schwul geoutet hatten, stimmten jüngst im LGBT-Segment der 16- bis 34-Jährigen 36,6 Prozent für "Vicious" als beliebteste Serie – wohingehend im Segment der 35- bis 55-Jährigen die Dokuserie "Unsafe in the City" (33 Prozent) und die singende Highschool-Soap "Glee" (28,6 Prozent) vorn lagen.

Fortsetzung nach Anzeige


Ältere Schwule gucken "Glee", jüngere Schwule "Vicious"

Das angestaubte Paar vom Typ "Bissige Tunte" liebt Wein und Plaudereien über Sex - Quelle: ITV
Das angestaubte Paar vom Typ "Bissige Tunte" liebt Wein und Plaudereien über Sex (Bild: ITV)

Man kann das erstaunlich finden. Denn: Wieso finden ausgerechnet 35- bis 55-jährige Schwule eine Jugendserie wie "Glee" so wunderbar, in der die Kids um die 20 sind, teilweise recht verdruckst mit ihrer Homosexualität umgehen und mehr mit Musik als mit Sex beschäftigt sind, während die 16- bis 34-Jährigen durch die Bank weg "Vicious" bevorzugten, wo ein angestaubtes Paar vom Typ "Bissige Tunte" die meiste Zeit damit verbringt, dem sexy Nachbarn Ash (Iwan Rheon) auf die Brustmuskeln zu starren, Wein zu trinken und mit der besten Freundin Violet (großartig: Frances de la Tour) über Beziehungsprobleme bzw. Violets verkorkstes Sexleben zu plaudern? Kann es sein, dass aufgeklärte und selbstbewusste Jungschwule in diesem alten abgeklärten Paar, das trotz allem immer zueinander stand und steht, das interessantere Rollenmodell sieht als in Kurt und Blaine in "Glee", wo es in fünf Staffeln nur einmal angedeuteten Sex zwischen den Junior-Gays gab und ansonsten nur von Verlobung und Homoehe die Rede ist?

Natürlich hat "Vicious" den Ian-McKellen-Bonus: Schließlich ist er der Star von zwei Filmen, die in der Altersgruppe der 16- bis 34-Jährigen ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen. Ihn hier als Obertuckenversion vom Zauberer Gandalf zu sehen – in der Rolle eines erfolglosen Schauspielers – ist ein Vergnügen. Ich persönlich fand es überhaupt nicht "schwulenfeindlich", McKellen und Jacobi als Paar zu erleben, das mit eingeknickten Handgelenken mit ihren Müttern telefoniert und im Grunde den scharfzüngigen Typ "Boys in the Band" (1968) repräsentiert, den alle emanzipierten Schwulen nach Stonewall versucht haben weit hinter sich zu lassen. Warum eigentlich?

Ein Plädoyer für Colliergriff und Teekännchen

David M. Halperin hat das in seinem Buch "How to Be Gay" (2012) wunderbar beschrieben als Form von Selbsthass: Viele wollen sich nicht eingestehen, dass sie als Schwule solchen Klischees entsprechen und verhalten sich bewusst heteronormativ und übermännlich, um möglichst "normal" zu wirken statt offensichtlich "schwul". Aber: Gehört es nicht zu einem offenen und selbstbewussten Umgang mit der eigenen Homosexualität, dass man solche Verhaltensformen und bei "Vicious" wiederbelebte Posen wie Colliergriff und Teekännchen akzeptiert, bei sich und bei anderen? Statt zu versuchen, sie weg zu argumentieren und das große Wort "schwulenfeindlich" zu bemühen?

Interessanterweise sagen alle Hetero-Charaktere in "Vicious", dass sie das, was Freddie (McKellen) und Stuart (Jacobi) haben, auch wollen: nämlich eine lange Partnerschaft, die durch nichts auseinanderzubringen ist. Auch das ist eine Form von Rollenmodell, und zwar eins, das nicht erst die Post-Stonewall-Schwulen erfunden haben und das es nicht nur in jugendlichen Serien Marke "Glee" zu sehen gibt. Wo die Charaktere ohnehin viel zu jung sind, um auf eine 49-jährige Beziehung zurückblicken zu können. (Und ich sage all dies als großer "Glee"-Fan.)

Youtube | Freddie und Stuart kurz vorgestellt

Geschliffene Dialoge, zum Schreien komisch

Den jungen Nachbarn Ash (Iwan Rheon) haben die beiden alten Herren gerne auf ihrer Couch
Den jungen Nachbarn Ash (Iwan Rheon) haben die beiden alten Herren gerne auf ihrer Couch (Bild: ITV)

Kreiert wurde "Vicious" von Mark Ravenhill, Autor der schwulen Skandal-Theaterstücke "Shopping and Fucking" (1996) und "Mother Clap's Molly House" (2001), sowie von Gary Janetti, dem ehemaligen Produzenten von "Will and Grace". Das bedeutet, die Dialoge sind geschliffen und oft zum Schreien komisch, was man auch an den Reaktionen des Publikums merkt. Denn die Serie wurde in einer Art Theateratmosphäre live gedreht, um sie lebendiger wirken zu lassen.

Die erste Staffel ist in England bereits auf DVD erhältlich und entsprechend bei Amazon als Import bestellbar. Man kann sich die ersten sechs Folgen natürlich auch im Internet auf den üblichen Streaming-Portalen anschauen. Das Christmas Special läuft am 27. Dezember um 21 Uhr britische Zeit, 22 Uhr deutsche Zeit, auf ITV. Laut Presseankündigung wird's eine besonders "festliche Folge": Freddie spielt einen Kaufhaus-Weihnachtsmann, der die Welt mit "Method Acting" beeindrucken will, während Nachbar Ash sich bereit erklärt, für alle das Weihnachtsessen zu kochen. Was natürlich gehörig in die Hosen geht.

Die zweite Staffel wird 2014 folgen, nachdem die Zuschauerzahlen so gut waren (5,78 Millionen pro Folge), dass ITV eine Fortsetzung in Auftrag gegeben hat. Wie es dann mit dem instabilen Liebesleben von Muskelmann Ash im Vergleich zu Freddie und Stuart weitergehen wird – von Violet ganz zu schweigen – kann ich kaum erwarten.

Übrigens: Die Tatsache, dass Stuart nach 49 Jahren seiner Mutter in der sechsten Folge endlich sagt, dass er schwul ist und ihr seinen Partner vorstellt, ist einer der vielen Höhepunkte der Serie, genauso der Auftritt von Judi Dench am Ende dieser Folge. Sie will zum Jubiläum von Freddie/Stuart kommen und sagt dafür sogar ihr Essen mit Daniel Craig ab. Allerdings vergisst Freddie, ihr seine Adresse durchzugeben, so dass Dench es nur auf seinen Anrufbeantworter schafft, was eine besonders großartige Pointe ganz zum Schluss ist.

Youtube | Trailer zum Christmas Special
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Tags: vivious, ian mckellen, derek jacobi, itv, glee, downton abbey, homo-tv
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Reaktionen zu "Ein altes zickiges Homo-Paar als Rollenmodell: "Vicious""


 22 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
26.12.2013
12:17:11
Via Handy


(-1, 5 Votes)

Von Greg


"das interes­santere Rollen­modell sieht als in Kurt und Blaine in "Glee", wo es in fünf Staffeln nur einmal angedeuteten Sex zwischen den Junior-Gays gab"

Das ist ein schlechtes Argument, in Vucious gibt es meines Wissens auch keinen angedeuteten Sex.

Und klischeemäßig tun sich beide Serien auf ihre Art auch nicht viel. In Glee die Jungschwuppen, denen Musicals gefallen ( Klischee), in Vucious ein altes, schwules Pärchen was Jünglingen hinterher sabbert ( Klischee).
Die Klischees stören mich nicht mal, sind ja nur Serien und die brauchen Witze, aber Vucious als soviel emanzipierter denn als Glee zu bezeichnen finde ich übertrieben.


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#2
26.12.2013
13:55:20


(+8, 8 Votes)

Von Felix


Habe mir gerade ein paar Trailer auf Youtube angesehen. Sieht echt sehr witzig aus.

Und die Darsteller sind echt genial gut. Wobei ich Ian McKellen und Derek Jacobi eh schon immer toll fand.

Ich hoffe, die Serie wird bald synchronisiert (und auch gut synchronisiert) und kommt dann bald im deutschen Fernsehen...


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#3
26.12.2013
14:42:09


(+7, 7 Votes)

Von Petter


Ich hoffe auch, die Serie bald in Deutschland sehen zu können!

Aber die muss auf jeden Fall richtig gut synchronisiert werden, damit der feine britische Humor richtig rüberkommt.

Und ich hoffe auch, dass man für Ian McKellen seine aus Kinofilmen bekannte Synchronstimme nimmt.


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#4
26.12.2013
16:42:40


(+3, 5 Votes)

Von snow


Ich werde morgen dann mal den SAT Schirm mal wieder auf Astra 2A drehen und mir die Sendung ansehen


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#5
26.12.2013
17:22:33


(-6, 8 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Vicious = boshaft


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#6
26.12.2013
18:15:03
Via Handy


(+3, 5 Votes)

Von Alex


"einige prominente Aktivisten sogar das Wort "schwulenfeindlich" in den Mund nahmen, weil da zickige alte Herren zu sehen sind, die einer anderen (Verhaltens-)Ära entspringen und so gar nicht zum Bild der neuen multimedialen Mainstream-Homos passen wollen"

Man darf halt nicht vergessen, dass die heute alten Schwulen noch sehr gut die Zeit kennen als Homosexualität noch verboten war und verfolgt wurde. Und auch nach der Legalisierung war das noch viel geächteter als es heute teilweise immer noch ist. Die kennen das Verstecken und Getuschel noch viel besser.

Und so erklärt sich dann auch manches skurrile Verhalten. Das ist nicht homophob, sondern ganz einfach authentisch. Und daraus resultiert dann auch ein Teil des Humors der Serie.


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#7
26.12.2013
19:17:10


(+3, 5 Votes)

Von keyjahn


Als die erste Staffel lief, freute ich mich immer auf Montag, doppelte Ladung Iwan Rheon!
Erst als Sadist Ramsey Snow in Game of Thrones und dann als Ash in Vicious.

Ja, ich bin Iwan Rheon fan, auch als Sänger ist er ausgezeichnet und bekam auch seinen Olivier Award zu recht.

Da ich ihm folgte, erfuhr ich schon früh von der Serie und sah auch Photos während der Aufzeichnung, den ja, die Show wird zu größten Teil vor Live Publikum aufgezeichnet.

Alle die schon die Aufzeichnung erlebten, waren begeistert von der Chemie zwischen den Darstellern und auch die Gespräche die teilweise zwischen Iwan und Ian McKellen auf Twitter entstanden, waren herrlich.
Und wie schrieb er einmal, "es war merkwürdig eine Szene nur mit Menschen, mit einem "Sir" vor dem Namen zu haben"

Ian McKellen und Derek Jacobi sind schon sehr lange Freunde und das merkt man ihrem Spiel einfach an.

Irgendwie sind alle meine männlichen Freunde in England schwul (zw. 17 und 42) und alle lieben die Serie.

Ich kann die negative Kritik nicht verstehen, damals nicht und heute auch nicht.

Hab selten so gelacht.

Und ja, sie sind bitterböse, aber sie lieben sich...

Ich freue mich schon seit Monaten auf heute Abend...

btw. falls wer den Herrn mal hören will:
Youtube-Video:


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#8
26.12.2013
21:39:22


(+2, 4 Votes)

Von Cat12
Aus Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 27.03.2010
Antwort zu Kommentar #5 von FoXXXyness


Auch wenn's manchen nicht gefällt: vicious heißt auf deutsch nun mal u. a. "bösartig". Auch boshaft, gemein, übel... Wer das rötet, hat entweder dies oder den britischen Humor nicht verstanden.


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#9
26.12.2013
21:58:22


(+2, 4 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Klingt lustig..

Erinnert mich aber irgendwie an einen Film von 1969 (!) :

Unter der Treppe
Originaltitel: STAIRCASE

""Zwei ältere Homosexuelle leben seit vielen Jahren zusammen und führen einen kleinen Friseursalon.
Abwechselnd oder gleichzeitig empfinden sie sich als störend oder unentbehrlich.
Nach einem Bühnenstück als tragikomische Charakterstudie aufgebauter, schauspielerisch hervorragender Kammerspielfilm.
Teils amüsant, teils realistisch, zwar theatermäßig, aber elegant auf hohem Niveau inszeniert.
Keine echte Auseinandersetzung mit dem Problem der Homosexualität in den späten 60er Jahren, aber eine bitter-kritische, manchmal sarkastische Abrechnung mit Lebenslügen und Eitelkeiten.""..

Link zu www.zweitausendeins.de

Link:
de.wikipedia.org/wiki/Charles_Dyer


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#10
26.12.2013
22:05:04
Via Handy


(+2, 6 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #8 von Cat12


Wer glaubt, es ginge darum, hat foxy nicht verstanden.


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