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  • 29.12.2013           38      Teilen:   |

"hello mr."

Das schwule Magazin, auf das wir gewartet haben

Artikelbild
Die zweite Ausgabe: "hello mr." erscheint im Pocket-Format mit 160 Seiten und stylishen Fotos, die keine Fleischbeschau sind

Ryan Fitzgibbon aus New York setzt dem Standard-Homomagazin mit "hello mr." eine intelligente Alternative entgegen. Es erscheint zweimal jährlich auf Englisch und wird in Berlin gedruckt.

Von Kevin Clarke

Es gibt ja bestimmte Klischees, die viele Homomagazine nur allzu gern erfüllen: Themen, die um Mode, Kosmetik und Reisen kreisen (immer gut für Werbekunden), gewürzt mit Sex, Sex und noch mehr Sex (was anderes haben Schwule angeblich eh nicht im Kopf, oder?), Berichte über Popsterne und Filmstars (Schwule sind halt klatsch- und tratschsüchtig), dazu Fotos, die viele nackte Körper zeigen. Durchtrainierte nackte Körper, versteht sich. Vorzugsweise auf Hochglanzpapier gedruckt. Um trotzdem den eigenen Anspruch auf Seriosität wenigstens halbwegs aufrecht zu erhalten – denn auf den legen manche Werbekunden wert, die nicht in Pseudo-Pornoheften annoncieren möchten – wird hier und da eine sogenannte "knallharte" politische Reportage eingestreut, die man 2013 aber besser recherchiert und meist auch besser geschrieben in jeder großen und kleinen Tageszeitung finden kann, wo sie dann auch nicht so peinliche Überschriften trägt wie "Geht das Mutti?" ("Der politische Wunschzettel für die nächsten vier Jahre"). Ach ja, alternativ gibt's natürlich noch die diversen Stadtmagazine, die neben ihrem Kalenderteil all das eben Genannte auch bieten, nur in Kurzversion und weniger prätentiös. Zudem gratis, statt wahlweise zwischen 6,50 und 7,95 Euro.

Dem deutschen lesenden Schwulen reicht das, scheinbar. Alle weiteren Infos holt er sich aus dem Netz. Ryan Fitzgibbon aus New York war das dagegen nicht genug, beziehungsweise er fühlte sich als Homo über 30 von der Szenepresse nicht wirklich repräsentiert. Und das, obwohl die Magazinlandschaft im anglo-amerikanischen Raum ja deutlich vielfältiger ist als bei uns. Immerhin gibt's da "Attitude", "Gay Times", "Out" und "The Advocate", um nur die wichtigsten zu nennen. Mit riesigen Redaktionen machen sie umfangreiche Hefte, von denen die deutschen Kleinredaktionen "Du & Ich", "Männer" und "Mate" nur träumen können. Das bestehende Angebot hinderte Fitzgibbon nicht, mit einer Kleinstredaktion ein gänzlich neues und anderes Heft an den Start zu bringen: "hello mr." heißt es und trägt den Untertitel "about men who date men". Es ist ein Heft von 160 Seiten, im Pocket-Format, mit stylishen Fotos, die keine Fleischbeschau sind und nicht mal entfernt als soft-pornografisch durchgehen könnten, vielmehr Blumen, Stadtlandschaften und Tweens in kunstvollen Schnappschüssen zeigen. Dazwischen zirka dreißig Artikel, jeweils drei bis vier Seiten lang, von Autoren, die sich in jeder Ausgabe an einem anderen übergeordneten Thema abarbeiten.

Fortsetzung nach Anzeige


Brillant geschriebene, betont persönliche Artikel

Cover der ersten Ausgabe
Cover der ersten Ausgabe

In der gerade zirkulierenden zweiten Ausgabe von "hello mr." widmen sie sich dem Aspekt "Trennung" in allen möglichen Ausformungen. Beim Lesen merkt man schnell, dass die Autoren, überwiegend aus den USA und Australien, zwischen 25 und 35 sind und ihr eigenes, meist urbanes Lebensgefühl mitbringen, das sie in brillant geschriebene, betont persönliche Artikel zu verpacken wissen. Besonders großartig fand ich Max Moshers Text "Queer as Friends", der beschreibt, wie ihn die UK-Fernsehserie "Queer as Folk" und die Figur des jungen Nathan als Teenager inspiriert haben – als Rollenmodell. Bis Mosher im Laufe der Jahre lernte, dass die asexuelle Freundschaft zwischen Stuart und Vince in der UK-Serie das viel bessere Modell gewesen wäre, das er zur Vermeidung seines eigenen Beziehungschaos als Tween hätte kopieren sollen. Im Nachhinein bedankt er sich beim Serien-Schöpfer Russell T. Davis dafür, ihm versteckt diese Lebenslehre mitgegeben zu haben, auch wenn es eine Weile gedauert hat, bis Mosher sie verstanden hat.

Natürlich ist asexuelle Freundschaft als Partnerschaftsmodell etwas, was nicht unbedingt neu ist. Aber so explizit ausformuliert findet man es in den meisten "Wie komme ich am besten zum nächsten Fick"-Artikeln bei Männermagzinen nicht. ("Mit mehr Muskeln und Testosteron?", "Mit einer Reise zur richtigen Party-Location?", "Mit der richtigen Dating-App?")

Im Editorial auf der Homepage von "hello mr." schreibt Chefredakteur und Herausgeber (und Kreativdirektor) Ryan Fitzgibbon: "Wir sind ein Magazin über Männer, die Männer daten. [Man beachte: daten, nicht mit ihnen schlafen!, d. Red.] Wir erscheinen zweimal jährlich und spiegeln in jeder Ausgabe das alltägliche Leben und die Geschichten, die dieses Leben definieren: mit Essays, Interviews, Kurzgeschichten, Illustrationen und Fotos. 'hello mr.' ist mehr als nur ein Magazin, es ist eine weltweite Community von Männern, die Material suchen zu Themen, die sie interessieren und mit denen sie neue Gespräche anfangen können über ihre Wertevorstellungen, ihre Hoffnungen und ihre Ängste. Es ist eine schüchterne/zurückhaltende ('coy') Einführung für eine neue Generation, und das ist etwas, womit wir alle letztlich etwas anfangen können."

Vimeo | In einem kurzen Video stellt sich "hello mr." vor

Sexualität nicht als ausschließliches Thema

Das klingt vielleicht ein bisschen hochtrabend. Präpotent sogar, könnte man meinen. Aber das gedruckte Resultat ist durchaus ansehnlich und spannend. Zum einen, weil das Design unaufdringlich ansprechend ist. Vor allem aber, weil die Geschichten, die erzählt werden, sich tatsächlich deutlich absetzen von gängigen Homoheftinhalten: es sind hochindividuelle Reflektionen darüber, was es heißt, heute als Schwuler um die 30 zu sich selbst zu finden, Sexualität eingeschlossen, aber nicht als ausschließliches Thema ("The Men in My Life", "The Breakfast Bachelor"). Manche werden das die "neue Keuschheit" nennen, die in der Gay Community um sich greift, andere werden es erfrischend finden. Ein Leserbriefschreiber namens Daniel aus Newcastle meint: "This magazine has restored my faith in the depth, intelligence and theoretical capacity of queer media." Jordan aus New York City schreibt: "hello mr. is the only gay magazine I've come across that I really enjoy reading. Smart, real, and chic as hell. Coffee tables around the world are hungry for it."

Dieses "smart, real, and chic as hell"-Heft kostet pro Ausgabe stolze 20 Dollar bzw. 18 Euro. Wo man es kaufen kann, auch in Deutschland, erfährt man auf der Website von "hello mr". Ob man sich auf das Konzept von "endearing instead of seductive" ("liebenswert statt verführerisch") einlassen möchte, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Die völlige Abwesenheit von offensichtlichen Mode-, Kosmetik- und Reiserubriken fand ich persönlich jedenfalls sympathisch. Die Kurzgeschichten sind angenehm zu lesen und vor allem inhaltlich so, dass ich sie nicht alternativ auch in Tageszeitungen finden könnte. Sie waren etwas Eigenes. Etwas, was es lohnt, separat zu kaufen.

Während die Redaktionsanschrift von "hello mr." eine PO-Box in Brooklyn ist, wird das tatsächliche Heft ausgerechnet in Berlin bei AZ Druck und Datentechnik gedruckt. (So viel zum Thema "internationale" Medienlandschaft.) Vielleicht lässt sich der ein oder andere deutsche Kreative oder Verleger davon inspirieren, bei uns etwas Vergleichbares auf den Markt zu bringen? Eine entsprechende Ergänzung und Erweiterung der hiesigen Presselandschaft wäre sicher vorteilhaft, damit schwules Leben mal ein bisschen umfangreicher reflektiert und hinterfragt wird, als es derzeit geschieht.

Unser Autor Kevin Clarke war von März 2011 bis Januar 2013 Chefredakteur der Zeitschrift "Männer" im Bruno Gmünder Verlag.

Links zum Thema:
» Homepage von "hello mr."
» Fanpage auf Facebook
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Tags: hello mr., ryan fitzgibbon, homomedien, schwulenmagazn
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Reaktionen zu "Das schwule Magazin, auf das wir gewartet haben"


 38 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
29.12.2013
09:36:06
Via Handy


(0, 4 Votes)

Von kribbln
Aus Berlin
Mitglied seit 20.12.2013


Sex sells, wissen wir ja. Wenn es da im Schädel noch mehr gibt, als "ich bin Trieb", wird dieses Format seine Abnehmer finden.
Jetzt bin ich mal gespannt, wie sich das entwickeln wird. Sozusagen als Test, ob "wir" doch nur homogene Klischeemasse sind oder heterogen genug mit Interessenten für anspruchsvolles.


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#2
29.12.2013
10:28:13


(-1, 7 Votes)

Von LGBT*I*Q


Also der Bericht über das Magazin kommt etwas spät. Ich glaube das Heft spricht auch einfach ein etwas andere Zielgruppe an. Wenn man es liest werden auch dort Geschichten über nur genau jene Jungs gebracht bei denen ich vermute dass Sie es kaufen: Kosmopolitische Großstadthipster, Menschen die "Queer" nicht als Anderen Begriff für Schwul oder LSBTIQ sehen, sondern etwas mit der "quere Theorie" anfangen können, Jungs die sich nicht so viel aus Schwulennormativität machen ;)

...also ich glaube die Hauptzielgruppe von Quer.de ist eine andere. Hier ist es zwar politisch, aber am Ende gibt es doch "sexy al qaida Comics" oder Tipps zum Analsex....

....in "Hello Mr." würde es hingegen einen jungen Künstler geben der an der UDK studiert und Männer mit Narben nackt zeichnet, und Sexualität wird nicht nur rein als Penetration verstanden ;)

...ich glaube einfach es ist eine neue... eine andere Generation als hier.


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#3
29.12.2013
11:16:04


(+2, 4 Votes)
 
#4
29.12.2013
11:39:19


(+1, 5 Votes)

Von Felix


Hört sich interessant an und ist auf jeden Fall eine Bereicherung der internationalen schwulen Presselandschaft.

Was ich mir für den deutschen Markt wünschen würde, wäre eine Art deutsches Advocate. Also ein hochwertiges, gut recherchiertes Magazin mit Themen aus Politik, Gesellschaft, Kultur (Film, Musik, Bühne, Ausstellung, Literatur, etc.) und auch ein wenig Lifestyle (Mode, Pflege & Kosmetik, Einrichtung, Technik, Reisen). Aber alles sehr seriös und hochwertig.


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#5
29.12.2013
11:44:27


(+1, 3 Votes)

Von Marc


Wow, das Video sieht sehr gut aus!!

Und das hört sich auch alles sehr vielversprechend an!!

Leider finde ich im Gegensatz zur Angabe im Artikel auf deren Homepage keinerlei Angaben, wo man das Heft hier in Deutschland bekommt. Da normale Kioske wohl wahrscheinlich leider aussichtslos sind, werde ich mal in meiner örtlichen Bahnhofsbuchhandlung nachfragen.


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Anm. d. Red.:
Link:
hellomrmag.com/stockists/

 
#6
29.12.2013
12:12:18
Via Handy


(+4, 4 Votes)

Von LedErich
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #5 von Marc


Schade, dass die schwulen Buchläden in München und anderswo nicht mehr gibt. (Fast) nur die paar übrig gebliebenen führen solche Nischen-Ware wie dieses neue Magazin.


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#7
29.12.2013
12:57:10


(+4, 4 Votes)

Von Simon H


Wenn man so guckt, was es im englischsprachigen Raum so alles an schwulen Zeitschriften gibt, kann man echt neidisch werden... Da ist für jeden Geschmack etwas dabei...


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#8
29.12.2013
13:01:07


(+3, 5 Votes)

Von Marc
Antwort zu Kommentar #5 von Marc


@Redaktion:
Danke für den Link.

Schade, ist ja nicht mal Köln dabei. Hoffentlich ändert sich das noch.


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#9
29.12.2013
13:04:50


(+4, 4 Votes)

Von Felix
Antwort zu Kommentar #7 von Simon H


Wobei das auch ein wenig unsere eigene Schuld ist.

Solange immer noch diese "Geiz ist geil"-Mentalität herrscht und man nicht bereit ist, für Qualität auch mal einen angemeessenen Preis zu bezahlen, bleibt das auch so.

Guter Journalismus und hochwertige Printprodukte kosten nun mal ihr Geld.

-------

Das erinnert mich an ein sehr passendes Zitat:

Der Preis

Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.

Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zuviel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann. Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.

JOHN RUSKIN engl. Sozialreformer (1819-1900)


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#10
29.12.2013
13:04:51


(+1, 3 Votes)

Von -P-S-


Lustig, wie der Autor im ersten Teil seine eigene Arbeit an der Männer aktuell charakterisiert ... warum hat er bei so was, was er jetzt nur abartig findet, so lange mitgemacht? Oder gehts um etwas ganz anderes?


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