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  • 30.12.2013           1      Teilen:   |

Renée Sintenis

Erfolgsbildhauerin und Garçonne der Berliner Bohème

Artikelbild
Emanzipierte Protagonistin der Berliner Kunstszene der Vorkriegszeit: Porträt von Renée Sintenis aus dem Jahr 1925 (Bild: ullstein bild 2013)

Zum 125. Geburtstag der vermutlich lesbischen Bildhauerin Renée Sintenis zeigt das Berliner Georg Kolbe Museum eine umfassende Werkschau.

Von Elke Koepping

Renée Sintenis gilt als erste kommerziell erfolgreiche Frau in der europäischen Kunstwelt des 20. Jahrhunderts. Die 1888 geborene Bildhauerin spezialisierte sich in einer Männerdomäne auf kleinformatige Tierplastiken, Frauenakte und Sportlerabbildungen. Insbesondere die Tierplastiken erwiesen sich als Verkaufsrenner.

Kaum ein Mensch heute weiß, dass "die Sintenis" die Vorlage für die während der Berlinale jährlich vergebenen Filmpreise schuf, die Berliner Bären. Nach dem Krieg gestaltete sie das Wappentier der Stadt. Beim Rundgang durch die Ausstellung ist man überrascht, wie ausgefeilt das Berliner Stadtmarketing bereits in den späten 1950er Jahren war. Bis heute markiert übrigens eine ihrer Bärenskulpturen auch die Berliner Stadtgrenze am Autobahnzubringer Dreilinden – an diesem Bären vorüberzufahren, ist für viele heimkehrende Berlinerinnen und Berliner bis heute verbunden mit einem wohligen Aufseufzen und dem Gefühl, jetzt wieder zuhause zu sein.

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Inbegriff des "Girls" der Weimarer Zeit

Reisende nach Berlin werden von dem lebensgroßen, bronzenen Jungbären aus der Hand der Künstlerin am ehemaligen Grenzübergang Dreilinden begrüßt. - Quelle: Bernd Sinterhauf, © VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Reisende nach Berlin werden von dem lebensgroßen, bronzenen Jungbären aus der Hand der Künstlerin am ehemaligen Grenzübergang Dreilinden begrüßt. (Bild: Bernd Sinterhauf, © VG Bild-Kunst, Bonn 2013)

Renée Sintenis war der Inbegriff des "Girls" der Weimarer Zeit: eine moderne, erfolgreiche und finanziell unabhängige Frau. Ihre Ausbildung an der Berliner Kunstgewerbeschule begann sie gegen den Willen ihres Vaters, brach sie jedoch im fünften Semester auf sein Drängen hin ab. Ihre beachtliche Körpergröße von 1,80 Meter und ihre distanzierte Schönheit machten sie in der Folge allerdings zum begehrten Modell für zahlreiche Künstler, so auch für Georg Kolbe im Jahr 1910 für einen lebensgroßen Frauenakt. Die Skulptur ist nicht erhalten, jedoch hängt in der Ausstellung, die in den ehemaligen Atelierräumen des Künstlers gezeigt wird, eine Fotografie.

Nur wenige Jahre später, offenkundig beeindruckt von der Arbeit mit Kolbe, erarbeitet Sintenis drei kleine Frauenplastiken, die im Rahmen der Berliner Secession des Jahres 1913 ausgestellt werden. Sie sind der Start einer steil nach oben verlaufenden Karriere.

Vom ersten Geld, das sie als Künstlerin verdient, kauft sie sich ein Pferd, mit dem sie täglich im Tiergarten ausreitet – womit sie einiges Aufsehen erregt. Im Reiterkostüm oder mit Anzug und Krawatte pflegt sie als fester Bestandteil der Berliner Bohème das androgyne Image der Garçonne. Die Illustrierten der Zeit finden Interesse an ihrem modernen Lebensstil und der Handlichkeit ihrer Plastiken, die als Ziergegenstände durchaus in einem mittelgroßen bürgerlichen Haushalt ihren Platz finden konnten, was sie neben dem künstlerischen Ruhm auch im populäreren Sinne bekannt macht. Als eine der ersten Frauen wird sie 1931 an die Preußische Akademie der Künste berufen, wegen ihrer jüdischen Großeltern 1934 jedoch wieder zum Austritt gezwungen. Obgleich sie vor Verfolgung durch die Nationalsozialisten verschont bleibt, kann sie nach 1934 nicht in dem Rahmen weiterarbeiten, den sie gewohnt ist. Nach dem Krieg, 1947, wird sie als Professorin an die Hochschule für Bildende Künste in Berlin berufen und 1955 wieder in die neugegründete Akademie (West) aufgenommen. Sie stirbt im Jahr 1965 im Alter von 77 Jahren.

Begraben neben ihrer "Haushälterin" und Alleinerbin

Selbstporträt (Bronze) aus dem Jahr 1923
Selbstporträt (Bronze) aus dem Jahr 1923 (Bild: Bernd Sinterhauf, © VG Bild-Kunst, Bonn 2013)

Über die sexuellen Vorlieben von Renée Sintenis ist wenig bekannt, doch die Lesbenwelt vereinnahmt sie gerne für sich (ein Blick auf das Ausstellungsplakat, und man weiß sofort warum). Sie heiratete zwar 1917 den wesentlich älteren Maler Emil Rudolf Weiß, der sie künstlerisch protegierte, doch liegt auf dem Waldfriedhof in Berlin-Dahlem neben ihr nicht ihr Mann, sondern die Frau, die ihre letzten Lebensjahre begleitete: ihre "Haushälterin" und Alleinerbin Magdalena Goldmann, die Renée Sintenis um rund zwanzig Jahre überlebte.

Die Ausstellung ist überschaubar und überfordert nicht mit einer Masse an Informationen, so dass sie sich in einem Rundgang von einer knappen Stunde gut bewältigen lässt. Das Wunderbare am Georg Kolbe Museum ist seine Lage etwas außerhalb des hektischen Treibens im Berliner Zentrum an der Heerstraße. Ein kleiner Garten mit Plastiken von Kolbe und weiteren Künstlern der Zeit zwischen den Kriegen sowie das kuschelige "Café K" im ehemaligen Wohnhaus Kolbes, das unmittelbar neben dem Museum gelegen ist, bieten ein ideales Umfeld für einen entspannten Nachmittag. Und wer dann Lust hat, seine Beine ein bisschen zu strecken, kann im Anschluss noch einen Spaziergang zum Teufelssee machen, dessen Zubringer beinahe vor dem Gartentor beginnt.

  Infos zur Ausstellung
Renée Sintenis. Berliner Bildhauerin (1888-1965). Noch bis 23. März 2014 im Georg Kolbe Museum in Berlin, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr. Ab April 2014 im Museum im Kulturspeicher Würzburg.
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Tags: renée sintenis, georg kolbe museum
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Reaktionen zu "Erfolgsbildhauerin und Garçonne der Berliner Bohème"


 1 User-Kommentar
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Die ersten:   
#1
30.12.2013
09:51:49


(0, 0 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Eine außergewöhnliche Frau und als Künstlerin ist sie einfach einmalig!


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