Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
 powered by
  • 01.01.2014           4      Teilen:   |

Queerer Hotelbetten-Service

Berlin lockt mit "Pink Pillows"

Artikelbild
Damit das Personal der „Pink Pillow“-Hotels adäquat auf LGBT-Touristen reagiert, wenn diese an der Rezeption stehen und ein Zimmer wünschen, bietet visitBerlin regelmäßig Schulungen an (Bild: visitBerlin/Dirk Mathesius)

Seit einem Jahr gibt's die "Pink Pillow Berlin Collection". Die Hotel-Empfehlungen sollen schwul-lesbisches Reisen einfacher machen und Touristen von der LGBT-Freundlichkeit der Hauptstadt überzeugen.

Von Kevin Clarke

Gerade erst hat Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit – trotz eigener Imagekrise und miserablen Popularitätswerten – mit den Hauptstadt-Hoteliers gefeiert, dass 2013 die Rekordgrenze von 25 Millionen Übernachtungen durchbrochen wurde. Das entspricht einer Wachstumsrate von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Womit Berlin im Tourismussektor die am stärksten wachsende Metropole in Europa ist, Rom überholt hat und nun nach London und Paris auf Platz drei der meistbesuchten Städte Europas gelandet ist.

Bei diesen üppigen Übernachtungszahlen entfallen zirka sechs Prozent auf LGBT-Touristen, die wie alle anderen im Schnitt 2,3 Tage in der Stadt bleiben und dort ihr Geld ausgeben wollen. Da erscheint es nur logisch, dass die Tourismusagentur visitBerlin.de als erste Anlaufstelle für die meisten Reisenden ein Programm ins Leben gerufen hat, das sich "Pink Pillow Berlin Collection" nennt. Es bietet auf der stark frequentierten Website der Touristikorganisation – die zu 15 Prozent vom Berliner Senat finanziert wird und zu 40 Prozent von lokalen Hoteliers – eine Online-Liste mit ausgewählten Hotels, die ausgewiesenermaßen LGBT-freundlich sind.

Fortsetzung nach Anzeige


Die "Pink Pillow"-Hotels müssen sich für die Szene engagieren

Berlin verkauft sich mit dem "Pink Pillow"-Projekt als "queer and colorful" und "tolerant" - Quelle: visitBerlin/Dirk Mathesius
Berlin verkauft sich mit dem "Pink Pillow"-Projekt als "queer and colorful" und "tolerant" (Bild: visitBerlin/Dirk Mathesius)

Um dieses verkaufsfördernde Qualitätssiegel zu erhalten, müssen Hotels einiges tun. Einfach nur eine Regenbogenfahne aufstellen, ist nicht genug. Die Hotels müssen sich nachweislich bei sozialen Szene-Projekten engagieren wie Maneo, der Aids-Hilfe oder den LSVD. Eine Vorschlagsliste wird ihnen von "Pink Pillow" unterbreitet.

Außerdem verpflichten sich die Hotels, eine Charta mit folgenden Grundsätzen an ihren Rezeptionen aufzustellen: "Alle Gäste erfahren die gleiche Wertschätzung – unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft oder Religion, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität. Wir engagieren uns aktiv sozial bzw. sind förderndes Mitglied in einem Netzwerk / Projekt / Verein der Berliner LGBT-Szene. Wir schaffen ein Arbeitsumfeld, das von Respekt und Toleranz gegenüber allen MitarbeiterInnen getragen ist. Wir bieten zielgruppenspezifische Angebote für die LGBT-Szene."

Damit das Personal der "Pink Pillow"-Hotels adäquat auf LGBT-Touristen reagiert, wenn diese an der Rezeption stehen und ein Zimmer wünschen, bietet visitBerlin regelmäßig Schulungen an, in denen Angestellte lernen, was die besonderen Bedürfnisse von LGBT-Gästen sind, wie man Trans-Gäste anspricht, wie man auf freundliche Weise fragt, ob zwei Männer oder zwei Frauen in einem Doppelbett oder zwei Einzelbetten schlafen möchten usw. Gleichzeitig erklären sich die Hotels bereit, in ihren Lobbys Infobroschüren zu LGBT-Events in der Stadt auszulegen – vom Teddy Award bis zu Folsom Europe, der schwul-lesbischen Karrieremesse Sticks & Stones oder dem Klassiker Christopher Street Day.

Natürlich hat Berlin schon lange den LGBT-Tourismus entdeckt und natürlich gibt's in Berlin schon seit Jahren ausgewiesene "gay friendly"-Hotels, die teils in Reiseführern wie dem "Spartacus" für sich werben oder in entsprechenden nationalen wie internationalen Reisezeitschriften und Webportalen annoncieren – auch queer.de hat einen eigenen Online-Guide mit Gay- und gayfriendly Hotels. Viele, die zum ersten Mal von "Pink Pillow" hören, fragen denn auch verdutzt, ob es sowas nicht schon längst gäbe. Die Antwort lautet: Nein. Jedenfalls nicht derart zentral und sozusagen staatlich gebündelt auf der prominenten visitBerlin-Website, die damit ein deutliches Signal gibt, dass sie Berlin als "queer and colorful" und tolerant sehen will.

LGBT-friendly auch im Sechsbettzimmer

Botschafter von "Pink Pillow": Der Berliner Künstler Mathias Vef warb im Dezember 2013 in der New Library of Birmingham für das Hotelbetten-Projekt
Botschafter von "Pink Pillow": Der Berliner Künstler Mathias Vef warb im Dezember 2013 in der New Library of Birmingham für das Hotelbetten-Projekt (Bild: Schwarzrosagold)

Die Mitarbeiter von visitBerlin hatten sich für das Projekt von der Organisation Out Now beraten lassen, die mit ähnlichen Aktionen international bereits Erfahrungen sammeln konnte. Zur Internationalen Tourismus-Börse im Frühjahr 2013 stellte visitBerlin "Pink Pillow" erstmals vor – und bekam gleich Klaus Wowereit fürs Foto auf ihre rosa Sofaecke (queer.de berichtete).

Seither tourt visitBerlin mit einer "Pink Pillow"-Präsentation durch die Welt. Im Dezember waren die Werber für den Haupstadt-Tourismus etwa in England unterwegs, zuvor in Skandinavien, New York und Köln. Weitere Promotion-Touren sind geplant. Auch im Rahmen von allgemeinen Berlin-Veranstaltungen wird künftig gezielt das "Pink Pillow"-Projekt vorgestellt, beispielsweise bei der ITA, der Internationalen Tourismusbörse Asien und im Oktober 2014 in Singapur, wo Homosexualität noch immer verboten ist.

Die 23 Hotels, die von Anfang an mitgemacht haben, sich nicht unbedingt "gay operated & gay owned", wie das immer so schön heißt. Vielmehr sind es meist große und kleine Hotelketten, die durch ihre Teilnahme offen verkünden, dass Schwule, Lesben und Transgender bei ihnen willkommen sind. Und zwar ausdrücklich.

Aus der Untergrund-Nische sind die LGBT-Touristen damit wohl endgültig raus und im Zentrum der Gesellschaft angekommen. Zumindest ein bisschen weiter im Zentrum. Denn nicht alle Hotels machen bei der Aktion mit. Und bei manchen hat es auch etwas Überzeugungsarbeit gekostet, wie Katharina Dreger, Leiterin der visitBerlin-Pressestelle, erzählt. Zu den teilnehmenden Hotels gehören neben großen Namen wie dem Grand Hotel Esplanade, Intercontinental und den NH Hotels auch das Jugendgästehaus St.-Michaels-Heim am Herthasee und das one-80°-Hostel. Man mag staunen und sich fragen, wie die LGBT-Freundlichkeit in deren Sechs- bis Achtbettzimmern aussieht. Aber vielleicht ist gerade das das Spannende? Bekannte Gay-Hotels wie das Tom's in der Motzstraße sind übrigens auch dabei; das Axel Hotel Berlin überraschenderweise nicht.

Wie erwähnt ging die jüngste Promotion-Tour im Dezember, in Zusammenarbeit mit Germanwings, durchs Vereinigte Königreich: nach London, Birmingham und Manchester. Zu diesen Veranstaltungen kamen Journalisten der BBC, von The Travel Channel und National Geographic, dazu noch die britische schwule Presse, Reise-Blogger usw. Teil der UK-Roadshow war eine Pop-Up-Kunstausstellung, die mit Kunstwerken Berlin repräsentieren und Lust auf die Stadt machen sollte. Der Künstler, dessen Werke dafür ausgewählt wurden, heißt Mathias Vef. Er war als attraktiver Berlin-Botschafter persönlich anwesend bei den Veranstaltungen. Das Online-Magazin "Gay Market News" nennt ihn "one of Berlin's fast-rising visual artists". Für alle, die ihn nicht kennen: Vef hat gerade sein Studium am Royal College of Art in London beendet, arbeitet ansonsten mit seinem Partner fürs Studio Schwarzrosagold in Berlin-Mitte.

Ob die "Pink Pillow"-Verantwortlichen Vef ausgewählt haben, weil viele seiner Arbeiten mit der Farbe Pink spielen? Oder glauben sie, mit Vef im Raum mehr hauptstädtische Hotelbetten an den Mann zu bringen?

Links zum Thema:
» Homepage der Pink Pillow Berlin Collection
» Homepage von Mathias Vef
Mehr zum Thema:
» "Queer Tango" und "Pink Pillow" auf der ITB (05.03.2013)
» Gay and gayfriendly Hotels buchen
Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 4 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 91             3     
Service: | pdf | mailen
Tags: pink pillow, berlin, gayfriendly, gay travel, visit berlin
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

loading...

Reaktionen zu "Berlin lockt mit "Pink Pillows""


 4 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
02.01.2014
12:15:44
Via Handy


(0, 2 Votes)

Von suspekt


"Aus der Untergrund-Nische sind die LGBT-Touristen damit wohl endgültig raus und im Zentrum der Gesell­schaft angekommen."

So ein Quatsch. Im Zoo is nicht die Mitte der Gesellschaft.
Die sollen die Menschenrechts-Charta anwenden, wie sich das gehört und fertich!

tztztz... Sachen gibts...


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
02.01.2014
13:08:53


(+3, 3 Votes)

Von Leo1980
Antwort zu Kommentar #1 von suspekt


Wenigstens ist der Tourismus Service in Berlin weiter als die aktuelle Bundesregierung. Vielleicht sollte man Angie die LGBT Charta auch mal auf den Schreibtisch stellen.....


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
02.01.2014
19:46:51


(-3, 3 Votes)

Von Vastox


Kommt dann auch der Nachtportier aufs Zimmer, wenn man durchklingelt?


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
07.01.2014
10:56:22


(+1, 1 Vote)

Von EinfachIch


Genau diese "Aussagen" machen manchen Menschen (unbegründete) Angst wenn es um Homosexualität etc. geht.

Selbstverständlich kommt der Portier nicht auf´s Zimmer wenn man durchklingelt. Genausowenig wie bei heterosexuellen Gästen wenn diese besonderen "Service" wünschen.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 


 REISE - HOTELS & RESORTS

Top-Links (Werbung)

 REISE



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Volker Beck: "Ich bin noch lange nicht weg" Leander Haußmann will Merkel wählen – wenn sie die Ehe öffnet Bis zum Jahr 2000 durften Schwule keine Berufssoldaten werden Volker Beck: Der Beste wurde kaltherzig abserviert
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt