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  • 04.01.2014               Teilen:   |

Verloren im Menschendschungel

Verträumte Großstadt-Prosa: "Der Klub der Ungeliebten"

Artikelbild
Philosophie-Student Adam und seine Cousine Coralie kämpfen gegen die Einsamkeit in der anonymen Großstadt (Bild: Dennis Stephan/Incubus Verlag)

In Dennis Stephans Debütroman suchen ein vom Land zugezogener junger Schwuler und seine Cousine nach dem Sinn des Lebens und der Liebe.

Von Kevin Junk

Mit dem Berlin-Panorama auf dem Cover und einem so melancholischen Titel, erwartet man Großstadtromantik wie in einem Film von Klaus Lemke. Raue Tristesse, widerspenstige Charaktere, trottelig aber liebenswürdig, verplant aber selbstbewusst. Doch Dennis Stephans Debütroman "Der Klub der Ungeliebten" haut nicht in diese Kerbe deutscher Großstadtdiskurse. Die Stadt, in der er seine beiden Protagonisten Adam und Coralie aussetzt, ist zaghafter.

Adam, der junge Philosophie-Student, stellt sich Fragen, die für ihn groß scheinen, aber eher putzig sind. Seine beste Freundin und Cousine Coralie dagegen lebt lieber in den Tag hinein. Ein Pärchen, so gegensätzlich, aber in langer Freundschaft verbunden, dass sie einander die Marotten verzeihen. Komplettiert wird der Klub der Ungeliebten von "Madame Porzellan", einer älteren Dame, die über Coralie und Adam mit ihren Puppen lebt, die sie gerne mit ihrem Kinderwagen durch die Stadt schiebt.

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Eingeholt von der ländlichen Vergangenheit

Das Buch aus dem Dortmunder Incubus Verlag ist auch als E-Book erhältlich
Das Buch aus dem Dortmunder Incubus Verlag ist auch als E-Book erhältlich

Während Coralie sich von Lover zu Lover hangelt, ist Adam vorsichtiger. Er verliebt sich in einen Kellner, der in einem Café arbeitet, neben dem ein ausgehöhlter Baum steht, in den man gelesene Bücher stellen kann und im Gegenzug entnehmen darf. Eine Idee, der Berliner Realität entliehen, und neu verpflanzt.

Neben dem großstädtischen Jetzt, das konsequent im Präsens erzählt ist, gibt es noch eine ländliche Vergangenheit, in der man im Präteritum in den Erinnerungen von Coralie und Adam nachlesen darf. Hier gewinnt der Text an Stärke, hier vertiefen sich psychologische Konstruktionen. Während der Adam im Präsens eher weinerlich wirkt, hat er in der Vergangenheit eigentlich eine traumatische erste Liebesbeziehung hinter sich. Coralie wird hier zur Beschützerin, die sich heroisch vor ihren Cousin stellt und sogar einen Schulverweis in Kauf nimmt.

Die homophoben Aktionen, die Adam in seiner Jugend ertragen muss, lassen ihn sympathisch werden. Hier löst der Text Empathie aus, lässt mitleiden – und ist durch den Widerspruch zwischen der verträumten Prosa und der Handlung drastisch. Die ländliche Vergangenheit der beiden Protagonisten füllt die Lücken, die ihre urbanen Leben nicht ausfüllen können. Mehr Handlung und weniger Metaphern geben dem Roman die notwendige, sonst vermisste, Tiefe.

Die Ruhe in der Großstadt finden

Dennis Stephan wurde 1989 in Berlin geboren. "Der Klub der Ungeliebten" ist sein Debütroman
Dennis Stephan wurde 1989 in Berlin geboren. "Der Klub der Ungeliebten" ist sein Debütroman (Bild: M. Piroddi)

Es sind die kleinen Momente, die zum Schmunzeln bringen, die Dennis Stephans Roman lesenswert machen. Die Frage, warum Madame Porzellan in ihrer Wohnung Gras anbaut, will man gar nicht beantwortet wissen. Dieses witzige Detail gibt dieser surrealen Figur einen ironischen Tritt in eine Richtung, die die Geschichte an anderen Stellen vertragen hätte. Allzu ernst ist der Text manchmal, allzu sprachbewusst hangelt er sich von Metapher zu Metapher.

So unterschiedlich Adam und Coralie eigentlich sind, die Trennung zwischen beiden Figuren in den jeweils aus den jeweiligen Perspektiven erzählten Kapiteln fällt schwer. Manche Ansätze der Handlung – gegen Ende wird es kriminell – verwundern mehr als dass sie schockieren. Irgendwie wirken die beiden unreif und überfordert von einer Welt, die so hart gar nicht ist. Coralie hat zwar viel Sex, wie man immer wieder hört, aber beschrieben wird er nie. Auch Adam wird nie kinky und man wird fast rot, wenn er an einer Stelle masturbiert.

Man muss sich auf Stephans verträumten Sound einlassen wollen, um seine Prosa genießen zu können. Tut man das, hält man einen Debütroman in Händen, der vielleicht an den radikalen Momenten, die er wagt, scheitert, aber durch eine Ruhe überzeugt, die dem Schreiben über die Großstadt in der deutschen Literatur gut tut. Eine Traumwelt, die wie jeder Traum, von ihren Widersprüchen lebt und nicht an der Realität gemessen werden sollte, will man sie genießen.

  Infos zum Buch
Dennis Stephan: Der Klub der Ungeliebten. Roman. Taschenbuch. 248 Seiten. Incubus Verlag. Dortmund 2013. 8,95 €. ISBN 978-3-9815948-4-3
Links zum Thema:
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Tags: dennis stephan, klub der ungeliebten, incubus, großstadt
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