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Beiträge zu homophober Petition und zu Homo-"Heilern"

SWR und HR knicken vor Homo-Hassern ein


Knapp über 51.500 Unterschriften sind bereits gegen die Schulaufklärung über LGBT gesammelt, ein Ende scheint nicht in Sicht.

Nach Beschwerden werden Beiträge abgeändert oder gelöscht, darunter ein Artikel zur homophoben Petition gegen den Bildungsplan in Baden-Württemberg, die inzwischen auf über 50.000 Unterschriften kommt.

Von Norbert Blech

Aufstand im Ländle: Inzwischen haben knapp 51.500 Personen eine Petition gegen einen neuen Bildungsplan für Baden-Württemberg unterschrieben, der eine umfassende Aufklärung über sexuelle Vielfalt an Schulen vorsieht.

Es geht dabei vor allem um einen überfälligen Kampf gegen Mobbing, Homophobie und Vorurteile. Die Petition hingegen macht daraus eine Art homosexuelle Propaganda, die angeblich gegen das Grundgesetz verstößt und Schüler psychisch krank mache (queer.de berichtete).

Sobald es um Kinder geht, scheint die Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben vorbei; davon zeugen vor allem die tausenden Kommentare zur Petition von besorgten Eltern und Lehrern (die lesbische Bloggerin Nele Tabler ("Karnele") bietet bei Twitter eine stetig wachsende Auswahl des Grauens sowie Zusatzinfos). Obwohl die Plattform openpetition.de nach eigenen Angaben die schlimmsten Kommentare beseitigt, sind sie eine reine Ansammlung von Hetze und Vorurteilen – die auch bewusst geschürt werden.

Evangelikale und Rechtsextreme


Der Verlauf der Petition – in hellrosa sind Unterschriften aus anderen Bundesländern vermerkt. Am Montag sorgte ein erneuter Bericht des rechten Blogs "Politically Incorrect" für einen großen Zulauf.

So hatte der SWR, als er am Freitag über die Petition berichtete, unter der Zwischenüberschrift "Unterstützung vom rechten Rand" die folgende Einschätzung verbreitet: "Unterstützung erhält die Petition vor allem aus evangelikal-freikirchlichen Kreisen und von Rechtsextremen. Das ist unter anderem an Kommentaren zur Petition deutlich zu erkennen."

Am Montag hat der SWR nun diese Passage nach Beschwerden komplett gelöscht (inklusive einer Distanzierung des Petitionserstellers von rechtsextremen Positionen, mit denen er "nichts am Hut" habe). Der Artikel bietet nun nur noch eine Gegenüberstellung der Pro- & Contra-Positionen zur Petition mit weichgespültem "Pro", und das ohne eigene Einschätzung.

Dabei gehört zur Aufgabe von Journalisten auch die Einordnung. Sie ist keine Parteinahme; in der Frage der Petition ist es zweifellos geboten, auf die menschenfeindlichen Kommentare hinzuweisen und diese zu kritisieren – würde sich diese Petition gegen andere diskriminierte Gruppen richten, wäre der Beitrag wohl nicht auf dieses neutrale Niveau abgeändert worden.

Und natürlich ist es auch Aufgabe einer Redaktion, die Leser oder Zuschauer zu informieren, in welchem menschlichen wie ideologischen Umfeld sie sich bewegen, wenn sie die Petition unterzeichnen. Die meisten Unterstützer der Petition kamen vom rechten Blog "Politically Incorrect", das zunehmend auf Homophobie setzt. Auch die "Junge Freiheit" berichtete zustimmend über die Petition, der Landesverband der NPD verlinkte sie auf Facebook. Weitere Unterstützer kommen von den evangelikalen Seiten "Idea" und "Medrum" sowie der evangelikalen "Evangelischen Allianz", die sich alle regelmäßig für eine "Heilung" von Homosexualität und gegen Homosexuellenrechte aussprechen.

PI und "Medrum" hatten sich heute bzw. in den letzten Tagen über die Einordnung als "extrem" beschwert – der SWR hat ihnen nun durch die Artikelkürzung bescheinigt, es nicht zu sein. Natürlich sind viele Unterzeichner der Petition keine Extremisten. Doch wäre es die Aufgabe gerade einer öffentlich-rechtlichen Anstalt, diese Personen darüber aufzuklären, dass sie falsch informiert werden und teilweise extreme Positionen vertreten.

Leider ist es bei deutschen Medien generell noch üblich, dass Menschenrechte von Schwulen und Lesben zumindest im Inland noch als etwas als in "Pro" und "Contra" verhandelbares eingeschätzt werden, als politische Streitfrage statt als eine Frage der klaren Diskriminierung. Der andauernde Streit um die Homo-Ehe ist da das größte Beispiel; die konsequente Gleichstellungsverweigerung der Regierung wird auch durch diese Haltung der Medien ermöglicht.

Beitrag zu Homo-"Heilern" verbannt

Doch selbst bei den extremeren Beispielen findet das öffentlich-rechtliche Fernsehen keine Haltung. Im November hatte der Hessische Rundfunk in einem TV-Beitrag im Magazin "defacto" kritisch über "Homo-Heiler" berichtet, um sich danach für den Beitrag zu entschuldigen und ihn aus dem Netz zu nehmen.

Auch hier hatte es Beschwerden gegeben, von "Idea" und "Medium" sowie von den kritisierten Initiativen Wüstenstrom und Offensive Junger Christen, deren angeschlossenes "Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft" zu den ideologischen Vorkämpfern einer Homo-"Heilung" zählt.

Laut "Idea" schrieb HR-Chefredakteur Alois Theisen an die Kritiker, es seien "einige Formulierungen des Beitrages sehr zugespitzt formuliert" gewesen; auch sei nicht erkennbar gewesen, dass Begriffe wie "Psychoterror" und "Propaganda der OJC" Zitate von Kritikern der Angebote gewesen seien. So könnte man Homo-"Heilung" durchaus auch neutral zusammenfassen, Theisen spricht laut dem Portal aber von einem "bedauerlichen Fehler". Man habe nicht die Absicht gehabt, "die Arbeit der OJC zu 'diffamieren' und zu 'diskriminieren'."

Der Beitrag war in der Mediathek des Senders zunächst gekürzt und später komplett aus der ansonsten weiter abrufbaren Magazin-Sendung entfernt worden. Womit auch Teile des Briefes hinfällig sind, in der Theisen die Redaktion verteidigte, etwa gegen den Vorwurf, ein im Film gezeigter Betroffener habe nie Angebote zur Homo-"Heilung" genutzt.

Die Verteidigung der Offensive Junger Christen ist ansonsten in Kurzfassung übrigens die, das man nicht von "Heilung" spricht, sondern von einem "therapeutischen Weg zur Abnahme der homosexuellen Empfindungen" bei nur den Personen, die sich an das Institut mit "subjektiv erlebtem, seelischem Leiden" wenden. Diese Angebote seien auch weder "unwissenschaftlich" noch "schädlich", wie es im TV-Beitrag geheißen habe.

Zuletzt hatte das Bundesfamilienministerium nach Abspache mit der evangelischen Kirche entschieden, die Arbeit der Offensive Junger Christen weiter durch ein Freiwilliges Soziales Jahr zu unterstützen – wenn es eine klare Abgrenzung der Tätigkeiten bei der OJC vom "Heilungs"-Institut gibt. Auch eine Förderung durch das Land Hessen bleibt offenbar bestehen – ein Bericht über eine angekündigte Überprüfung der Förderung aus dem Jahr 2012 ist von der Webseite des Hessischen Rundfunks übrigens ebenfalls verschwunden.



#1 goddamn liberalAnonym
  • 06.01.2014, 23:30h
  • Wenn man bedenkt, dass mittlerweile sogar der Weltärztebund vor Homo-Heilung warnt und zusätzlich berücksichtigt, dass das BVG Regenbogenfamilien unter den Schutz von Artikel 6 GG stellt, dann kann die geschilderten Entwicklungen erst richtig einschätzen.

    Deutschland ist ein rückständiges Land.

    Die Tendenzen sind Nachwirkungen nationalsozialistischen Untermenschendenkens, das sich notdürftig hinter frommen Fassaden verbirgt.

    Gegen dieses Herrenmenschendenken schützt uns die Politik nicht. SPD und Grüne zumindest knicken im Zweifel ein, wenn es um unsere verbrieften Grundrechte geht.
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#2 SofiaBerlinProfil
  • 06.01.2014, 23:40hBerlin
  • LEUTE; WACHT AUF!
    Wir müssen was gegen diese Hinterwäldler tun, sonst werden jahrelange LGBTIQ durch diese Bauern zunichte gemacht!!!!!
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#3 TotalversagenAnonym
  • 06.01.2014, 23:43h
  • "würde sich diese Petition gegen andere diskriminierte Gruppen richten, wäre der Beitrag wohl nicht auf dieses neutrale Niveau abgeändert worden."

    Und da bleibt dann, wie immer, die entscheidende Frage nach dem Warum!

    Warum können sich die Faschisten, die schwule und lesbische Jugendliche weiterhin als nicht existent behandeln, sie damit faktisch und praktisch auslöschen wollen, das in einem Land mit einer beispiellosen Geschichte der faschistischen Verfolgung von und des Massenmordes an Schwulen sowie der fortgesetzten Verfolgung in der BRD weiterhin erlauben?

    Warum können es sich "öffentlich-rechtliche" Medien erlauben, diese Auslöschungsideologen im Geiste des Faschismus gezielt NICHT als solche zu benennen? Eine verfassungsfeindliche Bundesregierung, die seit Jahren Apartheidspolitik betreibt und in der gesamten EU Homophobie fördert und Gleichbehandlung sabotiert?

    Warum ist es möglich, eine solche Verbreitung faschistischer Auslöschungsideologie und -praxis als "Petition" zu verkaufen? Die Betreiber der Plattformen, die dies ermöglichen, sind damit nichts anderes als Gehilfen dieser Faschisten!
    Wann veröffentlichen die auch Auslöschungsaufrufe gegen Juden oder Menschen nichtweißer Hautfarbe oder wen auch immer als "Petitionen"?

    Kann es eigentlich einen eindeutigeren Beleg für das totale Scheitern der Anbiederungs- und Unterwerfungspolitik und -praxis geben, die seit über 20 Jahren schwul-lesbische Nichtorganisation und Nichtbewegung bis hin zum Verhalten im Alltag kennzeichnen?
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#4 GayreporterAnonym
#5 konsequentAnonym
  • 06.01.2014, 23:52h
  • das "öffentlich-rechtliche" fernsehen bleibt seiner auslöschungspraxis gegenüber schwulen und lesben, insbesondere jugendlichen, eben weiterhin treu.

    der anteil schwuler und lesbischer haupt- und nebenrollen beträgt im hauptabendprogramm von ard und zdf rund 0%. schwule und lesbische jugendliche existieren nicht und sollen nicht existieren.

    www.queer.de/detail.php?article_id=20744&antwort_zeigen=
    ja#c56
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#7 UnrechtsstaatAnonym
  • 07.01.2014, 00:00h
  • Ungebrochen im Geiste des Paragrafen 175:

    "Zuletzt hatte übrigens das Bundesfamilienministerium nach Abspache mit der evangelischen Kirche entschieden, die Arbeit der Offensive Junger Christen weiter durch ein Freiwilliges Soziales Jahr zu unterstützen wenn es eine klare Abgrenzung der Tätigkeiten bei der OJC vom "Heilungs"-Institut gibt.

    Auch eine Förderung durch das Land Hessen bleibt offenbar bestehen ein Bericht über eine angekündigte Überprüfung der Förderung aus dem Jahr 2012 ist von der Webseite des Hessischen Rundfunks übrigens ebenfalls verschwunden."
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#8 goddamn liberalAnonym
  • 07.01.2014, 00:13h
  • Antwort auf #3 von Totalversagen
  • "Kann es eigentlich einen eindeutigeren Beleg für das totale Scheitern der Anbiederungs- und Unterwerfungspolitik und -praxis geben,"?

    Unterwerfung und Anbiederung. Das ist z. B. die Arbeit der LSU, aber auch die merkwürdige Doppelmitgliedschaft der geouteten Umweltminsiterin Barbara Hendricks im Vorstand der Magnus-Hirschfeld-Stiftung und im Zentralkommitee der deutschen Katholiken. Zuviel Spagat führt zu gefährlichen Verrenkungen.

    Andererseits sind die bescheidenen Erfolge hierzulande und die großen Erfolge im Ausland auch die Folge von großer juristischer Kompetenz (a la Manfred Bruns) und von überparteilicher Bündnisfähigkeit der LGTBI-Bewegung im demokratischen Spektrum.

    Politischer Pragmatismus bedeutet sachgerechte Einschätzungen und Urteile.

    Zur Sachlichkeit gehört Verfassungswidrigkeit, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und demokratiefeindlichen Faschismus beim Namen zu nennen!

    Und dazu sind viele selbsternannte Vertreter unserer Interessen völlig unfähg. Die gesammelten Werke von Jan Feddersen z. B., der auch im Vorstand der Hirschfeld-Stiftung sitzt, belegen dies ebenso exemplarisch wie schlagend.
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#9 MeineFresseAnonym
  • 07.01.2014, 00:19h
  • Die Tatsache, dass so viele Leute unterschrieben haben und die Art der Kommentare zeigt, wie nötig so eine Aufklärung wäre.

    Man sollte eine Infoveranstaltung machen, wo die Kampagne erläutert wird. Einknicken ist das schlimmste was man machen könnte. Das Signal wäre fatal.
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#10 goddamn liberalAnonym