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Kinostart "Matterhorn"

Sodom und Gomorra auf dem Dorf


Tragisch, wenn es nicht so komisch wäre: Fred lässt den verwirrten Unbekannten als Schaf auf einem Kindergeburtstag auftreten (Bild: Pro-Fun Media)

Ein Spielfilm der Absurditäten: In der Tragi-Komödie "Matterhorn" bringt ein Unbekannter das Leben des Spießers Fred und den Frieden in dessen calvinistischer Gemeinde ins Wanken.

Von Falk Steinborn

Im Leben von Fred gibt es kein unerwartetes Ereignis. Das Abendbrot beginnt um Punkt 18 Uhr mit dem Tischgebet, am Sonntag ist Kirche angesagt und überhaupt: Regeln und die Wiederholung der immer gleichen Abläufe prägen sein Leben als einsamer Witwer in einer calvinistischen Gemeinde in den Niederlanden.

Aber dann ist er plötzlich da – ein Mann, der außer "Ja" nichts sagen kann oder will. Er steht einfach so im Vorgarten des Nachbarn und möchte Benzin für sein liegengebliebenes Auto haben. Blöd nur, dass er genau das am Vortag schon von Fred gewollt hatte und der nun ziemlich sauer ist, weil der Unbekannte sich schon wieder durchs Dorf schnorrt. Zur Strafe zwingt er ihn, Unkraut vor seinem Haus zu jäten…

Der gute Christ und der sanftmütige Unbekannte


Bundesweiter Kinostart ist am 9. Januar 2014

Aber Fred wäre kein guter Christ, wenn er ihm nach seiner Buße nicht auch ein warmes Mal anböte. Und dann? Was macht man mit einem Mann, von dem keiner weiß, wo er herkommt, noch wo er hingehört? Statt die Polizei zu rufen, lässt Fred ihn bei sich schlafen, bringt ihm Tischmanieren bei und lehrt ihn zu beten. So vergehen die Tage zwischen Fred und dem sanftmütigen Unbekannten. Sie sind ein schicksalhaftes Paar – einer merkwürdiger als der andere. Warum sie beieinander bleiben, lässt sich nur erahnen. Denn die Beziehung zwischen beiden ist unklar.

Mal gibt sich Fred als unbeholfener Betreuer des Unbekannten, der ihn wie ein Tier domptiert; mal dient er ihm im Suff als Projektionsfläche seiner Erinnerungen an seine Frau und ein anderes Mal deutet sich so etwas wie eine zarte Zuneigung zwischen den beiden an. Das einzige, was ihr Verhältnis eindeutig charakterisiert, ist die Bedingungslosigkeit, mit der sie einander begegnen. Denn Fred und der Unbekannte sehnen sich nach etwas Unausgesprochenem. Ihr Zusammenleben bringt sie dem näher. Aber im Dorf stößt genau das auf wachsame Augen – spätestens ab dem Moment, in dem der Unbekannte in den Kleidern von Freds Frau mit der Dorfjugend auf dem Fußballplatz steht.

Ein durch und durch absurder Film


Im Dorf regt sich Widerstand gegen das ungewöhnliche Männerpaar (Bild: Pro-Fun Media)

"Matterhorn" ist ein durch und durch absurder Film. Absurd deshalb, weil Freds Handeln und das Dasein des Unbekannten sich jeglicher Logik entziehen. Die Frage nach dem Warum drängt sich auf und findet die ersten 45 Minuten nicht die leiseste Antwort.

Die Motive der Charaktere bleiben – trotz liebevoller Gestaltung und überzeugendem Spiel – lange Zeit unklar und versagen dem Zuschauer damit die Möglichkeit zum Mitfühlen. Er bleibt nur in der Beobachterrolle. Das Geschehen auf der Leinwand geriert sich als Slapstickstück mit einer Prise kurzer Dialoge und einem ziegenhaften Mähen des Unbekannten. Das ist durchaus unterhaltsam anzuschauen und die Absurditität bietet ihre eigene Komik.

Das mag etwas wenig für einen wirklich überzeugenden Film sein, doch Regisseur und Drehbuchautor Diederik Ebbinge findet zum Glück den Ausgleich. Das Filmende ist ein durchkomponiertes Meisterstück, das nicht nur voller Überraschungen steckt. Es findet auch seine eigene Logik inmitten dieser absurden Lebensverhältnisse.

Youtube | Offizieller deutscher Trailer zum Film
Infos zum Film

Matterhorn. Tragi-Komödie. Niederlande 2013. Regie: Diederik Ebbinge. Darsteller: René van 't Hof, Ton Kas, Porgy Franssen, Ko Aerts, Kees Alberts, Lucas Dijker. Laufzeit: 87 Minuten. Bundesweiter Kinostart: 9. Januar 2013. Sprache: niederländische Originalfassung. Untertitel: Deutsch. FSK 6. Verleih: Pro Fun Media.

Aktuelle Kinotermine:
Berlin – Xenon Kino (09.01.2014 bis 15.01.2014)
Dortmund – Camera Programmkino (09.01.2014 bis 15.01.2014)
Dresden – Kino im Dach (09.01.2014 bis 15.01.2014)
Kiel – Traum-Kino (16.01.2014 bis 20.01.2014)
Klagenfurt – Neues Volkskino (22.01.2014 bis 23.01.2014)
Leipzig – Cinémathèque (12.01.2014 bis 15.01.2014)
Mannheim – Cinema Quadrat (13.02.2014 bis 18.02.2014)
Münster – Cinema Filmtheater (09.01.2014 bis 14.01.2014)
Regensburg – Filmgalerie im Leeren Beutel (16.01.2014 bis 20.01.2014)
Würzburg – Central Programmkino (10.01.2014)
Galerie:
Matterhorn
10 Bilder


#1 XDASAnonym
#2 MikeschAnonym
  • 08.01.2014, 11:17h
  • Ein bisschen wenig Info insbesondere zum Filmende, wenn dieses den ganzen Film retten soll (...ein durchkomponiertes Meisterstück...) und alles andere "etwas wenig sein mag."

    Inwieweit es tatsächlich zu ernsthaften Konflikten mit der Dorfgemeinschaft kommt und die Überschrift "Sodom und Gomorra auf dem Dorf" rechtfertigt, kann man lediglich anhand des Bildes mit der Leiter am Haus erahnen.
    Allerdings konnte ich das Video nicht abspielen.
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#3 ****Anonym
  • 08.01.2014, 14:02h
  • "Ausgezeichnet mit der größten Anzahl an Preisen, die je auf dem internationalen Filmfestival in Moskau an einen einzelnen Film vergeben wurden."
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Simon HAnonym
  • 08.01.2014, 17:38h

  • Ein Plädoyer dafür, dass es ganz viele Arten und Formen menschlicher Gemeinschaft gibt und dass niemand das Recht hat, sich darüber ein Urteil zu bilden oder sogar zu diskriminieren!
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