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  • 08.01.2014           185      Teilen:   |

Coming-out

Thomas Hitzlsperger outet sich als schwul

Artikelbild
Thomas Hitzlsperger wurde 2007 Deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart (Bild: Stefan Baudy / flickr / cc by-sa 2.0)

Zu Update springen: Hitzlsperger veröffentlicht Statement und Video

Der frühere deutsche Fußballbationalspieler hat in einem Interview erstmals über seine Homosexualität gesprochen.

In einem Interview mit der "Zeit" hat sich Thomas Hitzlsperger als schwul geoutet: Er äußere sich über seine sexuelle Orientierung, "weil ich die Diskussion über Homosexualität unter Profisportlern voranbringen möchte", so der 31-Jährige im Gespräch mit der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe der Wochenzeitung.

Es sei ein "langwieriger und schwieriger Prozess gewesen", sich seine Homosexualität einzugestehen, so der Mittelfelspieler in einer vorab verbreiteten Zusammenfassung des Interviews. "Erst in den letzten Jahren dämmerte mir, dass ich lieber mit einem Mann zusammenleben möchte."

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Fußballer sehen Homosexuelle als "Weicheier" an

Hitzlsperger im Trikot des VfB Stuttgart
Hitzlsperger im Trikot des VfB Stuttgart

Hitzlsperger kritisierte die Widersprüche in der Welt des Profifußballs. Hier herrsche das Klischee vor, dass Schwule "Weicheier" seien. Dabei seien "Kampf, Leidenschaft und Siegeswille" bei allen Spielern "untrennbar miteinander verknüpft", sagte er.

Er habe sich nie dafür geschämt, "das ich nun mal so bin". Seine Spielerkollegen hätten ihm aber das Leben nicht leicht gemacht: "Überlegen Sie doch mal: Da sitzen 20 junge Männer an den Tischen und trinken. Da lässt man die Mehrheit gewähren, solange die Witze halbwegs witzig sind und das Gequatsche über Homosexuelle nicht massiv beleidigend wird." Er kritisierte, dass Homosexualität ansonsten im Profifußball "schlicht ignoriert" werde. Er kenne bis heute keinen Fußballer persönlich, der das zum Thema gemacht habe.

Hitzlsperger schreibt seit 2009 für "Zeit Online" eine Kolumne in der Serie "Alles außer Fußball". Vor gut einem Jahr äußerte er sich im Magazin auch über Homosexualität: Damals beklagte er, dass ein schwuler Fußballer nach dem Coming-out mit dem Karriereende rechnen müsse (queer.de berichtete).

Thomas Hitzlsperger begann seine Profikarriere nach Spielen für die Jugendmannschaft des FC Bayern München beim englischen Premier-League-Verein Aston Villa und wechselte 2005 zum VfB Stuttgart. Zwei Jahre später wurde er mit den Schwaben Deutscher Meister – er schoss dabei am letzten Spieltag das entscheidende Tor für den VfB. Zwischen 2004 und 2010 war er zudem Nationalspieler unter Jürgen Klinsmann und Jogi Löw und erzielte sechs Tore für die deutsche Mannschaft. Nach Zwischenstopps bei Lazio Rom, West Ham United und dem VfL Wolfsburg beendete er im September 2013 seine Karriere beim Liverpooler Club FC Everton. Grund waren Verletzungsprobleme. In England lautete sein Spitzname "Hitz the Hammer".

Bislang hat sich in Deutschland noch kein aktiver Profifußballer als schwul geoutet. Im Europa gab es bislang nur ein Coming-out, das offenbar als abschreckendes Beispiel diente: 1990 machte der englische Stürmer Justin Fashanu seine Homosexualität publik. Die Karriere des ehemaligen Hoffnungsträgers war wegen der damals weit verbreiteten Homophobie danach praktisch beendet. Fashanu verübte acht Jahre später Selbstmord.

Heute gehen die Medien allerdings anders mit einem Coming-out um: So erhielt der US-Profi Robbie Rogers für seine Offenheit viel Lob – und machte sogar seinen geplanten Rücktritt vom Profisport rückgängig (queer.de berichtete). (dk)

 Update  18h: Hitzlsperger will sich per Youtube äußern
Das Managment des Fußballers lehnt derzeit Anfragen der Medien ab und verweist darauf, dass der Fußballer um Mitternacht seine neue Homepage thomas-hitzlsperger.de eröffnen will. Dort soll es nach der Freischaltung eine Stellungnahme sowie ein Youtube-Video geben, in denen der Star mehr zu seiner Homosexualität erzählen will.

 Update  18.45 Uhr: Weitere Details aus dem Interview
Es habe ihn geärgert, dass "gerade diejenigen mit dem geringsten Sachwissen am lautesten über das Thema" Homosexualität reden, sagte Hitzlsperger in dem zweiseitigen Interview, das nun in der ePaper-Version der "Zeit" online verfügbar ist. Oft sei er im Fußball Zeuge von homophoben Äußerungen und "sogar der Aufforderung zur Ausgrenzung und zur Gewalt" geworden, allerdings nicht ihm gegenüber.

Das Thema Schwulsein spiele für die "sportliche Karriere keine Rolle", betonte Hitzlsperger, allerdings könnte es Probleme mit dem Werbeträger geben. Und natürlich gebe es im Fußball einen enormen "Gruppenzwang" wie bei der Verwandtschaft, was ein Coming-out erschwere.

Mit einer früheren Freundin sei er bis vor sechs Jahren "glücklich" gewesen, habe sie fast geheiratet. Dann habe er vor rund sechs Jahren begonnen, "eine Änderung meiner sexuellen Orientierung als Begleiterscheinung des Älterwerdens und der beruflichen Neuorientierung zu akzeptieren", so der 31-Jährige. Sein öffentliches Coming-out brachte er jetzt auch in einen politischen Zusammenhang: "Die Olympischen Spiele von Sotschi stehen bevor, und ich denke, es braucht kritische Stimmen gegen die Kampagnen mehrerer Regierungen gegen Homosexuelle"

Familie und einige Freunde seien über den Schritt informiert gewesen wie auch Joachim Löw und Oliver Bierhoff, die beide positiv reagiert hätten. "Ehrlich gesagt habe ich auch nichts anderes erwartet. Der moderne Fußball ist kein Lebensraum für Gestrige und Leute mit angestaubten Vorurteilen. Das macht Mut für die Jungen, die jetzt vor dem Schritt in den Profisport stehen."

 Update  9.1., 0 Uhr: Video und Statement veröffentlicht
Um Mitternacht hat Thomas Hitzlsperger auf seiner nun freigeschalteten Homepage eine Videobotschaft (s.u.) und eine Stellungnahme (PDF) veröffentlicht.

"Ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden, den Vorurteilen und Anfeindungen gegenüber Homosexuellen öffentlich entgegen zu treten", schreibt der 31-Jährige. "Ich vertrete schon seit Jahren die Auffassung, dass die distanzlose Fragerei nach meiner Sexualität und nach der anderer Fußballer vorbei sein muss. Sie zwingt Schwächere zur Lebenslüge. Allerdings, wenn Homosexualität ein Thema sein soll, dann möchte ich ein Wort mitreden zu dem, was gesagt, geschönt oder verdeckt wird."

Vor drei Jahren habe er begonnen, mit Familie und Freunden über seine Homosexualität zu sprechen, die Unterstützung sei sehr groß gewesen. Nun hoffe er, mit diesem Schritt "jungen Spielern und Profisportlern Mut machen" zu können: "Profisport und Homosexualität schließen sich nicht aus, davon bin ich überzeugt."

Bei Twitter hat sich der Star inzwischen für die breite Unterstützung bedankt. Seine Videobotschaft endet mit dem Satz: "Es ist auch für meine Familie und für mein Umfeld unwichtig, dass ich über meine Homosexualität spreche. Wichtig ist es für nur für die Leute, die homophob sind, andere ausgrenzen aufgrund ihrer Sexualität. Und die sollen wissen: sie haben jetzt 'nen Gegner mehr!"

» Zu den Reaktionen: Viel Lob für Hitzlsperger
» Presseschau zum Coming-Out

Youtube | Das am Abend vom Spieler veröffentlichte Video. Es gibt auch eine englische Version.
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Tags: thomas hitzlsperger, coming-out, vfb stuttgart, fußball, sport
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Reaktionen zu "Thomas Hitzlsperger outet sich als schwul"


 185 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
08.01.2014
12:38:24


(+5, 5 Votes)

Von biermeier_tom
Aus Dresden (Sachsen)
Mitglied seit 01.03.2011


Respekt! Ich hoffe damit stößt er was an! Ich arbeite selbst in einem Job wo ich es immer und überall verheimlichen muss und weiß was das für eine Last ist.


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#2
08.01.2014
12:39:05


(+1, 7 Votes)

Von TheDad
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Na bitte..

Aber leider wieder nach dem Ende der Karriere..

Er hätte es doch wenigstens vorher versuchen können, allein schon um zu beweisen wie negativ die Englische Liga mit der Thematik umgeht..

Vielleicht fehlte ihm der Mut dazu..

Trotzdem : RESPESKT !

Mal sehen ob Mann in einem Interview dazu eine Aussage von Löw erhält..


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#3
08.01.2014
12:39:54


(0, 4 Votes)

Von Sabelmann
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Na endlich!Finde ich toll!
Aber leider wieder erst NACH Karriereende...auch wenn ich es vestehen kann!


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#4
08.01.2014
12:42:57


(+7, 9 Votes)

Von Danke


Lieber Thomas Hitzelsperger, vielen Dank.


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#5
08.01.2014
12:44:07


(+7, 7 Votes)
 
#6
08.01.2014
12:47:58


(+7, 11 Votes)

Von Peter1


Es ist Jerdermanns ureigene Sache wann und ob er sich outet. Respekt dafür, dass er es gemacht hat!


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#7
08.01.2014
12:48:50


(+7, 7 Votes)

Von Loren
Aus Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern)
Mitglied seit 02.11.2013


Nach einigen schlechten Nachrichten in der letzten Zeit endlich eine gute. Vielleicht ist das Eis jetzt gebrochen, was den Profifußball angeht. Danke, Herr Hitzlsperger.


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#8
08.01.2014
12:58:57


(+6, 6 Votes)

Von Felix


Schade, dass er das erst nach seiner aktiven Karriere gemacht hat, aber natürlich dennoch toll!

Ein ganz großes Vorbild, das hoffentlich auch viele andere ermutigt, endlich echte Vorbilder an Sportlichkeit und Menschlichkeit zu sein und sich nicht länger selbst zu verleugnen.

Herzlichen Glückwunsch Herr Hitzlsperger! Und Danke!


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#9
08.01.2014
12:58:57


(+8, 10 Votes)
 
#10
08.01.2014
13:06:26


(+6, 8 Votes)

Von Loren
Aus Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern)
Mitglied seit 02.11.2013


P.S. Ich habe als Jugendlicher in Nordhessen im Verein Fußball gespielt. Hätte es damals einen (ehemaligen) Nationalspieler gegeben, der sagt "Ich bin schwul", dann hätte das mir wohl einige Seelenqualen erspart. Gerade Jugendliche brauchen halt positive Vorbilder. Herr Hitzlsperger ist auf dem allerbesten Wege, eins zu werden.


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