Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 10.01.2014           105      Teilen:   |

ZDF-Talkshow

Schwule Fußballer bei Maybrit Illner

Artikelbild
Endlich mal ein schön bunter Hintergrund bei Maybrit Illner (Bild: Screenshot ZDF)

In Abwesenheit von Thomas Hitzlsperger fragte die ZDF-Talkshow am Donnerstag, warum sich eigentlich nicht mehr schwule Fußballer outen.

Von Dennis Klein

Eigentlich wollte Maybrit Illner in ihrer ersten Sendung des Jahres über Armutszuwanderung mit dem bayerischen Innenminister und dem grünen Parteichef diskutieren. Das Coming-out des Ex-Nationalspielers Thomas Hitzlsperger schmiss die Planung durcheinander. Schließlich änderte die Redaktion keine 24 Stunden vor der Ausstrahlung das Thema. Die Debatte stand unter der Headline: "Hitzlsperger bricht ein Tabu – wie tolerant ist der Fußball?".

Beim Thema Zuwanderung wären wohl weit mehr Fetzen geflogen. Es gab dieses Mal – wie bei vorherigen Homo-Themen in deutschen Talkshows – auch keinen homofeindlichen Teilnehmer à la Erika Steinbach, die bei "Anne Will" vor einem halben Jahr noch ihr Unbehagen über Schwulitäten zum Maßstab aller Dinge erheben durfte (queer.de berichtete). Stattdessen beklagten sich fünf Männer meist im Einklang darüber, dass homosexuelle Sportler im Jahr 2014 immer noch etwas Außergewöhnliches sind.

Mit Klaus Wowereit hatte Illner den Politiker mit dem Meister-Coming-out eingeladen, außerdem durfte der frühere DDR-Jugendnationalspieler Marcus Urban beschreiben, warum er seine Karriere aus Angst vor Homophobie beendet hatte. Außerdem debattierten Michael Vesper, der Generalsekretär des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Willy Lemke, der Aufsichtsratschef von Werder Bremen, und der frühere Fußball-Kommentator Manni Breuckmann.

Fortsetzung nach Anzeige


Schwindelgefühle bei Urban

Marcus Urban freut sich darüber, dass sich im Sport etwas tut - Quelle: Screenshot ZDF
Marcus Urban freut sich darüber, dass sich im Sport etwas tut (Bild: Screenshot ZDF)

Die Aussagen Hitzlpergers wurden von den Gästen einstimmig begrüßt. Geradezu ekstatisch reagierte Marcus Urban in der Sendung auf das Coming-out. Er habe sich erst einmal hinsetzen müssen, als er davon erfahren habe. Erst in ein paar Jahren hätte er mit einem solchen Schritt gerechnet.

Für das lange Warten machte Manni Breuckmann ein "hochneurotisches Verhältnis zur Homosexualität" innerhalb der Gesellschaft verantwortlich. Wie sei es sonst zu erklären, dass der deutsche Regierungssprecher die sexuelle Orientierung eines Ex-Nationalspielers kommentiert? Der Journalist empfiehlt deshalb ein Massen-Coming-out in der Sommerpause. Mehrere Spieler sollten eine Pressekonferenz geben, zwei Wochen durch alle Talkshows tingeln und dann sei das Problem schon halb erledigt. Willy Lemke hoffte, dass Hitzlsperger als "Eisbrecher" diene.

Doch worin liegt das Problem am fehlendem Mut zum Coming-out? Breuckmann ist sich sicher, dass der Druck der Fans die Lage für Schwule im Profifußball noch "eine Spur aggressiver" mache als in der Durchschnittsgesellschaft. "Das ist die Gruppe von Fans, die beispielsweise ein rosa Shirt des Bremer Torhüters Tim Wiese zum Anlass für wüsteste Beschimpfungen genommen hat". Bei einem schwulen Fußballer könne das noch schlimmere Ausmaße annehmen, insbesondere wenn dieser einen schlechten Tag habe. Urban schränkte allerdings ein, dass es ähnliche traditionelle Männerbünde auch in anderen Bereichen gebe, in denen Homophobie ebenfalls weit verbreitet ist. Als Beispiel nannte er die Kirche, das Militär, die Polizei und das Handwerk.

Homo-Aufklärung muss bei Kindern anfangen

Michael Vesper war für die Grünen der stellvertretende Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, bevor er 2006 zum Generaldirektor des DOSB ernannt wurde
Michael Vesper war für die Grünen der stellvertretende Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, bevor er 2006 zum Generaldirektor des DOSB ernannt wurde (Bild: Screenshot ZDF)

Wiederholt betonten die Teilnehmer, dass die Aufklärung über Homosexualität bereits im frühen Alter anfangen müsse – interessanterweise zur gleichen Zeit, in der zehntausende Menschen eine Petition unterschreiben, die vor Homo-"Propaganda" in baden-württembergischen Schulen warnt (queer.de berichtete). Lemke beklagte etwa: "Ich hab nie in der Schule oder im Konfirmandenunterricht etwas über Schwule oder Homosexuelle erfahren."

Auch Bürgermeister Wowereit sprach von einer "unglaublichen Homophobie" an deutschen Schulen – und zitierte Studien, nach denen homophobe Schimpfwörter unter Jugendlichen zum Alltag gehören. Urban brachte außerdem Beispiele für die unterschwellige Homophobie von Mitspielern: So sei die erste Frage eines ehemaligen Fußballerkollegen an Urban nach dessen Coming-out gewesen, ob er unter der Dusche seine Mitspieler begafft habe – als ob der gemeine Schwule Tag und Nacht nur an Sex denkt.

Urban wehrte sich auch gegen die typischen Abwehrreflexe in der Mehrheitsgesellschaft, die nach zwei Tagen Hitzlsperger-Berichterstattung bereits auf Blogs beklagen, dass inzwischen nur noch über Homosexualität in den deutschen Medien geschrieben werde. Das Problem liege vielmehr darin, dass viele Heterosexuelle nach wie vor Schwule und Lesben als andersartig ansehen würden. So sagte Urban rhetorisch zur Moderatorin: "Wenn Sie mir erzählen, dass Sie mit Ihrem Mann morgen ins Kino gehen, dann sag ich auch nicht: Jetzt sagen Sie mir nicht, dass Sie heterosexuell sind."

Am Ende der Talkshow wurde noch kurz über einen Boykott der Olympischen Winterspiele in Sotschi diskutiert, den DOSB-Vertreter Michael Vesper mit (einem ernstgemeinten) Verweis auf Willy Brandt ablehnt: "Die ganze Ostpolitik hätte nach dem Prinzip gar nicht stattfinden können", argumentierte der frühere NRW-Vizeministerpräsident. Er bezeichnete sich als "Hingeher", nicht als "Abgrenzer". Vereinsfunktionär Willy Lemke pflichtete ihm bei: "Was ist mit Veranstaltungen in den Vereinigten Staaten, solange Häftlinge in Guatanamo gefoltert werden?", fragte er und gab gleich die Antwort: Natürlich müsse man hin. Breuckmann gab hier so etwas wie einen soften Gegenpart: Er erklärte, man solle das repressive Regime Putins nicht mit seiner Gegenwart adeln. Immerhin – und hier waren sich alle einig – ist es gut, dass man jetzt über alles spreche.

Links zum Thema:
» Die ganze Sendung in der ZDF-Mediathek ansehen
Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 105 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 70                  
Service: | pdf | mailen
Tags: talkshow, zdf, maybrit illner, fußball, sport, marcus urban, michael vesper, klaus wowereit
Schwerpunkte:
 Fußball
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

Reaktionen zu "Schwule Fußballer bei Maybrit Illner"


 105 User-Kommentare
« zurück  12345...1011  vor »

Die ersten:   
#1
10.01.2014
12:24:47


(+10, 14 Votes)

Von -hw-


Nach dem Outing des früheren Fußballprofis Thomas Hitzlsperger schlägt in Baden-Württemberg eine Diskussion über das Thema Homosexualität im Unterricht hohe Wellen. Jetzt melden sich auch die Kirchen zu Wort - und lehnen eine Aufwertung des Themas in Schulen strikt ab.

Link zu www.faz.net


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
10.01.2014
12:31:31


(+7, 9 Votes)

Von user


So etwa nahm ich den leider auch wahr:

"Als Fußballkommentator war Manni Breuckmann die Stimme des Volkes. Jetzt ist er pensioniert, den Draht zum kleinen Mann hat er immer noch. Bei Maybrit Illner sagt er, was viele denken: Der Wirbel um das Outing von Thomas Hitzlsperger ist übertrieben. Die Homosexualität von Spielern interessiere ihn nicht die Bohne, gibt Breuckmann zu Protokoll. Und warum lobt der Sprecher der Kanzlerin Thomas Hitzlsperger für sein Outing? Hochneurotisch, das Ganze.

Sicher, Breuckmann ist nicht homophob. Wenn es nach ihm ginge, sollte kein deutscher Politiker zu den olympischen Spielen nach Sotschi fahren. Das würde ein Zeichen setzen gegen die schwulenfeindliche Atmosphäre in Russland. Gleichzeitig schwingt beim ehemaligen Sportmoderator das alte Argument mit, Schwule sollten aus ihrer Sexualität nicht so ein großes Ding machen. " (der westen)


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
10.01.2014
12:42:24


(-7, 11 Votes)

Von m123


Angesichts der Tatsache, dass Hitzlsperger sich erst NACH seinem Karriereende geoutet hat, finde ich die Reaktion von Urban übertrieben. Die Reaktion hätte ich eher verstehen können, wenn sich ein AKTIVER Fußballprofi geoutet hätte.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
10.01.2014
12:47:43


(+6, 10 Votes)

Von m123


Als es um Toleranz unter Erwachsenen gegenüber Homosexuellen in dieser Sendung ging, haben fast alle Zuschauer geklatscht. Als es jedoch darum ging schon im Kinder- und Jugendalter damit anzufangen auch über Homosexualität besser aufzuklären und Kindern und Jugendlichen effizienter Toleranz gegenüber Homosexuellen beizubringen, da haben weit weniger Zuschauer geklatscht. Offenbar ist in den Köpfen vieler Menschen immer noch eine Mischung daraus, dass Homosexualität irgendwo etwas mit Pädophilie zu tun haben könnte, oder dass man Kinder zu Homosexuellen erziehen könnte, vorhanden. Das war sehr interessant zu beobachten wie als es um Kinder und Jugendliche ging, weit weniger Menschen im Publikum geklatscht haben. Müsst ihr euch nochmal unter dem Aspekt ansehen. Dann seht ihr, dass da einige im Publikum nicht geklatscht haben und zweifelnd geguckt haben. Das sind wohl vor allem CDU/CSU-Wähler gewesen.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
10.01.2014
12:48:33


(+8, 10 Votes)

Von WirZwei
Profil nur für angemeldete User sichtbar


An die Redaktion:
Bitte weist doch auch hier drauf hin, dass in BW die Gegen-Petition auch schon über 10 000 Unterzeichner zählt, wenn ihr die Homo-Hasser-Petition schon erwähnt.
Danke.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
10.01.2014
12:49:24


(+9, 11 Votes)

Von WirZwei
Profil nur für angemeldete User sichtbar


, bitte unterschreibe die Petition. Damit Kinder in der Schule endlich lernen, dass es Familien wie unsere gibt, oder dass
Link zu www.openpetition.de


Und bitte auf soz.Netzwerken teilen


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#7
10.01.2014
13:07:58


(+8, 12 Votes)

Von m123


Am Samstag, den 11.01.2014, wird Hitzlsperger um 22:45 Uhr im ZDF heute journal sein erstes deutsches TV-Interview nach seinem Coming Out geben.

Quelle: zdf.de


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#8
10.01.2014
13:15:58
Via Handy


(+1, 11 Votes)

Von Alex


Sehr aufschlussreich, dass Herr Vesper von den Grünen Verständnis für die homophobe Politik des Kreml fordert.

Dasselbe fordert jetzt auch die SPD:

Link:
m.spiegel.de/politik/ausland/a-942734.html


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#9
10.01.2014
13:23:37
Via Handy


(+7, 11 Votes)

Von Petter


"Der Journalist empfiehlt deshalb ein Massen-Coming-out in der Sommerpause. Mehrere Spieler sollten eine Presse­kon­ferenz geben, zwei Wochen durch alle Talkshows tingeln und dann sei das Problem schon halb erledigt."

Volle Zustimmung!

Wir haben ja jetzt gesehen, dass schwule Fußballer zu 95% Lob und Anerkennung bekommen. Und allen kann man es eh nie recht machen...

Spätestens jetzt hat niemand mehr eine Ausrede, sich weiterhin selbst zu verleugnen.

Das sind die sich selbst und ihren Fans schuldig.

Jungs, lebt endlich eurer Leben statt eine Lüge!

Erst danach merkt ihr wie befreiend ein Outing ist und wie viel glücklicher man plötzlich ist. Ihr werdet dann jeden Tag bereuen, den ihr gewartet habt...


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#10
10.01.2014
13:25:09
Via Handy


(-5, 15 Votes)

Von Luca
Antwort zu Kommentar #8 von Alex


Die SPD hält Putin ja auch für einen " lupenreinen Demokraten".


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
« zurück  12345...1011  vor »


 KULTUR - TV-TRENDS

Top-Links (Werbung)

 KULTUR



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Gayromeo-Räuber "Marcus" festgenommen Magdeburg: Einstimmiger Beschluss für Hirschfeld-Gedenktafel "Tapetenwechsel 2.0" im Schwulen Museum* Studie: Intimrasur erhöht Krankheitsrisiko
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt