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  • 12.01.2014           114      Teilen:   |

Oben oder unten?

Die Ideologie von "Top" und "Bottom"

Artikelbild
Es ist nicht männlich, jemanden zu ficken, es ist nicht männlich, gefickt zu werden - es ist im besten Falle Spaß und sexuell befriedigend

Wie frei ist schwuler Sex wirklich? Die sexuelle Rolle, für die man sich angeblich entscheiden muss, schreibt überkommene Verhaltensweisen in der Lebensrealität vor.

Von Kevin Junk

Wäre man ein unbeteiligter Beobachter, der durch die Profile von schwulen Männern auf den vielen (wenigen) Datingportalen, die es auf dem Markt gibt, surft, würde man wohl relativ schnell merken, dass es zwei Ausführungen schwuler Körper zu geben scheint. Die eine Version legt sich gerne hin, der andere gerne oben drauf. Klingt plump, oder?

Aber so plump ist es auch. Die Idee von "Top" und "Bottom" ist nämlich eigentlich eine Ideologie. Eine Ideologie, die nur oberflächlich so aussieht, als wäre sie der Ausdruck individueller sexueller Präferenzen. Eigentlich geht sie aber viel tiefer. Ähnlich wie die beiden Pole "männlich" und "weiblich" geht mit der Dynamik zwischen "top" und "bottom" eine ganze Menge an Attributen einher, die wir unterbewusst auf andere projizieren. Wir sind wie wir ficken, angeblich.

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Top for cuties, bottom for hunks?

Die sexuelle Rolle als Identität: schwules Paar auf dem CSD - Quelle: Matthew / flickr / cc by-sa 2.0
Die sexuelle Rolle als Identität: schwules Paar auf dem CSD (Bild: Matthew / flickr / cc by-sa 2.0)

Die simple Aussage "top for cuties, bottom for hunks" klingt erstmal nach einer ziemlich emanzipierten Stellungnahme, bricht sie doch das starre Gespann "oben" oder "unten" auf und bringt ein bisschen Dynamik in die ganze Angelegenheit – aber nur oberflächlich.

Wie liest sich denn "top for hunks, bottom for cuties"? Erstmal komisch. Indem man sich in Relation zum Gegenüber in neuen Kategorien ("cutie", "hunk") bedient, um die Rollen beim Sex im Vorfeld auszuknobeln, macht man zwar die Breite der Kategorien ein wenig komplizierter, denkt aber immer noch in Kategorien, die an Hand des Verhaltens beim Sex bestimmte Verhaltensweisen in der Lebensrealität vorschreiben. Was ist denn mit einem Cutie, der einen großen Schwanz hat? Bei schwuler Mathematik für Fortgeschrittene lässt sich die so simple Gleichung schon nicht mehr lösen.

Es geht jetzt nicht darum, dass jede Art von Festlegung von vorne herein schlecht sei, dass alle im Flipflop-Modus ficken sollen. Was man aber durchaus hinterfragen sollte, ist: Wie frei ist unser Sex wirklich? Wie stark lassen wir uns von Regeln bestimmen?

Oben und unten, Top und Bottom beschreiben nicht nur die sexuelle Rolle, sie weisen auch Eigenschaften zu. Dem Bottom kommt unterschwellig eine feminine Rolle zu, weil er penetriert wird. Feminin heißt hier aber nicht weiblich per se, sondern alles was als weibliche Eigenschaften gesehen wird, was in irgendeiner weise "weich", "süß", "passiv" ist – und damit eben nicht männlich. Der Top dagegen ist komplett in der Machoschiene und bedient sich allem, was als "maskulin" gesehen wird.

Wir sind vielleicht in der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts, aber es gibt bestimmt noch immer Männer, die sich nicht ficken lassen wollen, weil sie es als "unmännlich" empfinden. Die beiden Polen "männlich" und "weiblich" als Überkategorie für ein ganzes Set von Eigenschaften, der ganze Unsinn, der am "Geschlecht" festgemacht wird, setzt sich im Sex zwischen Männern fort, obwohl der Sex als solcher schon aus der Norm fällt. Wir sind nicht Teil dieser Ordnung, aber weil wir in ihr großwerden, schreiben wir sie in unserem Sex fort.

Bottom war meine Kategorie, mein Zuhause, meine Zuweisung

Sexuelle Positionen sind nichts als temporäre Ränkespiele, die wir immer wieder aushandeln, die aber nichts über uns als Person aussagen sollten
Sexuelle Positionen sind nichts als temporäre Ränkespiele, die wir immer wieder aushandeln, die aber nichts über uns als Person aussagen sollten (Bild: tooqueerclothing.tumblr.com)

Als ich meine Sexualität entdeckte und erforschte, war ich auf der Suche nach Deutungsangeboten. Ich war konfrontiert mit den Kategorien "aktiv" und "passiv" und kam nicht auf die Idee, sie zu hinterfragen oder gar aufzubrechen. Ich hatte das Gefühl ich müsse mich festlegen und entschied mich dazu "passiv" zu sein. Diese Entscheidung prägte meine Selbstwahrnehmung, prägte die Wahrnehmung anderer von mir und schrieb mir ein bestimmtes Verhalten ein.

Im Laufe der Jahre hatte ich auch aktiven Analsex, aber meine Heimat war immer der passive Part. Ich war ein Bottom. Das war meine Identität, meine Kategorie, mein Zuhause, meine Zuweisung. Es fiel mir schwer, das aufzubrechen. Es fiel mir schwer, jemanden zu ficken, auch wenn es mir Spaß machte. Ich verstand nicht, wie ich mich gegenüber jemanden in einer Beziehung verhalten solle, wenn die Rollen aufbrachen. Die Kategorien waren so stark in mein Weltbild eingeschrieben, dass ich nicht anders konnte, als an mir zu zweifeln, wenn sie sich auflösten.

Als der Jüngere, der Kleinere, der mit weniger Kaufkraft, derjenige, der beschützt werden wollte, war mir einfach klar, dass ich beim Sex empfangen musste. Im Umkehrschluss hatte ich das Gefühl, nichts geben, nichts anbieten zu können. Ein ganzer Machtapparat ging in der Spannung zwischen meiner Vorder- und Hinterseite vor. Das persönliche Auftreten wird sofort mit der sexuellen Rolle in Verbindung gesetzt. Ein "Cutie" kann, wenn er aufbegehrt, vielleicht ein "power bottom" sein, aber dass er aktiven Analsex hat? Come on, leg dich lieber hin und mach die Beine breit…

Im Laufe der Jahre löste ich mich von diesen festen Zuweisungen, begann zu verstehen, dass sie nichts über mich als Person aussagen müssen, aber können. Schüchternheit ließ sich leichter ablegen, wenn ich mich spielerisch in die Position des Aktiven begab. Und das ist genau der Punkt: Wir sollten diese Rollen nicht zu ernst nehmen, denn es sind nichts weiter als ebendas – Rollen. Temporäre Ränkespiele, die wir immer wieder aushandeln, die aber nichts über uns als Person aussagen sollten. Es ist nicht männlich, jemanden zu ficken, es ist nicht männlich, gefickt zu werden – es ist im besten Falle Spaß und sexuell befriedigend.

Eigentlich sind wir doch alle Legosteine, wir passen von beiden Seiten aufeinander. Der Rest ist nichts weiter als ein Spiel.

Mehr zum Thema:
» Passive haben mehr Auswahl (01.08.2007)
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Tags: kevin junk, top, bottom, versatile, schwuler sex
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Reaktionen zu "Die Ideologie von "Top" und "Bottom""


 114 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
12.01.2014
14:28:15


(+14, 18 Votes)

Von Faktencheck


Das Resümee gefällt mir.

Kommt als nächstes bitte ein Artikel zum Thema "Gibt es wirklich gar keinen Sex ohne Ficken?"


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#2
12.01.2014
14:50:07


(+11, 13 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Ob Top oder Bottom: wenn jeder auf seine Kosten kommt, ist alles im Butter!


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#3
12.01.2014
15:01:39


(-7, 17 Votes)

Von Frage am Sonntag


"Es ist nicht männlich, jemanden zu ficken, es ist nicht männlich, gefickt zu werden es ist im besten Falle Spaß und sexuell befriedigend. "
Zitat von Kevin Junk

Absurd. Was will der Autor damit eigentlich sagen?
Daß es unmännlich ist, Sex zu haben?!
Wie bitte?!
Daß es unmännlich ist, schwul zu sein, und so
zu lieben??
GEHTS NOCH???


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#4
12.01.2014
15:07:52


(+11, 13 Votes)

Von Andreas


Wow, der Autor ist mit diesem Artikel gedanklich aber schon sehr weit. Ich bin beeindruckt!


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#5
12.01.2014
15:18:33


(+14, 16 Votes)

Von Adam


Also keine ahnung finde diesen Artikel etwas .....

Ich bin bottom und ende das hat nichts damit zu tun das ich mich weiblich oder männlich fühle es macht mir am meisten Spaß und ende ....also ich finden es schon komisch, dass man nun versucht jeden der eine Vorliebe hat zu unterstelle er würde sich eine art Geschlechter rolle unterwerfen ...sehr fraglich solche Äußerungen

und meine Vorliebe dann noch als ein Spiel zu bezeichnen finde ich sogar beleidigend !!!

den zitat: Eigentlich sind wir doch alle Legosteine, wir passen von beiden Seiten aufeinander. Der Rest ist nichts weiter als ein Spiel. zitat ende ...
Ist mehr als fraglich den mit solchen Äußerungen spielt man andere in die Hände Homosexualität ist ja nur ein spiel den wir sind ja weiblich Männern Legosteine die die passen ....alles andere ist ein Spiel .....ergo Artikel fail für mich


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#6
12.01.2014
16:17:38


(+14, 16 Votes)

Von tobias
Aus bremerhaven (Bremen)
Mitglied seit 25.03.2012


....und ich frag beim chinesen immer welches stäbchen die gabel ist....


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#7
12.01.2014
16:19:20


(+15, 17 Votes)

Von m123


Man sollte das machen, was einem im Bett Spaß macht. Schlicht und einfach.

Leuten die dümmlich fragen "Wer ist denn bei euch der Mann und wer die Frau?" sag ich immer "Welche Frau?". Dann kommt meistens eine Nachfrage mit einer dahingeholperten Erklärung, dass man eigentlich danach fragen wollte, wer wen penetriert, natürlich sprachlich nicht so direkt, sondern holprig-formschön verpackt. Dann frag ich meist zurück "Welche Stellung bevorzugst du denn im Bett?". Dann werden die Leute immer rot. Ich weiß auch nicht warum...


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#8
12.01.2014
16:25:30
Via Handy


(+16, 16 Votes)

Von daVinci6667
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #7 von m123


Lach. Auch eine schöne Frage die ich tatsächlich mal gehört habe:

"Wer von Ihnen beiden trägt eigentlich den Müll raus?"

Unsere Antwort: Die Putzfrau!


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#9
12.01.2014
16:39:45
Via Handy


(+14, 16 Votes)

Von daVinci6667
Profil nur für angemeldete User sichtbar


"Als der Jüngere, der Kleinere, der mit weniger Kaufkraft, derjenige, der beschützt werden wollte, war mir einfach klar, dass ich beim Sex empfangen musste. Im Umkehr­schluss hatte ich das Gefühl, nichts geben, nichts anbieten zu können."

Ehrlicher Artikel Kevin, aber er gefällt mir überhaupt nicht. Viel zu kopflastig und trotzdem einfach nur dumm!

Schon gemerkt Kevin? Auch der Bottom kann der aktive und oben sein! Das ist dann Aktives empfangen und bestimmen wann der Schwanz in mir abspritzt. Siehst Du, Alles ist möglich bei schwulem Sex! Ich mag den Wechsel mal so mal so,

Und ausserdem: Alles KANB nur urmännlich und kerlig sein ganz einfach weil keine Frau dabei ist.

Und was der Sex mir der Kaufkraft der einzelnen Partner zu tun haben soll entzieht sich mir völlig.

Fragst du bei One Night Stands etwa wieviel der andere verdient um festzustellen wer passiv empfangend unten liegt? Kopfschüttel.


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#10
12.01.2014
16:43:11
Via Handy


(+12, 14 Votes)

Von Tron28


Wir leben in einer modernen Zeit und langsam sollten wir soweit sein und so zu verhalten wie wir wollen und uns von traditionellen Bildern von Kirche und starren Rollenvorstellungen lösen.
Ich hoffe die junge schwule Generation wird das bewerkstelligen.

Eines der langweiligen Erscheinungen bei Heterosexuellen ist ja die konsequente Einnahme der Rollen. Heteros agieren traditionell nach dem biologischen Prinzip das richtiger Sex nur gilt wenn es zum Geschlechtsverkehr kommt. Der Mann ist der aktive Part, die Frau der passive und das wird interessanterweise so verinnerlicht das die das über den reinen Geschlechtsakt hinaus ausüben, soll heißen Männer sollen im gesellschaftlichen Blick im Bett nicht nur der aktive, sondern auch der dominante Part sein und Frauen der devote Part. Dieses wird zumindest als die schicklichste aller Sexualnormen angesehen.
Ein devoter Mann, eine dominante Frau, das ist für die immer noch konservative Gesellschaft ein sexueller Tabubruch.
Der Grund warum Frauen mit vielen Sexpartnern als Schlampen angesehen werden liegt darin begründet das diese nur in der devoten Rolle gesehen werden, die Frau bietet sich den Männern an heißt es. Der Mann mit vielen Sexpartnerinnen wird als Held angesehen, ihn lassen die Frauen ran heißt es.
Schon der Ausdruck, die Frau läßt den Mann ran, zeigt ja welche Rollen erwartet werden. "Der Mann läßt die Frau ran" hört man so nicht.
Dabei geschieht Sex nicht immer so einseitig, das wäre ja auch langweilig.
Meistens ist es ein geben und nehmen, es sei denn man hält Pornos für die Realität.
Aber selbst Heteros wollen schätzungsweise mal Abwechslung im Bett und eine Frau der sie sich hingeben können als nur umgekehrt. Deswegen kann ich die einseitige Sichtweise über Sex und Rollen nicht nachvollziehen. Ich gehe davon aus dass sich diese Sichtweise aus konservativen Strukturen bildet, die besagt das Sex nur zwischen verschiedenen Geschlechtern und nur mit bestimmten Rolleneinahmen stattzufinden hat.

Homosexueller Sex durchbricht diese Strukturen in zweierlei Hinsicht. 1. Selbst die konservativsten Schwulen durchbrechen die Strukturen, denn sie können die erwarteten Rollen nicht einnehmen. Ein Mann hat im konservativ- gesellschaftlichen Sinne dominant oder zumindest aktiv zu sein.

2. am meisten werden die konservativen Strukturen durch Schwule durchbrochen die versatail sind. Denn sie haben zum einen schwulen Sex und zudem durchbrechen sie noch sämtliche Rollenmuster.
Denn sie lassen sich nicht von heterosexuellen Mustern vereinnahmen.
Das finde ich den Vorteil an Schwulen wie mich, denn wir bidern uns keinen " Heterovorbildern" und sind nicht zwanghaft nur in einer Rolle gefangen.
Bei Rein aktiv/ dominanten und rein passiv/ devoten hingegen fragt man sich warum die sich so sexualprsktisch und rollenausübend gesehen so einschränken lassen.

Wenn jetzt jemand sagt er mag das oder das etwas lieber, hat aber an beiden und mehreren Variationen auch Spass ist das eine Sache.
Presst sich aber jemand konsequent in eine Rolle darf man sich nicht wundern das viele Schwule glauben derjenige passe sich zu sehr an alte Muster an.
Der Artikel ist daher überfällig. Die jüngeren Schwule lassen sich zum Glück weniger in Klischeerollen pressen und verstehen daher alte Schwule oft nicht.


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