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Roger Jean-Claude Mbede neben seiner Anwältin Alice Nkom

Wegen einer schwulen Liebeserklärung per SMS war er 16 Monate im Gefängnis – jetzt ist der Mann offenbar an den Folgen einer Erkrankung gestorben, die er sich während der Haft zugezogen hatte.

Roger Jean-Claude Mbede ist am Freitag in Kamerun gestorben, teilte seine Anwältin Alice Nkom mit. Einen Monat zuvor hatte seine Familie die Entlassung des inzwischen mittelosen 34-Jährigen aus dem Krankenhaus veranlasst, in dem er für einen Leistenbruch behandelt worden war, den er sich in Haft zugezogen hatte. "Seine Familie sagte, er sei für sie ein Fluch und wir sollten ihn sterben lassen", erklärte Nkom.

Mbede war 2011 zu drei Jahren Haft verurteilt worden, weil er in einer SMS-Kurznachricht einem Mann seine Liebe gestanden hatte. Er hatte damals lediglich geschrieben: "Ich bin so verliebt in dich". Nach Ansicht der Richter verstieß er damit gegen den Unzuchtsparagrafen. Das Urteil wurde 2012 trotz internationaler Proteste von einem Berufungsgericht bestätigt (queer.de berichtete). Amnesty International bezeichnete Mbede damals als "politischen Häftling". Während seiner Haft verschlechterte sich Mbedes Gesundheitszustand, wodurch er frühzeitig entlassen wurde.

Anwältin: Der Staat ist schuld

Seine Anwältin beschuldigt die homofeindlichen Gesetze, für den Tod von Mbede verantwortlich zu sein: "Ich klage den Staat an", so Nkom, die zu einer kleinen Gruppe von Anwälten gehört, die Fälle von Homosexuellen in Kamerun annehmen. Dafür war sie von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ausgezeichnet worden (queer.de berichtete). "Wenn es keine Kriminalisierung von Homosexualität gegeben hätte, wäre er nie ins Gefängnis gekommen und wäre noch am Leben. Sein Leben war zu Ende, sobald er ins Gefängnis kam", sagte Nkom.

Der Homo-Aktivist Lambert Lamba erklärte, dass Mbede nach der Entlassung aus dem Krankenhaus keinerlei medizinische Hilfe erhalten habe. Er sei in einem schlechten Zustand gewesen, als er ihn unlängst in seinem Heimatdorf besucht hatte: "Seine Familie hat mir gesagt, sie würden seine Homosexualität austreiben", so Lamba. Mbede habe zu diesem Zeitpunkt weder sprechen und aufstehen können.

Kamerunischer Botschafter: Schwule sind selbst schuld

Erst vor wenigen Monaten ist der schwule Aktivist Eric Lembembe in Kamerun von Unbekannten gefoltert und ermordet worden (queer.de berichtete). Daraufhin empfahl der UN-Menschenrechtsausschuss im September 2013, die Kriminalisierung von Schwulen und Lesben zu beenden. Der kamerunischer UN-Botschafter wies das jedoch zurück und erklärte, Lembembe sei wegen seiner "persönlichen Lebenswandels" selbst schuld an seinem Tod.

Im 21-Millionen-Einwohner-Land Kamerun steht auf gleichgeschlechtlichen Sex fünf Jahre Haft. Dutzende Verurteilungen sind in den letzten Jahren bekannt geworden. Es sind bereits mehrfach Menschen für schuldig befunden worden, bei denen aktive Homosexualität nur vermutet wurde. Für internationales Aufsehen sorgte die Verurteilung von zwei Männern wegen "zu schwulen Aussehens" und weil sie in einer Gaststätte ein "schwules Getränk" (Bailey's-Cremelikör) bestellt hatten. Das Urteil wurde schließlich aufgehoben, allerdings saßen die beiden zu diesem Zeitpunkt bereits ein Jahr lang im Gefängnis (queer.de berichtete). (dk)



#1 grausamAnonym
  • 13.01.2014, 19:21h
  • Einfach nur grausam wenn alle einen hassen nur weil man eine SMS mit " Ich bin so verliebt in dich" schreibt.
    Wenn die Familie einen verstößt und zusätzlich der Staat ins Gefängnis steckt und wie Dreck behandelt, schwindet für die Person jede Hoffnung. Kein Wunder dass man das nicht überlebt.
    Zum Glück gab es die Anwältin, die ihn nicht nur für Geld sondern auch aus Überzeugung unterstützte. So wusste er zumindest dass es noch Mneschen gibt die ihr Herz am richtigen Fleck haben.
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#2 HinnerkAnonym
  • 13.01.2014, 19:21h
  • Schlimm!

    Wie lange will die angeblich zivilisierte Welt bei sowas noch tatenlos zusehen?!

    Es muss endlich Sanktionen geben! Gelder halten nur solche Regime an der Macht und sonst gar nichts.
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#3 JoonasAnonym
#4 SebiAnonym
  • 13.01.2014, 19:22h
  • Und auch da hetzt die Kirche wieder fleißig. Auch die katholische Kirche.

    Die gehen echt über Leichen.
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#5 MarekAnonym
  • 13.01.2014, 19:23h
  • "Kamerunischer Botschafter: Schwule sind selbst schuld"

    Wie zynisch kann man noch sein?

    Wann gibt es endlich Sanktionen? Wie viele Menschen müssen noch sterben.

    Achja, sind ja nur Schwule. Da schauen die Regierungen gerne mal weg - auch die deutsche...
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#6 vulkansturmAnonym
  • 13.01.2014, 19:48h
  • Kamerun ist zu fast 70 % ein christliches Land. Die katholische Kirche ist dabei die grösste Glaubensgemeinschaft mit 38, 4 % der Bevölkerung. Alle Medien bejubeln den Papst, nur weil der ein paar nette Worte über Homosexuelle gesagt hat. In solchen Ländern wie Kamerun könnte die katholische Kirche es beweisen, dass sie es ernst meint, mit dem Respekt. In Afrika ist die katholische Kirche sehr mächtig. Dadurch, dass sie gegen die Barbarei in solchen Ländern wie Kamerun nichts unternimmt, macht sie sich aber mitschuldig an der Ermordung und Folterung von Menschen. Mitschuldig sind auch die christlichen Entwicklungshelfer, die nichts dagegen unternehmen und damit zu Komplizen der Barbarei werden..
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#7 JadugharProfil
  • 13.01.2014, 23:07hHamburg
  • Antwort auf #6 von vulkansturm
  • Es dürften keine christlichen Entwicklungshelfer mehr geben, sondern nur noch normale Entwicklungshelfer. DIe religiös motivierten Gruppen haben nichts anderes im Sinn, Kulturen auszulöschen und ihr eigenes Gedankengut durchzusetzen.
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#8 Roman BolligerAnonym
  • 14.01.2014, 00:25h
  • Afrika von seiner furchtbar erschreckenden und unmenschlichen Seite! Schlimm, schlimm, schlimm!
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#9 alexander
  • 14.01.2014, 00:29h
  • Antwort auf #7 von Jadughar
  • der einfluss der kirchen weltweit, muss endlich einmal offengelegt werden, inkl. der seilschaften und der finanziellen situation, der einzelnen!!!
    spätestens dann wäre dieser teufliche einfluss gebannt, "IN EWIGKEIT AMEN"!!!
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