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  • 14.01.2014           55      Teilen:   |

Kommentar

Die Angst des deutschen Fußballs vor der Normalität

Artikelbild
In einer Videobotschaft sprach Thomas Hitzlsperger über sein Schwulsein, doch von Fußballfunktionären wird Diskriminierung noch immer akzeptiert (Bild: Youtube)

Tagelang beherrschte das Coming-out von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger die Schlagzeilen. Der erste Hype ist abgeklungen. Was bleibt?

Von Dirk Leibfried und Andreas Erb

Wie war das noch im Jahr 2011? Nachdem es auch in der Öffentlichkeit schick wurde, über die Homosexualität der deutschen Nationalspieler zu spekulieren, wollte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff ein Zeichen setzen: "Das sehe ich immer auch als einen Angriff auf meine Familie – die Familie der Nationalmannschaft." Damit jonglierte erstmals ein ranghoher Fußballfunktionär mit der Homophobie im Fußball. Reichlich ungeschickt, denn gut zwei Jahre später rudert Bierhoff zurück: "Das verdient Anerkennung und Respekt", kommentiert er das Coming-out des früheren Nationalspielers Thomas Hitzlsperger heute.

Scheinheiligkeit hat in diesen Tagen Hochkonjunktur. Denn neben Bierhoff wirbt auch Nationaltrainer Joachim Löw plötzlich "bei uns allen für einen entspannteren Umgang mit der Thematik". Ausgerechnet Löw, der in seiner Vorbildfunktion als Bundestrainer das Thema in den vergangenen Jahren völlig ausgeblendet und tabuisiert hat. Vielleicht auch, weil ihm selbst immer mal wieder Homosexualität nachgesagt wird. So versuchte er dann im April 2011 im Interview mit der "Welt", genau diese Gerüchte ins Lächerliche zu ziehen. Auf die Frage nach seiner Homosexualität antwortete er: "Ich habe das auch schon gehört. Was soll ich dazu sagen? Es ist wie mit dem Toupet. Auch das stimmt nicht. Fragen Sie gerne meine Frau."

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Der DFB scheint macht- und hilflos

Dirk A. Leibfried und Andreas Erb sind Autoren des Buches "Das Schweigen der Männer – Homosexualität im deutschen Fußball", das im August 2011 im Verlag Die Werkstatt erschienen ist.
Dirk A. Leibfried und Andreas Erb sind Autoren des Buches "Das Schweigen der Männer – Homosexualität im deutschen Fußball", das im August 2011 im Verlag Die Werkstatt erschienen ist.

Ungeschickt? Oder doch homophob? Sowohl Bierhoff als auch Löw haben mit ihren grotesken Aussagen die Vorstellung befeuert, Schwulsein sei ein Makel und passe nicht in die Fußballwelt. Ob sich dieser Geist innerhalb des Männerbundes nach Hitzlspergers Klarstellung wirklich nachhaltig verändert? Wohl kaum. Denn Diskriminierung wird akzeptiert, zumindest scheint der Deutsche Fußball-Bund (DFB) macht- und hilflos. Trotz Hitzlspergers Coming-out. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bleibt skeptisch: "Man weiß nie, wie das große Publikum in den Stadien vor allem bei Auswärtsspielen reagiert. Das ist die große Unbekannte." Der DFB knickt bereits ein, noch bevor das erste Coming-out eines aktiven Profis überhaupt in Sicht ist.

Die Angst vor dem Ungewissen ist allgegenwärtig. Für Hitzlsperger mag das Risiko kalkulierbar sein, seine aktive Fußballkarriere ist längst beendet. Er bewirbt sich nicht mehr um einen neuen Kontrakt, die Stimmung in den Stadien ist ihm egal. Die Reaktionen auf sein Coming-out zeigen aber in entwaffnender Naivität, dass der deutsche Fußball zwar das angeblich so Normale "anerkennt und respektiert", aber diese Normalität, bitteschön, doch nicht übertrieben werden sollte. Schließlich gibt es da noch den unbarmherzigen Fußballfan in der Kurve, der jedem, der "anders" ist, das Leben zur Hölle macht. Die Fans als Alibi für rückständige Fußballfunktionäre.

Wer weiß wirklich, wie die Fans auf das Coming-out eines aktiven Fußballprofis reagieren? Werden hier bewusst Ängste geschürt, um das Thema wegzuschieben und das Tabu nicht weiter aufzuweichen? Vielleicht haben die mächtigen Fußballbosse selbst ja Angst vor allzu viel Diversity und Liberalität in den Stadien. Der Fußball von heute hat längst nichts mehr mit den archaischen Gladiatorenkämpfen des vergangenen Jahrhunderts zu tun. Viele Fans denken mittlerweile progressiver, fortschrittlicher und toleranter als manch einer, der den Fußball in unserer Gesellschaft eigentlich managen sollte.

Der Sport wird verwaltet, aber nicht gesellschaftlich gestaltet

Der DFB veröffentlichte eine peinliche Hochglanzbroschüre – und glänzt sonst mit Tatenlosigkeit
Der DFB veröffentlichte eine peinliche Hochglanzbroschüre – und glänzt sonst mit Tatenlosigkeit

Gerade beim Umgang mit Homosexualität übertreffen sich der DFB und seine Landesverbände mit Tatenlosigkeit. Die Initiativen des früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger liegen längst in der Schublade. Nachfolger Niersbach setzt andere Prioritäten. Dabei wäre es so einfach, entsprechende Schritte einzuleiten, die tatsächlich an der Basis ankommen.

Noch heute wird der "schwule Pass" oder die "Schwuchtel" auf dem Spielfeld so gut wie nicht sanktioniert. Warum werden die rund 80.000 Schiedsrichter in Deutschland nicht für dieses Thema sensibilisiert? Statt einer peinlichen Hochglanzbroschüre, in der Profis allen Ernstes geraten wird, sich doch bitte erst nach dem Saisonende zu bekennen, sollte vielmehr ein Augenmerk auf die Ausbildung der Übungsleiter und Jugendtrainer gelegt werden. Vom DFB und seinen Landesverbänden gibt es – bis auf einzelne Initiativen in den Fußballverbänden Berlin und Mittelrhein – außer gut gemeinten Bekenntnissen hier keine greifbaren Maßnahmen. Der Sport wird verwaltet, aber nicht gesellschaftlich gestaltet.

Es gibt noch jede Menge zu tun. Hitzlsperger hat den Anfang gemacht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es ist der erste Schritt zu der Erkenntnis, dass schwule Spieler auch zur Familie gehören.

Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch "Das Schweigen der Männer" bei Amazon
» Homepage von Thomas Hitzlsperger
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Tags: fußball, thomas hitzlsperger, bundesliga, dfb
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Reaktionen zu "Die Angst des deutschen Fußballs vor der Normalität"


 55 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
14.01.2014
15:22:02
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(+10, 10 Votes)

Von Alex


Ich hoffe, das bleibt jetzt kein Einzelfall.

Thomas Hitzlsperger hat seinen Kollegen einen Traumpass zugespielt - den müssen sie jetzt nur noch verwandeln...

Die wollen ihn, der für sie den Boden bereitet hat, doch wohl jetzt nicht alleine stehen lassen...


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#2
14.01.2014
15:26:27
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(+9, 9 Votes)

Von Luca


Es ist nichts schlimmes daran schwul zu sein. Schlimm ist nur, seine Fans und sich selbst zu belügen.

Es wird Zeit, endlich diese Schmierenkomödie zu beenden und endlich zu sich selbst zu stehen. Das wäre ein wahres Zeichen von Größe.


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#3
14.01.2014
15:29:33


(+6, 8 Votes)
 
#4
14.01.2014
15:33:35


(-2, 8 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Normalität liegt im Auge des Betrachters. Für mich ist Homosexualität normal!


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#5
14.01.2014
15:34:53
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(+10, 10 Votes)

Von Felix


Die betreffenden Spieler sollten sich nicht nur outen, weil sie Idole sind und eine Vorbildfunktion haben.

Sondern sie sollten sich vor allem auch um ihrer selbst willen outen. Denn diese konstante Selbstverleugnung kann auf Dauer nicht ohne seelische Folgen bleiben.

Erst danach merkt man, wie frei und wie viel glücklicher man plötzlich ist. Dann bereut man jeden Tag, den man gewartet hat.

Ist die dauernde Angst, es könnte vielleicht doch etwas durchsickern wirklich besser als Freiheit und das Wissen, das richtige zu tun?!

Alleine schon die Angst vor Entdeckung wäre für mich ein Grund, es selbst in die Hand zu nehmen.


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#6
14.01.2014
15:35:53
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(+5, 5 Votes)

Von Promis


Das ist das gleiche wie mit Elton John. Vips sollten keine Angst haben. Das homoeheliche eines Sportlers ist das Private wie bei Elton. Große Sensation ist das nicht. Hamburger Bürgermeister hat sich auch nichtlange geoutet. Jetzt hat volle Anerkennung. Schwul und lesbisch ist nicht mehr wie Aussererdischer. Früher gab es so: Zwangheteroehe dann Scheidung.


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#7
14.01.2014
15:49:40


(+6, 8 Votes)

Von Loren
Aus Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern)
Mitglied seit 02.11.2013


"Der Sport wird verwaltet, aber nicht gesellschaftlich gestaltet." (Leibfried/Erb)

Gestaltet wird -ob vom DFB oder der Fifa oder dem IOC- primär das Geschäftliche, denn der Spitzensport ist längst als Geldmaschine erkannt worden, mit der sich viele Akteure die Taschen voll machen können. Im Zweifel werden dann Grund- und Menschenrechte dem Big Business geopfert und die homosexuellen Sportler in den Schrank verwiesen. Dass das mit der vielbeschworenen Ethik des Sports nicht in Einklang zu bringen ist, geht vielen Funktionären, Trainern etc. schlicht am A.... vorbei, allen Sympathiebekundungen gegenüber Herrn Hitzlsperger (die ja nichts kosten) zum Trotz.


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#8
14.01.2014
15:50:10
Via Handy


(+5, 7 Votes)

Von Timon


Wahre SportLee sind nicht zu feige, um zu sich selbst zu stehen und verstecken sich nicht...

Es gibt tausende, die sich in Schulen outen oder in Staaten, wo ihnen Repressionen bis hin zu Gefängnis, Folter und Tod drohen.

Da kann man doch wohl von gutsituierten Profispielern erwarten, dass sie endlich mal ihrer Vorbildfunktion gerecht werden und endlich etwas ändern...

Wer so weitermacht, trägt mit zu einer Situation bei, wo Schwule und Lesben gemobbt werden, Opfer von Gewalt werden oder gar so verzweifelt sind, dass sie sich das Leben nehmen. Nach wie vor ist die Selbstmordrate unter schwulen und lesbischen Jugendlichen 4-5 mal höher als bei Hetero-Jugendlichen.

Aber schwule Spieler könnten nicht nur für schwule und lesbische Jugendliche ein Vorbild sein, sondern für alle Menschen - egal welches Alter, welche Hautfarbe, welches Geschlecht und welche sexuelle Orientierung: Vorbilder für Toleranz, Fairness, Offenheit, Menschlichkeit und wahre Sportlichkeit...


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#9
14.01.2014
15:58:39


(+5, 7 Votes)

Von bengt


Leibfried, der als Sportjournalist arbeitet, spielt in seiner Freizeit Fußball und ist selbst schwul. Als er sich Ende der 90er Jahre outete, waren die Reaktionen darauf durchweg positiv. "Ich bin damals dennoch erneut zum Vorsitzenden meines Dorfvereins gewählt worden - und das ohne Gegenstimme."

Link zu www.morgenweb.de


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#10
14.01.2014
18:59:36


(+3, 3 Votes)

Von Habukaz
Mitglied seit 07.11.2013


Thomas Hitzelspergers Twitter Account ist suspendiert. Was da wohl vor sich geht?


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