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  • 22.01.2014           39      Teilen:   |

Mit Regenbogenfahne erhängt

Aserbaidschan: LGBT-Aktivist nimmt sich das Leben

Artikelbild
In Interviews hatte sich Isa ein mit Regenbogenflaggen geschmücktes Baku gewünscht

Der erst 20-jährige Vorsitzende von "Free LGBT Azerbaijan" wurde am Mittwoch in Baku tot aufgefunden. Er hatte sich mit einer Regenbogenflagge erhängt.

In der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku hat sich am Mittwoch der 20-jährige Isa S. das Leben genommen, der Vorsitzende der Homo-Organisation "Free LGBT Azerbaijan". Er sei nicht stark genug, um die Welt auf seinen Schultern zu tragen, hatte er zuvor auf Facebook in einem Eintrag geschrieben.

Eine alarmierte Freundin fand den leblosen Körper des Mannes – er hatte sich mit einer Regenbogenflagge erhängt. Ihr und erst später eingetroffenen Sanitätern war es nicht möglich gewesen, das Leben des Aktivisten zu retten.

Obwohl man nach diesen Umständen von einer Reaktion auf allgemeine oder konkrete Homophobie als (einen) möglichen Hintergrund des Freitodes schließen kann, verbieten sich zunächst Spekulationen. Auf Facebook schrieb ein Mitglied von "Free LGBT Azerbaijan", Familie und Freunde erwünschten sich Geduld für eine gründliche Aufklärung.

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Isa hatte in sozialen Netzwerken seinen Abschied verkündet
Isa hatte in sozialen Netzwerken seinen Abschied verkündet

Das aserbaidschanische Fernsehen griff den Selbstmord am Abend in verstörenden Bildern auf: Abwechselnd zeigte es Szenen eines Interviews mit einem strahlenden Isa aus dem letzten Herbst, in dem er stolz von seinem Coming-out erzählte, dann unverpixelt Ausschnitte, wie Sanitäter ihn wiederzubeleben suchen. Im Hintergrund oben an der Wand: Ein Fetzen einer Regenbogenflagge. Als die Sanitäter aufgeben, fahren einem die Schreie der Angehörigen durch alle Glieder.

Isa, dessen Vorname die arabisch-muslimische Entsprechung für Jesus ist, hatte sich in der Facebook-Message bei seiner Mutter bedankt, die er nun zurücklässt. Und auch geschrieben: "Ihr seid alle Schuld an meinem Tod." Er könne in diesem Land, auf dieser Erde nicht mehr leben; die Welt habe nicht genug Farben für seine Farben. In dem TV-Interview hatte er gesagt: "Ich hoffe, dass ich eines Tages den Tag erlebe, an dem die Straßen von Baku in Regenbogenflaggen geschmückt sind."

Das schwule Leben in Baku und dem Rest Aserbaidschans findet größtenteils im Verborgenen statt, woran auch der Eurovision Song Contest im vorletzten Jahr wenig änderte. Damals mussten die wenigen öffentlichen Aktivisten wie Ruslan Balukhin von gay.az oder Vugar Adigozalo von Isas Free LGBT sogar erklären, keinen CSD veranstalten zu wollen, nachdem Medien fälschlicherweise von einer entsprechenden Planung berichtet hatten. Homosexuelle Handlungen sind erst seit dem Jahr 2000 legalisiert, es gibt Berichte über Gewalt und Erpressung durch die Polizei, Gerüchte über Homosexualität werden von Politikern und Medien gegen Gegner gestreut. Dass ein 20-Jähriger in Interviews offen über seine Homosexualität sprach, galt als Lichtblick.

Für Jugendliche, die in Deutschland Unterstützung beim Umgang mit ihrer sexuellen Orientierung oder einfach Freunde suchen, gibt es zahlreiche LGBT-Jugendgruppen und -zentren (eine nicht mehr ganz aktuelle Liste gibt es hier). Auch mehrere Webseiten, etwa dbna (Du bist nicht allein) oder die des bundesweiten Jugendnetzwerks Lambda, richten sich gezielt an junge Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender. Aufklärungsprojekte wie SchLAU gehen gezielt in Schulen und suchen immer wieder Mitstreiter. (nb)

Am Donnerstag wurde Isa beigesetzt
Am Donnerstag wurde Isa beigesetzt

 Update  23.1., 10h: Weitere Informationen
Der Tod des Aktivisten hat weltweit Betroffenheit ausgelöst. Im türkischen Ankara wird es am Sonntag eine Mahnwache geben. Isas Organisation Free LGBT, in deren Büro sich der junge Mann das Leben genommen hatte, hat darum gebeten, bei seiner Beerdigung farbenfrohe Kleidung zu tragen.

In einem englischsprachigen Interview hatte Isa im letzten Herbst mehr über sein schwieriges Coming-out und die Lage von LGBT in Russland erzählt.

 Update  12.15h: Vorfall bei Beerdigung
Isa wurde am Donnerstag in der Kleinstadt Bina beerdigt. Dabei kam es zu unschönen Szenen: Bewohner der Stadt mit rund 26.400 Einwohnern bedrohten Besucher der Beerdigung mit Steinen. Journalisten wurden angefeindet, eine Kamera von ANS TV beschädigt.

Youtube | Bilder der Beerdigung
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Tags: aserbaidschan, selbstmord
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Reaktionen zu "Aserbaidschan: LGBT-Aktivist nimmt sich das Leben"


 39 User-Kommentare
« zurück  1234  vor »

Die ersten:   
#1
22.01.2014
19:25:35


(+5, 7 Votes)

Von Marek


Und wer garantiert, dass das kein Mord war und die das nur vertuschen?!


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#2
22.01.2014
19:27:04


(+6, 8 Votes)

Von Sebi


Schlimm, wie verzweifelt muss der arme gewesen sein?!

Er fehlt nicht nur seiner Familie und seinen Freunden, sondern uns allen, weil wir wieder einen weniger haben, der zu unserer Vielfalt beiträgt und sich für uns alle einsetzt.

Möge er in Frieden ruhen...


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#3
22.01.2014
19:35:53


(+8, 8 Votes)

Von ehemaligem User Smiley
Antwort zu Kommentar #1 von Marek


Mord durch fremde Hand.

Mord durch eigene Hand, getrieben und drangsaliert und niedergemacht von den Menschen unter denen er lebte. Also auch durch fremde Hand.

Es war sein Leben, es war sein Recht mit seinem Leben zu tun was er für richtig hielt. Es fällt aber auf seine, welch ein Wort, "mit"Menschen zurück daß er ihretwegen diesen Weg, diese Wahl für die richtige zu halten sich gezwungen fühlte.

Werft bitte nie euer Leben denen als Fraßopfer vor die Füße die euch hassen und verachten.


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#4
22.01.2014
19:36:23


(0, 10 Votes)

Von m123


Selbstmord ist keine Lösung.

Sprache eines toleranten Landes lernen und dort hinziehen. Das wäre die Lösung gewesen, wenn man die homophobe Umgebung in einem Land nicht mehr ertragen kann. Auch wenn es schwer ist und mit vielen Hürden verbunden ist ein Land zu verlassen und in einem neuen Land eine passende Umgebung für sein Leben zu finden.


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#5
22.01.2014
19:57:58


(+7, 7 Votes)

Von Andre


Das ist sehr sehr traurig und tragisch. Mir ist auch spontan der Gedanke gekommen, ob er vielleicht getötet wurde...


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#6
22.01.2014
20:00:25


(-8, 20 Votes)

Von fremde heimat


comingout ist ohnehin schon schwierig genug. daher in einem ziemlich muslimischen land wie azerbaijan noch schwieriger als in einem sehr christlichen wie deutschland.


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#7
22.01.2014
20:04:51


(+9, 9 Votes)

Von ehemaligem User timpa354


Mein Herz schmerzt, so ein schöner junger Mann, furchtbar für die Familie. Er hätte viel mehr Unterstützung gebraucht. Danke Homohasser könnt ihr stolz drauf sein, sind solche Suizide doch auf euch zurück zuführen.


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#8
22.01.2014
20:11:06


(+5, 5 Votes)

Von small
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #1 von Marek


Was sagt den ESC Gewinner Sänger Ell dazu???


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#9
22.01.2014
20:17:22


(+7, 7 Votes)

Von UweBerlin
Aus Berlin
Mitglied seit 20.06.2010
Antwort zu Kommentar #1 von Marek


Sehr traurig.

RIP Isa. Und danke für den Kampf gegen die böden Vorurteile.


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#10
22.01.2014
21:10:40


(+7, 9 Votes)

Von -BC-


You had a dream...

Mögest Du den Frieden finden, den Du auf Erden nicht finden konntest! RIP!


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