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Eine neue Dauerausstellung im Schwulen Museum Berlin dokumentiert die Geschichte der Homosexualität seit 1790.

Von Tanja Reinsfelder

Pünktlich zum 19. Geburtstag des Schwulen Museums eröffnet am 6. Dezember 2004 um 19 Uhr die lange geplante Dauerausstellung zur Geschichte der Homosexuellen. Unter dem Titel "Selbstbewusstsein und Beharrlichkeit – 200 Jahre schwule Geschichte" bietet die Ausstellung, parallel zu den verschiedenen Wechselausstellungen, einen Überblick über die Geschichte der Homosexualität von 1790 bis 1990 in Deutschland mit dem Schwerpunkt Berlin.

Aus der Perspektive der Schwulen wird von den Möglichkeiten angesichts anhaltender Unterdrückung, Verfolgung und Bestrafung erzählt. Die Ausstellung geht immer wieder auf die zentrale Frage ein, wie die Beharrlichkeit und das Selbstbewusstsein der Homosexuellen entstand, die nötig waren, um Partner und Freunde zu finden und Netzwerke und Subkulturen aufzubauen, wie sie in den Metropolen Europas seit 1700 nachgewiesen werden können. So existierten in Paris, London, Amsterdam, Rom, Wien und Berlin solche Kreise mit eigenen Treffpunkten, Moden und Sprachregelungen.

Über einen Zeitraum von 50 Jahren entstanden aus diesen Netzwerken politisch motivierte Organisationen, die schließlich zur Gründung des Wissenschaftlich-humanitäten Komitees durch den Berliner Arzt Magnus Hirschfeld im Jahr 1897 führten. Es begann eine Kampagne öffentlicher Aufklärung, derem zentralen Höhepunkt im Berlin der Weimarer Republik sich die Ausstellung ausführlich widmet. Dokumentiert wird natürlich auch die Zerstörung schwuler und lesbischer Selbstorganisationen und der Subkultur, durch die Nazis ab 1933. Beispiele von individuellem Mut und Zusammenhalt auch in dieser Zeit werden neben der Flucht ins Ausland, politischer Aktivität gegen das Regime, Anpassung und Mitläufertum oder Verzicht auf privates Glück werden vorgestellt. Präsentiert wird ebenso die weltweite Aufbruchstimmung in den 60er Jahren, die eine Öffnung der Gesellschaft mit sich brachte. Die Flower-Power-Bewegung erzeugte neues kämpferisches Selbstverständnis, das seit 1970 eine vielfältige Ausprägung schwuler und lesbischer Freiheiten bewirkt hat.

Für die Dauerausstellung wurde mit dem Architekten Rainer Lendler eine offene Struktur entwickelt, die Veränderungen und Ergänzungen zulässt. So bleibt es möglich, die Darstellung regelmäßig zu aktualisieren und weitere Schwerpunkte auf die Entwicklung der schwulen Geschichte zu legen. Den biografischen Aspekt, ein Schwerpunkt der Arbeit des schwulen Museums, vermitteln immer wieder neue Lebensschicksale aus dem Zeitraum 1900 bis 1990. Auf einer Ausstellungsfläche von 230 Quadratmetern sind rund 800 Exponate zu sehen, die zum Großteil aus den Beständen des Schwulen Museums und aus Berliner Privatsammlungen stammen. Schirmherr des Projekts ist der Regierende Bürgermeister Berlins Klaus Wowereit, der die Ausstellung eröffnen wird. Finanzielle Unterstützung bekam das Museum durch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.

"Selbstbewusstsein und Beharrlichkeit – 200 Jahre schwule Geschichte" im Schwulen Museum, Mehringdamm 61, 10961 Berlin. Öffnungszeiten: täglich außer Di 14-18 Uhr, Sa 14-19 Uhr. Eintritt: € 5,00, ermäßigt € 3,00

29. November 2004