Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?20922

Der Oberste Gerichtshof enttäuscht Homo-Aktivisten schon zum zweiten Mal innerhalb von sechs Wochen (Bild: Wiki Commons / Legaleagle86 / CC-BY-SA-3.0)

Das auf britischem Kolonialrecht beruhende Verbot "geschlechtlicher Aktivitäten gegen die Natur" bleibt weiterhin Gesetz – die Höchstrichter lehnten einen Einspruch ab.

Der Oberste Gerichtshof Indiens hat am Dienstag das aus dem Jahr 1860 stammende Gesetz gegen gleichgeschlechtlichen Sex aufrecht erhalten, das Schwulen und Lesben zehn Jahre Haft androht. Mehrere Menschenrechts- und LGBT-Gruppen hatten Einspruch gegen das Verbot erhoben, das erst im Dezember 2013 von diesem Höchstgericht wieder eingeführt worden war (queer.de berichtete).

Die Richter haben damals entschieden, ein vorläufiges Urteil der Vorinstanz aus dem Jahr 2009 aufzuheben, das Homosexualität vorläufig legalisiert hatte (queer.de berichtete). Das führte zu weltweiter Empörung unter Menschenrechtsaktivisten. In der jetzigen Entscheidung lehnte der Gerichtshof eine Wiederaufnahme des Verfahrens kommentarlos ab.

Die Aktivisten hatten argumentiert, dass das 154 Jahre alte Verbot eine Verletzung der Grundrechte von Schwulen und Lesben sei. Besonders Homosexuelle, die sich in der Zeit der Legalität zwischen 2009 und 2013 geoutet hatten, müssten nun um ihre Freiheit fürchten.

Kritik von Aids-Aktivisten

Die Aids-Organisation NAZ Foundation erklärte in ihrem Einspruch: "Dieses Gericht hat nicht berücksichtigt, dass Paragraf 377 das Grundrecht auf Gesundheit von Männern, die Sex mit Männern haben, missachtet, denn die Kriminalisierung von gleichgeschlechtlicher Aktivität verhindert den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen, darunter auch den Zugang zur HIV-Prävention".

Auch innerhalb der Regierung hatte das imageschädigende Verbot Kritik ausgelöst. So forderten Justizminister Kapil Sibal und Sonia Gandhi, die Chefin der regierenden Kongresspartei, die Abgeordneten auf, Homosexualität rasch auf legislativem Wege zu legalisieren (queer.de berichtete). Allerdings halten Beobachter eine schnelle Mehrheit im Parlament für die Abschaffung des Homo-Verbots für unwahrscheinlich, da sich das Unterhaus derzeit durch Streit selbst lahmlegt und im Mai Neuwahlen stattfinden.

Volker Beck: Außenminister Steinmeier muss handeln

Der Grünenpolitiker Volker Beck forderte am Dienstagnachmittag von der deutschen Bundesregierung, auf die indische Regierung Einfluss zu nehmen: "Bundesaußenminister Steinmeier ist hier jetzt gefragt", sagte Beck. Er erklärte, das Verbot verstoße gegen den UN-Zivil-Pakt, dem auch Indien beigetreten ist.

Homosexualität ist in der indischen Gesellschaft ein Tabuthema, auch wenn es seit der zwischenzeitlichen Legalisierung 2009 vermehrt in den Medien behandelt wurde. Immer wieder haben hochrangige Politiker in der Regierung gegen Schwule und Lesben Stimmung gemacht. So erklärte etwa Gesundheitsminister Ghulam Nabi Azad im Jahr 2011, Homosexualität sei eine "westliche Krankheit" (queer.de berichtete). Insbesondere hinduistische, muslimische und christliche Aktivisten unterstützen das Verbot von gleichgeschlechtlichem Sex als Schutz vor "unmoralischem" Verhalten. (dk)



#1 LucaAnonym
#2 Timm JohannesAnonym
  • 28.01.2014, 15:51h
  • Dann hilft in Indien nur der Weg über das Parlament.

    Justizminister Sibal und Sonia Gandhi müssen dort parlamentarisch aktiv werden.

    Aber dort sind nun erstmal Neuwahlen und vor Herbst wird dort nichts mehr passieren, das steht zu vermuten.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 m123Anonym
  • 28.01.2014, 16:14h
  • Naja, nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs von Indien vom letzten Jahr, war abzusehen, dass das Gericht sein Urteil nicht überdenken wird. Offensichtlich ist eine Mehrheit der Richter in diesem Gericht sehr homophob.

    Jetzt ist tatsächlich die indische Regierung gefragt.

    Meine These ist, dass es irgendwann eine indische Regierung gibt, die die Kriminalisierung abschaffen wird. Ich denke aber auch, dass es lange dauern wird. Denn die indische Gesellschaft ist leider noch nicht so weit. Die indische Gesellschaft ist auch sehr frauenfeindlich. Frauen werden in Indien mal ebenso vergewaltigt und manchmal danach sogar getötet. Und man darf auch nicht das perverse Kastensystem in Indien vergessen. Das Kastensystem Indiens ist auch, wenig verwunderlich, aus der Religion entstanden. Ein weiteres Beispiel dafür weswegen Religion so gefährlich ist.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
#5 timpa354Ehemaliges Profil
  • 28.01.2014, 19:08h
  • Nun dann ist ja klar das Indien kein Land mehr sein kann mit dem westliche Industrien Geschäfte machen, schließlich gibt es immer mehr weibliche Führungskräfte. Indien als Vergewaltiger Land ist die eine Sache, jetzt auch noch die Homophobie, das gräbt Indien das Totengrab, die Industrien wandern weiter. Denn keine westliche Firma will seine Mitarbeiter in Gefahr bringen, weder weibliche noch männliche.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Harry1972Profil
  • 28.01.2014, 19:25hBad Oeynhausen
  • "Insbesondere hinduistische, muslimische und christliche Aktivisten unterstützen..."

    Die Religioten wieder...
  • Antworten » | Direktlink »
#7 f6e56fehAnonym
  • 28.01.2014, 20:06h
  • In Indien sind etwa 92 Prozent aller Arbeitnehmer nicht gewerkschaftlich organisiert.
    Die größte und älteste Sozialversicherung ist notgedrungen die Familie.
    Auf diesem Klavier des Existenzkampfes spielen die Religioten.

    brandeins spielt -mit und ohne Broder- gerne auf dem Klavier der "neuen Mittelschichten" Indiens. Wieviele sind das?
  • Antworten » | Direktlink »
#8 hypathiaProfil
#9 schitimmtAnonym
  • 29.01.2014, 00:55h
  • Antwort auf #7 von f6e56feh
  • "...auch wenn es seit der zwischenzeitlichen Legalisierung 2009 vermehrt in den Medien behandelt wurde..."

    Der Weltbildungsbericht der UNESCO 2012 zeigt, dass die Hälfte der Analphabeten in Süd- und Westasien leben, 37 Prozent aller erwachsenen Analphabeten weltweit leben in Indien.

    www.unesco.de/alphabetisierung.html

    Die wählen dann ohne Strom (TV, Radio, o.ä.) mit Fingerabdruck nach der Größe des Wahlgeschenkes oder dem Druck der sozialen Kontrolle.

    Fast zwei Drittel der Inder leben in kleinen Dörfern. Viele von ihnen müssen mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen.

    Vor allem die 234 Millionen indischen Bauern werden von den Parteien umgarnt. Wegen ihrer Masse sind sie wahlentscheidend. Und wegen ihrer großen wirtschaftlichen Not sind sie für Wahlgeschenke besonders empfänglich.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Carl WursterAnonym