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  • 28.01.2014           63      Teilen:   |

Recherchen des Magazins "Fakt"

MDR: CDU in Sachsen-Anhalt in Homo-"Heilung" verwickelt

Artikelbild
Angebote zur "Heilung" Homosexueller in Deutschland rücken einmal mehr in den Mittelpunkt

Führende Politiker sind an einem Verein beteiligt, der Seminare zum "psychischen Problem" Homosexualität anbietet. Linke beantragt Landtagsdebatte.

Von Norbert Blech

Skandal in Sachsen-Anhalt: Nach Recherchen des TV-Magazins "Fakt" sitzen führende Köpfe der Christdemokraten im Kuratorium eines Vereins, der Seminare anbietet, in denen Homosexualität als psychische Krankheit bezeichnet wird.

Der Verein "Gesellschaft für Lebensorientierung" wurde von dem früheren CDU-Landtagsabgeordneten Bernhard Ritter im Ort Bennungen im Landkreis Mansfeld-Südharz gegründet. Im Kuratorium sitzen der ehemalige Ministerpräsident des Landes und heutige Bundestagsabgeordnete Christoph Bergner und der aktuelle Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, André Schröder.

Laut dem MDR sagte Ritter in einem der Seminare, die Strukturen psychischer Erkrankungen seien ähnlich: "Ob Depression oder Homosexualität oder irgendetwas anderes, die haben ganz viele gleiche Gesetzmäßigkeiten". In einem Buch hatte Ritter 1998 geschrieben: "Wir sehen in jeder Form der Homosexualität eine Entwicklungsstörung. Deshalb halten wir den Rat, Homosexualität als eine normale Gegebenheit im Leben zu akzeptieren und entsprechend zu leben, für schädlich und verantwortungslos."

Der "Fakt"-Beitrag soll in dem Magazin am Dienstagabend um 21.45 Uhr in der ARD ausgestrahlt werden. Einem Vorabbericht ist nicht zu entnehmen, an wen sich die Seminare richten und was genau sie beinhalten. In einem Gastbeitrag für das Gemeindenetzwerk beschrieb Ritter 2011 allerdings die "Therapieformen" seines Vereines, die "Methoden zur objektiven Selbsterkenntnis und Methoden zur Behandlung des chronischen Selbstmitleides und der Minderwertigkeitskomplexe" umfassen.

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"Ausprügeln" von Homosexualität

Das 1992 erschiene Buch "Das Drama des Homosexuellen" ist bei amazon über Drittanbieter erhältlich, wie auch "Selbsttherapie von Homosexualität" vom gleichen Autor
Das 1992 erschiene Buch "Das Drama des Homosexuellen" ist bei amazon über Drittanbieter erhältlich, wie auch "Selbsttherapie von Homosexualität" vom gleichen Autor

Nach Angaben des MDR orientiert man sich in den Seminaren an dem niederländischen Psychologen Gerard J. M. van den Aardweg. Dieser sei "ein besonders homopher Therapeut, der extrem menschenfeindliche Ansichten und Therapiekonzepte vertritt", so Hartmut Rus von der Mission Aufklärung des LSVD zu queer.de. "Vor allem seine Bücher zur Selbstherapie sind meiner Meinung nach gefährlich für Betroffene."

Was Rus mit "menschenfeindlich" meint, wird einem schnell klar bei einem Blick in den Aardweg-Klassiker "Das Drama des gewöhnlichen Homosexuellen", den er in Zusammenarbeit mit dem berüchtigten Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft der Offensive Junger Christen bei einem deutschen Verlag publizierte. Als "Gegenmittel mit Sofortwirkung" werden etwa Methoden des "Ausschimpfens" und des "Durchprügelns" empfohlen.

Letzteres ist eine Art Anschreien mit Gewaltandrohung: "Los, hinunter mit der Flasche Blausäure, dann kannst du dich auf dem Boden wälzen, dann weißt du wenigstens, wieso du hier herumschreist", nennt er ein Beispiel. Ein anderes: "Ich habe große Lust, dich zum Fenster hinauszuwerfen, dort unten in die Dornenbüsche, und das tue ich jetzt auch! Hier bekommt du eins mit einem Rohr aus Blei über. Da hast du einen Fußtritt, dass du mitten durchbrichst."

Homosexualität ist für van den Aardweg eine "Krankheit aus Selbstmitleid", eine Neurose von Menschen mit einer "Doppelpersönlichkeit". "Homosexuelle Pädofilie ist in unserer Definition mit eingeschlossen", so der Therapeut.

CDU weist Kritik zurück

CDU-Fraktionschef André Schröder spielt das Thema herunter
CDU-Fraktionschef André Schröder spielt das Thema herunter

Der frühere Ministerpräsident Bergner sagte gegenüber "Fakt", man habe sich im Kuratorium nie mit den Thesen zur Homosexualität beschäftigt. Er persönlich habe die Ansicht, Homosexualität sei therapierbar, "immer für falsch gehalten". Bergner, der seit 2002 im Bundestag sitzt und bis zum Regierungswechsel Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium war, hatte im Bundestagswahlkampf 2009 für Schlagzeilen gesorgt, als er homosexuellen Jugendlichen eine "massive Persönlichkeitsstörung" unterstellt hatte (queer.de berichtete).

Fraktionschef Schröder sagte laut dem Magazin, bei der Arbeit des Vereins müsse man die Gesamtheit der Angebote berücksichtigen und sehen, "was man an Förderung des bürgerschaftlichen Engagements an der Vereinsarbeit selber vor Ort hat". Was er nicht wolle, sei die Reduzierung des Vereins "auf wenige kontroverse Thesen, wie sie einzelne Mitglieder vertreten".

Via Facebook ließ Schröder später mitteilen: "Wir sind dafür: Gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften tolerieren und die Ehe von Mann und Frau besonders schützen. Fakt ist, dass Homosexualität keine Krankheit ist!" Die Fraktion der Linken hat inzwischen eine Aktuelle Debatte im Landtag zum Thema "Öffentliche Auseinandersetzung zum Umgang mit Homophobie" beantragt, in der es neben Haltungen zum Bildungsplan in Baden-Württemberg auch um die Vorwürfe des MDR gehen soll.

Die Union hat immer wieder Probleme mit der Abgrenzung von Homo-"Heilern": Im letzten Jahr besuchte Angela Merkel im Wahlkampf einen evangelikalen Verband und gratulierte einem anderen, die beide in der Öffentlichkeit Therapien für Homosexualität bewerben. Im Bundestag stimmten zudem Union und FDP gegen einen Antrag der Grünen, die sogenannten "Konversionstherapien" bei Jugendlichen zu verbieten (queer.de berichtete). Die Offensive Junger Christen wird weiter durch das Land Hessen und den Bund mit Mitteln für ein Freiwilliges Soziales Jahr gefördert (queer.de berichtete).

 Update  20.35h: Weitere Details
Im Kuratorium sitzen zwei weitere CDU-Landtagsmitglieder: Der frühere Fraktionschef Jürgen Scharf und die Abgeordnete Marion Fischer. Im "wissenschaftlichen Beirat", definiert als Unterstützung in "speziellen Fragen", sitzen unter anderem der bereits erwähnte Therapeut Gerard van den Aardweg und Christa Meves, eine der bekanntesten Gegnerinnen von Homosexuellenrechten in Deutschland.

Nach Angaben der "Mitteldeutschen Zeitung" bietet Ritter zweimal im Jahr einen einwöchigen Kurs mit dem Titel "Schritte zur Freiheit aus zwanghaften Gefühlen" an, der sich nicht nur an Homosexuelle richte. Laut einem anonymen Teilnehmer komme das Thema immer wieder in den Vorträgen Ritters vor und sei für einen halben Tag Programmschwerpunkt.

 Update  29.1., 0.15h: Beitrag online
Video: Der "Fakt"-Beitrag in der ARD-Mediathek

 Update  11h: LSVD-Reaktion
"Die Auffassungen des von führenden CDU-Politikern aus Sachsen-Anhalt unterstützten Vereins sind unwissenschaftlich und werden von allen seriösen Fachwissenschaftlern abgelehnt", kritisiert Martin Pfarr vom LSVD in Sachsen-Anhalt in einer Pressemitteilung. "In diesem Zusammenhang ist zu klären, ob der Verein LEO e.V. noch länger Mitglied des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und des Paritätischen Bildungswerkes sowie anerkannter freier Träger der Jugendhilfe sein kann."

Die Distanzierung von CDU-Mitgliedern von dem Verein wirkten "unglaubwürdig", so Pfarr, so lange diese ihm noch angehörten. "Glaubwürdig würde eine Distanzierung von den Ansichten und Praktiken des Vereins nicht nur mit einem Austritt aus diesem sondern auch mit einer Zustimmung der CDU zum Aktionsplan für Vielfalt und gegen Homo- und Transphobie, der sich auf Initiative des Lesben- und Schwulenpolitischen Runden Tisches derzeit in den Beratungen des Landtags befindet."

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Tags: sachsen-anhalt, cdu, christoph bergner, homo-heilung
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Reaktionen zu "MDR: CDU in Sachsen-Anhalt in Homo-"Heilung" verwickelt"


 63 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
28.01.2014
17:54:30


(+13, 15 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Warum wundert mich das jetzt nicht ?

Weil die CDU eine in sich Homo-hassende Partei ist..

Es wäre interessant was denn der LSU-Vorsitzende zu solchen "Aktivitäten" seiner "Partei-Freunde" zu sagen hat..


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#2
28.01.2014
18:00:25
Via Handy


(+12, 14 Votes)

Von LedErich
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Allmählich bekomme ich wirklich Angst. Nur 10% der Bevölkerung genügen, um uns homosexuelle zu überstimmen und ins Mittelalter zurück zu beamen. Dazu kommt noch, das von uns 5-10% ein beachtlicher Teil unpolitisch, oder Gefahren durch Kirchen und Konservative relativierend verharmlosend betrachtet. Das macht wirklich Angst.


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#3
28.01.2014
18:02:44


(+10, 16 Votes)

Von Allianzen


"Die Offensive Junger Christen wird weiter durch das Land Hessen und den Bund mit Mitteln für ein Freiwilliges Soziales Jahr gefördert"

Link:
tinyurl.com/nvc36t4


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#4
28.01.2014
18:04:51


(-12, 16 Votes)

Von Timm Johannes


"Die Union hat immer wieder Probleme mit der Abgrenzung von Homo-"Heilern": Im letzten Jahr besuchte [3] Angela Merkel im Wahlkampf einen evangelikalen Verband und gratulierte [4] einem anderen, die beide in der Öffentlichkeit Therapien für Homosexualität bewerben."

--> Das stimmt zwar auf der einen Seite, auf der anderen Seite hat die CDU-geführte Bundesregierung 2008 selbst auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag klipp und klar geschrieben:

Die CDU-geführte Bundesregierung "vertrete weder die Auffassung, dass Homosexualität einer Therapie bedürfe noch dass sie einer Therapie zugänglich sei. Seit über 20 Jahren würde Homosexualität in der Fachwelt nicht mehr als Erkrankung angesehen und sei daher 1992 aus der ICD-Klassifikation gestrichen worden. Die Fachwelt lehne die vor allem in den 60er und 70er Jahren häufig angebotenen so genannten Konversions- oder Reparations-Therapien heute weitestgehend ab, da nach neuere(n) wissenschaftliche(n) Untersuchungen bei der Mehrzahl der so Therapierten negative und schädliche Effekte (z. B. Ängste, soziale Isolation, Depressionen bis hin zu Suizidalität) aufgetreten, die Aussichten auf Heilung jedoch enttäuscht worden seien. Dagegen sei für affirmative Therapien ein Nutzen nachgewiesen worden. "

Zu Merkes Gunsten nehme ich an, dass Sie überhaupt nicht wußte, was dort der entsprechende Verein an gefährlichen Ansichten vertritt; obgleich Sie hätte es wissen müssen.

--------------

Übrigens hat der Weltärztebund, zu dem auch die Deutsche Bundesärztekammer gehört, im Oktober 2013 auf der 64. Generalversammlung in Brasilien beschlossen, dass Homosexualität keine Krankheit sei und daher auch nicht einer Therapie bedarf.

*
Link zu www.bundesaerztekammer.de
Bundesärztekammer:Homosexualität ist keine Krankheit


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#5
28.01.2014
18:08:38


(+7, 9 Votes)

Von ehemaligem User Robby


Das ist wirklich zum Kotzen! Den Mitgliedern diesen homphoben Vereins sollte wirklich eine solche 'Therapie' zwangsverpasst werden! Ich denke, erst DANN würden sie begreifen, was sie anderen Menschen antun, wenn sie es am eigenen Leib und an der eigenen Seele erleiden müßten. -
Und dass da etliche von der CDU bei diesem Hass-Verein dabei sind, ist wirklich kein Wunder. Für Homophobie war die CDU/CSU ja immer schon bekannt. Das ist leider nicht neu und wird sich wahrscheinlich auch nicht mehr ändern. Da müßte schon ein Wunder passieren.


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#6
28.01.2014
18:15:56


(+8, 10 Votes)

Von ehemaligem User Robby
Antwort zu Kommentar #2 von LedErich


Allerdings. Und wenn wir nicht schnell handeln, dann wird es in Deutschland so besch... werden, wie in Russland. Deshalb müssen wir für unsere Rechte kämpfen! Je mehr an Protesten, Demonstrationen usw. teilnehmen - und je mehr offen zu ihrer Homosexualität stehen, desto bessser. Je mehr wir sind, desto mehr können wir auch erreichen.
Ich denke, es ist allmählich Zeit für ein zweites 'Stonewall'.


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#7
28.01.2014
18:16:34


(+17, 17 Votes)

Von ehemaligem User Smiley


Was für eine Zuhälter- und Nazisprache.

>Flasche Blausäure [..] mit einem Rohr aus Blei über<

>frühere Ministerpräsident Bergner [..] im Bundestag sitzt und bis zum Regierungswechsel Parlamentarischer Staatssekretär [..] homosexuellen Jugendlichen eine "massive Persönlichkeitsstörung" unterstellt<

Ich bin kein gewalttätiger Mensch, aber manchmal habe ich einfach das Bedürfnis solchen Figuren die Zähne so tief in die Visage zu prügeln daß sie ihr nächstes Müsli mit dem Arsch abbeißen können.

Nationalsozialistische Deutsche Christpseudodemokratische Union. LSU? Lügenprediger und Speichellecker in jener Union.


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#8
28.01.2014
18:21:31
Via Handy


(+12, 14 Votes)

Von daVinci6667
Profil nur für angemeldete User sichtbar


"Als "Gegenmittel mit Sofort­wirkung" werden etwa Methoden des "Ausschimpfens" und des "Durchprügelns" empfohlen.

Das hilft gegen Homosexuelle tatsächlich! Viele derart Gemobbte nehmen sich früher oder später das Leben.

Die Unionspolitiker sind insgeheim also für solche Methoden und daher gegen moderne Bildungspläne. Sie sagen es natürlich nicht so, aber sie hätten nichts gegen unsere Auslöschung.

Sie werden uns durchprügeln lassen, falls sie dazu einmal politisch in der Lage wären es durchzusetzen. Mit solchen Faschos sitzt die SPD in der Regierung.

Ich hoffe es werden einige von den Unionsanhängern und Schlafmützen jetzt endlich wach!


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#9
28.01.2014
18:23:12


(+13, 15 Votes)

Von sperling


bitte kommentiert auch auf der webseite des mdr. da werden sich sicher ruckzuck wieder die gesundbeter tummeln und ihre lügen verbreiten.

Link zu www.mdr.de

(es geht ohne anmeldung.)


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#10
28.01.2014
18:23:41
Via Handy


(+12, 14 Votes)

Von LedErich
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #6 von Robby


Ja Robby, und es wird Zeit, unsere Familien und Freunde, gerade auch die heterosexuellen, aufzufordern, uns dabei aktiv zu unterstützen, beim CSD mal mit Transparenten dabei zu sein...


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