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  • 29.01.2014           7      Teilen:   |

"Der Sieger von Sotschi"

Ein schwules Paar gewinnt Gold und Bronze

Artikelbild
Ausschnitt aus dem Cover: Die beiden schwulen Spitzensportler Fabian und Florian werden von Russlands LGBT-Community gefeiert - und natürlich nach dem Gesetz gegen Homo-"Propaganda" verurteilt...

Pflichtlektüre für Putin: Mit "Der Sieger von Sotschi" hat Roland Brodbeck einen "olympischen Roman" veröffentlicht, in dessen Mittelpunkt drei homosexuelle Alpin-Spitzensportler stehen.

Von Angelo Algieri

"Russian Trampoline", "Bears Brow", "Lake Jump" und "Deer Jump" sind die Super-Sprünge der alpinen Abfahrtstrecke Rosa Khutor im Kaukasus. Eine anspruchsvolle Anlage, wo olympische Träume bei den Winterspielen in Sotschi 2014 wahr werden sollen, etwa in der Disziplin Super-G. Wird ein Schwuler auf dieser Piste eine Goldmedaille gewinnen? Wird er eine Regenbogenfahne schwenken? Oder gar in geballter Faust Regenbogenhandschuhe tragen, ähnlich wie die Black-Power-Geste der Schwarzen Tommie Smith und James Carlos 1968 bei der Sommerolympiade in Mexiko-Stadt, als sie gegen Rassendiskriminierung protestierten? Wird ein Olympionik sich trauen, seinen Partner öffentlich zu küssen? Wie werden russische Führung, Neonazis und orthodoxe Kirche reagieren? Gar Terroristen?

Mit solchen Szenarien beschäftigt sich der Schweizer Autor Roland Brodbeck in seinem "olympischen Roman", wie es im Untertitel heißt, "Der Sieger von Sotschi". Sein Zweitling ist pünktlich zu den Winterspielen im Berliner Querverlag erschienen. Autor Brodbeck, Jahrgang 1966, hatte sich bereits mit seinem Debütroman an ein Tabuthema gewagt: In "Plötzlich Royal" krönte er den ersten offen schwulen König von Großbritannien (queer.de rezensierte). Der promovierte Physiker ist zudem als Wissenschaftsjournalist tätig.

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Die Winterspiele beginnen mit einem Zwangsouting

Autor Roland Brodbeck, Jahrgang 1966, wagt sich nach seinem Debütroman "Plötzlich Royal" von 2012 erneut an ein Tabuthema - Quelle: Querverlag/BWZ-Rapperswil
Autor Roland Brodbeck, Jahrgang 1966, wagt sich nach seinem Debütroman "Plötzlich Royal" von 2012 erneut an ein Tabuthema (Bild: Querverlag/BWZ-Rapperswil)

Doch nun zum brisanten Plot: Für die jungen Protagonisten und Alpin-Spitzensportler Fabian (Schweizer, 22 Jahre), Florian (Deutscher, 20 Jahre) und Justin (Liechtensteiner, 19 Jahre) geht ein Traum in Erfüllung. Sie sind bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi dabei. Fabian freut sich auch aus einem anderen Grund: Er glaubte noch bis vor kurzem, der einzige Schwule in dieser Sportart zu sein, bis ihn Florian in seinem Sportwagen zu einem Weltcup-Austragungsort mitnahm und Tacheles redete. In einer Klo-Kabine einer Raststätte küssten sie sich; merkten aber nicht, dass sie dabei fotografiert wurden.

Anderthalb Wochen später, als die Mannschaften nach Sotschi fliegen, veröffentlicht das Schweizer Boulevardblatt "Blitz" das Bild mit dem Kuss der beiden Sportler. Ein Outing. Ein Schweizer Funktionär ist verärgert und ermahnt Fabian, sich in Russland ordnungsgemäß und apolitisch zu verhalten. Zu Fabians großer Überraschung gesteht ihm sein bester Freund Justin, ebenfalls schwul zu sein. Mit Vanessa hat er jedoch eine Alibifreundin.

Natürlich ruft die Outing-Nachricht in Sotschi die Boulevard-Journalisten auf den Plan: Nach Hitzlsperger (und hier ist der Roman ziemlich aktuell!) nun zwei Schwule im "männlich" geltenden alpinen Skisport – was für eine Sensation! Doch die Jungs werden von der Presse abgeschirmt. Die erste alpine Disziplin steht an und Fabian gewinnt überraschend vor dem Favoriten und Russen David Koslow. Dritter wird sein Lover Florian. Das erste Schwulenpaar, das olympische Edelmetalle holt. Ein Schlag ins Gesicht für Putin, der beiden zu ihren Medaillen gratulieren muss. Zudem machen die beiden Sportler in einem Interview keinen Hehl daraus, schwul zu sein.

Ein Komplott gegen die schwulen Sportler

Das hat Konsequenzen: Nachdem Fabian auch in der Alpin-Kombination Erster wird, bringen Fake-Polizisten ihn und den Zweitplatzierten nach Zieleinlauf weg – mit Verweis auf Terrorgefahr. Sie merken zwar bald den Betrug, doch die Dopingkontrolle kennt keine Gnade. Ihre Urinproben können sie nur zu spät abgeben. Das heißt: Fabian und der Zweitplatzierte werden disqualifiziert. Der bisherige Drittplatzierte Koslow wird zum Olympiasieger der Alpin-Kombination erklärt.

Wer steckt hinter diesem Komplott? Der homophobe Koslow? Die Stimmung heizt sich auf in Sotschi. Da Fabian und Florian nun auch in der LGBT-Szene Russlands Vorbilder sind, werden sie vom Guide Stas in ein gayfriendly Café eingeladen. Dort treffen sie auf begeisterte Schwule und Lesben. Doch schon bald kommen Neonazi-Schläger und unsere Helden müssen fliehen. Ihr Besuch hat ein Nachspiel: Ein russisches Gericht verurteilt sie nach dem Gesetz gegen Homo-"Propaganda", da ein 17-Jähriger aussagt, "widerliches Zeug über nicht traditionelle Sexualpraktiken" gehört zu haben.

Die Situation verschlimmert sich: Im nächsten Lauf werden Fabian und Florian am Streckenrand von Neonazis mit Eisbällen beworfen. Was nun? Vorzeitig nach Hause fahren? Doch das letzte Rennen steht noch aus – kann es überhaupt bei milder Witterung stattfinden? Und dann überfallen islamistische Terroristen auch noch das Alpin-Zentrum. Wird die waghalsige Befreiungsaktion gelingen?

Ein spannender Roman mit viel Action und Gay-Pride

Brodbecks Roman "Der Sieger von Sotschi" ist im schwul-lesbischen Berliner Querverlag erschienen
Brodbecks Roman "Der Sieger von Sotschi" ist im schwul-lesbischen Berliner Querverlag erschienen

Autor Brodbeck hat einen sehr spannenden und dramaturgisch gut austarierten Roman geschrieben – mit viel Action und Gay-Pride. Auch die olympische Atmosphäre hat er bewegend eingefangen. Gänsehaut garantiert – allen voran, als Fabian die Goldmedaille gewinnt. Zudem erweist sich die kameranahe Dritte-Person-Perspektive, die von einem zum anderen Protagonisten wechselt, als erfrischender Plot-Treiber.

Leider überzeugen einige Details in der Handlung nicht. So sind einige Dialoge etwas gestelzt und erinnern zu sehr an LSVD-Broschüren. Auch einige Charakterisierungen sind zu konstruiert: Etwa Stas, der schwule Guide, der dem Kadyrow-Clan angehört, dessen Oberhaupt von Putins Gnaden in Tschetschenien regiert. Definitiv zu viel an thematischem Sprengstoff. Zusätzlich hat Stas zu allen Fragen eine Antwort oder Hinweis parat – unglaubwürdig.

Außerdem verwunderlich: keine Sexszenen. Anders als in Brodbecks Debüt. Trotz eines schwulen Paares und einer anbahnenden Liebesgeschichte zwischen Justin und Stas. Soll etwa ohne "schmuddelige" Sexszenen eine größere, eher konservative Leserschicht erschlossen werden? Muss der gut-bürgerliche, brave Homo bedient werden, um Akzeptanz zu erreichen?

Der Traum vom schwulen Gold in einer "harten Disziplin"

Dennoch: Roland Brodbeck verbindet in seinem Unterhaltungsroman "Der Sieger von Sotschi" gekonnt ein best- und ein worst-case-Szenario. Welche Sportfan-Schwuppe träumt nicht davon, dass ein offen Schwuler Olympiasieger etwa im Riesenslalom wird? In einer sogenannten harten Disziplin? Genau diesen Traum malt Brodbeck konsequent und teils überspitzt aus. Er verleugnet nicht die andere Seite der olympischen Medaille: die eklatante Homophobie im Gastgeberland Russland sowie die Widerstände innerhalb der Mannschaft, bei IOC-Funktionären als auch Sponsoren.

Bleibt die Frage, ob Putin und die russischen Behörden sich wirklich so ungeniert verhalten würden wie im Roman. Vermutlich dürfte der gewiefte Präsident in der Realität kalkulierter und subversiver vorgehen – siehe etwa die Chodorkowski- und Pussy-Riot-Freilassungen sowie die absurde Änderung des Homo-"Propaganda"-Gesetzes kurz vor den Spielen. Nebelkerzen für die Weltöffentlichkeit!

Dass es sich um ein zweifellos wichtiges Buch handelt, zeigt sich am ergreifenden Ende mit einer Rede von Fabian, die an jene in Charlie Chaplins Film "Der große Diktator" erinnert – und ihr in nichts nachsteht!

Fabian appelliert u.a.: "Das Eintreten für die eigene Hautfarbe oder sexuelle Orientierung ist keine politische Propaganda. Es geht um unsere Menschenwürde, unser grundlegendes Recht, bei ausreichender sportlicher Qualifikation an den internationalen Wettkämpfen teilzunehmen und unser Leben so zu leben, wie Florian und ich eben sind, ohne Angst vor Sanktionen und Anfeindungen."

  Infos zum Buch
Roland Brodbeck: Der Sieger von Sotschi. Ein olympischer Roman. 352 Seiten. Broschiert. Querverlag. Berlin 2014. 14,90 €. ISBN 978-3-89656-219-7
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Reaktionen zu "Ein schwules Paar gewinnt Gold und Bronze"


 7 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
29.01.2014
11:35:14


(-3, 3 Votes)

Von m123


Hört sich ziemlich unrealistisch an. Vor allem das hier:

"In einer Klo-Kabine einer Raststätte küssten sie sich; merkten aber nicht, dass sie dabei fotografiert wurden."

Klischeehafter und unrealistischer ging es wohl nicht? Welcher schwule Mann würde einem anderen Mann durch einen Kuss in der Klokabine einer Raststätte (was für ein romantischer Ort), das erste Mal seine Liebe gestehen? Niemand. Von Paparazzis bis in die Klokabine verfolgt? Als Sportler? Never! Selbst Kate Middleton wird nicht bis in die Klokabine verfolgt...

Außerdem ist es extrem unwahrscheinlich, dass bei olympischen Spielen zwei Skifahrer schwul, ein Paar und auf dem Siegerpodium sind.

Die Story wirkt künstlich, hastig zusammengebastelt und die Tatsache, dass es kurz vor den Olympischen Winterspielen veröffentlicht wird, wirkt so als geht es dem Autor nur darum aus der Thematik möglichst viel Profit mit dem Verkauf eines solchen Buches zu machen. Und letzteres ist wohl das Schlimmste an diesem "Werk".


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#2
29.01.2014
11:58:00
Via Handy


(+3, 3 Votes)

Von Fran
Antwort zu Kommentar #1 von m123


Natürlich ist das nicht völlig realistisch, das ist ein Roman.
In fiktiven Bücher passiert immer in kürzerer Zeit was als im richtigen Leben, sonst wären Bücher und Filme schnell langweilig.


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#3
29.01.2014
12:38:18


(-3, 3 Votes)

Von m123
Antwort zu Kommentar #2 von Fran


Aber zumindest die Klischeehaftigkeit verstärkt doch wieder Vorurteile gegenüber Schwulen. Und das ist gefährlich.


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#4
29.01.2014
13:49:57


(+2, 2 Votes)

Von Reto77
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Zum Buch kann ich mich nicht äußern. Im Gegensatz zu m123 könnte ich das erst, wenn ich es selbst gelesen habe. Der Kommentar von m123 scheint mir wie die Suche nach dem homophoben Haar in der Suppe. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass sich der Autor nun eine Villa auf Malle leisten könnte. Wer das große Geld mit Büchern verdienen will, muss leider schwule Charaktere meiden. Warum wohl hat Joanne K. Rowling erst an einer Lesung erwähnt, dass ihre Figur Albus Dumbledore schwul ist? In den Harry-Potter-Romanen selbst gibt es keinen einzigen unmissverständlichen Hinweis auf seine sexuelle Orientierung.


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#5
30.01.2014
01:19:22


(-1, 1 Vote)

Von m123
Antwort zu Kommentar #2 von Fran


Aber wenn es doch Kritik an Russland und dem Umgang mit Homosexuellen gehen soll, dann ist es definitiv schlecht, wenn man dann das Klischee vom im Klo umtriebigen Schwulen dafür herauskramt.


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#6
30.01.2014
08:47:25


(0, 0 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Und nach dem Sport:

Link zu www.ksta.de

Tusch!


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#7
25.02.2014
21:00:38


(0, 0 Vote)

Von Fabi


Ich finde das Buch richtig gut. Es ist zwar zum Teil ziemlich unrealistisch und der hintere Teil erinnert eher an einen James Bond Film als an einen schwulen Roman, trotzdem kann ich das Buch nur weiter empfehlen, auch wenn die Olympischen Spiele schon rum sind und komplett anders verlaufen sind. Dem Autor gelingt es sehr gut die Lage Russischer LGBT darzustellen, eine schöne Liebesgeschichte ist auch mit dabei. Außerdem ist das Buch detailreich verfasst.


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