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  • 31.01.2014           64      Teilen:   |

Landtagsdebatte in Sachsen-Anhalt

CDU-Fraktionschef kritisiert Aktivisten "mit Schaum vor dem Mund"

Artikelbild
Der christdemokratische Fraktionschef André Schröder findet, dass ein Verein, der Backkurse anbietet, nicht homophob sein kann

Nachdem sich CDU-Politiker in Sachsen-Anhalt bei Homo-Heilern engagiert hatten, erreicht das Thema auch den Landtag: Hier sehen sich die Christdemokraten offenbar in der Opferrolle.

Von Dennis Klein

Erst vor wenigen Tagen ist bekannt geworden, dass führende CDU-Politiker im Verein "Gesellschaft für Lebensorientierung" (LEO e.V.) beteiligt sind, der Homosexualität als "psychisches Problem" ansieht, das geheilt werden muss (queer.de berichtete). Der Verein war vom früheren CDU-Landtagsabgeordneten Bernhard Ritter im Landkreis Mansfeld-Südharz gegründet worden. Im Kuratorium sitzt unter anderem Christoph Bergner, der ehemalige Ministerpräsident des Landes und heutige Bundestagsabgeordnete, der in der Vergangenheit Schwule bereits als "gestört" bezeichnet hatte (queer.de berichtete).

Die Linksfraktion beantragte eine Aktuelle Debatte, um "die Position der im Landtag von Sachsen-Anhalt vertretenen Parteien im Umgang mit Homophobie" herauszufinden. Vor der Magdeburger Johanniskirche, wo während des Landtag-Umbaus Sitzungen stattfinden, versammelten sich unterdessen auch LGBT-Aktivisten, um für die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben zu demonstrieren.

Der Landtag nahm sich 90 Minuten für das Thema Zeit. Oppositionsführer Wulf Gallert von der Linksfraktion warnte gleich zu Beginn der Rede davor, das Thema Homophobie als kleines Problem einiger weniger zu verharmlosen: "Jede Form der Diskriminierung in der Gesellschaft bestimmt den Charakter der ganzen Gesellschaft", erklärte Gallert, "denn niemand ist in einer diskriminierenden Gesellschaft frei – egal ob er diskriminiert ist oder selber diskriminiert". Der ausgebildete Lehrer kritisierte daraufhin die "massive Unterstützung einer ganzen Reihe hochrangiger CDU-Funktionäre" für einen Verein, dessen zentrale Botschaft es ist, dass Homosexuelle krank sind. Er lobte die Christdemokraten zwar für ihre "Modernisierungsdebatte", bemängelte aber auch, dass man trotz aller Fortschritte noch nicht auf homophobe Wähler verzichten will.

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André Schröder: "Homophobie kennt kein Parteibuch"

Vor der Johanniskirche versammelten sich auch LGBT-Aktivisten zum Protest – Schaum vor dem Mund ist nicht zu erkennen - Quelle: CSD Magdeburg
Vor der Johanniskirche versammelten sich auch LGBT-Aktivisten zum Protest – Schaum vor dem Mund ist nicht zu erkennen (Bild: CSD Magdeburg)

Nach einem unverbindlichen Referat von SPD-Sozialminister Norbert Bischoff nahm CDU-Fraktionschef André Schröder Stellung. Er hatte sich nach heftiger Kritik aus dem Kuratorium des Homoheiler-Vereins zurückgezogen. Die Aufregung verstehe er aber nicht, erklärte er in seiner Rede: "Homophobie kennt kein Parteibuch", diesen Satz wiederholte Schröder gefühlte eintausend Mal. Er warf Kritikern vor, der CDU Homophobie zu unterstellen, während die missverstandene Partei doch bloß die (heterosexuelle) Ehe und Familie schützen wolle. Außerdem gebe es doch Menschen, die ihre sexuelle Orientierung "nicht als Bereicherung" empfinden.

In seiner Rede stilisierte Schröder seine Partei zum Opfer einer gemeinen Kampagne von Homo-Aktivisten, die parteipolitische Interessen hätten. Er beklagte "schrille Töne" gegen die CDU aus sozialen Netzwerken und sagte in Richtung der Aktivisten und der Opposition: "Wer Toleranz zu Recht einfordert, sollte nicht mit Schaum vor dem Mund reden". Während einer Fragerunde nach seiner Rede nutzte er sogar das Wort "Gesinnungsterror".

Als Beweis für die Homo-Freundlichkeit der CDU führte Schröder den Koalitionsvertrag im Bund an und die Existenz der Schwulen und Lesben in der Union (LSU): "Es mag das Feindbild einzelner zerstören, aber die Union ist längst eine bunte Volkspartei", so Schröder ohne einen Hauch von Ironie. Auch sein Einsatz für die Homo-Heiler von LEO e.V. sei nicht anrüchig gewesen, immerhin sei dieser Verein in seinem Wahlkreis tätig und biete auch "Backkurse" an, die ja nicht homophob sein könnten.

Dann ging er zum Angriff über: Wenn nun die Linkspartei der Union Homophobie vorwerfe, habe sie ein "taktisches Verhältnis zur Wahrheit". Als Beispiel nannte er eine homophobe Wahlkampfwerbung des schleswig-holsteinischen Parteikandidaten Volker Lindenau im Jahr 2009 (queer.de berichtete). Was er nicht erwähnte: Die Linke hat den Homo-Hasser schnell aus der Partei entfernt, während in der CDU bislang noch niemand wegen homophober Äußerungen geschasst wurde – ganz im Gegenteil, Christoph Bergner durfte nach seiner Schwule-sind-gestört-Äußerung Staatssekretär im Innenministerium bleiben. Laut Schröder sei Bergner aber ohnehin nur missverstanden worden und eigentlich ein äußerst homofreundlicher Mensch.

Grüne: CDU lachte gestern über Frauen, heute über Homosexuelle

Die Grünen-Politikerin Cornelia Lüddemann wurde von CDU-Abgeordneten ausgelacht
Die Grünen-Politikerin Cornelia Lüddemann wurde von CDU-Abgeordneten ausgelacht

Nach Schröder ergriff Cornelia Lüddemann von den Grünen das Wort. "Ich hab's immer noch nicht verstanden", fragte sie etwas verwirrt in Richtung des CDU-Fraktionschefs. Warum gebe es denn eine Ehe erster Klasse für Heterosexuelle und eine zweiter Klasse für Homosexuelle? Die Antwort gab sie selbst: "Weil Ihre Werte einfach nicht die unseren sind", so Lüddemann resignierend. "Ich bin traurig und ich schäme mich, dass ich diesem Tiefpunkt beiwohnen muss". Nachdem sich christdemokratische Abgeordnete lachend über die Rede der Grünen lustig gemacht haben, schloss sie mit den Worten: "Vor 50 Jahren haben sie auch darüber gelacht, dass Frauen eigenständig ein Konto eröffnen können."

Als letzte Rednerin trat die SPD-Abgeordnete Katrin Budde ans Pult. Um den Koalitionspartner nicht zu sehr anzugehen, kritisierte sie zuerst den IOC und lobte dann das Coming-out von Thomas Hitzlsperger. Am Ende gab es doch ein paar Seitenhiebe: Die Ablehnung der CDU, wie im baden-württembergischen Bildungsplan vorgeschlagen auch sexuelle Vielfalt zu behandeln, kommentierte sie lakonisch: "Das wär mir was ganz Neues, dass man im Unterricht nicht über Minderheiten reden darf". Es sei aber nun mal so, dass die Sozialdemokratie "ein ganz anderes Familienbild" habe als die CDU. "Ich finde das aber nicht schlimm", erklärte Budde, so könne man den Partner aufklären. Bildung ist also scheinbar nicht nur in der Schule notwendig.

 Update  14:05 Uhr: Reaktion des CSD Magdeburg
Die CSD-Organisatoren aus der sachsen-anhaltinischen Hauptstadt zeigten sich enttäuscht von der Reaktion des CDU-Fraktionschefs André Schröder: "Es ist erschütternd und frustrierend zugleich. Die CDU im Landtag hebt Töpfer- und Backkurse des 'Homoheiler-Vereins' LEO e.V. in Sachsen-Anhalt lobend hervor und legt einen Schutzmantel über die Praktiken des Vereinsvorsitzenden Bernhard Ritter", so CSD-Sprecher Mathias Fangohr in einer ersten Reaktion. Die Partei verkenne damit, "dass sich die menschenverachtende Gesinnung durch alle Aktivitäten des Vereins zieht". Damit trage die CDU dazu bei, dass sich die Lebenssituation von Homo- Bi-, Trans- und Intersexuellen nicht verbessert.

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Tags: sachsen-anhalt, cdu, christoph bergner, homo-heilung, andre schröder
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Reaktionen zu "CDU-Fraktionschef kritisiert Aktivisten "mit Schaum vor dem Mund""


 64 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
31.01.2014
12:28:11


(+12, 12 Votes)

Von stromboli
Aus berlin (Berlin)
Mitglied seit 01.05.2008


kicher.. das ist doch mal die umkehr aller dinge..
wenn wer schaum vorm maul bekommt, dann doch solche (aus)gewählten dummbacken beim "denken" an gleichgeschlechtliches stöhnen.

Aber die haben die lektion gelernt die wir seinerzeits lernten: nimm die diskriminierung auf und wende sie gegen deinen feind...

diese lektion sollten wir uns nicht aus der hand nehmen lassen, sonst besetzen die wirklich noch die "opferrolle".
Wischt dem armseligen arschloch den schaum vom maul!


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#2
31.01.2014
12:40:17


(+7, 9 Votes)

Von Roman Bolliger


Wie ich schon am 28.01. zum Thema kommentierte (Kommentar 17,
Link zu www.queer.de
) macht die CDU krank. Sie definiert als Partei der Arroganz, in Abweichung von der WHO, Homosexualität als Krankheit.

Arrogant verhält sich entsprechend der CDU-Fraktionschef mit seinem Kommentar, dessen Sprachwahl im besten Fall sein Unwissen und im schlechtesten Fall seine Boshaftigkeit verraten.

Wenn er sagt, "außerdem gebe es doch Menschen, die ihre sexuelle Orientierung "nicht als Bereicherung" empfinden", so spricht das Bände. Herr Schröder zeigt im Namen der CDU profundes Unverständnis für den Fakt der sexuellen Orientierung. Seine Diktion entlarvt, dass er sexuelle Orientierung als künstliches und minderes Accessoire, als eine Art mindestens zu belächelnde Freizeitbeschäftigung, konzipiert, unnötigerweise aufgepfropft auf die naturgegebene und deshalb wertvollere Heterosexualität.

Solche Wertvorstellungen und Konzepte von wertvolleren und weniger wertvollen Lebensweisen sind grundlegende Elemente völkisch-arischer Selbstverständnisse.


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#3
31.01.2014
12:44:25
Via Handy


(+8, 8 Votes)

Von kribbln
Aus Berlin
Mitglied seit 20.12.2013


Nicht homophober als andere Parteien?

Was heißt denn das?

Bisschen Homophobie schadet nie? Oder wie?


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#4
31.01.2014
12:47:46


(+9, 11 Votes)

Von Felix


Es war immer schon charakterisierend für totalitäres Gedankengut, dass sich Täter gerne als Opfer inszenieren...


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#5
31.01.2014
12:51:04


(+10, 12 Votes)

Von Yannick


Wenn die CDU Gehirnwäsche-Therapien toleriert und sogar unterstützt, die (wissenschaftlich erwiesen) nicht nur nichts an der sexuellen Orientierung ändern können, sondern sogar schwerste psychische Schäden verursachen und bis zum Selbstmord führen können, ist das schon schlimm genug. Aber dann auch noch Kritik daran ins Lächerliche zu ziehen und die Kritiker mundtot machen zu wollen, ist zutiefst undemokratisch.


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#6
31.01.2014
12:52:04


(+11, 13 Votes)

Von Finn


Vor allem ist das nicht irgendein Hinterbänkler, sondern ein Fraktionschef der CDU...

Aber dass der Homohass bei der CDU bis in die höchsten Kreise geht, sehen wir ja auch bei Angela Merkel & Co.


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#7
31.01.2014
12:53:28


(+11, 13 Votes)

Von Sebi


Ganz ehrlich: wer die noch wählt oder da sogar noch Mitglied ist, muss schon so viel Selbsthass haben, dass es an eine psychische Störung grenzt. Diesen Leuten ist echt nicht mehr zu helfen.

Die CDU wird sich niemals ändern!! Das wird immer der politische Arm der katholischen Kirche bleiben...


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#8
31.01.2014
12:53:53


(+11, 13 Votes)

Von Julian S


Was will man von Rechtspopulisten schon erwarten?!


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#9
31.01.2014
12:55:36


(+14, 16 Votes)

Von ehemaligem User Smiley


>Beweis für die Homo-Freundlichkeit der CDU [..] Schwulen und Lesben in der Union (LSU)<

LSU: Alibi-Schwuchteln.

>Einsatz für die Homo-Heiler von LEO e.V. sei nicht anrüchig gewesen, immerhin sei dieser Verein in seinem Wahlkreis tätig und biete auch "Backkurse" an, die ja nicht homophob sein könnten<

Der BDM hat Häkelkurse angeboten. Der BDM war eine Unterorganisation der NSDAP. Die NSDAP war also ein Verein für Häkelkurse.

Die sind damals ja auch immer so furchtbar mißverstanden worden.


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#10
31.01.2014
13:08:53


(+9, 11 Votes)

Von Ralf Harth


Hört die Worte und versteht den Geist:

Wenn der CDU-Mann sich und die Seinen als Opfer stilisiert, dann zeigt er, daß er unsere spät-moderne Zeit nicht mehr versteht.
Stattdessen tropfen traditionelle Begriffe aus seinem Mund, die vieles verraten. Seinen Geist und seine Wähler.
Nur ein Besipiel: "Schaum vor dem Mund" haben traditionell tollwutkranke Hunde. Das passt zu der rechtsreligiösen und wissenschaftlich überwundenen Vorstellung von Homosexualität als Krankheit.

Danke für diese klaren Worte und Bilder.
Es stimmt da hilft nur noch Bildung, Bildung, Bildung. ABER warum sollen wir weiter warten bis die CDU sich irgendwann modernisiert hat?


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