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  • 05.02.2014           1      Teilen:   |

Urlaub im kleinsten Mitgliedsland der EU

Malta: Auf den Spuren von Popeye und Brad Pitt

Artikelbild
Das Popeye-Dorf von Malta: Der für einen Film künstlich erbaute Ort direkt am Meer dient heute als Freizeitpark (Bild: Robert Niedemeier)

Der Inselstaat im Mittelmeer bietet neben viel Geschichte und Natur auch traumhafte Strände, ein lebendiges Nachtleben und eine kleine, aber feine Szene.

Von Robert Niedermeier

Es regnet. Und das in Strömen. Fingerkuppendicke Regentropfen prasseln auf die dürftig bekleideten Touristen nieder. Etwas erschrocken ob der plötzlichen Naturgewalt kauern sie in gebeugter Schutzhaltung in der hölzernen Gondel, während dunkle Wolkenfelder über den Hafen von Valletta hinwegbrausen. "Das ist gleich wieder vorbei", ruft die klatschnasse Doreen aufmunternd vom Nachbarboot herüber.

Die Reiseführerin aus Leidenschaft behält Recht. Schnell hat sich der düstere November-Himmel über dem von barocken Baudenkmälern eingekesselten Hafenbecken aufgehellt und die Sonne entfaltet ihre volle Kraft. Die Klamotten trocknen schnell und die Tour durch die kleinste Hauptstadt der EU kann beginnen. Auf der Inselrepublik Malta, die nicht mal so groß ist wie die Stadt Bremen, darf man sich nicht vom ersten Eindruck täuschen lassen.

Das gerade mal 10.000 Einwohner zählende Valletta gehört zu den jüngsten Städten in der langen Historie Maltas und galt im 16. Jahrhundert nur einem Zwecke: der Verteidigung gegen Piraten, die Osmanen und andere Feinde. Dementsprechend groß ist das historische Hospiz des Malteser-Ordens, wo heute Wachsfiguren, martialisches Kampfgetöse und – sehr schaurig – Operations-Methoden des späten Mittelalters anschaulich nachgestellt werden.

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Eine Trutzburg des christlichen Abendlandes

Baden im "Inland-Meer" der Nachbarinsel Gozo - Quelle: Robert Niedermeier
Baden im "Inland-Meer" der Nachbarinsel Gozo (Bild: Robert Niedermeier)

Nachdem die Malteser sich im Jahre 1565 gegen die Eroberung durch die Osmanen erfolgreich zu Wehr setzten, gab Jean de la Vallette, der damalige Großmeister des berüchtigten katholischen Ordens, dem Festungsbau-Architekten Francesco Laparelli den Auftrag zum Bau der Stadt.

"Damals modernste Erkenntnisse der Militärarchitektur waren das Leitbild, die zu dieser Idealstadt vom Reißbrett führten", erklärt Reiseführerin Doreen und weist sichtlich stolz darauf hin, dass die Stadt 1980 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden ist. Obwohl die Malteser ursprünglich zu den semitischen (arabischen) Völkern, in direkter Abstammung von den legendären Phöniziern, gehören, galt das kleine Malta dennoch Jahrhunderte lang als Trutzburg des christlichen Abendlandes.

Knapp 400 Gotteshäuser, von kleinen Kapellen bis hin zur mächtigen St. Johns-Kathedrale, zeugen bis zur Gegenwart von der Macht der katholischen Kirche. Gold-glänzende und üppig ausgeschmückte Altäre, durch viel Geld europäischer Adels-Familien finanziert, hinterlassen eine beinah einschüchternde Wirkung.

In diesem Schmuckstück sind auch Fresken von Michelangelo Merisi da Caravaggio zu bestaunen. Er gilt als stilbildender Künstler des Früh-Barocks und verbrachte 1607/08 eine kreative Zeit auf der "Insel der Zuflucht". Doch für den ungestümen, dem Sex mit Männern zugewandten Künstler wurde der Archipel zu gefährlich. Nachdem er sich mit einem Adeligen anlegte, musste der junge Meister ins nördlich gelegene Sizilien fliehen.

Buchten, bekannt aus Film und Fernsehen

Die hollywoodreife Story ist nur eine von vielen abenteuerlichen Geschehnissen, welche die 7.000 Jahre alte Geschichte Maltas mitsamt der kleinen Nachbarinsel Gozo anzubieten hat. Auch die amerikanische Traumfabrik Hollywood hat Malta und Gozo als ideale Produktionsstandorte ausgemacht. Filme wie "Da Vinci-Code", "Der Graf von Monte Christo", "Alexander", "Gladiator" und Spielbergs Terror-Drama "München" wurden zu großen Teilen vor den schroffen Kulissen und inmitten altehrwürdiger Architektur-Denkmäler der beiden Inseln gedreht.

Für Fans der drolligen Zeichentrickfigur ist das Popeye-Dorf, nahe des Touristen-Städtchens Mellieħa an der malerischen Anchor-Bucht gelegen, ein Muss. Hier drehte Robert Altman 1979 einen im Kino gnadenlos gefloppten Real-Film über den Spinat futternden Seemann. Das ulkige Dorf ist heute ein Freizeitpark.

Filmreif ist auch die Einfahrt mit der Fähre in den Haupthafen der Nachbarinsel Gozo. Die erst Jahrzehnte nach Ausrottung der Bevölkerung neu erbaute Hafenstadt Mgarr besticht wie alle Städte der Republik Malta mit barockem Überfluss. Auch ene Jeep-Fahrt quer über Gozo sollte unbedingt unternommen werden. Vorbei an den mittelalterlichen Salzpfannen der Nordküste, hinüber zur Westküste zum Zerka-Tor, wo sich goldgelbes Sandfelsgestein als imposantes Portal über das azurblaue Meer spannt. Gleich daneben zeigt Doreen auf das "Inland-Meer", wo Touristen und Einheimische unbeschwert – und das bis in den Spätherbst hinein – im warmen Salzwasser des südlichen Mittelmeers plantschen.

Nicht weit entfernt ist die Stelle, wo Brad Pitt für "Troja" seine Waden vor dem roten Sand der Ramla-Bucht präsentierte. Der Platz ist Geburtsort von noch weitaus bedeutsameren Mythen. Nahe des Badeorts Marsalforn, mit direktem Blick auf die "Pitt-Bucht", soll die Nymphe Kalypso sieben vergnügliche Jahre mit Odysseus verbracht haben. "Ja, das war genau hier", lächelt Doreen und deutet auf den Felsen, in dem sich einst die "Höhle der Kalypso" befand. Von der Aussichtsplattform neben der Höhle lässt sich ein atemberaubender Blick auf die Ramla Bay genießen

Paceville: Feiern in "Sin City"

Im Nachtleben vom Malta: zwei Gäste im Club "Klozet"
Im Nachtleben vom Malta: zwei Gäste im Club "Klozet" (Bild: Robert Niedermeier)

Viele denken bei Malta noch immer an ein erzkatholisches und konservatives Reiseziel, doch wer die Insel besucht, stößt gerade bei den Jüngeren auf sehr offene und tolerante Menschen. Die neue sozialdemokratische Regierung will in diesem Jahr eingetragene Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare einführen, 2010 wurde der erste Gay Pride gefeiert und das Fremdenverkehrsamt wirbt sogar schon seit einiger Zeit gezielt um schwule und lesbische Touristen.

Auch beim Nachtleben muss sich die Inselrepublik mit insgesamt knapp 420.000 Einwohnern nicht verstecken. "Sin City" nennen die Malteser das Stadtviertel Paceville nicht von Ungefähr. Hier an der Spinolabucht, wo die drei zusammen geschmolzenen Orte St. Julien, Sliema und Vittoriosa gemeinsam auf engstem Raum 250.000 Einwohner beherbergen, wird in über 350 Bars, Pubs und Clubs bis in den Morgen gefeiert. Der britische Einfluss in Sachen Alkohol-Konsum und lauthals zum Besten gegebenen Feier-Ritualen offenbart sich deutlich und erinnert wie der Linksverkehr, die nicht passenden Steckdosen im Hotel-Zimmer und die roten Telefonzellen an die britische Kolonialzeit.

In Paceville liegt mit dem Club "Klozet" auf der Ball Street in St. Julians auch die einzige reine Gay-Bar der Insel – unweit des Hilton Hotels mit seinem luxuriösem Yachthafen. Beliebt, aber gemischt ist die "Monaliza Lounge" in der Hauptstadt Valletta (Triq L-Assedju Il-Kbir). Darüber hinaus stehen vor allem in den Sommermonaten an wechselnden Orten schwul-lesbische Partys an.

Auch mit einem inoffiziellen Gay-Beach kann die Insel aufwarten. Einheimische treffen sich an einem abgelegenen Strandabschnitt der Gnejna-Bucht, der am besten mit dem Boot oder etwas umständlich zu Fuß auf schmalen Wegen über die Hügel erreicht werden kann. Bei homo- und bisexuellen Männern beliebt ist auch der Strand von Pembroke.

Soviel Szene hatte der Autor gar nicht erwartet auf einer Insel, deren Einwohner zu 98 Prozent römisch-katholisch sind. Reiseführerin Doreen sieht darin jedoch gar keinen Widerspruch und lacht: "Wir Katholiken müssen doch auch was zum Beichten haben."

Links zum Thema:
» Mehr Infos über das Reiseziel Malta
» Infos auf Englisch: Gay life in Malta
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Tags: malta, gay travel, queer travel
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Reaktionen zu "Malta: Auf den Spuren von Popeye und Brad Pitt"


 1 User-Kommentar
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#1
05.02.2014
21:39:05


(+1, 3 Votes)

Von Stephen
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Die Insel ist echt eine Reise wert, bin dort oft beruflich und auch privat. Die Menschen sind sehr aufgeschlossen. Das Nachtleben und die Szene von St. Julien ist beeindruckend. Malta an sich ist sehr Felsig, wer es grüner mag kann die Nachbarinsel Gozo besuchen. Leider hat Malta das "Problem", das es ein Ziel von afrikanischen Flüchlingen ist und Malta mit den Flüchtlingen von der EU so ziemlich alleine gelassen wird. Ca. 10.000 Bootsflüchtlinge aus Afrika leben dort in Flüchtlingslagern bei einer Bevölkerung von gerade mal ca. 418.000 Menschen und 316 km2 Fläche. Die meisten dieser Flüchlinge werden aus humanitären Gründen (Bürgerkrieg etc.) nicht abgeschoben. Maltas Vorschlag weitere Flüchlinge auf die restlichen EU Staaten zu verteilen wird bisher von den EU Innenministern jedoch verweigert. Mit dem Tourismus unterstützt man damit nicht nur die Region sondern sorgt auch für Nahrung und Unterstützung der Flüchtlinge, die mitunter von Spenden der Einwohner abhängig sind.


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