Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 06.02.2014           2      Teilen:   |

"Ein leichtes Schwert"

Mutti Judiths Soundtrack zum Prenzlberg

Artikelbild
Während ihre Band "Wir sind Helden" seit 2012 "auf unbestimmte Zeit pausiert" ist Frontfrau Judith Holofernes produktiver denn je (Bild: Four Music)

Weniger frech, mehr bürgerlich: Auf ihrem ersten Soloalbum nach "Wir sind Helden" lernen wir eine neue Judith Holofernes kennen, die mit ihrer Sprachakrobatik aber noch immer zu verzaubern weiß.

Von Michael Thiele

Um es gleich vorwegzunehmen: "Ein leichtes Schwert" von Judith Holofernes ist eine sehr durchwachsene Angelegenheit. Die zwölf Nummern auf ihrem ersten Soloalbum nach "Wir sind Helden" – die Band liegt seit 2012 auf Eis – schwanken zwischen nervig und supi, von toll bis naja ist alles dabei. Drei Songs sollen das beispielhaft illustrieren.

Zum Einstieg haut einem Judith die wunderbar sympathische Verweigerungshymne "Nichtsnutz" um die Ohren. Sie singt darüber, was sie heute alles nicht machen will, sie reimt "Ich erhole mich nicht/Superbowl guck ich nicht", sie skandiert "Ich denk mich nicht fit/Bring Getränke nicht mit". Ein schönes und starkes Statement gegen das nach wie vor aktuelle, neoliberale Leistungsdenken in der westlichen Gesellschaft.

Fortsetzung nach Anzeige


Holofernes gibt die selbstbewusste M.I.L.F.

Zwölf sehr private Songs von Judith Holofernes: "Ein leichtes Schwert"
Zwölf sehr private Songs von Judith Holofernes: "Ein leichtes Schwert"

Leicht problematisch wird es mit "M.I.L.F.". Der Titel ist eine Anspielung auf den Ausdruck "Mom I'd Like to Fuck", also auf Frauen, die zwar schon Mütter, aber noch ganz "fuckable" sind. Im Song selbst wird sexuell vorgespielt: Beim gemeinsamen Durchforsten der Plattensammlung kommen sich die Singende und der Angesungene näher, wobei das Namedropping der gefühlt 891 selbstverständlich nur kanonischen Musiker arg bildungsbürgerlich rüberkommt.

Unangenehm altklug ist der letzte Song "John Irving" geraten, Judiths verkopfter Rundumschlag gegen Großkünstler wie Roland Emmerich, Woody Allen oder eben Irving. Kostprobe: "James Cameron/zieh du doch nach Amrum/und schraub an nem Damm rum/oder schau dabei zu". Wieviel Friesengeist muss man für diese Zeilen getrunken haben? Zugleich drängt sich der Gedanke auf, dass sie auch im wahren Leben in solch zwanghaften Reimen sprechen muss. Es geht gar nicht anders!

Dennoch: Nach wie vor bemerkenswert ist die Sprachakrobatik von Holofernes. In ihren Texten denkt sie immer irgendwie um die Ecke und manchmal noch weiter. Vertraut ist ihr Sprechgesang, der immer ein bisschen infantil und görenhaft kickt.

Youtube | Offizielles Video zum Song "Liebe Teil 2 - jetzt erst recht"

Judiths Themen haben sich verändert

Gleichwohl haben sich ihre Themen verändert: Längst verheiratet und zweifache Mutter, singt die 37-jährige Berlinerin über Kinder, übers Faulsein, übers Lieben, über Macken und Marotten und übers Geficktwerden.

Klar, Judith steckt in einer anderen Lebensphase als beim Helden-Debüt "Die Reklamation" – das Spritzige und das Frische sind einer bürgerlichen Seriosität gewichen. Gehässige Menschen würden diese Seriosität noch präziser definieren: "Ein leichtes Schwert" ist der perfekte Prenzlauer-Berg-Soundtrack. Und tatsächlich fühlt man sich beim Hören von Judiths Liedern oft an spätgebärende, um den Spielplatz versammelte Bio-Mütter erinnert. Oder wie es der Kollege von der "Zeit" formuliert: "Es müffelt ein bisschen in diesen Liedern, nach Hausschuhen, verschwitzten T-Shirts und Babykotze."

"Ein leichtes Schwert" macht also einen überaus privaten Eindruck, auch wegen des Sounds. Der mischt sich gemütlich aus Folk, Indie und Pop, es geht ins Rock'n'Rollige, Bluesige und Psychedelische. Alles ist dank Schellen, Ukulele, Pauken oder auch Xylophon bunt instrumentiert. Es wird fleißig in die Hände geklatscht, womöglich auch um zu vertuschen, dass das Songwriting an manchen Stellen lagerfeuerhaft banal ist.

Youtube | Eines der Highlights des Albums: Offizielles Video zum Song "Nichtsnutz"
  Solo-Tournee
02.04.14 Bremen – Kulturzentrum Schlachthof
03.04.14 Dortmund – FZW
04.04.14 Hannover – Capitol
06.04.14 Dresden – beatpol (ehem. Starclub)
07.04.14 Leipzig – WERK2 – Halle A
09.04.14 Wien (A) – Arena Wien
10.04.14 Graz (A) – Orpheum Graz
11.04.14 München -Theaterfabrik / Optimolwerke
12.04.14 Heidelberg – Halle 02
14.04.14 Stuttgart – Theaterhaus (am Pragsattel)
15.04.14 Frankfurt – Batschkapp Frankfurt
16.04.14 Bielefeld – Ringlokschuppen
17.04.14 Köln – Gloria-Theater
19.04.14 Hamburg -Docks Hamburg
20.04.14 Berlin – ASTRA Kulturhaus
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Album und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Homepage von Judith Holofernes
Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 2 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 3                  
Service: | pdf | mailen
Tags: judith holofernes, wir sind helden, ein leicjtes schwert, soloalbum
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

Reaktionen zu "Mutti Judiths Soundtrack zum Prenzlberg"


 2 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
06.02.2014
10:55:38


(-1, 1 Vote)

Von Timo


Cheesy war die schon immer. Und pretending Intellektualität, aber es hat nur zu "bedeutungsschwanger" gereicht :D


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
09.02.2014
09:52:25


(0, 0 Vote)
 


 CD - POP

Top-Links (Werbung)

 CD



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Magdeburg: Einstimmiger Beschluss für Hirschfeld-Gedenktafel "Tapetenwechsel 2.0" im Schwulen Museum* Studie: Intimrasur erhöht Krankheitsrisiko Mehr Geld für LGBTI-Projekte im Norden
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt