Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 06.02.2014           19      Teilen:   |

Nach Heirat in Dänemark

Schwules Aktivisten-Paar aus Russland bittet in Deutschland um Asyl

Artikelbild
Iwan (Wanja, l.) und Dimitri (Dima) am letzten Samstag in Berlin (Bild: Norbert Blech)

Dimitri Tschunosow und Iwan Jarzjew, die in der letzten Woche in Kopenhagen geheiratet haben, fürchten eine strafrechtliche Verfolgung in der Heimat.

Von Norbert Blech

Die Bilder gingen um die Welt: Am letzten Freitag gab sich ein schwules Paar aus Russland in Kopenhagen das Ja-Wort. Einen Tag später erzählten Dimitri Chunosow und Iwan Jarzjew auf der Konferenz "Gold for equal rights" in Berlin von ihrer Lage. Am Mittwoch haben sie nun in Deutschland einen Asylantrag gestellt.

Geplant war das alles anders: die Hochzeit seit Wochen, das Asyl notgedrungen in letzter Sekunde. "Genau eine Woche vor unserer Reise wurde ich von der Staatsanwaltschaft angerufen, ich solle zur Befragung wegen einer Strafangelegenheit zu ihnen kommen", so Dimitri, der auch kurz Dima genannt wird. "Das war eine heftige Erschütterung, ich war zuvor schon mehrfach wegen administrativer Dinge angeklagt worden, wegen der Teilnahme an LGBT-Aktionen, aber ich wurde nie mit Haftstrafen bedroht." In einer zweistündigen Anhörung wurde ihm gesagt, "dass die Angelegenheit ernst ist und einflussreiche homophobe Personen aus St. Petersburg daran beteiligt sind und dass mir eine wirkliche Haftstrafe droht."

Es geht dabei nicht einfach um das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" und also um ein Bußgeld, das ihm für seinen LGBT-Aktivismus droht – der 29-Jährige hatte an zahlreichen Protesten in Moskau, St. Petersburg und anderen Städten in Russland teilgenommen. Sondern es geht um zwei Anklagen u.a. nach dem Artikel 282 des Strafgesetzbuches, um Extremismus bzw. "Rowdytum", womit auch die Mitglieder von Pussy Riot zu Lagerhaft verurteilt worden waren.

"Ich weiß noch, wie wir an der Passkontrolle am Flughafen fürchteten, dass sie Dima nicht rauslassen und wir illegal über die Grenze kommen müssten", so der 30-jährige Iwan, auch Wanja genannt. "Jetzt fürchten wir, in unsere Heimat zurückzukehren. Daher wollen wir in Deutschland um Asyl bitten." Der Asylantrag wurde inzwischen am Mittwoch in Köln gestellt. Das Paar kommt nun zunächst in das Aufnahmelager Friedland, wo ein Prüfungsgespräch mit den Behörden bevorsteht.

Fortsetzung nach Anzeige


Eine Liebe aus Studentenjahren

Dima bei einer Festname 2012
Dima bei einer Festname 2012

In Köln wurden Dima und Wanja von der russischen Transgender-Aktivistin Christina Vantaa unterstützt, die selbst als Flüchtling anerkannt wurde. Die Reise ins Ungewisse hatte das Paar in Berlin begonnen, dort hat es zahlreiche Freunde und die deutsche Hauptstadt war für den ursprünglich geplanten mehrtägigen Urlaub billiger als die dänische. Warum die Heirat in Kopenhagen? "Man hat ja nicht wirklich viel Auswahl, wo zwei Russen heiraten können: Kanada, Argentinien, Niederlande, Dänemark", so Dima. "Argentinien ist weit weg, und in Kanada oder den Niederlanden muss man mindestens 30 Tage vor der Hochzeit im Land leben. Deswegen schien uns Dänemark die beste Möglichkeit, denn man kann die Unterlagen dahin per Email schicken und trotz der hohen Kosten in Dänemark kann man für einen Tag von Berlin dahin reisen, um die Ehe zu schließen."

Dima und Wanja hatten sich 2005 in Lipezk kennengelernt, als sie gemeinsam studierten. "Aber damals verliefen unsere Wege nicht gemeinsam weiter. Ich hab die Uni abgeschlossen und bin zur Armee gegangen, und Wanja ist nach der Uni zum Arbeiten nach Moskau gegangen", so Iwan. "Nach dem Umzug nach Moskau hat Wanja angefangen, dort in der LGBT-Bewegung aktiv zu sein, und ich in Lipezk."

Über eine Aktion in St. Petersburg 2012 kam man wieder in Kontakt. "Ich lebte damals mit einigen LGBT-Aktivisten in einer Dreizimmerwohnung in Grjasi [in der Oblast Lipezk]", erzählt Dima. "Wir lebten wie in einer Kommune. Mit mir wohnte dort mein Freund, der LGBT-Aktivist Jaroslaw aus Woronesch, Ilmira Schajchraznowa, die wegen ihrer politischen Tätigkeit in Moskau von der Uni geflogen war, und ihre Freundin. Ich habe mich sehr gefreut, als Wanja mir schrieb, weil ich, ehrlich gesagt, ihn die ganze Zeit in den sozialen Netzwerken beobachtet hatte."

Man traf sich dann mehrmals, nachdem eine andere Beziehung von Dima zerbrochen war. Dann lud Wanja Dima zu einem Besuch nach Moskau ein und bot ihm dort gleich einen Einzug in die Wohnung, die Annahme ließ nicht lange auf sich warten. "Dima hatte ja schon lange für die Ehegleichstellung in Russland gekämpft und als wir verstanden, dass wir uns lieben, bat er mich, ihn zu heiraten", so Wanja. "Das schien mir zu früh, obwohl ich schon lange davon träumte. Im Dezember war ich selbst endlich soweit und schlug es ihm vor. Denn obwohl wir noch nicht so lange zusammen waren, hatten wir das Gefühl als ob wir schon damals, 2005, zusammengekommen wären."

Jahreswechsel mit Überraschungen

Das Paar bei der Heirat in Kopenhagen
Das Paar bei der Heirat in Kopenhagen

Silvester verbrachte man in Lipezk: "Da hat mich Dima seiner Mutter vorgestellt", so Wanja. "Und an diesem Wochenende kauften wir dann in Lipezk unsere Ringe." Dima ergänzt: "Wir entschieden, im Januar Urlaub zu nehmen und nach Dänemark zu reisen, um dort zu heiraten. Wir hatten in den Foren gelesen, dass es billiger ist, sogar zweimal von Deutschland aus nach Dänemark zu fahren, als dort eine Woche zu leben. In Berlin kannten wir übers Internet einige Aktivisten, mit denen wir uns treffen wollten."

Und so schlug man mehrere Fliegen mit einer Klappe. Dass sich die Frage eines Asylantrags mit ungewissem Ausgang dazugesellen sollte, hatte da noch keiner geahnt. Doch zuvor gab es ja noch die Hochzeit zu feiern: "Wir können immer noch nicht glauben, dass das, wovon wir in Russland nur träumen konnten, Realität geworden ist", sagt Wanja.

Mit Dank an Regina Elsner von Quarteera für die Übersetzung. Ein Interview mit ihr über die zunehmende Arbeit des Vereins mit Flüchtlingen aus Russland folgt am Wochenende. Über die Homepage des Vereins lässt sich für diese Arbeit spenden.

Mehr zum Thema:
» Sotschi-Liveblog: Das neueste aus Russland aus LGBT-Sicht
» Russische Aktivisten zu Besuch in Berlin: Ausführlicher Bericht zur Konferenz "Gold for equal rights"
Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 19 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 432             4     
Service: | pdf | mailen
Tags: russland, asyl, quarteera
Schwerpunkt:
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

loading...

Reaktionen zu "Schwules Aktivisten-Paar aus Russland bittet in Deutschland um Asyl"


 19 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
06.02.2014
22:15:55


(+5, 5 Votes)

Von Jadughar
Aus Hamburg
Mitglied seit 19.04.2011


Da wünsche ich den beiden Männern eine glückliche Ehe. Nur schade, daß die beiden wegen ihrer Liebe aus den sozialen Umfeld gerissen werden, nur weil ein paar Idioten sich in ihre Liebesbeziehungen einmischen. Das nenne ich Rowdytum, ebenso homophobische Hetze! Wie wäre es, wenn jeder verheiratete Heterosexuelle wegen Rowdytum für 70 Jahre in ein Arbeitslager nach Sibirien deportiert wird?


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
06.02.2014
22:26:56


(+5, 7 Votes)
 
#3
06.02.2014
22:27:12


(+5, 7 Votes)

Von Finn


Da ihnen in Russland, Verfolgung, Gewalt, Haft, Folter, etc. drohen, müssen sie hier Asyl erhalten!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
06.02.2014
22:41:24


(0, 4 Votes)

Von Zarenhof
Antwort zu Kommentar #2 von -hw-


Und so klug! Siehe erste Skulptur:

Link zu www.thorvaldsensmuseum.dk


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
06.02.2014
22:42:55


(+6, 8 Votes)

Von Felix


Schlimm, dass sie nicht in ihre Heimat, in ihr Zuhause und zu ihren Familien und Freunden zurückkehren können, ohne Angst vor Internierung haben zu müssen...

Und das nur, weil sie lieben - ohne dass das anderen schadet.

Wenn die Politik schon ansonsten tatenlos bleibt, muss sie wenigstens solchen Flüchtlingen Asyl bieten.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
06.02.2014
23:37:54


(+5, 5 Votes)

Von ehemaligem User paren57
Antwort zu Kommentar #3 von Finn


"Da ihnen in Russland, Verfolgung, Gewalt, Haft, Folter, etc. drohen, müssen sie hier Asyl erhalten!"

Da bin ich mal sehr gespannt. Ich fürchte, dass die deutschen Behörden kneifen, wenn es um Asyl für russische Staatsbürger geht. Da müsste ja das Auswärtige Amt erst einmal feststellen, dass die in ihrem Heimatland tatsächlich bedroht sind. Das macht man nicht mit einer lupenreinen Demokratie, die unser Hauptgaslieferant ist. Und soll sich Mutti wirklich wegen diesem schwulen Schmuddelvolk, gegen das sie sonst bei jeder Gelegenheit mit ihren Evangelikalen anbetet, bei Wowa die Finger verbrennen?


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#7
07.02.2014
04:17:54


(+4, 6 Votes)

Von FOX-News
Antwort zu Kommentar #6 von paren57


Es hat bereits min 1 Russe Asyl erhalten aufgrund seiner Homosexualität. Ich drück den beiden die Daumen!

Hier die Meldung aus Russland dazu:

Link:
de.ria.ru/opinion/20131111/267256881.html


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#8
07.02.2014
07:09:59


(+6, 6 Votes)

Von ehemaligem User paren57
Antwort zu Kommentar #7 von FOX-News


Was da in Deinem Link steht, stimmt aber nicht gerade optimistisch. Aber so ähnlich habe ich mir das auch vorgestellt. Ausgerechnet Friedland.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#9
07.02.2014
08:39:13


(+3, 3 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Viel Erfolg und daß dem Antrag zugestimmt wird!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#10
07.02.2014
09:16:39


(+4, 6 Votes)

Von Aramis
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Den beiden sympathischen Jungs müßte man eigentlich erst mal eine ordentliche Hochzeitsparty schmeißen...


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
« zurück  12  vor »


 POLITIK - EUROPA

Top-Links (Werbung)

 POLITIK



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Volker Beck: "Ich bin noch lange nicht weg" Leander Haußmann will Merkel wählen – wenn sie die Ehe öffnet Bis zum Jahr 2000 durften Schwule keine Berufssoldaten werden Volker Beck: Der Beste wurde kaltherzig abserviert
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt