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  • 09.02.2014           32      Teilen:   |

Beards & Fashion

Der Bart als schwule Rebellion gegen Metrosexualität

Artikelbild
Pedro Virgil arbeitet für Zeitschriften wie "GQ", "Vogue", "Men’s Health", "Inside Sport" und "DNA". Er ist auch der Schöpfer mehrerer Fotobücher wie Gods of Sport und Gods of Football - für letzteres hat er das australische Rugbyteam nackt fotografiert

Im Interview erklärt der australische Celebrity-Fotograf und Style-Guru Pedro Virgil den Bart-Hype in der Szene und warum auch immer mehr Heteros Gesichtshaar zeigen.

Von Kevin Clarke

Wann ist dir in der Modewelt erstmals etwas aufgefallen, was man als Bart-Hype bezeichnen könnte?

Ich glaube, das war in den 1980er Jahren mit George Michael. Sein Fünf-Tage-Bart war genauso berühmt wie seine Musik. Man könnte sagen, George Michael war damals die männliche Version von Madonna; und genau wie sie war er ein Trendsetter. In seinem Fall hieß der Trend: Goatee bzw. intensiver Dreitagebart.

Anders als heute sah man aber in den 1980er Jahren nicht über sämtlichen Modemagazine verteilt Bärte. Sie waren nicht mal in der Mehrzahl der Musikmagazine oder auf LP-Covern zu sehen.

Nein, überhaupt nicht. Dieser Extremtrend fing erst vor etwa fünf Jahren an. Mir fiel er zum ersten Mal auf im Zusammenhang mit einer Werbekampagne, in der es darum ging, "natürlich" und "relaxt in der eigenen Haut" zu sein. Es war eine Parfüm-Reklame, die suggerierte: "Das einzig echte, was du trägst, ist dein Duft!" Sonst nichts, keine Kleidung. Dafür benutzten sie ein Modell mit Vollbart. Ein geniales Konzept. Die Idee dahinter war, ein neues Markenzeichen für Männlichkeit zu erzeugen, nachdem die Kosmetikbranche uns jahrelang mit Bildern zugeballert hatte, auf denen man gezupfte und übermanikürte Männer sah. Das breite Publikum hatte vergessen, was "echte" Männlichkeit eigentlich war und begrüßte den Wandel.

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Der schwule Trend zur Männlichkeit: relaxte Bärte statt Maniküre - Quelle: Michael Alago/Bruno Gmünder Verlag
Der schwule Trend zur Männlichkeit: relaxte Bärte statt Maniküre (Bild: Michael Alago/Bruno Gmünder Verlag)

Ist die Sehnsucht nach "echter Männlichkeit" der Grund, warum sich der Barttrend in unseren Zeiten von zerfließenden Gendergrenzen so schnell ausgebreitet hat?

Heutzutage dreht sich alles darum, relaxt mit sich selbst zu sein, nicht nur in der Modewelt, sondern in allen Bereichen des Lebens.

Ich glaube, Menschen setzten "relaxt" eher mit "männlich" gleich, als "schwul" oder "hetero", "queer" oder was auch immer. Deswegen wollen vermutlich viele auch nicht mehr diese auffallend manikürten Männer sehen, und damit sind die übermäßig aufgepumpten Fitnessstudiokörper ebenfalls gemeint. Alles was schreit: "hohe Instandhaltungsmaßnahmen".

Kürzlich habe ich in einem Mode-Blog gelesen: "Natürlich ist es toll, jemanden anzuschauen, der einen fantastischen Körper hat, aber so jemanden als Boyfriend zu haben, ist ein Alptraum!" Diese Kerle müssen zu allen Stunden des Tages aufstehen und selbst mitten in der Nacht noch essen, um zwei Uhr früh, um vier Uhr früh. Sie müssen andauernd ins Fitnessstudio rennen, mit religiösem Eifer ihre Proteinshakes trinken, ihre Kalorien zählen, ihren Sonnenbankbräune kultivieren, ihre Körper rasieren, ihre Augenbrauen zupfen, ihre Arme und Beine wachsen usw. Das wird schnell zwanghaft, und das wiederum wirkt sehr unattraktiv, sowohl auf Schwule als auch auf Frauen als potenzielle Partner.

Mir ist das bei vielen meiner eigenen Männermodels aufgefallen. Rein körperlich sind sie superattraktiv, aber gleichzeitig extrem unsicher, weil man solch ein Niveau von körperlicher Perfektion nur halten kann, wenn man total diszipliniert ist. Man muss viele Dinge im Leben opfern, um so auszusehen, manchmal sogar Beziehungen. Und die Welt da draußen, glaube ich, hat diese Art von Überdisziplin einfach satt.

Das (stark gekürzte) Interview mit Pedro Virgil ist zuerst in Kevin Clarkes Bild- und Leseband 
Beards – An Unshaved History erschienen (Bruno Gmünder Verlag, Berlin 2013)
Das (stark gekürzte) Interview mit Pedro Virgil ist zuerst in Kevin Clarkes Bild- und Leseband Beards – An Unshaved History erschienen (Bruno Gmünder Verlag, Berlin 2013)

Ist ein Bart also das äußere Zeichen von neuer "Relaxtheit"?

Absolut.

Inwieweit trifft diese haarige Entspanntheit auch auf schwule Männer zu?

Wenn ein Mann sich vor zehn Jahren den Körper rasierte, bedeutete das, er war schwul. Jedenfalls war das meine Erfahrung mit Models. Heute rasieren sich mehr Hetero-Models den Körper als schwule. Die Welt hat sich auf den Kopf gestellt, alles, was einmal war, ist nicht mehr so. In der schwulen Szene hatten Männer die Nase voll, immer nur rasierte Körper und glatte Gesichter in Werbeanzeigen und Zeitschriften zu sehen. Sie starteten einen neuen Trend, der in die Gegenrichtung ging. Fast wie eine Rebellion.

Heute sind Körper- und Gesichtshaare eine individuelle Entscheidung. Sie bestimmen nicht mehr deine Sexualität, noch sagen sie etwas aus über die Sexualität eines Menschen. Man kann rasiert sein oder einen Vollbart tragen, alles ist möglich – und zwar für Schwule genauso wie für Heteros, und auch für alle Männer, die in der Modeindustrie beschäftigt oder einfach nur modebewusst sind.

Wenn der Bart-Wahn ursprünglich eine schwule Rebellion gegen Metrosexualität war, wieso folgen jetzt die ganzen Heteros dem schwulen Trend?

Schwule waren schon immer Trendsetter in der Welt der Männermode. Außerdem ist es wie bei allen Trends, irgendwann sickern sie durch in andere Bereiche. Heteromänner leben meistens nicht in einem Umfeld, wo sie sich viele Gedanken darüber machen müssen, was sie anziehen und wie sie sich rasieren sollen. Sie finden es besser, wenn andere den Trend bestimmen und sie nur folgen müssen.

Schwule hingegen wurden schon immer davon angezogen, Mode zu entwerfen, herzustellen und zukünftige Trends auszumachen. Irgendwer muss es ja tun, sonst würde sich die Welt nicht weiterentwickeln. Wenn man die Modewelt den Heteromännern überlassen würde, wo sollte das hinführen? Wahrscheinlich nicht allzu weit… (lacht)

Youtube | Video: Ein Blick ins Buch "Beards – An Unshaved History"
  Infos zum Buch
Kevin Clarke: Beards – An Unshaved History. Bild- und Leseband. 256 Seiten. Farbe. Hardcover mit Schutzumschlag. Format: 21,5 x 28,5 cm. Bruno Gmünder Verlag. Berlin 2013. 49,95 €. ISBN 978-3-86787-634-6
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
Mehr zum Thema:
» Die schwule Seite der Bärte (09.11.2013)
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Beards - An Unshaved History

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Tags: bärte, bart, beards, kevin clarke, pedro virgil, bären
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Reaktionen zu "Der Bart als schwule Rebellion gegen Metrosexualität"


 32 User-Kommentare
« zurück  1234  vor »

Die ersten:   
#1
09.02.2014
14:47:45


(-7, 11 Votes)

Von vulkansturm


Wurde diese Bartmode wirklich durch Schwule erfunden? Jedenfalls liefen die Salafisten und andere islamistische Glaubenskämpfer schon früher damit herum.


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#2
09.02.2014
14:51:00


(+4, 6 Votes)
 
#3
09.02.2014
14:54:10


(+6, 10 Votes)

Von Fritzl 2
Antwort zu Kommentar #1 von vulkansturm


Ich weiß was! Ich weiß was!

Salafisten sind böse!
Islamistische Glaubenskämpfer auch!


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#4
09.02.2014
14:56:46


(0, 10 Votes)

Von Adam


Also ich finde das ja ein wenig mhm wie sag ich das ...Lächerlich aber gut wenn man meint Männlichkeit hänge an einem Bart..Traurig.

Ich muss dazu sagen ich mag Bärte nicht bekommen Pickel wenn mich einer mit Bart küsst ...also no way :P


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#5
09.02.2014
15:03:38


(+5, 7 Votes)
 
#6
09.02.2014
15:04:46
Via Handy


(+3, 9 Votes)

Von Jens


Ich mag es nicht wenn nach der Mode gegangen wird und sich jeder einen Bart wachsen lässt, nur weil es gerade In ist.
Wem es steht, der soll es tragen, aber bitte gepflegt! Viele denken zurzeit Bart muss sein und laufen rum wie ein teilgerupftes Huhn.

Männer mit zu langen Bärten gefallen mir persönlich nicht, ich mag keine Jesus- Typen. Ist natürlich Geschmacksache.

Intimrasieren tun sich dagegen
immer mehr Männer.
Sowohl schwule- als auch Heteromänner.


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#7
09.02.2014
15:43:34


(+7, 9 Votes)
 
#8
09.02.2014
15:53:14


(+5, 9 Votes)
 
#9
09.02.2014
16:13:56


(+2, 8 Votes)

Von sperling


ausgerechnet die bartmodels als beispiele für "entspannte natürlichkeit" zu nennen ist doch absurd - die stecken genau so viel arbeit in ihre prunkstücke wie die weiblichen models in ihre haare. anscheinend verliert man ein wenig das gefühl für den unterschied zwischen image und realität, wenn man sich zu lange in der modebranche herumtreibt.

leider sieht die ECHTE "entspanntheit" auch bei der gesichtsbehaarung nicht wirklich sexy aus, sondern einfach nur ungepflegt. wenn ich sehe, was die leute heute alles unter einem "bart" verstehen... tsts.

die annahme, man bekäme einen bart, wenn man sich nicht rasiert ist nämlich so falsch wie die annahme, man bekäme eine frisur, indem man nicht mehr zum friseur geht.


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#10
09.02.2014
17:10:14


(-7, 11 Votes)

Von MeineFresse
Antwort zu Kommentar #1 von vulkansturm


Attraktive Bärte und keine verwucherten Läuse-Biotope die wie Moschusochsen-Schamhaar aussehen.
Ich denke, ja das wurde von Schwulen erfunden, erst durch die Bärenszene und jetzt für alle.


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