Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?21006

Vor Sendung am Dienstag

Maischberger antwortet auf Kritik



Die Moderatorin verteidigt ihren TV-Talk mit Homo-Hassern, man müsse beide Seiten berücksichtigen. Die Redaktion gibt dem Sendungstitel zwei zusätzliche Anführungszeichen.

Ende letzter Woche wurde bekannt, dass die Talkshow "Menschen bei Maischberger" am morgigen Dienstag fragt:

Homosexualität auf dem Lehrplan: Droht die moralische Umerziehung?

Dazu werden der Evangelikalenboss Hartmut Steeb und die christliche Feminismus- und Homorechte-Bekämpferin Birgit Kelle eingeladen.

Queer.de-Redakteur Micha Schulze kritisierte daraufhin an dieser Stelle:

Wie die Diskussion ablaufen wird, kann man sich – leider – schon jetzt lebhaft vorstellen: Künstliche Empörung, reißerische Zuspitzung und homophobe Provokation statt einer sachlichen Debatte über Homophobie und die Erziehung zu Toleranz, gewürzt mit ständigen Angriffen einer schrillen religiösen Minderheit auf die Würde von Lesben und Schwulen.

Man könne die Debatte nicht unter lauter Gleichgesinnten führen, sagte dazu Maischberger am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Sonst gäbe es sofort den Vorwurf der Einseitigkeit. In Anspielung auf den von Schulze erwähnten Waldschlösschen-Appell von schwulen und lesbischen Journalisten mit der Forderung, unter bestimmten Voraussetzungen Homo-Hassern kein Forum zu bieten, sagte sie:

Wir bieten bei "Menschen bei Maischberger" niemandem ein Podium oder Forum, sondern bitten Menschen mit ganz unterschiedlichen Meinungen in unsere Runde, damit sie ihre Argumente miteinander austauschen. (…) Die gesellschaftliche Debatte muss offensichtlich geführt werden. Das zeigen nicht nur die vielfältigen und verständlicherweise auch emotionalen Reaktionen beider Seiten."

Nun hat der Appell eine oft übersehene Wenn-Bestimmung: Medien werden aufgefordert, Homo-Hassern, die bestimmte Forderungen vertreten, "keine Plattformen zu bieten, so lange sie sich nicht klar von ihnen distanzieren". Diese Aussagen, darunter Homosexualität sei "widernatürlich" oder "heilbar", müssten als diskriminierende Anfeindungen gekennzeichnet oder verurteilt werden.

Es geht also darum, dass bestimmte Äußerungen nicht mehr Teil eines Pro & Contra bei Enthaltung von Moderation und Redaktion sein können. So wie es bei fremdenfeindlichen oder antisemitischen Äußerungen durchaus üblich ist.

Wenn Maischberger von "Reaktionen beider Seiten", "unterschiedlichen Meinungen" und dem Austausch von Argumenten spricht, scheint sie das noch nicht verstanden zu haben. Zu manchen Fragen kann und darf es keine zwei Seiten geben.

Auf Facebook schrieb die Moderatorin weiter:

Weil das offenbar vielen hier aufstößt: "Moralische Umerziehung" ist ein Originalzitat aus der Petition gegen die Bildungspläne zur sexuellen Aufklärung in Baden-Württemberg [Link dahin], die in allen großen deutschen Medien ausführlich behandelt wurde. Wir wollen uns natürlich die Position der rund 190.000 Unterzeichner nicht zu eigen machen, sondern kritisch hinterfragen. Unsere Bitte: schaut euch die Sendung an und urteilt dann.

Der Titel der Sendung wurde zugleich geändert. Er heißt nun:

Homosexualität auf dem Lehrplan: Droht die "moralische Umerziehung"?

Nun ist die Frage, ob die Anführungszeichen ihn wirklich besser machen. Die Kennzeichnung geht wohl auch zurück auf eine Anfrage des Medienjournalisten Stefan Niggemeier per Twitter: "Sind die Anführungszeichen in der Redaktion ausgegangen? Oder nur der Verstand?"

In einem Blogbeitrag kritisiert er, dass die Redaktion an anderer Stelle der Sendungsankündigung durchaus Anführungszeichen nutzt, nämlich dann, wenn es um "sexuelle Vielfalt" geht.

Sexuelle Vielfalt, das ist für die Maischberger-Leute also ein Begriff, den sie nur in Anführungszeichen verwenden, als sei das ein Kampfbegriff irgendeiner Homo-Lobby oder der "Ideologie des Regenbogens", die die rechte Petition in Baden-Württemberg herbeiparanoisiert. Nein, mit dem Gedanken, dass es sexuelle Vielfalt gibt und dass diese Vielfalt etwas ganz normales ist, damit macht sich die "Maischberger"-Redaktion lieber nicht gemein. Aber die vage, perfide, radikale Unterstellung einer "moralischen Umerziehung" von Kindern, die man in Verbindung mit der Formulierung von "Homosexualität auf dem Lehrplan" sogar als Pflicht zum Schwulwerden lesen kann, die übernehmen die Maischbergers ganz ohne die Distanz auch nur eines Anführungszeichens.

Natürlich könne man auch Personen wie Steeb einladen, so der Medienjournalist weiter. Voraussetzung wäre aber, sich "die ideologischen Begriffe und Narrative der Gegner von Aufklärung und Gleichberechtigung nicht im Vorfeld schon zu eigen zu machen". Und eine öffentlich-rechtliche Talkshow "nicht nur als billige Boxbude zu betrachten". (nb)

 Update  11.2., 19h: Reaktionen
Die Initiative Enough is Enough hat zu einem spontanen Protest zwischen 21 und 22 Uhr am Dienstagabend am ARD-Hauptstadtstudio in Berlin (Wilhelmstraße 67) aufgerufen. Mehr Infos.



#1 GerritAnonym
  • 10.02.2014, 16:42h

  • Würde Frau Maischberger denn auch Nazis einladen, um mit ihnen über Migranten zu diskutieren?

    Ich bin sehr dafür auch gegensätzliche Meinungen zu hören; aber nicht, wenn eine der Seiten extremistisch und fundamentalistisch ist.

    Dass bei homophober Hetze immer noch andere Regeln gelten als bei Hetze gegen Migranten o.ä. ist ein Armutszeugnis.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 PetterAnonym
  • 10.02.2014, 16:52h

  • Wenn Frau Maischberger solchen Homohassern ein Forum für ihre kruden, und wissenschaftlich längst widerlegten, Thesen bietet, ist das ein weiterer Schlag ins Gesicht all derer, die täglich Mobbing und Gewalt erleben.

    Das ist so, als würde da ein Nazi eingeladen. Frau Maischberger wird niemals auch nur ansatzweise erahnen können, wie sich das für Betroffene anfühlt und was sie damit anrichtet.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 MichaelTh
  • 10.02.2014, 16:55h
  • Nachdem ich vier mails an den WDR und auch an den Intendanten Tom Buhrow geschrieben hatte, kam eben aus dessen Büro eine Antwort:

    "... herzlichen Dank für Ihre E-Mail, die Intendant Tom Buhrow zur Beantwortung an mich als den verantwortlichen Redakteur der Sendung Menschen bei Maischberger weitergeleitet hat.
    Auch wenn wir noch vor der Sendung stehen, die ja erst morgen aufgezeichnet und ausgestrahlt wird, glaube ich ehrlich gesagt nicht, dass Sie befürchten müssen, diskriminiert zu werden. Auch schon vor Veröffentlichung des Waldschlösschen-Appells hat die Sendung "Menschen bei Maischberger" die dort genannten Leitlinien jederzeit beachtet. Keine der im Appell wiedergegebenen Aussagen wäre im übrigen, wäre sie in der Sendung getan worden, von Frau Maischberger unkommentiert stehen gelassen worden.
    Sie haben recht: Der Titel gibt sich etwas unklar. Die "moralische Umerziehung" entstammt der von einem baden-württembergischen Realschullehrer initiierten und von AfD und Deutscher Evangelischer Allianz unterstützten Petition gegen die Pläne der Landesregierung. Anführungszeichen hätten sicherlich klarer gemacht, das wir aus dem Text nur zitieren und ihn uns keinesfalls zu eigen machen wollten.
    Was Ihre Kritik an der Gästeliste angeht: Positionen kann man nur diskutieren, Vorurteile nur ausräumen in einer offenen Diskussion. Diese zu ermöglichen, ist Sinn einer Talkshow. Und diese Diskussion wird Sandra Maischberger morgen fair, offensiv und kritisch leiten. Und da, wo Äußerungen über die Stränge schlagen, wird sie entschlossen dazwischen gehen.
    Ich hoffe sehr, das wir Sie dann zu den gewogenen Zuschauern zählen können.
    Mit freundlichen Grüßen ..."

    Na, da bin ich mal gespannt...
  • Antworten » | Direktlink »
#4 FelixAnonym
  • 10.02.2014, 17:00h
  • Antwort auf #1 von Gerrit

  • Vollkommen richtig.

    Auch andere Gruppen erleben gesellschaftliche Diskriminierung. Aber dort ist sie nicht auch noch so akzeptiert wie bei Homophobie.

    Und vor allem sind wir als einzige Gruppe doppelt diskriminiert: wir erleben nicht mit gesellschaftliche Diskriminierung, sondern werden auch nach wie vor rechtlich diskriminiert.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 AlexAnonym
  • 10.02.2014, 17:06h

  • Frau Maischberger,

    man sollte für Quote nicht alles machen.

    Auch wenn ich viel vom Wettstreit verschiedener Meinungen halte, so hat das dennoch Grenzen.

    Ich fürchte, Sie sind nicht richtig informiert und ahnen nicht, was so alles passiert und wovon die Medien leider nicht berichten. Nur Homohassern wird immer ausreichend Raum gegeben.

    Hätte man wenigstens auf der anderen Seite auch Volker Beck von den Grünen oder den queerpolitischen Sprecher der Linkspartei eingeladen...
  • Antworten » | Direktlink »
#6 UnsinnAnonym
  • 10.02.2014, 17:06h
  • Frau Maischberger!
    Sie oder Ihre Redaktion meinen:
    - Wir bieten bei "Menschen bei Maischberger" niemandem ein Podium oder Forum, sondern bitten Menschen mit ganz unterschiedlichen Meinungen in unsere Runde, damit sie ihre Argumente miteinander austauschen. () Die gesellschaftliche Debatte muss offensichtlich geführt werden. Das zeigen nicht nur die vielfältigen und verständlicherweise auch emotionalen Reaktionen beider Seiten." -

    Natürlich bieten Sie homophoben, menschenverachtenden Personen ein Podium. Was denn sonst? Diese Personen haben nicht nur eine Meinung, sondern würden Lesben und Schwule am liebsten ausrotten, in Ghettos stecken, denen ihre Lebensform gesetzlich verbieten. Ich habe auch eine Meinung zu den beiden Personen, aber daß sie heterosexuell leben, stört mich nicht. Wir und auch Sie wissen heute schon haargenau, welche Parolen diese niederträchtigen Monster schwingen werden.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 KMBonnProfil
  • 10.02.2014, 17:07hBonn
  • Und die Kritik ist mehr als berechtigt. Die Sendung lädt extreme Hetzer ein, ihr krudes Weltbild an einer Minderheit abzuarbeiten. Sowohl der Chef der Evangelikalen wie auch die Katholiban-Repräsentantin stehen für extreme Positionen in ihren jeweiligen Lagern. Nicht zuletzt das ist zu kritisieren. Diese Hetzer werden auch evangelischer- wie katholischerseits hinterfragt, und wenn die Sendung diesen HetzerInnen ein Podest für ihre menschenverachtende Propaganda bietet, ist das nur zu verurteilen.
    Es sind Positionen wie die dieser Vertreter, die Jugendliche im ComingOut in den Selbstmord treiben.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 UweBerlinProfil
  • 10.02.2014, 17:11hBerlin
  • Sich kritisch über einen TEIL der extremen Muslime zu äußern, die u.a. desintegrierte und asoziale Gewalttaten in Deutschland begehen oder sogen. Ehrenmorde etc etc - führt schnell den Vorwurf "rassistisch" oder "rechts" herbei.

    Hier dürfen aber bekannte Ideologen ihre üble Anti-Propaganda ungeschönt loswerden.

    Man sollte Maischberger endlich aus dem Programm nehmen.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 DankeAnonym
  • 10.02.2014, 17:26h
  • Antwort auf #3 von MichaelTh
  • Vielen Dank!

    Aber der schreibt: "Und diese Diskussion wird Sandra Maischberger morgen fair, offensiv und kritisch leiten. Und da, wo Äußerungen über die Stränge schlagen, wird sie entschlossen dazwischen gehen."
    Never, ever, wird sie das. Die bietet diesen beiden Monstern nicht in gehörigem Maße Paroli. Haben wir ja schon bei dem anderen Monster, dem Botox ins Hirn gelaufen ist, unser aller "Freundin" Erika Steinbach, erlebt.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Simon HAnonym
  • 10.02.2014, 17:43h

  • Homophobie ist dasselbe wie Rassismus.

    Und Rassisten würden die doch hoffentlich auch nicht einladen.

    Natürlich betonen die immer, sie seien doch gar nicht homophob, aber dann sieht man halt am Handeln und Reden, dass sie es doch sind.
  • Antworten » | Direktlink »