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Eine verbotene Liebe im Dritten Reich: Gad (Roman Kurtz) und Manfred (Tomi Wendt) waren ein Paar im Berlin der frühen 1940er Jahre (Bild: Rolf K. Wegst)

Jake Heggies Musikdrama "For a Look or a Touch" handelt von der Schwulenverfolgung im Nationalsozialismus. Deutsche Erstaufführung ist am 15. Februar in Gießen.

Es ist eine Geschichte des Schweigens und des Verschweigens: das Schicksal der Männer mit dem rosa Winkel. Zwischen 1933 und 1945 wurden über 100.000 homosexuelle Männer polizeilich erfasst, an die 15.000 davon in Konzentrationslager verschleppt. Der Paragraph 175, der Homosexualität in Deutschland unter Strafe stellte, wurde erst 1994 restlos abgeschafft, so dass die Holocaust-Überlebenden auch nach 1945 in Angst vor Kriminalisierung lebten. Eine Aufarbeitung und Rehabilitierung begann erst ab den 1980er Jahren.

Der amerikanische Komponist Jake Heggie gibt mit seinem Musikdrama "For a Look or a Touch" diesen Opfern eine Stimme. 2007 komponiert, gelangt das Stück am Stadttheater Gießen nun zur deutschen Erstaufführung. Die Handlung basiert locker auf dem preisgekrönten Dokumentarfilm "Paragraph 175" sowie den veröffentlichten Erinnerungen des homosexuellen Juden Gad Beck "Und Gad ging zu David".

Gad befreit seinen Freund Manfred aus dem Sammellager der Nazis


Jake Heggie komponierte auch die Opern "Dead Man Walking" (2000), "The End of the Affair" (2004), "At The Statue of Venus" (2005) , "To Hell and Back" (2006) und "Moby-Dick" (2010) (Bild: Ellen Appel)

Die Handlung kurz zusammengefasst: Gad und Manfred waren ein Paar im Berlin der frühen 1940er Jahre. Als Manfred zusammen mit seiner Familie verhaftet wurde, lieh sich Gad eine HJ-Uniform und befreite durch eine List seinen Geliebten aus dem Sammellager. Doch Manfred entschloss sich, seine Familie nicht zu verlassen und kehrte zurück ins Lager. Jahre später, der traumatisierte Gad hat sich ganz in die Einsamkeit zurückgezogen, erscheint ihm Manfred als Vision…

In Jake Heggies Kammeroper vermischen sich Gegenwart und Erinnerung, Realität und Traumwelt. Avantgardistische Klänge bei der Beschreibung der Schrecken der Konzentrationslager finden ebenso Raum in der Partitur wie auch ausgelassen tänzerische und jazzige Momente. Vor dem aktuellen Hintergrund weltweit zunehmender homophober Tendenzen – zuletzt etwa in Russland, Uganda oder Nigeria – ist "For a Look or a Touch" ein eindrückliches Plädoyer für eine tolerante Gesellschaft.

Die Rolle des Gad Beck, geschrieben für einen Schauspieler, wird von Roman Kurtz verkörpert. Manfred, die Vision, äußert sich hingegen nur durch Gesang und ist mit dem Bariton Tomi Wendt besetzt. Die Inszenierung stammt von Hans Walter Richter. Bernhard Niechotz zeichnet für Bühne und Kostüme verantwortlich, die musikalische Leitung liegt in den Händen von Martin Spahr, es musizieren Mitglieder des Philharmonischen Orchester Gießen. (cw/pm)

Infos zum Stück

For a Look or a Touch. Musikdrama von Jake Heggie. In deutscher und englischer Sprache mit Übertiteln. Premiere am Samstag, 15.02.2014 um 20 Uhr in der TiL-studiobühne des Stadttheaters Gießen, Löbershof 8, 35390 Gießen. Weitere Vorstellungen am 22.02., 09.03., 22.03., 13.04. und 25.04.2014, jeweils 20 Uhr.


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  • 12.02.2014, 15:14h
  • Das Libretto überragt die Komposition durch seinen historischen Bezug, die Monstrosität der Erfahrung. Es ist Heggie gelungen seine Musik dieses Thema tragen, vielleicht besser, ertragen zu lassen indem er sie zurücknimmt und sehr leicht, ätherhaft, geradezu zärtlich macht. Dabei bleibt er Untiefen fern. Er erzeugt, die Gefahr des klebrigen Pathos gekonnt nüchtern umschiffend, eine drohende Grundstimmung aus der immer wieder hellere Momente strahlen, so die liebevolle Erinnerung an Manfred mit der furchtbaren Erinnerung an dessen Schicksal - und das eigene - kontrastierend.

    Der dritte Satz als Darstellung des präadolfitischen Berlin, "The Golden Years" betitelt, ist ein sehr newyorkisches Stück, ich habe ein wenig den Eindruck Gershwin lächelt über der Partitur. Es ist sicher nicht überinterpretiert wenn ich behaupte daß hier ein kleiner Fingerzeig auch der Hoffnung auf Rettung aufzuckt. Eigentlich zu amerikanisch.

    Ist es auch zu amerikanisch daß das Kernthema, im Schlußsatz bewegend besiegelt, die Liebe Gads zu Manfred die Zeitläufte und Prüfungen überstanden hat und Gads Leben sinngebend bestimmte? Nö. Es ist nur menschlich zu begreifen daß ein Mensch nie gänzlich vergangen ist solange sich ein Freund seiner liebevoll erinnert. Darin liegt das Überwinden der Monstrosität.
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