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  • 15.02.2014           28      Teilen:   |

Liegt die Zukunft der "GayLit" im Web?

Stephan Niederwieser: Ein Bestseller-Autor als Self-Publisher

Schreibt er gerade nicht, arbeitet Stephan Niederwieser als Heilpraktiker.
Schreibt er gerade nicht, arbeitet Stephan Niederwieser als Heilpraktiker.

Zum 15-jährigen Schriftsteller-Jubiläum hat sich Stephan Niederwieser entschlossen, seine gesammelten Romane selbst als eBook herauszubringen. Ein Interview.

Der Berliner Schriftstelller Stephan Niederwieser, 1962 in Niederbayern geboren, hat Dutzende Romane, Erzählungen, Ratgeber und Sachbücher veröffentlicht. Nun erscheinen alle Arbeiten als eBook. Mit ihm sprach Kevin Clarke.

Nicht etwa einer deiner Stammverlage, sondern du selbst hast deine Romane jetzt in eBook-Form veröffentlicht. Ist das die Flucht nach vorne in einem schwierigen Markt?

Eines der vielen Probleme, das alle Autoren teilen, ist, dass Verlage immer weniger Budget haben, um potentielle Leser auf ihre Titel aufmerksam zu machen. Die großen Verlage bewerben immer noch das ein oder andere Buch etwas mehr, den kleinen fehlt schlichtweg das Geld und das Personal für PR-Aktionen. Noch schwieriger ist es, wenn ein Titel schon eine Weile läuft — da mag niemand mehr in Werbemaßnahmen investieren.

Als Konsequenz habe ich jetzt meine bereits veröffentlichten Romane als eBook selbst rausgebracht, ebenso — und ganz neu — eine Sammlung erotischer Kurzgeschichten: Fünf Liebhaber und ein Todesfall. Meinen nächsten Roman werde ich aber vermutlich zuerst einem Verlag anbieten.

Warum veröffentlichst du deine Erotikgeschichten unter einem Pseudonym?

Es ist ein offenes Pseudonym, d.h. jeder weiß, wer hinter Gerke von Leiden steckt. Mir ging es darum, dem Leser die Möglichkeit der Unterscheidung zu geben. Wer meine Romane gern gelesen hat, soll nicht versehentlich in den Besitz von Einhandliteratur gelangen und umgekehrt.

Ist schwule Literatur automatisch "pornografisch"?

Nee, Buddha sei Dank! (lacht) Sag ich jetzt einfach mal so. Aber da müssten wir erst einmal definieren, was "GayLit" ist. Ich finde es grundsätzlich langweilig und sogar störend, wenn in einen "normalen" Roman pornographische Sexszenen eingeflechtet werden. Ich seh dann immer den Verlag den Schriftsteller mahnen: "Mach's ein bisschen schärfer, dann verkauft sich's besser."

Das ist mir zuletzt an diesem unsäglich Machwerk "IQ84" des mehrfach zum Lit-Nobelpreis nominierten japanischen Schriftstellers Murakami aufgestoßen. Der Pornokram darin hat zur Geschichte nichts beigetragen, im Gegenteil. Es hatte sogar einen Geschmack von Kinderpornografie.

Fortsetzung nach Anzeige


Niederwieser verpasste seinen eBooks nicht nur neue Cover, sondern auch eigene Vorworte: "An einem Mittwoch im September" ist sein allererster Roman
Niederwieser verpasste seinen eBooks nicht nur neue Cover, sondern auch eigene Vorworte: "An einem Mittwoch im September" ist sein allererster Roman

Viele sagen, wir leben in "post-schwulen" Zeiten, wo Sexualität eh nicht mehr das bestimmende Merkmal eines LGBT-Lebens ist. Siehst du das auch so? Und was bedeutet es für die Bücher, die geschrieben werden?

Schwule in Westeuropa haben das große Glück, dass sie sich ein Recht auf ihre Sexualität nicht mehr erkämpfen müssen, dass sie nicht im Gefängnis landen, ausgepeitscht oder aufgehängt werden — wie so ziemlich überall sonst auf der Welt. Entsprechend ist der Bedarf an schwulen Leitbildern zurückgegangen, ebenso der Bedarf an Coming-out-Ratgebern oder entsprechenden Selbsthilfegruppen. Für Romane bedeutet das: Wer Schwules in die Welt bringen will, muss andere Inhalte finden als "Wie sag ich's meiner Mama?".

Schwule Romane könnten sich heute mit wichtigeren Fragen auseinandersetzen als "Wie krieg ich den nächsten Kerl ins Bett?", z.B. mit "Ist meine Sexualität wirklich in Beton gemauert oder könnte sie auch eine Reaktion auf sexuellen Missbrauch sein?" Oder: Muss man als Schwuler Mann schwul leben?' Was heißt schwules Leben eigentlich abgesehen der Rumvögelei?

Viele glauben, schwulen Themen müssten auch bei schwulen Verlagen rauskommen. Die entsprechenden Produkte fristen in Deutschland jedoch ein Schattendasein. Wieso tun sich Mainstream-Buchhändler so schwer mit schwulen Produkten?

Weil es die Schere "Schwul/Hetero" nicht nur im Fußball, sondern in den Köpfen vieler gibt. Selbst normale Buchhandlungen, die viel queere Laufkundschaft haben, präsentieren "GayLit" nicht im Schaufenster. Das ist nicht nur eine Frage von Schwulenfeindlichkeit, sondern es steckt die Ängstlichkeit dahinter, durch offen schwules "Propagieren" die Omi von nebenan zu verschrecken. Obwohl gerade die sich am wenigsten um die gepflegten Nachbarn mit dem netten Pudel schert!

Aber vor allem diktiert schlichtweg die Wirtschaftlichkeit, welche Ware man sich auf Lager legt. "GayLit" wird weniger gekauft, also kommt sie in die hinterste Ecke des Ladens, wenn überhaupt.

Nachdem deine Erfolgsromane ursprünglich bei schwulen Kleinverlagen rauskamen, wurden einige Titel von Mainstream-Verlagen übernommen. War die Resonanz danach anders?

Meine Romane (z.B. Eine Wohnung mitten in der Stadt) hat zuerst Jim Baker im Querverlag herausgebracht. Die Taschenbuchrechte konnte er später an den Piper Verlag verkaufen.

Der Vorteil großer Verlage ist, dass ihre Produkte an viel mehr Verkaufsstellen aufliegen und dadurch von mehr möglichen Käufern wahrgenommen werden. Große Verlage mieten in Buchhandlungen oft eigene Regale, die Ware wird üppiger präsentiert, selbst Redakteure gucken da mal in einen schwulen Titel rein, wenn er bei Rowohlt oder Suhrkamp verlegt ist. Bücher von Männerschwarm oder Querverlag haben dagegen allenfalls eine Chance auf Rezension bei der "taz", und dann auch nur, wenn man Beziehungen zur Redaktion hat.

Du hast selbst lange die Buchabteilung des Bruno Gmünder Verlags geleitet. Eines deiner größten und wichtigsten Projekte dort war eine Klassiker-Reihe, im Stil der Süddeutsche-Zeitung-Bibliothek: attraktiv verpackt, preislich günstig, berühmte Titel von berühmten Autoren. Sogar die deutsche Erstausgabe von Larry Kramers "Faggots" war dabei. Trotzdem fand die Reihe kleinerlei Resonanz in der Presse und beim Publikum. Woran liegt das? Gibt's selbst für schwule Klassiker keinen Markt?

Da spielten mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen war von vornherein klar, dass die Reihe nur Erfolg haben kann, wenn ein breites Publikum über ihre Existenz informiert wird. Denn die Bruno's-Läden — wo die Titel ja primär auslagen — steuert man nur an, wenn man Gleitmittel oder Pornos kaufen möchte. Kaum ein Kunde verirrt sich dorthin auf der Suche nach dem guten Stück Literatur.

Die Geschäftsführung wollte ursprünglich in Werbe- und Marketingmaßnahmen für die Reihe investieren, die über die Bruno's-Präsenz hinausgehen sollten, hatte dann aber zum Erscheinen der Titel plötzlich andere Prioritäten. Als Folge lagen die schönen Bücher dann doch wieder nur zwischen Dildos, Sexratgebern und der Einhandliteratur. Man muss aber auch einräumen, dass sich Neues immer besser vermarkten lässt als "Klassiker".

Viele schwule Geschichten — sogar ältere — finden als Film ein Massenpublikum. Wieso funktioniert das nicht bei Büchern?

"Viele" halte ich in diesem Zusammenhang für überbewertend. Es sind einige wenige, verglichen mit dem ganzen Mist, der Woche für Woche auf den Markt geschmissen wird. Aber es liegt ganz einfach auch am Medium: Filme sind leichter und schneller konsumierbar.

Stimmt es, was der Verlagsgründer Bruno Gmünder immer sagt: "Schwule lesen nicht"?

Würde es stimmen, frage ich mich, wie er mit seinem Verlag so viel Umsatz machen konnte, bevor er anfing, das Angebot auf Sexartikel zu beschränken.

Seine erotischen Romane hat Stephan Niederwieser unter dem Pseudonym Gerke van Leiden veröffentlicht
Seine erotischen Romane hat Stephan Niederwieser unter dem Pseudonym Gerke van Leiden veröffentlicht

Der Buchmarkt sowie überhaupt die Medienbranche verändert sich gerade radikal. Der Springer Verlag hat unlängst beschlossen, sich ganz auf digitale Medien zu konzentrieren und große Print-Titel abgestoßen. Ist dieser digitale Wandel für schwule Romane bzw. Autoren eine Chance?

Eine große Chance, in jeder Hinsicht. Aber halt auch ein Risiko. In normalen Buchhandlungen findet man "unsere" Literatur kaum mehr. Die schwulen Buchhandlungen sterben aus, damit schwinden auch die wenigen verbleibenden Auslageflächen unserer Bücher. Das wiederum macht es Verlagen immer schwerer, die Veröffentlichung schwuler Titel zu finanzieren. Sie arbeiten ja alle an der Grenze der Wirtschaftlichkeit.

Auf Grund der neuen digitalen Möglichkeiten kann ein Autor, dessen Manuskript heute von einem Verlag abgelehnt wird, es morgen selbst an den Mann bringen. Aber welcher Newcomer weiß schon, wie man das tut? Wer mag schon gerne selbst in einen Lektor investieren, ohne die Garantie, dass sich das Werk hinterher online auch verkauft? Wer gestaltet einem das Cover? Und als vielleicht größtes aller Probleme: Wie kriegst du die Information in die Welt, dass dein Buch überhaupt erschienen ist? Zu glauben, dass sich ein Onlinevertrieb um dein Werk bemüht, ist blauäugig. Die entsprechenden Firmen stellen es ins Netz und kassieren. Basta!

Andererseits: Wenn es dein Traum ist zu veröffentlichen, dann ist man heute nicht mehr auf die Gunst, Einsicht, Lust und Macken eines Verlegers angewiesen.

Immerhin: E. L. James hat ihre soft-pornografischen "50 Shades of Grey" ursprünglich auch als eBook rausgebracht, im Selbstverlag. Heute ist sie die reichste Autorin der Welt. Kann das ein Vorbild für schwule Autoren sein?

Vorbild im Sinne der Pornografie? Ja, es ist leider so, dass sich Sex immer noch am besten verkauft. Was ich schlichtweg schade finde. Sex kann man schließlich jederzeit und überall haben, notfalls mit sich selbst. Aber wann habe ich schon die Chance, mit einem Protagonisten mitzufühlen, meinem eigenen Leben für Stunden komplett zu entkommen und in ein fremdes einzutauchen?

Im Sinne des Erfolgs: Wir wollen mal nicht vergessen, dass "50SoG" erst in den Druck ging, nachdem es als eBook bereits supererfolgreich war. In diesem Sinne: Vorbild ja. Das heißt: Schreib, veröffentliche selbst und sei dir gewiss, dass Verlage ein Auge auf die Verkaufszahlen haben! Wenn dein Titel heute im Internet abgeht wie eine Rakete, werden morgen die Verlage vor deiner Haustür Schlange stehen.

Machen Amazon bzw. iTunes es Autoren einfach, schwule Romane online anzubieten? Gibt's eine Zensur?

Hat man seinen Text erst einmal lesefertig korrigiert und richtig formatiert sowie eine amerikanische (!) Steuernummer organisiert, dann ist es relativ einfach. Aber bis man herausgefunden hat, wie das alles geht, vergeht durchaus eine Weile, gerade wenn man Schriftsteller und nicht Programmierer ist. Zensur gibt es wohl. Bei meinen Sexratgebern mussten Fotos entfernt werden, die Ratgeber zu Fisten und zu Bondage wurden gar nicht erst angenommen. Aber meine Romane hat niemand beanstandet. Nicht mal die erotischen, die ich unter Pseudonym geschrieben habe.

Was ist denn dein Lieblingsbuch aus dem Segment "GayLit"?

Ich denke als erstes an Gerbrandt Bakkers "Oben ist es still". Aber es wäre unfair vielen anderen gegenüber, nur das zu erwähnen. David Leavitts erste Romane und Geschichten haben meine Schreibe sehr geprägt. John Nivens "Gott bewahre" fällt mir ein. Den Sollorz lese ich gerne. Ach, es gibt schon einige.

Zum Schluss: Welchen deiner Romane würdest du gern verfilmt sehen — und mit wem in der Hauptrolle?

Meinen ersten Roman, "An einem Mittwoch im September", sähe ich gerne verfilmt, weil der Plot dieses Buches dazu beigetragen hat, meine Berufung zu finden. Ein junger Mann wird plötzlich von Ängsten heimgesucht. Nach und nach kommt heraus, dass sein Vater im Krieg einen Liebhaber hatte, der von den Nazis auf grausame Weise hingerichtet wurde. Der Sohn trägt also unbewusst das Trauma seines Vaters.

Ich wusste damals beim Schreiben noch nicht, dass es dieses Phänomen wirklich gibt. Es wurde unlängst übrigens an Mäusen nachgewiesen: Ängste können genetisch von einer Generation in die nächste "vererbt" werden. Inzwischen arbeite ich als Therapeut mit Menschen in meiner Praxis auf der Basis von Bindungstheorie und Traumaforschung. Der Fachbegriff lautet: Mehrgenerationale Psychotraumatologie. Ich habe dem Roman also einiges zu verdanken.

Und die Hauptrolle? Och, ich bin bescheiden, ich würde notfalls auch Michael Fassbender als Hauptdarsteller nehmen.

Links zum Thema:
» Alle Bücher von Stephan Niederwieser bei Amazon
» Homepage von Stephan Niederwieser
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Tags: stephan niederwieser, self-publishing, eigenverlag, ebook, schwule verlage, gerke van leiden, bruno gmünder
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Reaktionen zu "Stephan Niederwieser: Ein Bestseller-Autor als Self-Publisher"


 28 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
16.02.2014
11:56:56


(+11, 11 Votes)

Von antos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


"Schwule Romane könnten sich heute mit wichtigeren Fragen auseinandersetzen als "Wie krieg ich den nächsten Kerl ins Bett?", z.B. mit "Ist meine Sexualität wirklich in Beton gemauert oder könnte sie auch eine Reaktion auf sexuellen Missbrauch sein?"

Weswegen sollte diese Frage eine besonders wichtige für einen normalen schwulen Mann sein?

"Es wurde unlängst übrigens an Mäusen nachgewiesen: Ängste können genetisch von einer Generation in die nächste "vererbt" werden."

Hier kann man übrigens lernen, wie ein pseudo-wissenschaftlicher Diskurs entsteht: man muss nur eine x-beliebige Behauptung an gar nicht oder nur oberflächlich verstandene "neueste wissenschaftliche Erkenntnisse" knüpfen. "Nachgewiesen" wurde in dem erwähnten Experiment: Wenn man Mäuse auf Acetophenon-Geruch negativ konditioniert, indem man ihnen Stromstöße zufügt, reagiert deren Nachwuchs stärker auf diesen Geruch als Vergleichsmäuse. Nicht weniger, nicht mehr. Anders formuliert:

"Unklar ist, wie sich die Ergebnisse verallgemeinern lassen. Mit dem Duftstoff Acetophenon haben sich die beiden Forscher eine Substanz ausgesucht, deren Wahrnehmung eng an einen einzigen Rezeptor gekoppelt ist. Möglicherweise kreisen die Duftmoleküle auch im Blut der Tiere und aktivieren dabei dieselben Geruchsrezeptoren in den Zellen der Keimbahn, spekulieren die Wissenschaftler. Das könnte die epigenetische Umstrukturierung auslösen. Bei komplexeren Gerüchen oder gar ganz anderen Sinneseindrücken und Erlebnissen könnte dies womöglich bedeutend schwieriger, wenn nicht ausgeschlossen sein. Unklar ist auch, ob der Nachwuchs den Acetophenon-Geruch von vornherein mit einer Bedrohung assoziierte oder lediglich eine erhöhte Sensitivität für diesen Duft aufwies."

Link zu www.spektrum.de


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#2
16.02.2014
12:59:04


(+15, 19 Votes)
 
#3
16.02.2014
14:23:34


(+3, 13 Votes)

Von BJ1964


Was bitte schön ist denn ein "normaler schwuler Mann"? Und haben alle,die nicht "normal" sind nichts zu sagen, was von allgemeinerem Interesse sein könnte?


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#4
16.02.2014
14:31:03


(+5, 11 Votes)

Von Gottes Sohn
Antwort zu Kommentar #3 von BJ1964


Das Problem ist auch, dass durch den CSD (Christopher Street Day) in Berlin ein anderes Bild Homosexueller in der Öffentlichkeit existiert.

Link zu www.moz.de

Gutes Bild

Bild-Link:
70451494_fb75274da_47043028.jpg


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#5
16.02.2014
14:47:35


(+8, 12 Votes)

Von Widerlich


Was ist das denn für ein widerlicher Versuch der Pathologisierung schwuler Orientierung und Identität? Ist das die queer.de-Version der öffentlich-rechtlichen Herabwürdigung von
Schwulen und Lesben à la Maischberger, Steeb & Co.?

"Ist meine Sexualität wirklich in Beton gemauert oder könnte sie auch eine Reaktion auf sexuellen Missbrauch sein?" Oder: Muss man als Schwuler Mann schwul leben?'

Denkt queer.de eigentlich mal darüber nach, was solche Aussagen bei jungen Schwulen im Coming-out-Prozess bewirken?

Vermutlich ist aber das deutlich erhöhte Suizidrisiko schwuler und lesbischer Jugendlicher auch in Westeuropa (!) in den Augen dieses Pathologisierers auch nur Ergebnis des "Missbrauchs", der überhaupt erst zur schwulen/lesbischen Orientierung führt?!

Und nicht etwa des alltäglichen Kampfes gegen allgegenwärtige Heterosexismen und Heteronormativität, die dieser Herr offensichtlich selbst komplett verinnerlicht hat oder zumindest propagiert.

Es ist unfassbar, dass hier ein solcher menschenverachtender Müll verbreitet wird!


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#6
16.02.2014
14:47:42


(-12, 14 Votes)

Von Schamlos


Die meisten schwule Männer hatten in ihrer Kindheit entweder keinen richtigen Vater oder ja, stimmts, wurden von jemandem sexuell missbraucht, jeder in der Community kann aber selbst sich davon beim vertraulichen Gespräch nicht schwer überzeugen, nur los.
Wütende Reaktionen, die nach dem Aussprechen dieser einfachen Wahrheit unverzüglich kommen, nur bestätigen das.


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#7
16.02.2014
15:00:13


(+11, 11 Votes)

Von reality W-europa
Antwort zu Kommentar #5 von Widerlich


"Entsprechend ist der Bedarf an schwulen Leitbildern zurückgegangen, ebenso der Bedarf an Coming-out-Ratgebern oder entsprechenden Selbsthilfegruppen."

________________________________

"Fast 90 Prozent der Fachkräfte, die zum Beispiel in Jugendzentren oder in Beratungsstellen an Schulen arbeiten, sehen zusätzliche spezifische Belastungsfaktoren für homo- und transsexuelle Jugendliche. Was damit gemeint ist? Die Angst vor Ausgrenzung. Der Druck, die eigene Sexualität verheimlichen zu müssen. Die Angst, Freunde zu verlieren. Oder tatsächlich homosexuellen-feindliche Erlebnisse.

Das alles müssen die betroffenen Jugendlichen verarbeiten obwohl die Pubertät ohnehin eine Zeit der Unsicherheit und oft sorgenvollen Selbstfindung ist.

90 Prozent der Fachkräfte attestieren den Schulen, dass dort ein unfreundliches soziales Klima für homosexuelle Jugendliche herrscht. Bei den Befragten aus der Schulsozialarbeit, die noch näher dran sind, teilen sogar 97 Prozent die Meinung.

Dass sich die jungen Leute bei Gleichaltrigen problemlos outen, halten die Fachleute daher für schwierig, wenn nicht unmöglich. Deshalb würde eine klare Mehrheit der Kräfte aus der Schulsozialarbeit ihnen auch nicht dazu raten.

82 Prozent der Befragten geben an, dass an Orten wie Schulen oder Jugend-Freizeitstätten homophobe Ereignisse verbreitet sind.

Und auch in den Familien, davon gehen 80 Prozent der Fachkräfte aus, wird die sexuelle Identität der jungen Leute nicht problemlos akzeptiert."

Link zu www.abendzeitung-muenchen.de

Wissenschaftler aus mehreren Ländern haben herausgefunden: Selbstmord ist bei Jugendlichen eine der häufigsten Todesursachen. Die Dunkelziffer der Fälle ist hoch.

Link zu www.augsburger-allgemeine.de

Link zu www.tagesanzeiger.ch


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#8
16.02.2014
15:02:29


(+10, 12 Votes)

Von gefunden


Der schlechte Vater Staat

Study shows gay people die 12 years early in anti-gay countries

A harrowing report from Columbia University shows gay people living in prejudiced places have shorter life spans, are more prone to suicide and are at risk of violent and stress-induced deaths

Link zu www.gaystarnews.com


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#9
16.02.2014
15:05:39


(+7, 9 Votes)

Von StopHeterosexism
Antwort zu Kommentar #7 von reality W-europa


Zwangsheterosexualisierender Missbrauch!


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#10
16.02.2014
15:11:38


(+8, 8 Votes)

Von antos
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #3 von BJ1964


Zu Recht greifst Du diese missverständliche Formulierung auf - damit meine ich einen normal-schwulen Mann, einen, der sein Schwulsein nicht als Krankheit, gar als post-traumatische Reaktion begreift, einen, der mit sich und mit seinem So-Sein im Reinen ist, ja, solche soll es geben, ich zum Beispiel bin so jemand, und der in diesem Bewusstsein versucht, sich durch eine im Großenganzen heterosexistische Gesellschaft zu navigieren. Wie dieser normal-schwule Mann sonst so drauf ist und in welchen Szenen er sich bewegt ist hier nicht mein Thema.

Auf alle Fälle, danke für die Anregung, werde ich meinen lieben alten Vater beim nächsten Besuch dahingehend befragen, ob sein heterosexuelles Verhalten nicht eventuell Reaktion auf einen sexuellen Missbrauch sein könnte. Das wird eine heitere Diskussion, ich werde sie mit Ossobuco kulinarisch untermalen.


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