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  • 22.02.2014           134      Teilen:   |

Neues Buch

Sarrazin poltert gegen Regenbogenfamilien

Artikelbild
Thilo Sarrazin erzielt mit Büchern, in denen er sich über mangelnde Meinungsfreiheit beklagt, Topplatzierungen in den Bestsellerlisten und zahlreiche Talkshowauftritte (Bild: Richard Hebstreit / wiki commons cc by 2.0)

In seinem neuen Buch, von dem die "Bild" am Samstag Auszüge veröffentlichte, fabuliert der Skandalautor über die "Bedeutung der genetischen Verwandtschaft".

Von Norbert Blech

"Jede Wahrheit braucht einen, der sie ausspricht!" Mit diesen Worten hat die "Bild"-Zeitung am Samstag ihre Serie aus Auszügen aus dem neuen Buch von Thilo Sarrazin fortgesetzt. Der Autor nehme sich darin die "Lebenslügen linker Gleichheitsideologen" vor, so die Redaktion, diesmal gebe es "die Wahrheit über Homo-Ehe und Zuwanderer".

Nach einigen absurden Statistiken über Unterschiede zwischen den Völkern (Schweizer melden mehr Patente an als Türken etwa) folgt dann auch ein Abschnitt, der sich der Frage der Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare widmet. Sarrazin beginnt mit einem Zitat der ehemaligen Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU), wonach es laut Studien für Kinder keinen Unterschied mache, ob sie bei hetero- oder homosexuellen Paaren aufwachsen.

"Damit leugnet sie nicht nur die Bedeutung des unterschiedlichen Geschlechts der Eltern, sondern auch die Bedeutung der genetischen Verwandtschaft für die Beziehung zwischen Eltern und Kindern", kommentiert Sarrazin. Auch leugne von der Leyen "die Rolle der menschlichen Natur in der Beziehung zwischen den Geschlechtern und zwischen Eltern und Kindern."

Als Mutter von sieben Kindern sollte die Ministerin das besser wissen, doziert Sarrazin. "Aber vielleicht opfert sie hier einfach – taktisch klug und ein bisschen opportunistisch – ihre bessere Einsicht dem Umstand, dass die Rolle der Homosexuellen in der Politik und in den Medien mittlerweile weitaus größer ist, als es ihrem Anteil 5 Prozent an der Bevölkerung entspricht."

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Tüchtige Tunten und verpartnerte Faultiere

Sarrazins Buch passt bestens in eine Zeit, in der Homo-Hasser beklagen, dass sie für ihre Vorurteile kritisiert werden
Sarrazins Buch passt bestens in eine Zeit, in der Homo-Hasser beklagen, dass sie für ihre Vorurteile kritisiert werden

Auch Sarrazin verbreitet hier also die Mär einer angeblich einflussreichen Homo-Lobby, die anderen ihren Willen aufzwinge. Das passt bestens zum Buch "Der neue Tugendterror. Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland". Es erscheint am Montag, in ihm will Sarrazin auf 400 Seiten "14 vorherrschende Denk- und Redeverbote unserer Zeit" behandeln. Zu Homosexuellen und ihren angeblichen Einfluss wird da wohl noch mehr stehen als in dem kurzen "Bild"-Ausriss.

Bereits im letzten Herbst hatte sich Sarrazin zum Thema Homo-Ehe zu Wort gemeldet. Im Interview mit Jürgen Elsässer vom rechten Magazin "Compact" sagter er, man müsse "staatliche Familienpolitik und private Lebensführung unterscheiden. Die Schwulenehe gehört zu letzterer" (queer.de berichtete). Es sei fraglich, ob man Lebenspartnerschaften als Ehe bezeichnen sollte: "Das ist ungefähr so, als würde man ein 'Faultier' als 'Löwe' bezeichnen. Das kann man selbstverständlich machen, aber es ändert nichts daran, dass beide unterschiedliche Eigenschaften haben."

Staatliche Familienpolitik müsse sich darauf konzentrieren, für die Geburt und die Erziehung von Kindern gute Voraussetzungen zu schaffen, so Sarrazin weiter. Auf die Frage von Elsässer, ob der Staat derzeit statt "tüchtiger Jungs" solche "in rosa Kleidchen" fördere, antwortete Sarrazin: "Vorsicht, auch die Tunte kann sehr tüchtig sein!" Das sei positiv gemeint gewesen, verteidigte er sich später nach einem Medienrummel um seine Äußerung (queer.de berichtete).

November 2013: Konferenz mit Homo-Hassern

Protest gegen Sarrazins Tabubruch in Dresden: Endlich darf man wieder gegen Minderheiten hetzen!
Protest gegen Sarrazins Tabubruch in Dresden: Endlich darf man wieder gegen Minderheiten hetzen! (Bild: dielinke-sachsen / flickr / cc by 2.0)

Das Interview diente damals der Werbung für den "Compact"-Kongress in Leipzig, auf dem neben Sarrazin vor allem Gegner einer Gleichstellung Homosexueller auftraten, darunter Béatrice Bourges vom militanteren Flügel der französischen Manif-pour-Touts-Bewegung und Elena Misulina, die Autorin des russischen Gesetzes gegen Homo-"Propaganda".

Bei der Konferenz vertrat Sarrazin größtenteils seine ausländerfeindlichen Thesen (queer.de berichtete). Zugleich sagte er: "Homo-Ehe unterstellt eine Ähnlichkeit dort, wo es keine gibt. Zwei Homosexuelle – seien es männliche oder weibliche – können zusammen eben keine Kinder bekommen. Und sie haben dasselbe Geschlecht. Und das ist ein Unterschied, der auch durch Worte nicht überdeckt werden kann."

Nach der Konferenz hatten Autonome das Berliner Haus von Sarrazin mit rosa Farbbeuteln beworfen, mit Verweis auf die "rassistische, antifeministische und homophobe Stoßrichtung" der "Compact"-Konferenz.

In dem "Compact"-Interview hatte Sarrazin übrigens noch milder über Regenbogenfamilien geurteilt. Zwar sage seine "ganze Intuition", dass Kinder Vater und Mütter bräuchten. "Es gibt aber bislang keine aussagefähigen Untersuchungen zu Kindern, die in homosexuellen Verbindungen aufwachsen", so Sarrazin damals, man dürfe auch nicht unterschätzen, dass Kinder sich auch "bei ungünstigen Verhältnissen günstig" entwickelten. "Das macht alle Generalisierungen so problematisch."

 Update  23.02.2014: Weitere Äußerungen

In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" hat Sarrazin nachgelegt. So zitiert er aus seinem Buch: "Der sexuellen Lebensgemeinschaft von Homosexuellen den Namen 'Ehe' geben zu wollen, ist ein Akt des Übergriffs, weil er den Namen, der einer anderen Art von Gemeinschaft gehört, für sich selbst reklamieren will." Der Begriff "Homo-Ehe" sei eine Verfälschung: "Die Ehe ist der formale Bund für die sexuelle Lebensgemeinschaft von Mann und Frau."

Nur aus der Ehe könnten Kinder entspringen, so Sarrazin in dem Interview weiter. "Für gleichgeschlechtliche sexuelle Lebensgemeinschaften gibt es kein staatliches Regelungsbedürfnis. Dieses erwächst nämlich nur aus der Chance und dem Risiko, dass Sex zu Kindern führt, und das ist bekanntlich nur bei heterosexuellen Paaren möglich."

Zugleich sagte Sarrazin, dass Homosexuelle ein Adoptionsrecht haben sollten, dass sie nicht diskriminiert werden sollten und dass "jede Neigung, die andere unversehrt lässt, ausgelebt" werden dürfe. "Es besteht aber auch kein Anlass, diese Lebensform gesellschaftlich zu überhöhen und zu fördern." Auf die "BamS"-Frage (!) "Doch lieber keine Kinder in Homo-Partnerschaften, oder?" antwortete Sarrazin, das man das nicht ausschließen müsse, auch wenn es für Kinder am besten sei, "in einer stabilen Beziehung ihrer leiblichen Eltern" aufzuwachsen. Es sei kein Schwulenfeind, er habe "sieben Jahre lang mit Freude als Senator mit dem schwulen Bürgermeister Klaus Wowereit in Berlin zusammengearbeitet".

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Tags: thilo sarrazin, homo-ehe, adoption, regenbogenfamilie
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Reaktionen zu "Sarrazin poltert gegen Regenbogenfamilien"


 134 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
22.02.2014
07:47:44


(+11, 15 Votes)

Von ehemaligem User timpa354


Ich bin diese engstirnigen Denkweisen sowas von leid. Sarrazin sollte in der Lebenswirklichkeit ankommen und die sieht so aus, dass viele Frauen ihre Kinder allein großziehen müssen, weil die heterosexuellen Väter sich einen Dreck um ihre Gören kümmern. Ich wette Bücher über dieses Thema würde aber keine Sau kaufen stimmt´s?


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#2
22.02.2014
08:01:40
Via Handy


(+1, 9 Votes)

Von kribbln
Aus Berlin
Mitglied seit 20.12.2013


"Damit leugnet sie nicht nur die Bedeutung des unterschiedlichen Geschlechts der Eltern, sondern auch die Bedeutung der genetischen Verwandtschaft für die Beziehung zwischen Eltern und Kindern"

Link zu www.gegen-hartz.de


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#3
22.02.2014
08:09:53


(+9, 13 Votes)

Von goddamn liberal


Ja, das Elitegen doitscher Herrenmenschen:

"Richard Sarrazin, Sohn des Ex-Bundesbankvorstandes und Bestseller-Autors Thilo Sarrazin erklärte gegenüber der Bunten, dass es gut sei arbeitslos zu sein

Das wird Papa nicht gerne hören. Oder hat er seinen Sohnemann abgeschrieben: Thilo Sarrazin's Sohn Richard hat in einem Interview mit der Bunten geäußert, dass es gut sei arbeitslos zu sein, da man sein Lebenstempo selbst bestimmen könne.

Richard Sarrazin, der Sohn des früheren Bundesbankvorstands und Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin, lebt einem Bericht zufolge von Hartz IV und kommt zurecht.

[...]

Momentan habe Richard Sarrazin, eigenen Angaben zu Folge, einen Ein-Euro-Job als Gärtnerhilfe auf einem Friedhof. " (Wochenblatt)

Der Widersinn macht Sinn, wenn man erkennt, das er ein Unterdrückungsinstrument ist. Nach dem Motto: Auch wir können den Putin machen.

Könnten wir.

Tun wir noch nicht.

Aber, wer weiß.


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#4
22.02.2014
08:25:19
Via Handy


(+14, 16 Votes)

Von Alex


Der springt halt wie alle Populisten auf jeden Zug auf, der ihm gerade Vorteile und Aufmerksamkeit bringt.

Bezeichnend, dass der immer noch in der SPD ist und die ihn nicht ausschließen. Das sagt auch sehr viel über die SPD aus...


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#5
22.02.2014
08:32:15


(+9, 13 Votes)

Von Kristian
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Ob selbst Rechtspopulisten und andere Dumme nicht durchschauen, dass es zumindest für Sarrazin diese Grenzen der Meinungsfreiheit eben nicht gibt und er damit nur eine weitere Million auf ziemlich widerliche Art verdienen will? Schon ein Skandal, dass dieser Typ zusammen mit seiner hochsympathischen Frau noch ein ehrenwertes SPD-Mitglied ist.

"Das passt bestens zum Buch "Der neue Tugendterror. Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland". Es erscheint am Montag, in ihm will Sarrazin auf 400 Seiten "14 vorherrschende Denk- und Redeverbote unserer Zeit" behandeln. Zu Homosexuellen und ihren angeblichen Einfluss wird da wohl noch mehr stehen als in dem kurzen "Bild"-Ausriss."

Ob man auf Queer.de auch noch so für das Buch werben muss?


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#6
22.02.2014
08:48:33


(-3, 7 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Herr Sarrazin sollte der SPD und sich 'nen Gefallen tun und austreten! Solche kruden Gedankenspiele kennt man ja aus rechtspopulistischen Parteien! Er wäre der ideale FPÖ- bzw. NPD-Spitzenkandidat für die diesjährigen Europawahlen!


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#7
22.02.2014
08:53:06


(+5, 13 Votes)

Von Harry1972
Aus Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.02.2013
Antwort zu Kommentar #3 von goddamn liberal


Echt? Der Sohn von dem Spacken hartzt ab?
Wie grell!


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#8
22.02.2014
08:56:35


(+13, 15 Votes)

Von olfwob


Zitat: "dass die Rolle der Homosexuellen in der Politik und in den Medien mittlerweile weitaus größer ist, als es ihrem Anteil von 5 Prozent an der Bevölkerung entspricht."

Und wenn schon, der Anteil der Schwachköpfe in der Politik ist ja auch wesentlich höher, als es dem in der Gesamtbevölkerung entspricht.


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#9
22.02.2014
09:01:25


(+1, 9 Votes)

Von olfwob
Antwort zu Kommentar #6 von FoXXXyness


Sarazzin in der NPD? Wieso? Dann würde er sich doch mit Leuten gleichmachen, mit denen er ausser seiner Denke rein gar nichts gemein hat...


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#10
22.02.2014
09:14:38


(+16, 20 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #8 von olfwob


Deutschland 1930:

"dass die Rolle der Juden in der Politik und in den Medien mittlerweile weitaus größer ist, als es ihrem Anteil von an der Bevölkerung entspricht."

Deutschand heute:

"dass die Rolle der Homosexuellen in der Politik und in den Medien mittlerweile weitaus größer ist, als es ihrem Anteil von 5 Prozent an der Bevölkerung entspricht."


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