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  • 23.02.2014           3      Teilen:   |

Ein homophober Teenager im Gay-Haushalt

Regenbogenfamilie wider Willen

Artikelbild
Ausschnitt aus dem Cover: Der 32-jährige Ricardo hat seinem Lebenspartner verschwiegen. dass er mit 18 Jahren einen Sohn gezeugt hat

In Martin M. Falkens Roman "Papas unterm Regenbogen" wird ein verpartnertes schwules Paar von einer heterosexuellen "Jugendsünde" eingeholt.

Von Angelo Algieri

Ach du dickes Ei! Ricardo und Nicolas, verpartnert und beide Anfang 30, müssen an Ostern den 14-jährigen Julio aufnehmen. Ganz plötzlich. Denn die Mutter von Julio muss nach Brasilien, um ihre eigene Mutter zu pflegen.

Nicolas ist irritiert: Warum hat ihm Ricardo die Existenz seines Sohnes verschwiegen? Doch auch Ricardo ist überrascht: Gabriela hatte ihn doch vor 14 Jahren von seinen elterlichen Pflichten entbunden. Doch nun fordert sie ein, dass er sich um seinen Sohn kümmert. Als ob das alle nicht schon genug Wirbel verursacht, ist Julio auch noch homophob eingestellt…

Mit dieser vertrackten Konstellation beginnt der Roman "Papas unterm Regenbogen" von Martin M. Falken. Der junge Autor, Jahrgang 1984, hat damit beim Hamburger Himmelstürmer Verlag seinen vierten Roman vorgelegt (queer.de besprach den aufregenden Roman "Unter Beobachtung").

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In Nicolas' Pralinengeschäft taut der Teenager auf

Der Roman "Papas unterm Regenbogen" ist Anfang Februar 2014 im Hamburger Himmelstürmer Verlag erschienen
Der Roman "Papas unterm Regenbogen" ist Anfang Februar 2014 im Hamburger Himmelstürmer Verlag erschienen

Doch zurück zum aktuellen Plot: Ricardo und Nicolas machen klar, dass homophobe Sprüche oder Beschimpfungen in ihrem Haus nicht geduldet werden. Aber zum Glück hat Nicolas eine Chocolaterie mit selbstgemachten Pralinen, auf die Julio neugierig ist. Bald verstehen sich die beiden sehr gut. Auch weil der Teenager ihn alles unverblümt fragen kann. Julios Weltbild ändert sich um 180 Grad innerhalb weniger Monate. Seine nunmehr zwei Väter helfen ihm zudem bei den Hausaufgaben. Nur bei Mathe müssen sie passen – hier springt die befreundete Travestiekünstlerin Manu ein. Mit Erfolg: Bei der nächsten Klausur bekommt er eine zwei.

Allerdings treten zwischen dem schwulen Paar immer mehr Spannungen auf, weil Ricardo sich innerlich in seine Vergangenheit zurückzieht. Er durchlebt sie nochmals und hofft, die offenen Baustellen zu bewältigen. Dazu gehört vor allem seine erste Liebe Benjamin, die nach nur zwei Monaten abrupt endete. Grund war Ricardos Mutter, die intrigant handelte. Doch nun, nach 14 Jahren, sehnte er sich wieder nach Benjamin – und findet ihn auf einem sozialen Netzwerk im Internet. Sie sehen sich, ohne dass Nicolas etwas weiß. Doch passiert bei diesem Treffen nichts – auch wenn Ricardo glaubt, in Benjamin noch verliebt zu sein.

Allerdings sollten sie sich bald wieder zufällig sehen: auf dem Kölner CSD. In einem vermeintlich ungestörten Moment küsst Ricardo seinen Ex – doch Nicolas bekommt alles mit und macht seinem Mann eine Riesen-Eifersuchtsszene. Ricardo fühlt sich unverstanden und haut daraufhin ab; lässt sich durch die proppenvollen Homo-Bars treiben, auf der Suche nach Sex. Wird er erfolgreich sein? Wie geht es zwischen Nicolas und Ricardo weiter? Lassen sie sich scheiden? Was wird aus der mittlerweile gut funktionierenden Regenbogenfamilie? Was wird aus Julio? Und kann Ricardo seine Vergangenheits-Geister besiegen?

Wie erzieht man einen 14-Jährigen?

Martin Falken beschreibt in seinem Roman äußerst spannend, wie sich ein Paar plötzlich auf einen Teenie einstellt – und zu einer Regenbogenfamilie heranwächst. Dabei beschönigt Falken nichts und verweist auf verschiedene Schwierigkeiten. Zwischenmenschliche Fragen werden ausgelotet: Wie schlüpft man in eine Vaterrolle? Wie erzieht man einen 14-Jährigen? Welchen Ton trifft man, ohne sich anzubiedern? Wie baut man bei seinem noch unbekannten Sohn Vorurteile ab? Zusätzlich müssen sich die Neo-Väter mit Fragen wie Mobbing oder Homophobie in der Schule auseinandersetzen.

Außerdem besticht dieser Roman durch Ambivalenz. Das zeigt sich bereits im Aufbau: Mal lesen wir aus der Ich-Perspektive von Ricardo, mal aus der Sicht von Nicolas. Dabei gelingt es Falken, sich den Hauptfiguren – allen voran Ricardo – psychologisch anzunähern. Und dennoch wirkt der Text weder schwerfällig noch bedient er sich unzugänglichen Bildern oder langwierigen inneren Monologen. Stattdessen: viel Empathie, ohne jeglichen Kitsch.

Das ambivalente Gesellschaftspanorama einer Kleinstadt

Die Ambivalenz zeigt sich auch inhaltlich. Etwa bei der "Transe" Manu: Einerseits hilft sie Julio in Mathe, andererseits beleidigt sie auf dem CSD einen Behinderten, der zufällig der Partner von Benjamin ist… Noch ein Beispiel: Die Schule Julios zeigt sich zum einen als homophober Ort. Zum anderen greifen Leiter und Lehrerin konsequent ein, wenn sie homophobes Verhalten unter Schülern mitbekommen.

Der Roman spiegelt gekonnt das gegenwärtige Gesellschafts-Panorama einer Kleinstadt, wo für LGBT zwar einiges noch im Argen liegt, aber sich vieles zum Besseren gewendet hat. Das Provinz-Bashing bleibt somit aus! Einziger Wermutstropfen: Manche Dialoge wirken leider ein wenig zu pädagogisch und zu gestelzt…

Fazit: "Papas unterm Regenbogen" ist ein gut-durchdachter, nachdenklicher und rasanter Regenbogenfamilien-Roman. Ähnlich wie "Auf dem Sprung" von Roland Gramling (queer.de besprach) finden Homo-Väter einen Platz in der gegenwärtigen literarischen Erzählung. Garantiert nicht nur für Gay-Papas oder Pralinen-Genießer!

  Infos zum Buch
Martin M. Falken: Papas unterm Regenbogen. Junge Liebe Band 62. Himmelstürmer Verlag. Hamburg 2014. 180 Seiten. 14,90 €. ISBN: 9-783863-613525.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
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Tags: martin m. falken, regenbogenfamilie, schwuler vater, himmelstürmer
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Reaktionen zu "Regenbogenfamilie wider Willen"


 3 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
24.02.2014
09:55:02


(-1, 1 Vote)

Von ollinaie
Aus Seligenstadt (Hessen)
Mitglied seit 23.08.2012


Schade, leider nicht als E-Book verfügbar.


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#2
24.02.2014
10:03:33


(0, 2 Votes)

Von Charlotte
Antwort zu Kommentar #1 von ollinaie


Aber doch als eBook verfügbar ;-):
Link zu www.libreka.de


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#3
25.02.2014
18:07:05


(0, 0 Vote)

Von ReBoVa in spe


Klingt nach 'ner unterhaltsamen Geschichte! Noch mehr würde mich allerdings eine Story interessieren, bei dem sich das schwule Paar BEWUSST für die Gründung einer Regenbogenfamilie entscheidet, denn machen wir uns nichts vor: In manchen Teilen der Gesellschaft wird uns dabei nicht nur ein "Geschlechterdefizit" vorgeworfen, sondern auch mangelnde Reife und Verantwortung, dieses realisieren "zu dürfen". In dieses negative Bild passt dann leider auch eher solch eine bunte Geschichte mit "verlorenem" Sohn, untreue, Schwulenbars, kölschen CSD, Travestieküntlern und pralinööser Beschäftigung.


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