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Roy Simmons hielt es während seiner Profikarriere Anfang der 1980er Jahre für unmöglich, gleichzeitig schwul und ein Footballstar zu sein

Während seiner Profikarriere tat er alles, um seine Homosexualität zu verstecken. Später erzählte er davon, wie er eine Lüge lebte. Jetzt ist Roy Simmons im Alter von 57 Jahren gestorben.

Der frühere NFL-Star Roy Simmons ist vergangene Woche in seiner Wohnung im New Yorker Stadtteil Bronx tot aufgefunden worden. Über seine Todesursache ist noch nichts bekannt, Simmons litt aber in den letzten Monaten an einer schweren Lungenentzündung.

Simmons war erst der zweite Spieler der nordamerikanischen Profiliga, der sich nach Karriereende als schwul geoutet hatte. Zuvor hatte 1975 nur David Kopay, der von 1964 bis 1972 spielte, seine Homosexualität öffentlich gemacht. Simmons war von 1979 bis 1984 für die Teams New York Giants und Washington Redskins im Einsatz.

Erst Jahre nach seinem Karriereende wagte er ein öffentliches Coming-out: Er sprach 1992 in einer Fernsehtalkshow über seine Homosexualität. Wenig später schrieb er in seiner Autobiografie über den großen Aufwand, den er betrieben hatte, um seine sexuelle Orientierung während seiner Profilaufbahn zu verbergen – und wie ihn das Versteckspiel aus der Bahn geworfen hatte. Dennoch habe er nie auch nur in Erwägung gezogen, während seiner Profikarriere öffentlich über seine Homosexualität zu sprechen, da er ausschließlich negative Auswirkungen erwartet habe. "In der NFL gibt es nichts Schlimmeres, als schwul zu sein", so Simmons im Jahr 2006.

Der Footballer, der während seiner Karriere wegen seiner zurückhaltenden und freundlichen Persönlichkeit den Spitznamen "Sugar Bear" erhielt, versuchte durch Verabredungen mit Frauen keinen Verdacht aufkommen zu lassen. So wurde er auch Vater einer Tochter mit einer seiner Freundinnen. Währenddessen besuchte er oft schwule Saunen in New York City und vergnügte sich mit Callboys.

Nach Ende der Karriere wurde Simmons 15-Dollar-Callboy

Außerdem war Simmons ein gern gesehener Gast auf Drogenpartys. Sein Spiel litt unter diesem Leben und er konnte sich nur wenige Jahre in der Spitzengruppe halten. Nach dem Karriereaus erlebte er einen tiefen Absturz. Er hatte finanzielle Probleme, war zeitweise obdachlos und arbeitete schließlich selbst als Callboy in San Francisco. Seine Dienste bot er laut seiner Autobiografie für 15 Dollar an. 1997 fand er heraus, dass er sich mit HIV angesteckt hatte.

Der aus dem beschaulichen Savannah im US-Südstaat Georgia stammende Sportler berichtete auch, dass er im Alter von elf Jahren von einem Nachbarn vergewaltigt wurde. Die schmerzhafte Erinnerung an die Misshandlung habe ihn seither immer begleitet, erklärte Simmons in Interviews.

Inzwischen hat mit dem Nachwuchstalent Michael Sam ein offen schwuler Spieler gute Chancen, in Kürze für einen NFL-Proficlub aufgestellt zu werden (queer.de berichtete). In der ebenfalls sehr populären nordamerikanischen Basketball-Profiliga gibt es mit Jason Collins schon einen Spieler, der seine Homosexualität nicht versteckt (queer.de berichtete). Außerdem ist vergangenes Jahr mit Robbie Rogers erstmals ein Fußballer in der Major League Soccer (MLS) aufgelaufen (queer.de berichtete). In der deutschen Bundesliga hat bislang noch kein einziger aktiver Spieler diesen Schritt gewagt. (dk)