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  • 27.02.2014           69      Teilen:   |

Erhitzte Debatte

Berliner CSD: Mit Stolz in den Untergang

Artikelbild
CSD-Geschäftsführer Robert Kastl redete sich wie der Vorstand des Vereins um Kopf und Kragen (Bild: Jörg Kalitowitsch)

An einem denkwürdigen Abend stritt sich die Hauptstadt-Szene in eine Situation hinein, die ohne personelle Konsequenzen kaum einen Ausweg bietet.

Von Norbert Blech

Es war ein Abend voller Unverständnis, Geschrei, Tumult, Rücktrittsforderungen und einem Eklat. Der Berliner CSD hatte zu einem Forum geladen, um unter anderem seine Umbenennung in "Stonewall" zu erklären, und erntete ein Chaos, bei dem es einen nicht verwundert hätte, wären auch noch die Stadtindianer aufgetaucht. Das war kein Revival des Stonewall-Gedankens, was man da mit Erschrecken erlebte, das war eine Wiederkehr des Fiaskos der Beethovenhalle.

Da wären zunächst der CSD-Vorstand und sein Geschäftsführer: Eine Truppe, die wie eine Regierung in ihrem letzten Amtsjahr wirkte. Arrogant, ignorant, trotzig, stur, desinteressiert. Auf verlorenen Posten und dennoch aggressiv: In den Untergang mit Gebrüll!

Es gab Momente der Fremdscham, eines Hohngelächters des ganzen Saales: Etwa, als die Organisatoren dieser professionellen Großveranstaltung sich um Kopf und Kragen redeten, als sie die Nichteinladung der Szenemedien zu einer Pressekonferenz am Morgen damit rechtfertigten, dass man doch "die am meisten relevante Presse" eingeladen habe. Auf Nachfragen wurden die Erklärungsversuche nicht besser – und auch nicht glaubwürdiger, hatten Szenejournalisten doch Entschuldigungs-Mails erhalten mit dem Hinweis, dass man sie quasi einzeln versehentlich nicht eingeladen hätte.

Es gab viele dieser Peinlichkeiten, viel Ausweichen. Und es gab bemerkenswert wenig Wille zur Deeskalation: Wie Geschäftsführer Robert Kastl trotz fortgeschrittener Zeit und fortgeschrittenem Diskussionsstand daran festhielt, einen langen Vortrag über die Geschichte von Stonewall und die allgemeine Lage von LGBT abzuhalten, und sogar einen Imagefilm auf dem Beamer abspielte; das hat man in seiner unproduktiven Dreistheit lange nicht erlebt.

Und so eskalierte alles munter weiter, Anträge wurden gestellt und nicht angenommen, eine inoffizielle Meinungsbildung abgelehnt, die Diskussionsleitung schließlich vom Forum übernommen, was von den CSD-Verantwortlichen mit einem Verlassen der Veranstaltung quittiert wurde. Das Forum beschloss letztlich, die Umbenennung bis auf weiteres auszusetzen. Dass das anerkannt wird, erscheint unwahrscheinlich.

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Unplausible Angriffe, unplausible Antworten

An dem CSD-Forum nahmen rund 200 Menschen teil, mit den unterschiedlichsten Interessenlagen
An dem CSD-Forum nahmen rund 200 Menschen teil, mit den unterschiedlichsten Interessenlagen

Dabei waren viele Abwehrreaktionen der CSD-Veranstalter verständlich: Sie waren sehr vielen Angriffen ausgesetzt und viele davon waren, vom Ton einmal ganz abgesehen, nicht plausibel, einige albern, einige unverschämt. So waren im Vorfeld wie vor Ort etliche Nebelkerzen und als Fragen verpackte Vorwürfe in den Raum gestellt worden, deren Antworten teilweise längst bekannt oder nicht das Problem sind, als das sie dargestellt werden. An dem CSD bereichert sich niemand.

Ohnehin muss man unterstellen, dass es hier, teilweise verdeckt, sehr viele Eigeninteressen gab, aus politischen Lagern, vor allem dem konservativen, von einzelnen "Journalisten" und Verlegern, von anderen Institutionen. Das hatte die Atmosphäre im Vorfeld aufgeheizt und vergiftet.

Ein gut vorbereiteter, durchdacht antwortender Vorstand hätte dennoch vieles entkräften können, spätestens vor Ort entkräften müssen. Aber es gab auf viele berechtigte Fragen, etwa zur Eintragung des Markennamens "Stonewall", keine ausreichenden Antworten. Der Vorwurf der mangelnden Transparenz stand immer wieder im Raum, im Kern jedoch ging es um mangelndes Vertrauen.

Denn auch für viele ohne Eigeninteressen schien ein Punkt erreicht: Bis hierhin und nicht weiter. Dieser Punkt war die Umbenennung des CSD in Stonewall, offensichtlich schon länger vorbereitet und ohne große Einbeziehung der Szene von einer Mitgliederversammlung (MV) beschlossen. Nun ist die MV eines Vereines durchaus ein demokratisches Mittel und viele Szeneverbände beklagen nicht zu Unrecht, dass sich die Leute für ihre Foren erst interessieren, wenn ihnen etwas nicht passt oder etwas schiefgeht.

Trotzdem beruft sich ein CSD in seiner Legitimation und Außenwirkung halt nicht auf eine MV, sondern auf die ganze Szene, die er im Idealfall verbinden sollte. Er bezieht seine Kraft aus der Einbeziehung der unterschiedlichsten Gruppen und Einzelpersonen. Und im übrigen auch aus einer Vielzahl von unendlich engagierten Ehrenamtlern. Sie alle hätten in diese Planung, die eine strategische Neuausrichtung darstellt, einbezogen werden müssen. Auch umfassende Erläuterungen hätten nicht geschadet.

Stonewall Berlin?

Der Sinn der Umbenennung erschloss sich aber auch nach dem Vortrag Kastls zunächst nicht. Der CSD selbst wird allein durch einen Namen nicht politischer, der Begriff "Christopher Street Day" verweist schließlich auf das gleiche Ereignis. Er ist ein gut eingeführter Begriff, mit dem sowohl Medien als auch Heterosexuelle mittlerweile etwas anfangen können. Ein neuer Name würde das erstmal abschwächen, hätte folglich auch Auswirkungen auf etliche CSDs im ganzen Land.

Man könnte auf den Gedanken der besseren internationalen Vermarktung kommen. In der Tat ist der Begriff "CSD" im Ausland nicht gebräuchlich, "Stonewall" allerdings auch nicht – aus kommerziellen Gründen wäre wohl ein "Gay Pride" fällig gewesen.

In Wirklichkeit geht es offensichtlich um eine Umstrukturierung: Weg vom Gedanken der Organisation für einen Tag (Day!) hin zu einem Ansprechpartner das ganze Jahr über. Eine Organisation, die die Szene, aber auch Einzelpersonen möglichst geschlossen mobilisiert, wenn es aktuell darauf ankommen sollte, und nicht im Sommer, wenn das Parlament und alle möglichen Homohasser im Urlaub sind und die gleichen allgemeinen Forderungen wöchentlich in anderen Städten erhoben werden. Einige kleinere CSDs leisten das übrigens heute schon, ganz ohne ideologischen Überbau.

Dem Berliner CSD schweben hier "pointierte, teils freche und sehr direkte Aktionen" vor, ein wenig klingt das nach Act-Up. Zugleich ist eine "Etablierung als Interessenvertretung für LGBT- und Menschenrechte – 365 Tage im Jahr" geplant, da ahnt man schon kommende Streitereien um Fördertöpfe und den Grund für viele Empörungen.

Dabei darf man den bisherigen CSD nicht klein reden. Eine möglichst große Sichtbarkeit an einem Tag im Jahr ist auch heute noch ein wichtiges Zeichen für sich, nach außen und innen. Man achte nur auf das Strahlen und bestärkte Selbstbewusstsein der LGBT-Teenager, die zum ersten Mal an einem CSD teilnehmen, gerade auch in anderen Städten und Kleinstädten. Auch war der letzte Berliner CSD durchaus politisch: Auf der Bühne, bei vielen Teilnehmern der Parade und in Veranstaltungen in der Woche zuvor war etwa das Thema Russland omnipräsent. Es ist auch die Aufgabe des CSD, anderen eine Bühne zu geben.

Dieser Tag muss seine Wichtigkeit behalten. Zweifellos wird es Änderungen geben müssen, auch ist eine Art Act-Up-Bewegung kein schlechter Gedanke. Ob beides, CSD und Act-Up, innerhalb des gleichen Vereines denk- und machbar ist, sollte wie viele Detailfragen in der Szene, mit der Szene debattiert werden. Es erscheint zwingend, die Umbenennung zunächst auszusetzen und das Gespräch zu suchen.

Verbrannte Erde

Dieses Bild aus der Pressekonferenz am Morgen sorgte am Abend für einigen Unmut
Dieses Bild aus der Pressekonferenz am Morgen sorgte am Abend für einigen Unmut

Letztlich bleibt aber noch ein anderes Problem: Kann ein CSD-Veranstalter einerseits diplomatisch genug für die Durchführung einer Großveranstaltung und andererseits frech und direkt sein? Und wie sieht das bei dem aktuellen CSD-Geschäftsführer aus?

Der ist zweifellos frech und direkt, lässt das diplomatische Geschick bei seiner Hauptaufgabe, der Organisation des CSD, aber offenbar gänzlich vermissen. Berliner Einrichtungshäuser dürften an diesem Morgen danach kein Porzellan mehr haben, wobei das Trauerspiel CSD-Forum noch von besagter Pressekonferenz zuvor überboten wurde.

Dort hatte Kastl die Stadt beschuldigt, den CSD zu benach- und andere Veranstaltungen deutlich zu bevorteiligen. Das ist ein schwerer Vorwurf, der von den Verantwortlichen abgestritten wird und sich erst später klären wird. Das Problem: Das ganze wirkt wie eine Nebelkerze des CSD. Ob es sinnvoll ist, diesen Konflikt per Strafanzeige zur Lösung zu bringen und das mitten im Streit um die Ausrichtung des nächsten CSDs, darf aber stark angezweifelt werden ebenso wie die Frage, ob es dazu kommen musste.

Man will gar nicht lang spekulieren, ob eine eventuell mangelnde Unterstützung der Stadt nicht auch in Kastl und seinem Vorgehen selbst zu suchen ist. Man muss nur sehen, wie er gestern zugleich schwule Politiker beschuldigte, gegen ihn zu kämpfen – auf einem Plakat, auf dem sie als Verbrecher gebrandmarkt wurden. Außerhalb des CSD-Vorstandes, das wurde beim Forum gestern überdeutlich, gibt es dafür kein Verständnis. Man kann eine Einmischung der Politik in den CSD wie kürzlich kritisch sehen; wenn der CSD parteiübergreifend ermahnt wird, steckt da aber mehr dahinter als Kalkül. Es ist ein Warnsignal.

Die Frage der Schlagkraft

Der unnötig provozierte und provozierende CSD-Streit kommt dabei zu einem ungelegen Zeitpunkt. Während einerseits die Bedrohungen im In- und Ausland zunehmen, ist es in Berlin gerade Mode, so gut wie alles auf den Prüfstand, bestehende Strukturen gänzlich in Frage zu stellen, wo sie durchaus ihren Sinn ergeben, pauschale Vorwürfe zu machen, wo mehr Recherche, mehr Dialog und mehr Verständnis auf allen Seiten sinnig wäre.

Gerade aus der Ferne betrachtet wirkte in diesem seit Monaten schwelenden Streit einiges albern und überzogen, vor allem nicht zielführend, sondern zersetzend. Die Schlagkraft, die gefordert wurde, nutzten gerade die lautstärksten Befürworter nach innen, gegen einzelne Institutionen. Dabei kann man ein zartes, Ertrag versprechendes Pflänzchen wie "Enough is Enough" liebevoll pflegen und gedeihen lassen, ohne die Beete daneben zu zertrampeln.

Dennoch stellt sich die Lage beim CSD problematischer dar. Eine "schlagkräftige" Szene ist die Summe ihrer einzelnen, vielstimmigen Teile, vom Lobbyverband über den gelegentlichen Demo-Ausrichter bis zum Aufklärungsprojekt an der Schule. Sie alle habe ihre Berechtigung, und sie finden auch oft gut genug zusammen – es gibt nicht nur Berlin, was vor Ort gerne übersehen wird.

Anderswo klappt die Kooperation zwischen den einzelnen Interessen, eine Zusammenführung zum gemeinsamen CSD durchaus besser. In der großen Hauptstadt ist diese Aufgabe schwieriger, aber zu meistern. Es mangelt an einigem guten Willen auf allen Seiten, speziell aber auch an dem Meister.

Links zum Thema:
» Liveblog des Abends im Nollendorfblog
» Aktuelle Erläuterungen des CSD
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Tags: berlin, csd, forum, robert kastl
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Reaktionen zu "Berliner CSD: Mit Stolz in den Untergang"


 69 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
27.02.2014
15:59:34


(-13, 19 Votes)

Von Berlin
Aus Berlin
Mitglied seit 25.07.2013


total schockiert, dass bei der debatte jegliche kritik an den PAPST merkwürdigerweise ausgeblieben ist

er und niemand sonst trägt alleine die ganze schuld, dass die sonst so friedige BERLINER szene im moment so gestritten ist, der mann hat doch gar keine anderen aufgaben!


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#2
27.02.2014
16:19:23


(+12, 14 Votes)

Von ehemaligem User timpa354


Ich finde es fehlt in Deutschland wirklich eine schlagkräftige Truppe für die Anliegen der LGBT. Wie zum Beispiel GLAAD in Amerika. Wenn zu viele mitreden kommt nichts zustande, jeder der schon mal Projekte auf die Beine gestellt hat weiß, dass es viele Redner gibt und wenig Macher.Letztendlich werden Projekte und Veranstaltungen aber nur etwas durch die Macher, wenn sie sich zurückziehen, passiert nichts. Die Quassler sind aber immer große Kritiker, wenn es ans Umsetzen geht, sind sie dann aber nicht mehr zu sehen. Selbst oft genug erlebt.


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#3
27.02.2014
16:36:13


(+8, 12 Votes)

Von Ulli_2mecs
Aus Hamburg
Mitglied seit 01.05.2008


Anzumerken wäre vielleicht noch, dass der Name 'Stonewall' für eine Homo-Parade nicht neu ist - schon seit 1980 und bis in die 1990er Jahre demonstrierten Schwule und Lesben in Hamburg unter diesem Namen ...

Link zu www.2mecs.de


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#4
27.02.2014
16:38:00


(-13, 17 Votes)

Von anome
Aus Kassel (Hessen)
Mitglied seit 01.10.2013
Antwort zu Kommentar #1 von Berlin


Jaa genau, der schwulenfreundlichste Papst aller Zeiten ist das Problem... Ja ja, bloß nicht in der Realität ankommen...


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#5
27.02.2014
16:44:11


(-9, 17 Votes)

Von Timm Johannes


Also zwar ist das Thema echt nicht der Rede wert, denn es gibt andere wichtigere Themen (Eheöffnung, Artikel 3 Grungesetz, Rehabilitierung der zwischen 1949 und 1969 Verurteilten, Verbesserung des AGG) als die Frage, wie der Umzug in Berlin denn nun heißen soll. Daher als Nichtberliner kann ich da nur wieder sagen: die Leute dort allesamt in der Szene leben in ihrer eigenen Welt und machen sich Probleme, wo überhaupt keine sind. Es gibt in der Tat andere Themen, die wichtiger sind.

----------------

Aber davon einmal abgesehen: eine Mitgliederversammlung ist der Ort, wo entschieden wird. UND wer dort nicht hinkommt oder erst hinterher gross rumschreit, der hat sich gefälligst zurückzuhalten, denn er hätte schlieslich Mitglied werden können und zur Mitgliederversammlung kommen können und das gilt in jedem Verein so.

So bin ich Mitglied des LSVD und gehe oftmals zu den Mitgliederversammlungen des LSVD im Frühling bei der Bundesversammlung. Wenn die in Köln sind, bin ich meistens da, weil der Weg nicht so weit ist; wenn die in Berlin sind, bin ich nicht immer da, weil es sehr weit für mich ist.

Aber ich akzeptiere die Beschlüsse der Mitgliederversammlung des LSVD immer, auch wenn ich nicht dabei war; denn ich hätte ja kommen können.

Daher Fazit: wer den Entscheid einer Mitgliederversammlung nicht mag, ohne entsprechend auch zu kommen, der hat auch hinterher "nicht derart herumzumäkeln". Dafür habe ich als Nichtberliner wenig Verständnis.

Ansonsten die reinste Nabelschau, die dort die Berliner veranstalten. Es gibt wahrlich wichtigere Themen.


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#6
27.02.2014
16:46:05
Via Handy


(+13, 15 Votes)

Von daVinci6667
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #1 von Berlin


Also wenn du katholisch bist, trägt der Papst ganz alleine die Schuld dafür wie offensichtlich merkwürdig du tickst!


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#7
27.02.2014
16:51:34


(-12, 14 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Bei dem Tohuwabohu hätte ich allzu gerne einmal Mäuschen gespielt...


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#8
27.02.2014
17:00:29


(-13, 19 Votes)

Von anome
Aus Kassel (Hessen)
Mitglied seit 01.10.2013


Vielleicht ist es heute, im "Coming-Out"-Jahr 2014 wirklich mal an der Zeit über die Sinnhaftigkeit solcher Paraden im Allgemeinen nachzudenken. Ich will hier niemanden angreifen oder mich streiten, ich erkenne auch an, dass der CSD früher durchaus seine Berechtigung hatte, aber ich denke, dass er uns heute einfach viel mehr schadet als nützt.

Ich habe in den letzten Wochen viel zu Thema Homophobie recherchiert und habe im Internet einige Studie dazu gefunden, die ich auch auf meinem Kanal verlinkt habe. Ich würde mir wünschen, dass sich jeder CSD-Befürworter die mal durchliest.

Aus diesen Studien wird klar deutlich, dass die öffentliche zur Schaustellung von Homosexualität eine der Hauptursachen von Schwulenfeindlichkeit ist. Vor allem Migranten aus Ländern, in denen es nicht üblich ist, seine Sexualität anderen unter die Nase zu reiben, sind besonders homophob. Ich sage nicht, dass wir unsichtbar werden sollten, aber wir sollten durchaus ein bisschen diskreter auftreten.

Wie wäre dieses Jahr statt einem CSD vllt. einfach eine gewöhnliche Demo zur Eheöffnung oder zur Ergänzung des Art. 3 GG? Ohne Verkleidung. Da wäre ich auch dabei! Und das würde viel mehr bringen.

Es ist doch unbestreitbar, dass genau die Vorurteile, die uns Schwulen das Leben schwer machen, vom CSd transportiert werden.


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#9
27.02.2014
17:20:34


(+13, 19 Votes)

Von sperling
Antwort zu Kommentar #8 von anome


wow, ein völlig neuer gedanke: homophobie ist gar nicht die schuld der homophoben, sondern der homos.

dass da noch nie jemand drauf gekommen ist...

Bild-Link:
tumblr_lnkxffWmMX1qbgyx2o1_500.gif


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#10
27.02.2014
17:30:20


(+10, 10 Votes)

Von ehemaligem User Monster_Baby


Ich bin es leid. Nein, nicht der Bericht von Norbert Blech bringt mich auf, sondern das kleingeistige, selbstverliebte, hinterhältige und teilweise größenwahnsinnige Getöse, dass einige Einzelpersonen und Gruppen der Berliner sog. 'Szene' an Schmierentheater aufführen. Damit meine ich auch nicht (ausschließlich) den Vorstand des CSD, sondern Publizisten/innen, Kommentatoren/innen und sonstige Wichtigtuer, die persönlichen und materiellen Gewinn aus dem Umbruch in der LGBT*-Gemeinde ziehen wollen. Da werden die Aktivistinnen und Aktivisten von Enough is Enough gegen altgediente, manchmal unflexibel gewordene aber Alltagsarbeit leistende Institutionen ausgespielt. David Berger, obgleich er wichtige Impulse setzt, beschwört eine schlagkräftige 'Homo-Lobby' ohne jedoch zu sagen wie und wer das realisieren soll (kann) und schwadroniert gegen die veränderungsresistenten Altpolitunten, in der Hoffnung, eine neue Lesergruppe für 'sein Magazin 'Männer'' zu erschließen; er vergisst aber, dass er, weit jenseits der 40, auch nicht mehr zu der ganz 'jungen hippen Aktivistenszene' gehört und blendet Lesben und Transmenschen aus. Anstatt die Leistungen altgedienter Institutionen zu würdigen und gleichzeitig die Aktivisten/innen von 'Enough is Enough' für ihre sehr gelungene Aktion 'Rainbow Flame', eine angemessene Würdigung für ihren Mut und Engagement zukommen zu lassen. Die 'Altgedienten' sollten sich mit den Aktivisten/innen von Enough is Enough solidarisieren (was manche auch tun!!!) anstatt zu beobachten, wie ein Keil zwischen Jung und Alt getrieben wird. Nun atomisiert sich auch der CSD, der eh schon seit Jahren in transgenialen und großen CSD gespalten ist. Sicher ist die Seele der Anfangsjahre verflogen - aber das ist bei allen Großveranstaltungen so, die mal klein angefangen haben. Er ist kommerziell und bedient Klischees von fickenden Lederkerlen und kreischenden Tunten, aber glaubt jemand ernsthaft, der homophobe Teil der Gesellschaft liese sich von einer getragenen Demonstration der Normalität in grauen Anzügen und Business-Dresses von der Gleichwertigkeit Homosexueller überzeugen. Never. Also, dann lieber bunt, exzentrisch, bekifft und besoffen und mit viel Spaß durch die Stadt - ohne Angst, irgenwelche Spießerfamilien am Straßenrand könnten verschreckt werden, die sehen doch sowieso was sie sehen wollen. Die konservativen Schrankschwestern pissen sich in's Hemd, da sie auf keinen Fall mit LGBT'-Exoten in Verbindung gebracht werden wollen, Straight-Actors grollen, wenn es ein Mann wagt tuntig zu sein. Die homophoben bzw. konservativen Kräfte, vernetzen sich mit Erfolg, bedienen geschickt TV-Quasselshowss und Massenmedien wie 'Bild' oder 'Die Welt' mit den Homo-Klischees, die verbitterte, kleingeistige Wixer hören wollen, damit sie sich 'erhaben' fühlen können und kein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn sie nun neben Migranten auch offiziell über Tunten, Mannsweiber und Transen herziehen dürfen ohne vom 'linken Mainstream' dafür gerügt zu werden. Matussek und Sarrazin sei Dank. Lange Rede, kurzer Sinn: die Berliner LGBT*-Gemeinde braucht keine Kelles, Kubys, Matusseks und Stängles um homophob unterwandert und zerlegt zu werden - das schaffen wir auch alleine, so ist es halt in der 'Gay-Metropole', die sich zu einem Provinznest zu verwandeln droht - nicht nur in der LGBT*-Szene.


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